Suspension of eviction enforcement in revision denied

BGH VIII ZR 155/10Bgh / Civil Chamber 827.10.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice rejected the defendant’s motion to suspend provisional enforcement of a residential eviction judgment during the revision stage. The court held that a stay under § 719(2) ZPO generally requires that the debtor previously sought enforcement protection under § 712 ZPO in the appeal instance. Because the defendant had not filed such a motion and no special circumstances making this impossible or unreasonable were shown, the application failed.

Omnilex-Regeste

§ 719 Abs. 2 ZPO in conjunction with § 712 ZPO; stay of enforcement in revision proceedings for a residential eviction judgment. A debtor may rely on the risk of irreparable disadvantage only if enforcement protection under § 712 ZPO was sought in the appellate instance. If this was omitted, a stay of enforcement is ordinarily excluded; an exception applies only where filing such a motion was impossible or unreasonable for special reasons, or where later new grounds have arisen (consid. 3 f.).

Gesamter Gesetzestext

BGH — VIII ZR 155/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-10-27

Aktenzeichen: VIII ZR 155/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 712 ZPO, § 719 Abs 2 ZPO

Vorinstanz: vorgehend LG Hamburg, 10. Juni 2010, Az: 334 S 46/09, Urteilvorgehend AG Hamburg-St. Georg, 5. August 2009, Az: 919 C 101/09

Spruchkörper: 8. Zivilsenat

Titelzeile

Räumungsprozess bei Wohnraummiete: Einstweilige Einstellung der Räumungsvollstreckung in der Revisionsinstanz

Tenor

Der Antrag der Beklagten, die Zwangsvollstreckung aus dem Urteil der Zivilkammer 34 des Landgerichts Hamburg vom 10. Juni 2010 einstweilen einzustellen, wird zurückgewiesen.

Gründe

I.

1 Das Berufungsgericht hat die Beklagte unter Bewilligung einer Räumungsfrist bis zum 31. Oktober 2010 verurteilt, die von ihr bewohnte Wohnung zu räumen und an die Klägerin herauszugeben; dabei hat es eine Abwendungsbefugnis nach § 711 Satz 1 ZPO ausgesprochen. Das Berufungsgericht hat die Revision zugelassen. Die Beklagte hat Revision eingelegt und beantragt, die Zwangsvollstreckung einstweilen einzustellen.

II.

2 Der Antrag der Beklagten auf einstweilige Einstellung der Zwangsvollstreckung ist nicht begründet und daher zurückzuweisen.

3 Wird Revision gegen ein für vorläufig vollstreckbar erklärtes Urteil eingelegt, so ordnet das Revisionsgericht auf Antrag an, dass die Zwangsvollstreckung einstweilen eingestellt wird, wenn die Vollstreckung dem Schuldner einen nicht zu ersetzenden Nachteil bringen würde und wenn nicht ein überwiegendes Interesse des Gläubigers entgegensteht (§ 719 Abs. 2 ZPO). Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kann sich der Schuldner jedoch nur dann auf die Gefahr eines nicht zu ersetzenden Nachteils berufen, wenn er bereits in der Berufungsinstanz einen Vollstreckungsschutzantrag nach § 712 ZPO gestellt hat. Hat der Schuldner dies versäumt, kommt eine Einstellung der Zwangsvollstreckung nach § 719 Abs. 2 ZPO grundsätzlich nicht in Betracht (Senatsbeschlüsse vom 27. Oktober 2004 - VIII ZR 215/04, GE 2004, 1523 unter II mwN.; vom 19. Oktober 2005 - VIII ZR 208/05, WuM 2005, 735 unter II 1; vom 18. August 2008 - VIII ZR 215/08, WuM 2008, 612 Rn. 3). Eine Ausnahme gilt allenfalls dann, wenn es dem Schuldner im Berufungsverfahren aus besonderen Gründen nicht möglich oder nicht zumutbar war, einen Antrag nach § 712 ZPO zu stellen, oder wenn sich nachträglich neue Gründe ergeben haben (vgl. Senatsbeschlüsse vom 9. August 2004 - VIII ZR 178/04, WuM 2004, 553 unter [II] 1 mwN sowie vom 13. März 2007 - VIII ZR 2/07, WuM 2007, 209 Rn. 4).

4 Hier hat die Beklagte in der Berufungsinstanz keinen Vollstreckungsschutzantrag nach § 712 ZPO gestellt. Dafür, dass ihr die Stellung eines solchen Antrags nicht möglich oder nicht zumutbar war, ist weder etwas vorgetragen noch sonst ersichtlich.

Ball Dr. Frellesen Hermanns

Dr. Milger Dr. Bünger

Schlagwörter

enforcement stayevictionresidential tenancyrevisionirreparable harmdebtor protectionappeal instance

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether enforcement of the eviction judgment should be stayed pending revision under § 719(2) ZPO.

Extrahierter Entscheid

No. The request was rejected because the defendant had not applied for enforcement protection under § 712 ZPO in the appellate instance and no exceptional circumstances were shown.

Extrahierte Begründung

Under settled BGH case law, a debtor may invoke irreparable harm under § 719(2) ZPO only if a § 712 ZPO motion was made in the appeal instance; absent such a motion, a stay is generally unavailable unless making the motion was impossible, unreasonable, or later new grounds arose.

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