Incorporation of video CDs in criminal judgments

BGH 5 StR 355/11Bgh / Criminal Chamber 514.09.2011Dismissed

Zusammenfassung

The BGH rejected the defendant's revision against a Berlin conviction. It held that the trial court's references to video material stored on CDs were not sufficiently precise to constitute a valid incorporation by reference under § 267(1) sentence 3 StPO. Nevertheless, the judgment remained sustainable because the reasons independently supported the identification of the defendant as the perpetrator. The court also found no revision-relevant omission regarding the first victim's out-of-court recognition of the defendant. The defendant was ordered to bear the costs of the appeal and the necessary expenses of the joined and ancillary prosecutor J.

Regest

§ 267 Abs. 1 Satz 3 StPO; validity of incorporation by reference to video recordings on CDs in a criminal judgment. A reference to visual material must be sufficiently specific and identifiable; a blanket reference to entire data carriers does not satisfy the requirement of clarity if it leaves uncertain which recording segments are decisive. The appellate court is not permitted to replace the trial court's findings by independently searching the recordings and evaluating evidence, as this would exceed revision review under § 337 Abs. 1 StPO. If the judgment's reasons, taken on their own, still provide a comprehensible and sustainable identification of the accused, any defect in the reference does not warrant reversal (consid. 1). Out-of-court recognition evidence only requires discussion of concrete, outcome-relevant error sources; absent such indicators, no further reasoning is necessary (consid. 2).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 5 StR 355/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-09-14

Aktenzeichen: 5 StR 355/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 267 Abs 1 S 3 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Berlin, 28. Januar 2011, Az: (515) 284/70 Js 884/10 KLs (25/10), Urteil

Spruchkörper: 5. Strafsenat

Titelzeile

Strafurteil: Zulässigkeit der Verweisung auf Videofilme auf CDs

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Berlin vom 28. Januar 2011 wird nach § 349 Abs. 2 StPO als unbegründet verworfen.

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die dadurch der Adhäsions- und Nebenklägerin J. entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat:

  1. Selbst wenn davon auszugehen wäre, dass es sich bei den gemäß § 267 Abs. 1 Satz 3 StPO in Bezug genommenen, auf CD gespeicherten Videofilmen (zwei CD „Überwachung“ und eine CD „sequenzielle Videowahlgegen-überstellung“) um Abbildungen im Sinne dieser Vorschrift handeln würde (vgl. OLG Dresden, NZV 2009, 520 mwN; aA Meyer-Goßner, StPO, 54. Aufl., § 267 Rn. 9 f.; OLG Brandenburg, DAR 2005, 635, 636), läge hier eine wirksame Inbezugnahme nicht vor.

Hinsichtlich der Videowahlgegenüberstellung wird schon die Fundstelle in der Akte nicht angegeben. Bezüglich des Überwachungsvideos ist der Umfang der – hier auf den gesamten Inhalt der beiden Datenträger bezogenen – Verweisung nicht so ausreichend bestimmt, um daraus den auf dem Überwachungsvideo erkennbaren Täter zu identifizieren. Die gebotene Klarheit des Inhalts der Urteilsgründe wird bei einer solchen Fassung verfehlt (vgl. OLG Brandenburg aaO).

Es kann zudem nicht Aufgabe des Revisionsgerichts sein, anhand der Beschreibungen des Tatverdächtigen im Urteil die Körpermerkmale des auf dem Videofilm in Bezug genommenen Mannes nach wertender Betrachtung selbst an parater Stelle des Films aufzufinden. Hierbei handelte es sich nicht mehr um eine Nachvollziehung des Urteils, sondern um einen Akt der Beweiswürdigung, der dem Revisionsgericht gemäß § 337 Abs. 1 StPO versagt ist.

Indes enthalten bereits die Gründe des angefochtenen Urteils auch ohne die Verweisungen eine aus sich heraus verständliche, allein tragfähige Identifizierung des Angeklagten als Täter, die auf möglichen und nachvollziehbaren Schlussfolgerungen beruht (vgl. BGH, Urteil vom 4. November 1988 – 1 StR 262/88 – BGHSt 36, 1, 14).

  1. Aus einem von der ersten Geschädigten bekundeten Wiedererkennen des Angeklagten außerhalb des Verfahrens ergaben sich jedenfalls keine im Urteil unerlässlich erörterungsbedürftigen potentiellen Fehlerquellen für das Beweiswürdigungsergebnis.

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