Reimbursable appellate fee after premature motion to dismiss

BGH III ZB 83/09Bgh / III. Zivilkammer25.11.2010Modified

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice held that a respondent’s appellate counsel fee is fully reimbursable when the respondent files a motion to dismiss the appeal, even if this occurs before the appeal is briefed and the appeal is later dismissed under § 522 ZPO. The court set aside the Munich Court of Appeal’s cost decision and amended the Munich Regional Court’s cost-fixing order. The reimbursable amount was fixed at EUR 1,467.03 plus interest from 8 July 2009. The plaintiff had to bear the costs of the legal remedy proceedings.

Omnilex-Regeste

§ 91 Abs. 2 S. 1 ZPO; Nr. 3200, 3201 RVG VV; reimbursability of the respondent’s 1.6 procedural fee in appeal proceedings after a motion to dismiss filed before the appeal brief is submitted. The full procedural fee is earned by the filing of the substantive motion; a later submission of the appeal grounds does not retroactively reduce reimbursement to 1.1 under No. 3201 RVG VV. It is irrelevant whether the respondent already addressed the merits in detail. Nor does the subsequent course of the proceedings constitute a premature termination within the meaning of No. 3201 RVG VV, because the relevant assessment depends on the actual procedural sequence and the later use of appellate representation to secure dismissal (cf. consid. 7).

Gesamter Gesetzestext

BGH — III ZB 83/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-11-25

Aktenzeichen: III ZB 83/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 91 Abs 2 S 1 ZPO, § 522 Abs 2 ZPO, Nr 3200 RVG-VV, Nr 3201 S 1 Nr 1 RVG-VV

Vorinstanz: vorgehend OLG München, 29. September 2009, Az: 11 W 2245/09, Beschlussvorgehend LG München I, 14. August 2009, Az: 22 O 12655/08, Beschlussvorgehend OLG München, 30. Juni 2009, Az: 3 U 2209/09, Beschluss

Spruchkörper: 3. Zivilsenat

Titelzeile

Rechtsanwaltskosten des Rechtsmittelgegners: Höhe der zu erstattenden Verfahrensgebühr bei Antrag auf Zurückweisung des Rechtsmittels vor dessen Begründung

Tenor

Auf die Rechtsbeschwerde des Beklagten wird der Beschluss des 11. Zivilsenats des Oberlandesgerichts München vom 29. September 2009 aufgehoben.

Der Kostenfestsetzungsbeschluss des Landgerichts München I vom 14. August 2009 wird dahingehend abgeändert, dass die vom Kläger an den Beklagten nach dem Beschluss des Oberlandesgerichts München vom 30. Juni 2009 - 3 U 2209/09 - zu erstattenden Kosten auf insgesamt 1.467,03 € nebst 5 Prozentpunkten über dem Basiszins verzinslich seit dem 8. Juli 2009 festgesetzt werden.

Die Kosten der Rechtsmittelzüge hat der Kläger zu tragen.

Der Gegenstandswert für das Rechtsbeschwerdeverfahren wird auf 451,01 € festgesetzt.

Gründe

I.

1 Der Kläger legte am 10. März 2009 gegen das ihm am 10. Februar 2009 zugestellte Endurteil des Landgerichts München I vom 29. Januar 2009 Berufung ein mit dem Hinweis, dass Anträge und Begründung einem gesonderten Schriftsatz vorbehalten bleiben sollten. Der Beklagte meldete sich im Berufungsverfahren mit Schriftsatz vom 18. März 2009 und kündigte den Antrag an, die Berufung des Klägers kostenpflichtig zurückzuweisen. Die Berufung wurde am 8. April 2009 begründet. Das Oberlandesgericht wies darauf hin, dass beabsichtigt sei, die Berufung des Klägers gemäß § 522 Abs. 2 ZPO zurückzuweisen. Nach Stellungnahme des Klägers wurden die Berufung wie angekündigt durch Beschluss zurückgewiesen und dem Kläger die Kosten des Berufungsverfahrens auferlegt.

2 Der Beklagte hat im Kostenfestsetzungsverfahren hinsichtlich der Kosten für die Berufung die Festsetzung einer 1,6-fachen Verfahrensgebühr für seine Prozessbevollmächtigten in Höhe von 1.212,80 € beantragt. Die Rechtspflegerin hat im Kostenfestsetzungsbeschluss lediglich eine 1,1-fache Verfahrensgebühr in Höhe von 833,80 € berücksichtigt. Hiergegen hat sich der Beklagte mit der sofortigen Beschwerde gewandt, die vom Beschwerdegericht zurückgewiesen worden ist.

