No reinstatement after consciously limited revision appeal

BGH 4 StR 238/12Bgh / Criminal Chamber 431.07.2012Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice rejected the defendant's request for reinstatement into the time limit for filing a revision against the Augsburg Regional Court judgment. He had knowingly lodged only a limited revision directed against the non-ordering of § 64 StGB treatment, and counsel's mistaken view of admissibility did not constitute an excusable impediment. Because no admissible revision had been filed in time, the revision itself was also dismissed. The defendant was ordered to bear the costs of his remedy.

Omnilex-Regeste

§ 44 Satz 1 StPO; conscious waiver of part of a time-limited remedy and mistaken assessment by defence counsel do not constitute being prevented from observing the deadline. A defendant who deliberately confines a revision to a legally impermissible ground is not entitled to reinstatement merely because counsel was unaware of settled admissibility case law. An extension of a limited revision is effective only until expiry of the revision-filing period; thereafter the remedy is inadmissible and must be rejected under § 349 Abs. 1 StPO.

Gesamter Gesetzestext

BGH — 4 StR 238/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-07-31

Aktenzeichen: 4 StR 238/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 44 S 1 StPO, § 341 Abs 1 StPO, § 349 Abs 1 StPO, § 64 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Augsburg, 7. März 2012, Az: 8 Ks 401 Js 145896/10

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand im Strafverfahren: Irrtum des Verteidigers über Zulässigkeit eines beschränkt eingelegten Rechtsmittels

Tenor

  1. Der Antrag des Angeklagten auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wegen Versäumung der Frist zur Einlegung der Revision gegen das Urteil des Landgerichts Augsburg vom 7. März 2012 wird verworfen.

  2. Die Revision des Angeklagten gegen das vorbezeichnete Urteil wird verworfen.

  3. Der Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen zweier rechtlich zusammentreffender Fälle des vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, jeweils in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, in Tateinheit mit Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit vorsätzlichem Fahren ohne Fahrerlaubnis zu der Freiheitsstrafe von vier Jahren und zehn Monaten verurteilt, eine Maßregel nach § 69a StGB angeordnet und eine Adhäsionsentscheidung getroffen.

2 Gegen das in seiner Anwesenheit verkündete Urteil hat der Angeklagte durch seine Verteidigerin am 14. März 2012 Revision eingelegt, die er auf die Nichtanordnung seiner Unterbringung in einer Entziehungsanstalt gemäß § 64 StGB beschränkt hat. Am 16. März 2012 hat er – wiederum über seine Verteidigerin – Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wegen Versäumung der Revisionseinlegungsfrist beantragt und zugleich erneut Revision, nunmehr beschränkt auf den Rechtsfolgenausspruch insgesamt, eingelegt. Zur Begründung seines Wiedereinsetzungsantrags hat er im Wesentlichen darauf abgestellt, seiner Verteidigerin sei die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur Unzulässigkeit einer auf die Nichtanordnung einer Maßregel nach § 64 StGB beschränkten Revision nicht bekannt gewesen, was ihm nicht zugerechnet werden könne.

3 1. Der Antrag auf Wiedereinsetzung ist jedenfalls unbegründet.

4 a) Allerdings hat der Angeklagte innerhalb der Frist des § 341 Abs. 1 StPO keine zulässige Revision eingelegt. Die Beschränkung des Rechtsmittels auf die Nichtanordnung der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt ist wirksam, führt aber zu dessen Unzulässigkeit (Senatsbeschlüsse vom 13. Juni 1991 – 4 StR 105/91, BGHSt 38, 4, 5, 7; vom 2. Dezember 2010 – 4 StR 459/10, NStZ-RR 2011, 255), und die Erweiterung einer beschränkt eingelegten Revision ist nur bis zum Ablauf der Revisionseinlegungsfrist wirksam möglich (BGH, Beschluss vom 27. Oktober 1992 – 5 StR 517/92, BGHSt 38, 366).

5 b) Der Angeklagte hatte sich jedoch zunächst – das zeigt auch die Begründung des Wiedereinsetzungsantrags, mit der er zum Ausdruck bringt, sich letztlich nach wie vor allein gegen die Nichtanordnung der Maßregel nach § 64 StGB zu wenden – bewusst dafür entschieden, den Urteilsspruch im Übrigen von seinem Revisionsangriff auszunehmen; wer aber von einem befristeten Rechtsbehelf bewusst keinen Gebrauch macht, ist nicht im Sinne des § 44 Satz 1 StPO "verhindert, eine Frist einzuhalten" (BGH, Beschluss vom 19. Juni 2012 – 3 StR 194/12 m.w.N.). Dies gilt auch dann, wenn die Verteidigerin wegen Unkenntnis von der bisherigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs die Zulässigkeit und damit die Erfolgsaussichten des Rechtsmittels falsch eingeschätzt hat; in einer solchen Unkenntnis liegt keine Verhinderung im Sinne des § 44 Satz 1 StPO (BGH, Beschlüsse vom 1. April 2010 – 4 StR 637/09, NStZ-RR 2010, 244; vom 20. September 2005 – 5 StR 354/05, wistra 2006, 28; vom 31. August 2005 – 2 StR 308/05, wistra 2005, 468; vom 10. August 2000 – 4 StR 304/00, NStZ 2001, 160).

6 2. Da mithin die Revision nicht zulässig eingelegt wurde, war sie gemäß § 349 Abs. 1 StPO zu verwerfen.

Mutzbauer Roggenbuck Franke

Schmitt Bender

Schlagwörter

reinstatementrevisiondeadlineadmissibilitydefence counsellimited appealcriminal procedureaddiction treatment measure

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether reinstatement into the time limit for filing the revision should be granted after counsel mistakenly believed a limited revision was admissible.

Extrahierter Entscheid

Reinstatement was denied because the defendant had consciously chosen to file only a limited appeal; counsel's mistaken view of admissibility did not amount to being prevented from meeting the deadline under § 44 StPO.

Extrahierte Begründung

A party who deliberately forgoes part of a time-limited remedy is not prevented from observing the deadline. A lawyer's ignorance or misassessment of settled case law on admissibility does not constitute an excusable impediment.

Kernrechtsfrage

Whether the revision should be entertained despite being limited to the non-ordering of placement in an addiction treatment facility under § 64 StGB.

Extrahierter Entscheid

The revision was inadmissibly limited and therefore had to be rejected under § 349(1) StPO.

Extrahierte Begründung

The defendant did not file a permissible revision within the statutory deadline, and an extension of a limited revision is only effective until expiry of the filing period.

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