Attachment of maintenance claims: housing and contact costs in necessary support

BGH VII ZB 17/09, VII ZB 18/09Bgh / Civil Chamber 705.08.2010Settled

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice dealt only with costs because the debtor declared the matters resolved after the creditor said the attached claims had been paid. It joined the two related cases and allocated costs under § 91a ZPO. On the merits, the court indicated that, had the case continued, the lower court’s decision would likely have been set aside and remitted. It reiterated that the debtor’s necessary support under § 850d ZPO generally corresponds to the necessary living expenses under the SGB XII. It also held that housing-related advance utility payments and, in principle, contact-right travel costs may justify an increase in the exempt amount; the lower court had made insufficient findings on both points.

Omnilex-Regeste

§ 850d Abs. 1 Satz 2 ZPO in Verbindung with §§ 28, 29 SGB XII; necessary support of the debtor in enforcement proceedings against maintenance claims: the exempt minimum corresponds in principle to the necessary living expenses under the social assistance law. Accommodation costs are to be considered as actual housing expenses under § 29 Abs. 1 SGB XII and are not included in the standard rate unless the social welfare authority lawfully applies a flat-rate scheme under § 29 Abs. 2 SGB XII. Costs arising from the exercise of contact rights may, due to the constitutionally protected parent-child relationship and the possibility of an individual deviation from standard needs under § 28 Abs. 1 SGB XII, justify an increased protected amount; the relevant factual findings must be made by the fact-finding court.

Gesamter Gesetzestext

BGH — VII ZB 17/09, VII ZB 18/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-08-05

Aktenzeichen: VII ZB 17/09, VII ZB 18/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 850d Abs 1 S 2 ZPO, § 28 Abs 1 S 1 SGB 12, § 29 Abs 1 S 1 SGB 12, § 29 Abs 2 SGB 12

Vorinstanz: vorgehend LG Stuttgart, 15. Januar 2009, Az: 19 T 169/08vorgehend AG Böblingen, 17. Januar 2008, Az: 2 M 7367/07

Spruchkörper: 7. Zivilsenat

Titelzeile

Pfändbarkeit von Unterhaltsansprüchen: Berücksichtigung von Betriebskostenvorauszahlungen und von Umgangskosten bei der Berechnung des notwendigen Unterhalts des Schuldners

Tenor

Die Verfahren VII ZB 17/09 und VII ZB 18/09 werden miteinander verbunden. Das Verfahren VII ZB 17/09 führt.

Die Kosten der Rechtsbeschwerdeverfahren werden gegeneinander aufgehoben.

Die Kosten der sofortigen Beschwerden fallen zu 2/3 der Gläubigerin und zu 1/3 dem Schuldner zur Last.

Gründe

I.

1 Der Schuldner hat die Rechtsbeschwerden für erledigt erklärt, nachdem die Gläubigerin erklärt hat, dass die Forderungen aus den Pfändungs- und Überweisungsbeschlüssen zwischenzeitlich beglichen worden seien. Der Senat legt diese Erklärung dahin aus, dass der Schuldner die Hauptsache für erledigt erklärt hat, denn allein das ist in seinem Interesse. Die Gläubigerin hat der Erledigungserklärung nicht widersprochen, so dass über die Kosten der Verfahren gemäß § 91a ZPO zu entscheiden ist.

2 Es bleibt offen, welchen Ausgang die Verfahren genommen hätten, wenn sie nicht für erledigt erklärt worden wären. Ohne die Erledigung der Verfahren hätten die Beschlüsse des Beschwerdegerichts aufgehoben und die Verfahren zu weiteren Feststellungen an das Beschwerdegericht zurückverwiesen werden müssen. Deshalb sind die Kosten der Rechtsbeschwerdeverfahren gegeneinander aufzuheben und die Kosten der Beschwerdeverfahren unter Berücksichtigung der Entscheidung des Beschwerdegerichts zu einem Drittel dem Schuldner und zu zwei Dritteln der Gläubigerin aufzuerlegen.

3 1. Der unpfändbare notwendige Unterhalt des Schuldners im Sinne des § 850d Abs. 1 Satz 2 ZPO entspricht nach der bisherigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs grundsätzlich dem notwendigen Lebensunterhalt im Sinne des 3. und 11. Kapitels des SGB XII (BGH, Beschluss vom 12. Dezember 2007 - VII ZB 38/07, NJW-RR 2008, 733, 734; Urteil vom 23. Februar 2005 - XII ZR 114/03, BGHZ 162, 234, 245).

4 2. Das Beschwerdegericht ist rechtsfehlerhaft davon ausgegangen, die Betriebskostenvorauszahlung könne eine Erhöhung des pfandfreien Betrags nicht rechtfertigen, weil sie im Regelsatz enthalten sei.

5 a) § 28 Abs. 1 Satz 1 SGB XII legt fest, dass der gesamte Bedarf des notwendigen Lebensunterhalts außerhalb von Einrichtungen mit Ausnahme von Leistungen für Unterkunft und Heizung und der Sonderbedarfe nach den §§ 30 bis 34 SGB XII nach Regelsätzen erbracht wird. § 29 Abs. 1 Satz 1 SGB XII bestimmt, dass Leistungen für die Unterkunft in Höhe der tatsächlichen Aufwendungen erbracht werden. Dazu gehören solche Nebenkosten, die für die bedarfsgerechte Nutzung der Wohnung notwendig sind (vgl. Berlit in: LPK-SGB XII, § 29 Rn. 17; Dauber in: Mergler/Zink, SGB XII, 5. Lfg., Stand Januar 2006, § 29 Rn. 14; W. Schellhorn in: Schellhorn/Schellhorn/Hohm, SGB XII, 17. Aufl., § 29 Rn. 13; Gebhardt in: Rolfs/Giesen/Kreikebohm/Udsching, Beck’scher Online-Kommentar, § 29 SGB XII Rn. 2). Diese sind nicht im Regelsatz enthalten.

