Indirect perpetration in aggravated robbery

BGH 3 StR 231/12Bgh / III. Strafkammer31.07.2012Dismissed

Zusammenfassung

The Federal Court dismissed the defendant's revision against the Hildesheim Regional Court. It held that the defendant was not a co-perpetrator of the violent element of the robbery, but had induced the co-defendants to use force as tools while he secretly planned and executed the taking himself. The co-defendants lacked intent regarding the planned taking, so the violence was attributable to the defendant as indirect perpetration. The mislabeling of the offense as jointly committed robbery did not prejudice the defendant. The four-year prison sentence and the cost order were left intact.

Regest

§ 25 Abs. 1 Alt. 2 StGB, § 25 Abs. 2 StGB; aggravated robbery and attribution of the violent element in case of concealed plan to take property: if the defendant induces others to apply force against the victim as a means of enabling a later taking, while those persons are unaware of the planned appropriation and therefore lack intent as to the final linkage between violence and taking, the use of force is attributable to the defendant as indirect perpetration. The taking itself is committed by the defendant as sole perpetrator. A mistaken characterization of the offense as co-perpetrated robbery is harmless where the findings support robbery liability without prejudice to the defendant (consid. 4-6).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 3 StR 231/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-07-31

Aktenzeichen: 3 StR 231/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 25 Abs 1 Alt 2 StGB, § 25 Abs 2 StGB, § 249 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Hildesheim, 8. November 2011, Az: 26 KLs 14 Js 19460/11

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Schwerer Raubes in mittelbarer Täterschaft

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Hildesheim vom 8. November 2011 wird verworfen.

Der Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels und die dem Nebenkläger im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen schweren Raubes zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Die auf eine Verfahrensrüge sowie auf sachlichrechtliche Beanstandungen gestützte Revision bleibt ohne Erfolg, da die Überprüfung des Urteils keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat. Der Erörterung bedarf nur das Folgende:

2 Nach den Feststellungen veranlasste der Angeklagte die beiden Mitangeklagten, den Nebenkläger in dessen Wohnung zu überfallen, zu verletzen, gefesselt im Badezimmer abzulegen und sodann nach Betäubungsmitteln zu suchen und diese zum Schaden des Nebenklägers zu vernichten. Das Opfer sollte dadurch eingeschüchtert und zum Räumen der Wohnung veranlasst werden. Nachdem der Nebenkläger misshandelt und überwältigt worden war, betrat der Angeklagte absprachegemäß die Wohnung. Er nahm unter Ausnutzung des Umstands, dass der Nebenkläger gefesselt und zu Widerstand nicht mehr in der Lage war, dessen in der Wohnung befindliches Geld, Uhren und andere Gegenstände an sich, um sie dauerhaft für sich zu behalten. Dies hatte er von Anfang an geplant, den Mitangeklagten gegenüber indes verheimlicht; diesen blieb sein Tun auch bis zum gemeinsamen Verlassen der Wohnung verborgen.

3 Das Landgericht hat die Mitangeklagten zutreffend nur wegen gemeinschaftlich begangener gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Freiheitsberaubung verurteilt. Seine Würdigung, der Angeklagte sei des "gemeinschaftlichen" schweren Raubes schuldig, sei also Mittäter (§ 25 Abs. 2 StGB) eines Raubes, hält rechtlicher Nachprüfung hingegen nicht stand.

4 Raub ist die Anwendung von Raubmitteln zum Zweck der Wegnahme fremder Sachen in Zueignungsabsicht (vgl. LK/Vogel, 12. Aufl., § 249 Rn. 32 ff.). Die Wegnahme beging der Angeklagte als Alleintäter (§ 25 Abs. 1 Alt. 1 StGB). Den ihr vorangehenden Einsatz von Raubmitteln in Form der Gewalt gegen den Nebenkläger bewirkte der Angeklagte dagegen in mittelbarer Täterschaft durch die beiden Mitangeklagten als seine Werkzeuge (§ 25 Abs. 1 Alt. 2 StGB). Hierzu im Einzelnen:

5 Die Mitangeklagten wollten zwar den Nebenkläger körperlich misshandeln sowie seiner Freiheit berauben und handelten insoweit vorsätzlich. Sie wussten indes nichts von der vom Angeklagten beabsichtigten Wegnahme von Gegenständen, die durch die von ihnen zuvor ausgeübte Gewalt ermöglicht werden sollte. Hinsichtlich der finalen Verknüpfung der Gewalt mit der Wegnahme handelten sie ohne Vorsatz. Diese Fehlvorstellung hatte der Angeklagte bei ihnen hervorgerufen und ihnen damit rechtlich relevante und für die Beurteilung der Tat ausschlaggebende Sachverhaltsumstände verheimlicht. Dies rechtfertigt es, die Tatbestandserfüllung hinsichtlich des Einsatzes von Raubmitteln dem Angeklagten als sein eigenes Werk zuzurechnen (vgl. BGH, Urteil vom 26. Januar 1982 - 4 StR 631/81, BGHSt 30, 363, 364 f.; LK/Schünemann, 12. Aufl., § 25 Rn. 97, 101; S-S/Heine, StGB, 28. Aufl., § 25 Rn. 24).

6 Durch die fehlerhafte rechtliche Einordnung als "gemeinschaftlich" begangener Raub ist der Angeklagte nicht beschwert.

Becker Pfister Schäfer

Mayer Gericke

Schlagwörter

robberyindirect perpetrationco-perpetrationintentattributionrevisioncosts