3 Mit der zugelassenen Rechtsbeschwerde verfolgt der Beklagte seinen Festsetzungsantrag weiter.

II.

4 Die gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO statthafte und im Übrigen zulässige Rechtsbeschwerde ist begründet.

5 1. Das Beschwerdegericht ist der Ansicht, die durch den gestellten Antrag auf Zurückweisung der Berufung angefallene 1,6fache-Verfahrensgebühr nach Nr. 3200 VV-RVG sei nur in Höhe einer 1,1fachen-Verfahrensgebühr nach Nr. 3201 Anmerkung Satz 1 Nr. 1 VV-RVG erstattungsfähig.

6 2. Die Auffassung des Berufungsgerichts hält der rechtlichen Nachprüfung nicht stand.

7 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, der sich der Senat anschließt, kommt es für die Erstattungsfähigkeit der 1,6fachen-Verfahrensgebühr nach Nr. 3200 VV-RVG nicht darauf an, ob der obsiegende Berufungsgegner noch eine Rechtsmittelerwiderung abgegeben hat, wenn - wie hier - nach Stellung des Zurückweisungsantrags das Rechtsmittel durch den Berufungsführer begründet wird und anschließend das Berufungsgericht nach § 522 ZPO die Berufung zurückweist (vgl. BGH, Beschluss vom 24. Juni 2010 - VII ZB 6/09, NJW 2010, 3170 Rn. 8 f; vgl. auch Beschlüsse vom 13. Juli 2010 - VI ZB 61/09, VersR 2010, 1470 Rn. 5 ff und vom 1. April 2009 - XII ZB 12/07, NJW 2009, 2220 Rn. 11; siehe ferner BGH, Beschlüsse vom 2. Juli 2009 - V ZB 54/09, NJW 2009, 3102 Rn. 10 f und vom 2. Oktober 2008 - I ZB 111/07, NJW-RR 2009, 859 Rn. 8 ff). Voraussetzung für die Erstattungsfähigkeit der 1,6fachen-Verfahrensgebühr nach Nr. 3200 VV-RVG ist nicht, dass sich der Prozessbevollmächtigte inhaltlich mit der Berufungsbegründung auseinandersetzt. Die Verfahrensbeendigung nach Stellung des Zurückweisungsantrags stellt auch keine vorzeitige Erledigung im Sinne der Nr. 3201 Satz 1 Nr. 1 VV-RVG dar. Die volle Gebühr wird vielmehr bereits durch die Stellung der Sachanträge ausgelöst. Der Umstand, dass zum Zeitpunkt des Abweisungsantrags noch keine Rechtsmittelbegründung vorlag, ist jedenfalls unbeachtlich, wenn diese später eingereicht wird; denn für die Frage der Erstattungsfähigkeit ist die zeitliche Reihenfolge der jeweiligen Anträge ohne Belang (vgl. Beschlüsse vom 13. Juli 2010 aaO Rn. 12 und vom 1. April 2009 aaO Rn. 7). Nach Einreichung der Rechtsmittelbegründung kann dem Rechtsmittelgegner ein berechtigtes Interesse nicht abgesprochen werden, mit anwaltlicher Hilfe eine Zurückweisung des Rechtsmittels zu erreichen und einen entsprechenden Antrag anzukündigen und zwar ohne Rücksicht darauf, ob eine Vorgehensweise nach § 522 ZPO in Betracht kommt oder nicht (Beschluss vom 24. Juni 2010 aaO).

Schlick Dörr Wöstmann

Seiters Tombrink

Schlagwörter

appellate costsprocedural feeRVGmotion to dismiss§ 522 ZPOcost reimbursementlegal remedy proceedings

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether a 1.6 appellate procedural fee is reimbursable when the respondent requests dismissal before the appeal is substantiated and the appeal is later decided under § 522 ZPO.

Extrahierter Entscheid

Yes. The full 1.6 procedural fee under No. 3200 RVG VV is reimbursable; the timing of the motion before the appeal brief is filed does not reduce it to 1.1 under No. 3201 RVG VV.

Extrahierte Begründung

The decisive factor is that the respondent filed a substantive motion to dismiss and the appeal was later actually briefed and then rejected. The full fee is triggered by the filing of the motion itself; no in-depth response to the appeal grounds is required, and the proceedings were not prematurely terminated within the meaning of No. 3201 RVG VV.

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