Partial oath of repeatedly examined witness in criminal trial

BGH 3 StR 193/10Bgh / III. Strafkammer20.07.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court dismissed two defendants' criminal appeals against the Osnabrück Regional Court. The appeal challenged, among other things, the oath administered to witnesses F. and B., who had been examined several times in the main hearing. The court held that, after repeated examination, a fresh oath decision must cover the testimony as a whole and that partial oaths are allowed only for genuinely separable parts concerning different acts. Since the case concerned only one homicide and the trial court did not rely on sworn testimony, the complaint failed. The defendants were ordered to bear the costs and the auxiliary prosecutor's necessary expenses.

Omnilex-Regeste

§ 59 StPO, § 60 Nr. 2 StPO; repeated examination of a witness and scope of the oath decision: Upon renewed examination in the main hearing, the trial court must decide anew on oath administration; this decision in principle relates to the witness's entire testimony given up to that point. A differentiated oath decision is conceivable only where the witness speaks about separable parts of the testimony concerning different offences; a partial oath is impermissible where the facts form an inseparable overall event, in particular one single act. The earlier oath decision does not bind the court for the renewed assessment. If the judgment does not rely on the fact that testimony was given under oath, an oath-related error will regularly be immaterial (consid. 2).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 3 StR 193/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-07-20

Aktenzeichen: 3 StR 193/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 59 StPO, JuMoG 1

Vorinstanz: vorgehend LG Osnabrück, 27. November 2009, Az: 6 Ks 17/08 - 710 Js 32846/08, Urteil

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Zeugenvernehmung im Strafverfahren: Teilweise Vereidigung eines wiederholt vernommenen Zeugen

Tenor

Die Revisionen der Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Osnabrück vom 27. November 2009 werden als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigungen keinen Rechtsfehler zum Nachteil der Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Jeder Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels und die der Nebenklägerin im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

Zu der von beiden Angeklagten erhobenen Verfahrensrüge bemerkt der Senat ergänzend:

Die Beanstandung, die Zeugen F. und B. seien vereidigt worden, obwohl sie der Nichtanzeige einer geplanten Straftat nach § 138 Abs. 1 Nr. 5 StGB verdächtig gewesen seien und deshalb ein Vereidigungsverbot nach § 60 Nr. 2 StPO bestanden habe, hat keinen Erfolg. Beide Zeugen sind in der Hauptverhandlung mehrfach vernommen und zunächst vereidigt, nach ihrer letzten Vernehmung jedoch unvereidigt entlassen worden. Hinsichtlich der Vereidigung eines mehrfach vernommenen Zeugen gilt:

Wird ein Zeuge in einem späteren Abschnitt der Hauptverhandlung nochmals vernommen, bedarf es einer neuen Entscheidung über die Vereidigung. Diese bezieht sich grundsätzlich auf die gesamte bis dahin erstattete Aussage. Denn der Tatrichter kann frühestens nach dem Abschluss der gesamten Aussage alle diejenigen Umstände überblicken, die für die Ausübung seines Ermessens von Bedeutung sein können; dabei bindet ihn seine frühere Entscheidung über die Vereidigung nicht. Eine unterschiedliche Entscheidung über die Vereidigung eines Zeugen kommt - auch bei einer wiederholten Vernehmung - nur für Teile einer Aussage in Betracht, die verschiedene Taten betreffen. Selbst dabei ist aber zu beachten, dass eine Teilvereidigung dann nicht statthaft ist, wenn die Taten in einem inneren Zusammenhang miteinander stehen, insbesondere ein nicht oder nur schwer trennbares Gesamtgeschehen bilden. Ebenso kann ein Eid weder auf einzelne Bekundungen noch auf zeitlich getrennte Abschnitte eines Tatsachenkomplexes beschränkt werden (st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urteil vom 20. Februar 2003 - 3 StR 222/02, BGHSt 48, 221, 232 mwN).

Es besteht auch mit Blick auf die Neufassung der Vereidigungsregeln durch das 1. Justizmodernisierungsgesetz vom 24. August 2004 (BGBl. I S. 2198, vgl. hierzu BGH, Beschluss vom 11. Dezember 2008 - 3 StR 429/08, NStZ 2009, 343; Beschluss vom 12. März 2009 - 3 StR 568/08, NStZ 2009, 397) kein Anlass, von diesen Grundsätzen abzuweichen (vgl. Meyer-Goßner, StPO, 53. Aufl., § 59 Rn. 7, § 60 Rn. 26; KK-Senge, 6. Aufl., § 59 Rn. 4; SK-StPO/Rogall § 59 Rn. 11; LR-Ignor/Bertheau, StPO, 26. Aufl., § 59 Rn. 13 f.). Danach sind die Aussagen der Zeugen - der maßgebenden letzten Entscheidung des Landgerichts entsprechend - insgesamt als uneidlich zu werten. Hiermit in Einklang steht, dass die Strafkammer ausweislich der schriftlichen Urteilsgründe bei der Beweiswürdigung nicht darauf abgestellt hat, dass die Zeugen unter Eid Angaben gemacht haben. Soweit die Revision versucht, durch die Mitteilung eines Instanzverteidigers darzutun, dass die Aussagen der Zeugen in ihren letzten Vernehmungen lediglich ergänzenden Charakter gehabt hätten, steht einer entsprechenden Bewertung durch den Senat bereits das revisionsrechtliche Rekonstruktionsverbot entgegen. Im Übrigen wären die Ausführungen der Revision nicht geeignet, einen Ausnahmefall zu belegen, der eine Teilvereidigung rechtfertigen könnte; denn Gegenstand des Verfahrens war mit der Tötung des M. K. nur eine Tat.

Es kommt deshalb nicht entscheidungserheblich darauf an, ob ein Verbot der Vereidigung nach § 60 Nr. 2 StPO bestanden hat und gegebenenfalls das Urteil des Landgerichts auf einem Verstoß gegen diese Vorschrift beruht.

Becker Pfister von Lienen

Hubert Schäfer

Schlagwörter

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Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the defendants' cassation appeals were well founded.

Extrahierter Entscheid

The appeals disclosed no legal error to the defendants' detriment and were therefore dismissed as unfounded.

Extrahierte Begründung

The Supreme Court found no reversible error on review under the reasons advanced in the appeals.

Kernrechtsfrage

Whether the witnesses' earlier oath had to be treated as invalid because they were repeatedly examined and only later released unsworn.

Extrahierter Entscheid

For a witness examined again during trial, a new oath decision must be made, generally covering the entire testimony so far; a partial oath is permissible only for truly separable parts concerning different acts, not for an inseparable overall event. Here the testimony was to be assessed as entirely unsworn.

Extrahierte Begründung

A later oath decision is not bound by the earlier one and concerns the whole prior statement. A partial oath cannot extend to single statements or temporally separated segments of one factual complex. Because the case concerned only one killing, no exception justified a partial oath. The court also noted the trial court did not rely on sworn testimony in its evidentiary assessment.

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