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BGH 5 StR 327/12 ΓÇó Flare gun is not necessarily a weapon under robbery aggravation
BGH 5 StR 327/12Bgh / Criminal Chamber 518.07.2012Modified
The Federal Court of Justice partially upheld the defendant’s revision against a Potsdam conviction for aggravated robbery-related extortion. It held that the lower court’s findings did not justify qualifying the loaded, functional blank-firing pistol as a weapon under Section 250 StGB, because the judgment did not establish the decisive technical feature of forward ejection of explosive pressure through the barrel. The conviction was therefore set aside in part, while the remaining findings stayed in force. The case was remitted to another criminal chamber for retrial and a new decision on costs.
§ 250 Abs. 1 Nr. 1 lit. a, Abs. 2 Nr. 1 StGB; blank-firing pistol as weapon: a conviction for aggravated robbery-type extortion cannot rest on the mere use of a loaded and functional blank-firing pistol. Weapon character requires findings that, according to its construction, the explosive pressure is discharged forward through the barrel when fired. Absent such technical findings, the qualification cannot be affirmed (consid. 2). If the defect concerns only the qualification, the remaining factual findings may stand, and remittal is required where further findings on the weapon’s design are not excluded (consid. 3).
Entscheidungsdatum: 2012-07-18
Aktenzeichen: 5 StR 327/12
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: § 250 Abs 1 Nr 1 Buchst a StGB, § 250 Abs 2 Nr 1 StGB
Vorinstanz: vorgehend LG Potsdam, 19. April 2012, Az: 23 KLs 31/11
Spruchkörper: 5. Strafsenat
Schwerer Raub: Schreckschusspistole als Waffe
Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Potsdam vom 19. April 2012 gemäß § 349 Abs. 4 StPO im Schuldspruch aufgehoben; jedoch bleiben die Feststellungen mit Ausnahme derjenigen zur Schreckschusspistole bestehen.
Die weitergehende Revision wird gemäß § 349 Abs. 2 StPO als unbegründet verworfen.
Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.
1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen "schwerer räuberischer Erpressung" unter Einbeziehung weiterer Strafen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt, im Rahmen der rechtlichen Würdigung jedoch den Qualifikationstatbestand nach § 250 Abs. 2 Nr. 1 StGB angenommen. Die auf die Verletzung materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten hat den aus der Beschlussformel ersichtlichen Teilerfolg; im Übrigen ist sie unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.
2 Die vom Landgericht getroffenen Feststellungen zu der vom Angeklagten als Drohmittel verwendeten geladenen und funktionsfähigen Schreckschusspistole (UA S. 9) tragen nicht die Annahme des Qualifikationstatbestandes des § 250 Abs. 2 Nr. 1 StGB. Denn sie belegen nicht, dass nach der Bauart der Schreckschusspistole beim Abfeuern der Munition der Explosionsdruck nach vorne durch den Lauf austritt und es sich deshalb um eine Waffe im Sinne des § 250 Abs. 1 Nr. 1 lit. a, Abs. 2 Nr. 1 StGB handelt (vgl. BGH, Beschlüsse vom 4. Februar 2003 – GSSt 2/02, BGHSt 48, 197, 201; vom 6. Juni 2012 – 5 StR 233/12).
3 Dem Senat ist eine Durchentscheidung verwehrt, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass weitere Feststellungen zu der Bauart der Schreckschusspistole (vgl. MünchKommStGB/Heinrich, 2007, § 1 WaffG Rn. 83) getroffen werden können. Die übrigen Feststellungen sind rechtsfehlerfrei getroffen und können bestehen bleiben.
Raum Schneider Dölp
König Bellay