Denial of discharge for concealing a bank account

BGH IX ZB 142/11Bgh / Civil Chamber 919.05.2011Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The debtor sought legal aid for a planned appeal against the Berlin appellate decision denying residual debt discharge. The Federal Court of Justice refused legal aid, held that the debtor’s own appeal was inadmissible because it had not been filed by a BGH-admitted lawyer, and confirmed that discharge could be denied under § 290(1) no. 5 InsO. The debtor had falsely stated in the insolvency proceedings that he had no giro account, although he had opened one shortly before filing and kept concealing it despite repeated court questions. The concealment was materially relevant and not a merely minor or excused breach.

Omnilex-Regeste

§ 4a Abs. 1 S. 3, 4 InsO; § 290 Abs. 1 Nr. 5 InsO; denial of residual debt discharge for false statements on a bank account and scope of cost deferral: the deferral of costs is not limited to the enumerated grounds in § 290 Abs. 1 nos. 1 and 3 InsO, but must also be refused where it is already clear in the opening phase that discharge cannot be obtained for another reason. A discharge may be denied for breach of disclosure and cooperation duties if the debtor intentionally or through gross negligence gives objectively false information in the insolvency proceedings, including the opening phase, and the breach is objectively capable of impairing creditor satisfaction. Minor or promptly self-corrected breaches are excluded on proportionality grounds; belated disclosure after repeated concealment does not usually preclude denial (consid. 3-7).

Gesamter Gesetzestext

BGH — IX ZB 142/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-05-19

Aktenzeichen: IX ZB 142/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 4a Abs 1 S 3 InsO, § 4a Abs 1 S 4 InsO, § 290 Abs 1 Nr 5 InsO

Vorinstanz: vorgehend LG Berlin, 8. April 2011, Az: 85 T 441/10, Beschlussvorgehend AG Berlin-Mitte, 27. Oktober 2010, Az: 33 IK 79/10

Spruchkörper: 9. Zivilsenat

Titelzeile

Versagung der Restschuldbefreiung wegen Verschweigens eines Bankguthabens

Tenor

Der Antrag des Schuldners auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe für das Verfahren der Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der Zivilkammer 85 des Landgerichts Berlin vom 8. April 2011 wird abgelehnt.

Die Rechtsbeschwerde gegen den bezeichneten Beschluss wird auf Kosten des Schuldners als unzulässig verworfen.

Gründe

I.

1 Der Antrag auf Prozesskostenhilfe ist abzulehnen, weil die Rechtsbeschwerde des Schuldners keine Aussicht auf Erfolg hat.

2 Die Rechtsbeschwerde des Schuldners ist statthaft (§ 4d Abs. 1, §§ 6, 7 InsO). Auch hindert der Umstand, dass innerhalb der Rechtsbeschwerdefrist (§ 4 InsO, § 575 Abs. 1 Satz 1 ZPO) keine Rechtsbeschwerde durch einen beim Bundesgerichthof zugelassenen Rechtsanwalt eingelegt worden ist, die Erfolgsaussicht dieses Rechtsmittels nicht, weil der Schuldner innerhalb dieser Frist einen vollständigen Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe gestellt hat und damit die Wiedereinsetzung in die versäumte Rechtsbeschwerdefrist in Betracht kommt. Eine form- und fristgerecht eingelegte Rechtsbeschwerde hätte jedoch in der Sache keine Aussicht auf Erfolg.

3 1. Nach der Vorschrift des § 4a Abs. 1 Satz 3 und 4 InsO ist die Stundung der Verfahrenskosten ausgeschlossen, wenn einer der in § 290 Abs. 1 Nr. 1 und 3 InsO genannten Versagungsgründe für die Restschuldbefreiung vorliegt. Diese Regelung ist jedoch nicht abschließend. Sofern bereits im Insolvenzeröffnungsverfahren zweifelsfrei feststeht, dass der Schuldner aus einem anderen Grund keine Restschuldbefreiung erlangen kann, ist bereits die Stundung der Verfahrenskosten abzulehnen (BGH, Beschluss vom 16. Dezember 2004 - IX ZB 72/03, WM 2005, 472, 473; vom 27. Januar 2005 - IX ZB 270/03, WM 2005, 527; vom 27. Januar 2005 - IX ZA 20/04, juris Rn. 5; vom 15. November 2007 - IX ZB 74/07, WM 2008, 546 Rn. 18). Hiervon sind die Vorinstanzen zutreffend ausgegangen.

4 2. Die Würdigung des Beschwerdegerichts, wonach der Schuldner den Versagungsgrund des § 290 Abs. 1 Nr. 5 InsO erfüllt hat, begegnet im Ergebnis keinen Bedenken.

