Old design registration: scope of protection under new law

BGH I ZR 97/09Bgh / I. Zivilkammer17.08.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice rejected the complainant’s challenge to the refusal of leave to appeal in a design-right case. It held that the protection effects of a design registered before 28 October 2001 are generally assessed under the new Design Act, but the protectability requirements remain governed by the old law under § 72(2) sentence 1 GeschmMG. The court considered the lower court’s approach correct and saw no fundamental legal question, no relevant procedural-rights violation, and no need for revision. The complainant was ordered to pay the costs of the complaint proceedings.

Omnilex-Regeste

§ 72 Abs. 2 Satz 1 GeschmMG; Schutzwirkungen eines vor dem 28. Oktober 2001 eingetragenen Geschmacksmusters und maßgebliches Recht für die Schutzvoraussetzungen: Die Schutzwirkungen bestimmen sich grundsätzlich nach neuem Recht; die Schutzvoraussetzungen richten sich hingegen weiterhin nach altem Recht. §§ 3, 4 GeschmMG n.F. sind auf die Schutzvoraussetzungen eines Alt-Musters nicht anwendbar, da § 72 Abs. 2 Satz 1 GeschmMG insoweit den Bestand des eingetragenen Rechts und das Vertrauen des Rechtsinhabers wahrt. Eine Auslegung, die ein Alt-Muster eingetragen, aber schutzlos ließe, widerspräche dem Zweck der Übergangsvorschrift (vgl. consid. 2).

Gesamter Gesetzestext

BGH — I ZR 97/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-08-17

Aktenzeichen: I ZR 97/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 1 Abs 2 GeschmMG, § 3 GeschmMG vom 12.03.2004, § 4 GeschmMG vom 12.03.2004, § 38 Abs 2 S 1 GeschmMG, § 72 Abs 2 S 1 GeschmMG

Vorinstanz: vorgehend OLG München, 28. Mai 2009, Az: 6 U 3345/00, Urteilvorgehend LG München I, 12. April 2000, Az: 7 HKO 6804/98

Spruchkörper: 1. Zivilsenat

Titelzeile

Geschmacksmusterschutz: Bestimmung der Schutzwirkung eines nach altem Recht eingetragenen Geschmacksmusters

Tenor

Die Beschwerde der Klägerin gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 6. Zivilsenats des Oberlandesgerichts München vom 28. Mai 2009 wird zurückgewiesen, weil die Rechtssache keine grundsätzliche Bedeutung hat, die auf die Verletzung von Verfahrensgrundrechten gestützten Rügen nicht durchgreifen und die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts auch im Übrigen nicht erfordern (§ 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO).

Das Berufungsgericht ist zu Recht davon ausgegangen, dass die Schutzwirkungen des vor dem 28. Oktober 2001 eingetragenen Geschmacksmusters sich grundsätzlich nach dem Geschmacksmustergesetz neuer Fassung bestimmen (vgl. BGH, Urteil vom 23. Juni 2005 - I ZR 263/02, GRUR 2006, 143 Rn. 17 = WRP 2006, 117 - Catwalk). Grundlage der auf das Geschmacksmusterrecht der Beklagten gestützten Widerklageanträge sind daher §§ 38, 42, 46 GeschmMG i.V.m. § 242 BGB (vgl. BGH, Urteil vom 10. Januar 2008 - I ZR 67/05, GRUR 2008, 790 Rn. 32 = WRP 2008, 1234 - Baugruppe). Der Schutz des Geschmacksmusters erstreckt sich nach § 38 Abs. 2 Satz 1 GeschmMG auf jedes Muster, das beim informierten Betrachter keinen anderen Gesamteindruck erweckt. Im Vordergrund der Beurteilung stehen diejenigen Merkmale, die die Eigenart des Geschmacksmusters begründen (vgl. BGH, Urteil vom 16. April 1975 - I ZR 16/74, GRUR 1976, 261, 263 - Gemäldewand; Eichmann/v. Falckenstein, Geschmacksmustergesetz, 4. Aufl., § 38 Rn. 16). Die Bestimmung, was bei dem Geschmacksmuster der Beklagten eigenartig bzw. eigentümlich im Sinne von § 1 Abs. 2 GeschmMG aF ist, beurteilt sich entgegen der Ansicht der Nichtzulassungsbeschwerde nach altem Recht. Nach § 72 Abs. 2 Satz 1 GeschmMG ist das Geschmacksmustergesetz alter Fassung hinsichtlich der Schutzvoraussetzungen anwendbar. Damit ist die Anwendung der §§ 3, 4 GeschmMG in der Fassung des Geschmacksmusterreformgesetzes vom 12. März 2004 im Streitfall ausgeschlossen, weil diese Bestimmungen zu den Schutzvoraussetzungen zählen (vgl. BGH, GRUR 2008, 790 Rn. 26 - Baugruppe). Andernfalls bliebe das Geschmacksmuster der Beklagten zwar eingetragen, jedoch ohne jede Schutzwirkung, weil die Frontseite der Baugruppe, auf die es nach § 4 GeschmMG allein ankommt, über keine Eigentümlichkeit und keine Eigenart verfügt (vgl. BGH, GRUR 2008, 790 Rn. 20 - Baugruppe). Eine solche ausdehnende Anwendung der Bestimmungen des Geschmacksmustergesetzes neuer Fassung würde über eine grundsätzlich zulässige Einschränkung bestehender Rechte hinausgehen und in die Bestandsgarantie des Geschmacksmusters der Beklagten eingreifen. Das wäre mit dem Grundsatz des Vertrauensschutzes des Inhabers in den Bestand seines Rechts, dem § 72 Abs. 2 Satz 1 GeschmMG dient, nicht vereinbar (vgl. zum Gesichtspunkt des Vertrauensschutzes auch Begründung zum Regierungsentwurf, BT-Drucks. 15/1075, S. 64 f.).

Von einer weitergehenden Begründung wird gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2, 2. Halbsatz ZPO abgesehen.

Die Klägerin trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens (§ 97 Abs. 1 ZPO).

Streitwert: 150.000 €.

Bornkamm Pokrant Büscher

Bergmann Kirchhoff

Schlagwörter

design protectionold lawtransition ruleleave to appeallegitimate expectationsscope of protectioncosts

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether leave to appeal should be granted because the case has fundamental significance or requires development/unification of the law.

Extrahierter Entscheid

Leave to appeal was not warranted; the complaint did not show a ground for revision.

Extrahierte Begründung

The Court found no fundamental importance, no successful procedural-rights objections, and no need for legal development or uniformity review.

Kernrechtsfrage

Whether the protection scope of a design registered before 28 October 2001 is determined under old or new design law.

Extrahierter Entscheid

The protection effects of such a design are generally determined under the new Design Act, while the protectability requirements remain governed by the old law.

Extrahierte Begründung

Section 72(2) sentence 1 preserves the old law only for protection requirements; applying §§ 3, 4 of the reformed Act to requirements would improperly empty the registered design of protection and violate legitimate expectations.

Kernrechtsfrage

Who bears the costs of the complaint proceedings.

Extrahierter Entscheid

The complainant bears the costs of the complaint proceedings.

Extrahierte Begründung

The unsuccessful complainant must bear costs under the Code of Civil Procedure.

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