Tax evasion: prison sentence above two years despite amount below one million

BGH 1 StR 423/12Bgh / I. Strafkammer26.09.2012Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court rejected the defendant’s criminal appeal against a Münster Regional Court judgment for tax evasion. The defendant had arranged for a container shipment of cigarettes to be disguised as harmless goods, causing evasion of import duties of more than EUR 385,000. He argued that the individual prison sentence of two years and three months was unlawful because the amount did not exceed one million euros. The Federal Court held that sentencing is governed by § 46 StGB and depends on the overall circumstances; there is no rule that custodial sentences above two years are excluded below that threshold. The appeal was dismissed and the defendant was ordered to pay the costs.

Omnilex-Regeste

§ 46 StGB; sentencing for tax evasion is not subject to a rigid monetary threshold for imprisonment above two years. The quantum of the evaded tax is an important sentencing factor, but it does not by itself determine the admissibility or necessity of a sentence of more than two years. Rather, the court must assess all culpability-relevant circumstances of the individual case; even with an evaded amount below one million euros, a custodial sentence exceeding two years may be justified (consid. 1).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 1 StR 423/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-09-26

Aktenzeichen: 1 StR 423/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 370 Abs 1 Nr 1 AO, § 46 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Münster, 20. Dezember 2011, Az: 12 KLs 45 Js 533/05 (1/08)

Spruchkörper: 1. Strafsenat

Titelzeile

Strafzumessung: Freiheitsstrafe von über zwei Jahren bei Steuerhinterziehung mit einem nicht die Millionengrenze überschreitenden Hinterziehungsbetrag

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Münster vom 20. Dezember 2011 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat:

Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Steuerhinterziehung unter Einbeziehung der Einzelstrafen aus einer weiteren Verurteilung wegen Steuerhinterziehung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Nach den Urteilsfeststellungen hatte der Angeklagte veranlasst, dass für einen aus China stammenden und zunächst im Hamburger Freihafen angelieferten Container mit Waren beim Hauptzollamt Hamburg-Hafen nur die aus Personenwaagen bestehende Tarnware angemeldet wurde, nicht aber 346 Kartons mit je 36 Stangen zu je 200 unverzollten und unversteuerten Zigaretten. Hierdurch wurden Einfuhrabgaben (Zoll, Tabaksteuer und Einfuhrumsatzsteuer) in Höhe von mehr als 385.000 Euro hinterzogen.

Der Beschwerdeführer vertritt unter Hinweis auf das Urteil des Senats vom 2. Dezember 2008 - 1 StR 416/08, BGHSt 53, 71, die Ansicht, dass die wegen der Hinterziehung der Einfuhrabgaben verhängte Einzelfreiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten schon deshalb rechtlich fehlerhaft sei, weil der Hinterziehungsbetrag die Millionengrenze nicht überschritten habe. Dies trifft indes nicht zu. Die Zumessung der schuldangemessenen Strafe richtet sich nach den Grundsätzen des § 46 StGB. Je nach den Umständen des Einzelfalls kommt daher auch bei geringeren Hinterziehungsbeträgen eine Freiheitsstrafe von über zwei Jahren in Betracht.

Die Strafzumessung ist insgesamt rechtsfehlerfrei.

NackWahlJäger
RiBGH Prof. Dr. Sander
ist urlaubsabwesend und
deshalb an der Unterschrift
gehindert.
NackCirener

Schlagwörter

tax evasionsentencingcustodial sentenceimport dutiesculpabilityappeal dismissal

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the single sentence of two years and three months for tax evasion was legally flawed because the evaded amount did not exceed one million euros.

Extrahierter Entscheid

No. Under § 46 StGB, the sentence must be based on all circumstances of the individual case; even below the million-euro threshold, a custodial sentence of more than two years may be appropriate.

Extrahierte Begründung

The cited prior case did not establish a rigid threshold rule. Sentencing for tax evasion remains governed by general culpability-based criteria, so the amount alone does not preclude a sentence above two years.

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