6 b) Etwas anderes würde nur gelten, wenn der Träger der Sozialhilfe im Rahmen seiner Ermächtigung nach § 29 Abs. 2 SGB XII für seinen Bereich die Leistungen für die Unterkunft durch eine monatliche Pauschale abgilt.

7 c) Das Beschwerdegericht hat Feststellungen dazu, auf welche konkreten Kosten die geltend gemachten Betriebskostenvorauszahlungen erfolgen und ob eine Pauschalierung nach § 29 Abs. 2 SGB XII erfolgt ist, nicht getroffen. Es kann daher nicht festgestellt werden, ob die für Nebenkosten geltend gemachte weitere Erhöhung des pfandfreien Betrags über die anerkannte Kaltmiete und die Heizungskosten hinaus in Betracht kommt.

8 2. Das Beschwerdegericht ist zu Unrecht davon ausgegangen, dass die bei Ausübung des Umgangsrechts mit den Kindern anfallenden Kosten bei der Bemessung des notwendigen Unterhalts des Schuldners nicht berücksichtigt werden könnten.

9 a) Nach § 28 Abs. 1 Satz 1 SGB XII kann der Bedarf des notwendigen Lebensunterhalts abweichend von den Regelsätzen festgelegt werden, wenn er im Einzelfall seiner Höhe nach unabweisbar von einem durchschnittlichen Bedarf abweicht. Das kann der Fall sein, wenn Kosten eines Umgangsrechts entstehen (Dauber in: Mergler/Zink, SGB XII, 4. Lfg., Stand Juli 2005, § 28 Rn. 15; W. Schellhorn in: Schellhorn/Schellhorn/Hohm, SGB XII, 17. Aufl., § 28 Rn. 11; Wahrendorf in: Grube/Wahrendorf, SGB XII, 2. Aufl., § 28 Rn. 13; Münder, NZS 2008, 617, 620). Das Umgangsrecht des nichtsorgeberechtigten Elternteils steht unter dem Schutz des Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG. Die Rechtsposition erwächst aus dem natürlichen Elternrecht und der damit verbundenen Elternverantwortung (BVerfG, NJW 1995, 1342) und ist dementsprechend im Rahmen der Zwangsvollstreckung in angemessener Weise zu berücksichtigen.

10 b) Nachdem das Beschwerdegericht von seinem Standpunkt aus folgerichtig keine Feststellungen zur Ausübung des Umgangsrechts getroffen hat und diese nach der übereinstimmenden Erledigung nicht mehr zu treffen sind, bleibt auch insoweit aus tatsächlichen Gründen offen, welche der beiden Parteien obsiegt hätte.

11 3. Der Senat sieht von einer Begründung ab, soweit es darum geht, inwieweit die tatsächlichen Fahrtkosten zum Arbeitsplatz ausreichend berücksichtigt worden sind. Der Schuldner macht mit den Rechtsbeschwerden insoweit lediglich geltend, zu seinen Ungunsten seien Beträge zwischen 17,60 € und 16,80 € nicht berücksichtigt worden. Diese Beträge sind so geringfügig, dass der Ausgang des Verfahrens zu diesem Punkt keinen Einfluss auf die Kostenentscheidung nimmt. Die Kosten wären in den Rechtsbeschwerdeverfahren auch dann gegeneinander aufzuheben, wenn eine Partei insoweit vollständig obsiegt hätte, § 92 ZPO. Entsprechendes gilt für die Quotenbildung bei der Kostenentscheidung für die Beschwerdeverfahren.

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Schlagwörter

attachmentmaintenance claimsnecessary supporthousing costscontact rightscost allocationmootnesssocial assistance

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the two proceedings should be joined and which file should continue.

Extrahierter Entscheid

The proceedings were joined and case VII ZB 17/09 was designated as the lead file.

Extrahierte Begründung

Because both matters concerned the same dispute and had become moot, procedural economy justified joinder.

Kernrechtsfrage

How to allocate costs after the proceedings were declared settled.

Extrahierter Entscheid

The costs of the legal complaint proceedings were set off against each other; the costs of the immediate complaints were allocated two-thirds to the creditor and one-third to the debtor.

Extrahierte Begründung

As it remained unclear who would have prevailed absent the settlement, costs had to be decided under the rules on costs after mootness; the appeal instance costs were apportioned in light of the lower courts' outcome.

Kernrechtsfrage

Whether housing-related advance utility payments may increase the debtor’s exempt minimum support under § 850d ZPO.

Extrahierter Entscheid

The court held that such payments can justify a higher exempt amount if they concern actual housing expenses not already covered by the standard rate and are not subject to a social-welfare flat-rate scheme.

Extrahierte Begründung

Under the social assistance rules, accommodation costs are paid according to actual expenses and are not included in the standard rate unless the welfare provider uses a lump-sum model; the lower court had made no findings on the nature of the charges or any lump-sum regime.

Kernrechtsfrage

Whether child contact-related travel costs must be considered in determining the debtor’s necessary support.

Extrahierter Entscheid

Yes, contact costs may be taken into account as an exceptional, unavoidable deviation from average needs.

Extrahierte Begründung

Necessary support may deviate from standard rates where individual needs are unavoidable; the non-custodial parent’s contact rights are constitutionally protected and must be reasonably respected in enforcement.

Kernrechtsfrage

Whether small commuting expenses to the workplace were decisive for the outcome.

Extrahierter Entscheid

The court did not give further reasons on this point because the amounts were too minor to affect the cost decision.

Extrahierte Begründung

Even a full success on this point would not have changed the cost allocation.

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