Conditional intent in highly dangerous violent acts requires specific reasoning when capacity is impaired

BGH 2 StR 179/10Bgh / II. Strafkammer01.09.2010Partially Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice partially upheld the accused's revision against a Cologne conviction for manslaughter. It held that the trial court had insufficiently reasoned its finding of conditional intent, particularly because the accused was heavily intoxicated and medicated. The external factual findings were left standing. The case was remitted to a different criminal chamber for retrial and decision, including costs, and the new court was directed to consider possible provocation under § 213 StGB if manslaughter is again assumed.

Omnilex-Regeste

§§ 211, 212 StGB; conditional intent in highly dangerous violent acts: The inference of dolus eventualis from an extremely dangerous act requires an overall assessment of all objective and subjective circumstances. Even where the act is objectively life-threatening, intent does not follow automatically. If the offender's volitional capacity is significantly impaired by alcohol or medication, the judgment must give a particularly careful and individualized explanation for deriving intent from the dangerousness of the act (consid. 3). The findings on the external course of events may stand if the error concerns only the inner element; supplementary non-conflicting findings remain admissible. On remand, the court must also address whether a provocative assault may warrant mitigation under § 213 first alternative StGB (consid. 5).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 2 StR 179/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-09-01

Aktenzeichen: 2 StR 179/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 211 StGB, § 212 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Köln, 9. Dezember 2009, Az: 111a Ks 9/09 - 90 Js 113/09, Urteil

Spruchkörper: 2. Strafsenat

Titelzeile

Tötungsdelikt mit bedingtem Vorsatz: Äußerst gefährliche Gewalthandlung und erhebliche Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit

Tenor

Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Köln vom 9. Dezember 2009 mit den Feststellungen aufgehoben. Jedoch bleiben die Feststellungen zum äußeren Tatgeschehen aufrecht erhalten.

Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere als Schwurgericht zuständige Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Die weitergehende Revision des Angeklagten wird verworfen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten verurteilt und seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet, wobei ein Jahr und neun Monate der Strafe vor der Maßregelvollziehung zu vollstrecken seien. Gegen dieses Urteil richtet sich die auf die Sachrüge gestützte Revision des Angeklagten. Das Rechtsmittel hat in dem aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Umfang Erfolg.

2 Nach den Feststellungen des Landgerichts tötete der bei einem Blutalkoholgehalt von 2,99 Promille erheblich alkoholisierte und unter dem Einfluss von Medikamenten stehende Angeklagte am 25. April 2009 im Rahmen eines Streits seine Lebensgefährtin P. E. durch einen Stich mit einem Küchenmesser in den linken oberen Rückenbereich. Dazu war er auch dadurch bewegt worden, dass die Geschädigte ihn zuvor mit der Hand ins Gesicht geschlagen hatte. Bei dem Messerstich "handelte der Angeklagte in dem Bewusstsein, dass die Geschädigte hierdurch zu Tode kommen könnte, was er zumindest bereit war, hinzunehmen".

3 Das Landgericht hat die Beweisgrundlagen für diese Annahme, der Angeklagte habe mit bedingtem Tötungsvorsatz gehandelt, nicht dargelegt. Tötungsvorsatz versteht sich auch nicht ohne weiteres nach den Tatumständen von selbst. Daher wären bewusste Fahrlässigkeit, Lebensgefährdungs- oder Tötungsvorsatz genau voneinander abzugrenzen gewesen. Dazu ist eine Gesamtschau aller bedeutsamen objektiven und subjektiven Tatumstände erforderlich. In der Rechtsprechung ist zwar anerkannt, dass bei äußerst gefährlichen Gewalthandlungen der Schluss auf einen bedingten Tötungsvorsatz nahe liegt (vgl. BGH NStZ 2010, 511, 512); ein zwingender Schluss folgt daraus aber noch nicht. War der Täter - wie hier - zur Tatzeit durch Alkohol oder Medikamente erheblich in seiner Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt, dann bedarf es einer näheren Begründung im Urteil, wenn der Tatrichter gleichwohl seinen Tötungsvorsatz aus der Gefährlichkeit der Tathandlung herleiten will (vgl. BGH NStZ-RR 2007, 141 f.). Daran fehlt es im angefochtenen Urteil.

4 Die Feststellungen zum äußeren Geschehensablauf sind rechtsfehlerfrei getroffen worden und können bestehen bleiben. Ergänzende, nicht divergierende Feststellungen sind auch insoweit möglich.

5 Für den Fall der erneuten Annahme eines Totschlags wird der neue Tatrichter auch die Frage des Vorliegens eines Provokationsaffekts im Sinne von § 213 (1. Alternative) StGB im Tatzeitpunkt zu erörtern haben.

Fischer Appl Schmitt

Krehl Eschelbach

Schlagwörter

conditional intentmanslaughterintoxicationdangerous assaultprovocationretrialcriminal revision

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the finding of conditional intent to kill was sufficiently reasoned

Extrahierter Entscheid

No. The judgment did not adequately explain the evidentiary basis for inferring conditional intent from the dangerousness of the stabbing, especially given the accused's significantly impaired self-control.

Extrahierte Begründung

A distinction had to be made between conscious negligence, endangering intent, and conditional intent by assessing all relevant objective and subjective circumstances. For highly dangerous acts, intent may be close, but not automatic. Where alcohol or medication significantly impaired volitional control, a more detailed justification was required.

Kernrechtsfrage

Whether the factual findings on the external course of events could stand

Extrahierter Entscheid

Yes. The findings on the external sequence of events were free of legal error and could remain in force, subject to supplemental non-conflicting findings.

Extrahierte Begründung

The error concerned only the evaluation of intent; the external facts were sufficiently established.

Kernrechtsfrage

Whether the case should be reconsidered for possible provocation under § 213 StGB

Extrahierter Entscheid

The new trial court must address whether a provocation-based mitigation under § 213 first alternative applied at the time of the offense.

Extrahierte Begründung

If manslaughter is again assumed, the factual basis may also support examination of provocation at the time of the act.

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