False alibi may not aggravate sentencing

BGH 5 StR 453/12Bgh / Criminal Chamber 509.10.2012Partially Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice partially granted the accused’s revision against a Regional Court of Bremen judgment. It held that the theft sentence could not be aggravated on the ground that the accused had tried to create a false alibi by making inaccurate statements about employment at the relevant time. That conduct remained within permissible defense behavior. The sentence in count II.2 was therefore set aside and the matter remanded for a new decision, including costs. The remainder of the revision was dismissed.

Omnilex-Regeste

§ 46 StGB; a defendant’s attempt to support a false alibi by inaccurate statements about employment at the time of the offense may not be treated as an aggravating circumstance in sentencing, so long as the conduct remains within the bounds of procedurally permissible defense behavior. Even if the statements are aimed at shifting suspicion to other possible perpetrators, they do not justify increased punishment merely as such. A sentencing judgment that relies on such impermissible aggravation must be set aside to that extent; the underlying findings may remain in force if free of contradiction and capable of supplementation.

Gesamter Gesetzestext

BGH — 5 StR 453/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-10-09

Aktenzeichen: 5 StR 453/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 46 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Bremen, 27. März 2012, Az: 7 KLs 540 Js 19623/08

Spruchkörper: 5. Strafsenat

Titelzeile

Strafzumessung: Strafschärfende Berücksichtigung eines falschen Alibis

Tenor

Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Bremen vom 27. März 2012 nach § 349 Abs. 4 StPO im Strafausspruch im Fall II.2 der Urteilsgründe aufgehoben.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Die weitergehende Revision wird gemäß § 349 Abs. 2 StPO als unbegründet verworfen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen besonders schweren Raubes in Tateinheit mit erpresserischem Menschenraub (Fall 1) unter Einbeziehung einer Freiheitsstrafe zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt. Hiervon hat es sieben Monate der Gesamtfreiheitsstrafe wegen rechtsstaatswidriger Verfahrensverzögerung als vollstreckt erkannt. Darüber hinaus hat das Landgericht gegen den Angeklagten wegen Diebstahls (Fall 2) eine weitere Freiheitsstrafe von einem Jahr verhängt. Die Revision des Angeklagten erzielt lediglich den aus der Beschlussformel ersichtlichen Erfolg; im Übrigen ist sein Rechtsmittel unbegründet (§ 349 Abs. 2 StPO).

2 Die im Fall 2 wegen Diebstahls verhängte Freiheitsstrafe von einem Jahr hat keinen Bestand. Die Strafkammer hat im Rahmen der Strafzumessung und bei der Prüfung der Aussetzung der Freiheitsstrafe zur Bewährung rechtsfehlerhaft strafschärfend gewertet, dass der Angeklagte durch unzutreffende Angaben versucht habe, das Gericht über eine berufliche Beschäftigung zur Tatzeit „zu täuschen, um sich ein falsches Alibi zu verschaffen“ (UA S. 20). Damit hat der Angeklagte aber die Grenzen prozessual zulässigen Verteidigungsverhaltens (vgl. Fischer, StGB, 59. Aufl., § 46 Rn. 53 f. mwN) selbst dann nicht überschritten, wenn er dadurch den Tatverdacht zwangsläufig auf sonstige in Betracht kommende Personen als Alternativtäter lenken wollte. Auch die Formulierung, dass der Angeklagte die Tat nach einer erfolgreich abgeschlossenen Drogenentwöhnungsbehandlung „scheinbar grundlos begangen“ habe, begründet die Besorgnis, dass dem Angeklagten die Tatbegehung als solche straferhöhend angelastet wird.

3 Angesichts des vorliegenden Wertungsfehlers bleiben die zugehörigen Feststellungen aufrechterhalten. Sie können allenfalls durch widerspruchsfreie Feststellungen ergänzt werden.

Basdorf Schaal Dölp

König Bellay

Schlagwörter

sentencingfalse alibidefense conductaggravating factorsrevisionremand

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the sentence for theft could be aggravated because the accused tried to create a false alibi by giving inaccurate information about employment at the time of the offense.

Extrahierter Entscheid

No. Such conduct remained within the bounds of procedurally permissible defense behavior and could not be used as an aggravating sentencing factor.

Extrahierte Begründung

The lower court erred by treating the attempt to mislead the court about employment as an aggravating circumstance. Even if the accused thereby shifted suspicion to other possible perpetrators, this did not exceed permissible defensive conduct under sentencing principles.

Kernrechtsfrage

Whether the remaining conviction and sentence, apart from the theft sentence, were affected by the appeal.

Extrahierter Entscheid

No. The remainder of the appeal was unfounded.

Extrahierte Begründung

Only the sentencing assessment in the theft count contained a legal error; the other parts of the judgment remained intact.

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