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BGH IX ZB 166/11 ΓÇó Insolvency appeal inadmissible without BGH-admitted lawyer
BGH IX ZB 166/11Bgh / Civil Chamber 916.06.2011Dismissed
The Federal Court of Justice held that a debtor's appeal in insolvency proceedings was inadmissible because it was not filed by a lawyer admitted before the BGH. The Court rejected the argument that the singular admission requirement violates EU freedom to provide services. It further held that, in disputes over the debtor's exempt income, the insolvency court acts as a special enforcement court and the ordinary enforcement-law remedies apply; therefore, the appellate court's decision is reviewable only if leave to appeal on points of law has been granted. The appeal was therefore rejected at the debtor's cost.
§ 78 Abs. 1 S. 3 ZPO; Singularzulassung der Rechtsanwälte beim Bundesgerichtshof und unionsrechtliche Vereinbarkeit; § 36 Abs. 1 S. 2, Abs. 4 S. 1 InsO, § 793 ZPO, § 574 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 ZPO. Die Rechtsbeschwerde ist unzulässig, wenn sie nicht durch einen beim BGH zugelassenen Rechtsanwalt eingelegt wird. Die Singularzulassung beruht nicht auf territorialer Ausschließlichkeit, sondern auf der Zulassung einer besonderen, spezialisierten Anwaltschaft; Art. 56 AEUV steht dem nicht entgegen (vgl. auch Richtlinie 2006/123/EG). Über die Höhe des pfändungsfreien Einkommens entscheidet das Insolvenzgericht als besonderes Vollstreckungsgericht; der Rechtsmittelzug richtet sich insoweit nach den vollstreckungsrechtlichen Vorschriften. Gegen die Entscheidung des Beschwerdegerichts ist die Rechtsbeschwerde nur bei Zulassung statthaft.
Entscheidungsdatum: 2011-06-16
Aktenzeichen: IX ZB 166/11
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: § 36 Abs 1 S 2 InsO, § 36 Abs 4 S 1 InsO, § 78 ZPO, § 574 Abs 1 Nr 2 ZPO, § 793 ZPO, § 850c ZPO, Art 56 AEUV, Art 56ff AEUV
Vorinstanz: vorgehend LG Aurich, 18. April 2011, Az: 4 T 386/10 (217), Beschlussvorgehend AG Aurich, 9. November 2010, Az: 9 IN 377/07
Spruchkörper: 9. Zivilsenat
Insolvenzrecht: Gemeinschaftsrechtliche Zulässigkeit der Singularzulassung der Rechtsanwälte beim Bundesgerichtshof; Statthaftigkeit der nicht zugelassenen Rechtsbeschwerde im Insolvenzverfahren
Die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 4. Zivilkammer des Landgerichts Aurich vom 18. April 2011 wird auf Kosten der Schuldnerin als unzulässig verworfen.
1 1. Die Rechtsbeschwerde ist schon deshalb unzulässig, weil diese nicht durch einen beim Bundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwalt eingelegt worden ist (§ 78 Abs. 1 Satz 3 ZPO).
2 Entgegen der Auffassung der Schuldnerin verstößt die gesetzliche Regelung zur Singularzulassung der Rechtsanwälte beim Bundesgerichthof nicht gegen den freien Dienstleistungsverkehr nach Art. 56 f AEUV, weil diese Zulassungsbeschränkung nicht auf dem Grundsatz territorialer Ausschließlichkeit beruht, sondern auf der Bildung einer spezialisierten Anwaltschaft aus Rechtsanwälten mit besonderer Erfahrung oder Kompetenz (vgl. EuGH, Urteil vom 25. Februar 1988 - Rs 427/85, NJW 1988, 887 Rn. 44 [zu Art. 59 f EWG-Vertrag]; BGH, Beschluss vom 4. März 2002 - AnwZ 1/01, BGHZ 150, 70, 81 [zu Art. 49 f EG]; vom 27. April 2004 - VI ZR 242/03, n.v.; vom 11. Oktober 2010 - II ZR 93/08, juris Rn. 2). Vor diesem Hintergrund ergibt sich auch aus der Richtlinie 2006/123/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 12. Dezember 2006 über Dienstleistungen im Binnenmarkt (ABl. L 376, S. 36) keine abweichende Beurteilung.
3 2. Die Rechtsbeschwerde ist überdies unstatthaft, weil dieses Rechtsmittel vom Landgericht nicht zugelassen worden ist.
4 Über die Höhe des pfändungsfreien Einkommens des Schuldners (§ 36 Abs. 1 Satz 2 InsO, § 850c ZPO) entscheidet das Insolvenzgericht als besonderes Vollstreckungsgericht (§ 36 Abs. 4 Satz 1 InsO). In diesem Fall bestimmt sich auch der Rechtsmittelzug nach den vollstreckungsrechtlichen Vorschriften (BGH, Beschluss vom 5. Februar 2004 - IX ZB 97/03, WM 2004, 834, 835; vom 12. Januar 2006 - IX ZB 239/04, WM 2006, 539). Demnach ist gegen die Entscheidung des Insolvenzgerichts die sofortige Beschwerde eröffnet (§ 793 ZPO), während die Entscheidung des Beschwerdegerichts nur bei Zulassung der Rechtsbeschwerde anfechtbar ist (§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO).
Kayser Raebel Pape
Grupp Möhring