Duty to advise on deviation from plea agreement

BGH 4 StR 228/10Bgh / Criminal Chamber 417.08.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice dismissed the defendants' revisions against the Münster Regional Court judgment. It held that the review disclosed no reversible legal error. As to the complained-of breach of the duty to advise under § 257c(5) StPO, the court left open whether the objection was formally well founded, because any defect did not affect the judgment: the trial court had adhered to the plea agreement, including the announced maximum sentence of four years and six months' imprisonment. In the concrete case, the court excluded that the defendant would have rejected the favorable agreement and chosen a contested trial if fully advised.

Omnilex-Regeste

§ 257c Abs. 5 StPO; duty to advise on the consequences of departure from a plea agreement; harmlessness of advisory defect. A violation of the court’s duty to advise under § 257c(5) StPO does not require reversal if the judgment cannot have rested on the defect. This is especially so where the trial court adhered to the agreed disposition, and the reviewing court can exclude, in light of the charged offense and the concrete sentencing exposure, that the informed accused would have rejected the agreement and opted for a contested trial. The decisive criterion is whether the advisory omission could have influenced the defendant’s procedural choice and thereby the outcome (consid. 2).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 4 StR 228/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-08-17

Aktenzeichen: 4 StR 228/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 257c Abs 5 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Münster, 1. Dezember 2009, Az: 81 KLs 81 Js 778/09 - 2/09, Urteil

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Verständigung im Strafverfahren: Pflicht zur Belehrung über die Voraussetzungen und Folgen einer Abweichung des Gericht von einer Urteilsabsprache

Tenor

Die Revisionen der Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Münster vom 1. Dezember 2009 werden als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigungen keinen Rechtsfehler zum Nachteil der Angeklagten ergeben hat.

Jeder Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat zu der vom Angeklagten W. erhobenen Rüge eines Verstoßes gegen § 257c Abs. 5 StPO:

Der Senat braucht auf die - zulässig erhobene - Rüge, das Tatgericht habe bei der getroffenen Verständigung gegen die Hinweispflichten in § 257c Abs. 5 StPO verstoßen, nicht näher einzugehen. Denn jedenfalls beruht das Urteil nicht auf einem etwaigen Verstoß. Die Strafkammer hat die Urteilsabsprache, insbesondere die hierbei angekündigte Strafobergrenze von vier Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe eingehalten. Ob Fälle denkbar sind, in denen - wie die Revision meint – sich ein Angeklagter allein auf Grund der Hinweise auf die „Risiken eine(r) Verfahrensabsprache im Falle eines Scheiterns“ dazu veranlasst sieht, eine "streitige" Verhandlung vorzuziehen, bedarf hier keiner Entscheidung (vgl. § 257c Abs. 4 StPO und zu dessen praktischer Bedeutung Altenhain/Haimerl JZ 2010, 327, 332). Jedenfalls in dem hier zu beurteilenden Einzelfall sind keine Gründe erkennbar, die den Angeklagten W. auch nur im Entferntesten dazu verlasst haben könnten, auf eine Belehrung nach § 257c Abs. 5 StPO (vgl. zu deren Zweck BT-Drucks. 16/12310 S. 15) die schließlich getroffene und ihm günstige Verständigung abzulehnen. Immerhin war ihm mit der Anklage ein Verbrechen des besonders schweren Raubes vorgeworfen worden, für das § 250 Abs. 2 Nr. 1 StGB eine Strafuntergrenze von fünf Jahren vorsieht. Unter diesen Umständen kann der Senat ausschließen, dass der Angeklagte eine Absprache, die ihm – ausgehend von einem ungeladenen Zustand der mitgeführten Schreckschusspistole - eine Strafobergrenze von vier Jahren und sechs Monaten in Aussicht stellte, abgelehnt und sich auf eine streitige Verhandlung eingelassen hätte. Eine Fehlvorstellung des verteidigten Angeklagten über Art und Umfang der Bindung des Tatgerichts vermag der Senat nicht zu erkennen.

| | | R'inBGH Solin-Stojanović befindet sich im Urlaub und ist daher gehindert zu unterschreiben. | | | | --- | --- | --- | --- | --- | | Ernemann | | Ernemann | | Cierniak | | | Franke | | Mutzbauer | |

Schlagwörter

plea agreementduty to adviseharmless errorrevisionsentencing capcriminal appeal

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the defendants' appeals against the Regional Court judgment were well-founded

Extrahierter Entscheid

The appeals were unfounded; the review disclosed no legal error prejudicial to the defendants.

Extrahierte Begründung

The Federal Court of Justice found no reversible error in the challenged judgment.

Kernrechtsfrage

Whether any breach of the duty to advise under § 257c(5) StPO required reversal

Extrahierter Entscheid

Any possible violation of § 257c(5) StPO did not affect the judgment.

Extrahierte Begründung

The court held that the judgment did not rest on any alleged breach because the trial court complied with the agreed sentencing cap; given the serious charged offense and the favorable cap, it was excluded that the defendant would have rejected the agreement even if fully advised.

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