projekte
BGH II ZR 253/10 ΓÇó Non-admission complaint dismissed; challenge to discharge resolution unfounded
BGH II ZR 253/10Bgh / II. Zivilkammer07.02.2012Dismissed
The Federal Court of Justice rejected the plaintiffs’ complaint against non-admission of revision. It held that none of the requirements of Section 543(2) ZPO were met. On the merits, the court agreed that the action challenging the discharge resolution failed: the absence of shareholder approval for the acquisition did not constitute a clear legal breach by the management or supervisory board, because the alleged shareholder competence was disputed and not settled. The court also observed that a shareholder may pursue a declaratory action under Section 256 ZPO instead of relying on an indirect review via a discharge challenge. Costs of the complaint proceedings were imposed on the plaintiffs.
§ 543 Abs. 2 ZPO; challenge to refusal of leave to appeal and substantive review of discharge resolution; revision is admissible only where the case has fundamental importance or requires development of the law or uniformity of case law. A discharge resolution is generally within the shareholders’ discretion; it is challengeable for content defects only if the board or supervisory board committed a clear and serious violation of law or the articles. Where the existence and scope of an unwritten shareholder competence are unsettled, omission of shareholder approval does not amount to an unmistakable statutory breach (consid. on discharge). A shareholder alleging missing approval may, if necessary, seek declaratory relief under § 256 ZPO; indirect review through an action against discharge is not mandatory.
Entscheidungsdatum: 2012-02-07
Aktenzeichen: II ZR 253/10
Dokumenttyp: Beschluss
Vorinstanz: vorgehend OLG Frankfurt, 7. Dezember 2010, Az: 5 U 29/10vorgehend LG Frankfurt, 15. Dezember 2009, Az: 3-5 O 208/09
Spruchkörper: 2. Zivilsenat
Die Beschwerde der Kläger gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 5. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom 7. Dezember 2010 wird zurückgewiesen, weil keiner der im Gesetz (§ 543 Abs. 2 ZPO) vorgesehenen Gründe vorliegt, nach denen der Senat die Revision zulassen darf. Der Rechtsstreit der Parteien hat weder grundsätzliche Bedeutung, noch erfordert er eine Entscheidung des Revisionsgerichts zur Fortbildung des Rechts oder zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung. Der Senat hat die Verfahrensrügen geprüft und für nicht durchgreifend erachtet.
Die Anfechtungsklage gegen den Entlastungsbeschluss ist unbegründet, weil in der unterlassenen Beteiligung der Hauptversammlung jedenfalls kein eindeutiger Gesetzesverstoß durch Vorstand und Aufsichtsrat liegt, wie das Berufungsgericht zur weiteren Begründung seiner Entscheidung mit Recht angenommen hat. Die Entlastung steht grundsätzlich im Ermessen der Hauptversammlung. Erst bei einem eindeutigen und schwerwiegenden Gesetzes- oder Satzungsverstoß von Vorstand und Aufsichtsrat sind die Grenzen des Ermessens überschritten und ist ein Entlastungsbeschluss wegen eines Inhaltsmangels anfechtbar (BGH, Urteil vom 25. November 2002 - II ZR 133/01, BGHZ 153, 47, 51; Urteil vom 18. Oktober 2004 - II ZR 250/02, BGHZ 160, 385, 388; Urteil vom 21. September 2009 - II ZR 174/08, BGHZ 182, 272 Rn. 18 - Umschreibungsstopp; Beschluss vom 9. November 2009 - II ZR 154/08, ZIP 2009, 2436). Da umstritten und nicht geklärt ist, ob und unter welchen Voraussetzungen der Beteiligungserwerb zu einer ungeschriebenen, auf einer richterlichen Rechtsfortbildung beruhenden Hauptversammlungszuständigkeit führt, haben sich Vorstand und Aufsichtsrat nicht über eine zweifelsfreie Gesetzeslage hinweggesetzt, als sie für den Erwerb der D Bank keine Zustimmung der Hauptversammlung der Beklagten eingeholt haben.
Will ein Aktionär geltend machen, der Vorstand habe zu einer Maßnahme die notwendige Zustimmung der Hauptversammlung nicht eingeholt, ist er auch nicht auf eine mittelbare Prüfung durch eine Anfechtungsklage gegen den Entlastungsbeschluss der Aktionärsmehrheit angewiesen, sondern kann gegebenenfalls eine auf eine entsprechende Feststellung gerichtete Klage (§ 256 ZPO) erheben (vgl. BGH, Urteil vom 25. Februar 1982 - II ZR 174/80, BGHZ 83, 122, 136 ff. - Holzmüller).Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2, 2. Halbsatz ZPO abgesehen.
Die Kläger tragen die Kosten des Beschwerdeverfahrens (§ 97 ZPO).
Streitwert: 100.000 €
Bergmann Strohn Reichart
Drescher Born