5 a) Nach der Vorschrift des § 290 Abs. 1 Nr. 5 InsO ist die Restschuldbefreiung zu versagen, wenn der Schuldner seine Auskunfts- und Mitwirkungspflichten während des Insolvenzverfahrens vorsätzlich oder grob fahrlässig verletzt. Hiervon wird auch die Verletzung von Auskunfts- und Mitwirkungspflichten im Eröffnungsverfahren erfasst (BGH, Beschluss vom 16. Dezember 2004, aaO, S. 473; vom 15. November 2007 - IX ZB 159/06, juris Rn. 8). Dabei kann die Restschuldbefreiung wegen der Verletzung von Auskunfts- und Mitwirkungspflichten des Schuldners nur versagt werden, wenn die Pflichtverletzung ihrer Art nach geeignet ist, die Befriedigung der Gläubiger zu gefährden, während es nicht darauf ankommt, ob die Befriedigungsaussichten tatsächlich geschmälert worden sind (BGH, Beschluss vom 8. Januar 2009 - IX ZB 73/08, WM 2009, 515 Rn. 10 ff; vom 16. Dezember 2010 - IX ZB 63/09, WM 2011, 176 Rn. 5). Ganz geringfügige Pflichtverletzungen führen nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit nicht zur Versagung der Restschuldbefreiung (BGH, Beschluss vom 20. März 2003 - IX ZB 388/02, WM 2003, 980, 982; vom 3. Juli 2008 - IX ZB 181/07, ZInsO 2008, 975 Rn. 9; vom 17. September 2009 - IX ZB 284/08, WM 2009, 1984 Rn. 9; vom 8. Januar 2009, aaO, Rn. 21). Die Versagung der Restschuldbefreiung ist regelmäßig auch dann unverhältnismäßig, wenn der Schuldner die unterlassene Auskunft von sich aus nachholt, bevor sein Fehlverhalten aufgedeckt und ein Versagungsantrag gestellt worden ist (BGH, Beschluss vom 20. März 2003, aaO; vom 17. September 2009, aaO, Rn. 9, 11; vom 16. Dezember 2010, aaO, Rn. 6).

6 b) Der Schuldner legt selbst dar, am 1. Juli 2010 ein Girokonto bei der n. bank eröffnet zu haben. Seine Angaben in dem am 2. Juli 2010 eingereichten Insolvenzantrag sowie in seinen späteren Antworten auf die Nachfragen des Insolvenzgerichts, über kein Girokonto zu verfügen, sind daher objektiv unzutreffend gewesen. Die tatrichterliche Würdigung des Beschwerdegerichts, wonach diese Falschangaben nicht auf einem Irrtum beruhen könnten, lässt keinen Rechtsfehler erkennen.

7 Das Verschweigen des Bankguthabens war der Art nach geeignet, die Befriedigung der Gläubiger zu beeinträchtigen. Die Versagung der Restschuldbefreiung wegen dieser fehlerhaften Angabe ist auch nicht unverhältnismäßig. Der Schuldner hat sein Bankguthaben nicht nur im Eröffnungsantrag, sondern auch auf mehrere gezielte Nachfragen des Insolvenzgerichts (vgl. § 20 Abs. 1, § 97 Abs. 3 Satz 1 InsO) verschwiegen. Der Umstand, dass der Schuldner die Bankverbindung bei der n. bank schließlich selbst gegenüber dem Insolvenzgericht offenbart hat, führt nicht zur Unverhältnismäßigkeit einer Versagung der Restschuldbefreiung, zumal der Schuldner auch insoweit in seinem Schreiben vom 4. August 2010 zunächst unzutreffend angegeben hat, "mittlerweile" über ein Girokonto bei der n. bank zu verfügen, obwohl dieses tatsächlich zum Zeitpunkt seines Insolvenzantrags bereits bestanden hat.

II.

8 Die vom Schuldner selbst eingelegte Rechtsbeschwerde ist schon deshalb als unzulässig zu verwerfen, weil diese nicht durch einen beim Bundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwalt eingelegt worden ist (§ 78 Abs. 1 Satz 3, § 577 Abs. 1 Satz 1 ZPO).

Kayser Gehrlein Pape

Grupp Möhring

Schlagwörter

insolvencydischarge from residual debtconcealmentbank accountduty of disclosurecooperation dutieslegal aidinadmissibilitycosts

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether legal aid for the planned bankruptcy appeal should be granted

Extrahierter Entscheid

Denied because the appeal had no prospect of success.

Extrahierte Begründung

A properly filed appeal would be futile since the lower courts correctly refused discharge due to the debtor’s conduct.

Kernrechtsfrage

Whether the bankruptcy appeal was admissible despite lack of counsel at filing

Extrahierter Entscheid

The appeal was statutorily admissible in principle, but the debtor’s personally filed appeal was inadmissible because it was not filed by a lawyer admitted before the Federal Court of Justice.

Extrahierte Begründung

The absence of timely lawyer representation did not preclude possible reinstatement, but the filed remedy itself failed the mandatory representation requirement.

Kernrechtsfrage

Whether discharge from residual debt should be denied under section 290(1) no. 5 InsO

Extrahierter Entscheid

Yes. The debtor intentionally or at least grossly negligently breached duties of disclosure and cooperation by falsely denying the bank account and later withholding it despite specific court questions.

Extrahierte Begründung

The false statements were objectively untrue, relevant to creditor satisfaction, and not disproportionate given repeated concealment and only belated partial disclosure.

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