Cost liability despite major gap between indictment and conviction

BGH 5 StR 441/12Bgh / Criminal Chamber 509.10.2012Partially Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice rejected the defendant's revision against a Berlin conviction for unlawful carrying of a knuckle-duster and also rejected his immediate complaint seeking compensation for pre-trial detention. It held that detention compensation was excluded because the detention period credited against the fine did not exceed the number of daily rates. However, the court found that the Berlin Regional Court had not examined whether the marked discrepancy between the indictment (attempted aggravated robbery plus weapons offence) and the eventual conviction required a cost adjustment under Section 465(2) StPO. That part of the judgment was therefore set aside and remitted.

Omnilex-Regeste

§ 465 Abs. 2 StPO; cost allocation despite substantial divergence between indictment and conviction: Where the indictment alleges a significantly graver offence than the one ultimately convicted, the trial court must consider an equitable cost allocation under Section 465(2) StPO. A failure to show that such discretion was exercised requires annulment of the costs and expenses decision and remittal for a new decision (consid. 4). Compensation for pre-trial detention under the StrEG is excluded where the credited detention does not exceed the number of day-fines imposed (consid. 3).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 5 StR 441/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-10-09

Aktenzeichen: 5 StR 441/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 465 Abs 2 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Berlin, 6. Juni 2012, Az: (517) 251 Js 21/12 KLs (2/12)

Spruchkörper: 5. Strafsenat

Titelzeile

Kostenpflicht des Verurteilten: Billigkeit der Kostenentscheidung bei erheblicher Diskrepanz zwischen Anklage und Urteil

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Berlin vom 6. Juni 2012 wird nach § 349 Abs. 2 StPO als unbegründet verworfen. Der Beschwerdeführer hat die Kosten dieses Rechtsmittels zu tragen.

Die sofortige Beschwerde des Angeklagten gegen die Versagung von Entschädigung für Strafverfolgungsmaßnahmen wird auf seine Kosten zurückgewiesen.

Auf die sofortige Beschwerde des Angeklagten wird die Kosten- und Auslagenentscheidung des genannten Urteils, soweit sie ihn betrifft, aufgehoben. Die Sache wird insoweit und zur Entscheidung über die Kosten des Beschwerdeverfahrens an die Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen unerlaubten Führens eines Schlagrings zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 20 € verurteilt, ihm Entschädigung wegen Strafverfolgungsmaßnahmen versagt und die Kosten des Verfahrens auferlegt.

2 Die gegen die Verurteilung gerichtete Revision des Angeklagten ist unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO.

3 Die sofortige Beschwerde des Angeklagten gegen die Entscheidung des Landgerichts, ihn wegen erlittener Untersuchungshaft nicht zu entschädigen (§ 2 Abs. 1 StrEG), ist unbegründet. Die Dauer der Untersuchungshaft, die nach § 51 Abs. 1 Satz 1, Abs. 4 Satz 1 StGB auf die verhängte Geldstrafe anzurechnen ist, überstieg deren Tagessatzanzahl nicht. Eine Billigkeitsentscheidung gemäß § 4 Abs. 1 Nr. 2 StrEG schied deshalb aus.

4 Die sofortige Beschwerde des Angeklagten gegen die Kosten- und Auslagenentscheidung (§ 464 Abs. 3 StPO) hat hingegen vorläufig Erfolg und führt insoweit zur Zurückverweisung der Sache an die Strafkammer des Landgerichts (BGH, Beschluss vom 12. Februar 1998 – 1 StR 777/97, StV 1998, 610 mwN). Das Landgericht hätte sich aufgrund der erheblichen Diskrepanz zwischen dem mit der Anklage erhobenen Vorwurf (versuchte besonders schwere räuberische Erpressung in Tateinheit mit unerlaubtem Führen eines Schlagrings) und dem abgeurteilten Waffendelikt zu einer Prüfung des § 465 Abs. 2 StPO veranlasst sehen müssen. Entsprechende Feststellungen hierzu hat das Landgericht weder getroffen noch erkennen lassen, dass es sich einer Entscheidungsmöglichkeit nach dieser Vorschrift bewusst war.

Basdorf Schaal Dölp

König Bellay

Schlagwörter

cost allocationindictment disparitydetention compensationrevisionremandequitable costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the defendant's revision against the conviction was well founded.

Extrahierter Entscheid

The revision was unfounded and was dismissed.

Extrahierte Begründung

The Federal Court of Justice found no reversible error under Section 349(2) StPO.

Kernrechtsfrage

Whether denial of compensation for pre-trial detention was unlawful.

Extrahierter Entscheid

The complaint was rejected; no compensation was due for the detention measure.

Extrahierte Begründung

The period of detention to be credited under Section 51 StGB did not exceed the number of daily rates, so an equitable compensation order under Section 4(1)(2) StrEG was excluded.

Kernrechtsfrage

Whether the cost-and-expense decision had to be reviewed under Section 465(2) StPO because the indictment and conviction diverged significantly.

Extrahierter Entscheid

Yes; that part of the judgment had to be set aside and remitted for a new decision.

Extrahierte Begründung

Because the indictment alleged attempted aggravated robbery in concurrence with unlawful carrying of a knuckle-duster, while the conviction concerned only a weapons offence, the trial court had to consider an equitable allocation of costs under Section 465(2) StPO and had not shown that it did so.

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