Standing of a tabular creditor to seek denial of discharge

BGH IX ZB 127/10Bgh / Civil Chamber 910.08.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court declared the debtor’s legal complaint inadmissible in insolvency discharge proceedings. It held that a creditor whose claim is proven to the insolvency schedule remains entitled to seek denial of discharge, even if the creditor is allegedly no longer materially entitled, so long as the issue is not caused by later payment by the debtor. Because no admissibility ground under § 574 Abs. 2 ZPO existed, the complaint failed. The debtor’s request for legal aid was also refused for lack of prospects of success. Costs of the legal complaint were imposed on the debtor.

Omnilex-Regeste

§ 290 InsO, § 574 Abs. 2 ZPO; standing of a creditor to apply for denial of residual debt discharge and admissibility of the legal complaint. The verified entry of a claim in the insolvency schedule is sufficient to confer standing to seek denial of discharge; current substantive entitlement is not additionally required, provided the situation is not one of satisfaction after the closing hearing (consid. 4). A legal complaint is inadmissible where none of the statutory admissibility grounds under § 574 Abs. 2 ZPO are shown, even if restitution of time would otherwise be granted (consid. 2). Absence of sufficient prospects of success likewise excludes legal aid under § 114 sentence 1 ZPO (consid. 5).

Gesamter Gesetzestext

BGH — IX ZB 127/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-08-10

Aktenzeichen: IX ZB 127/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 290 InsO, § 292 InsO, § 574 Abs 2 ZPO

Vorinstanz: vorgehend LG Deggendorf, 14. August 2009, Az: 13 T 153/09, Beschlussvorgehend AG Deggendorf, 28. Juli 2009, Az: 1 IN 55/05

Spruchkörper: 9. Zivilsenat

Titelzeile

Restschuldbefreiungsverfahren: Recht des materiell-rechtlich nicht mehr berechtigten Insolvenzgläubigers zur Stellung eines Versagungsantrags auf Grund Forderungsfeststellung

Tenor

Die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 1. Zivilkammer des Landgerichts Deggendorf vom 14. August 2009 wird auf Kosten des Schuldners als unzulässig verworfen.

Der Antrag des Schuldners auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe für das Verfahren der Rechtsbeschwerde wird abgelehnt.

Der Wert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf 5.000 Euro festgesetzt.

Gründe

I.

1 Über das Vermögen des Schuldners wurde auf mit einem Antrag auf Erteilung der Restschuldbefreiung verbundenen Eigenantrag am 13. April 2005 das Insolvenzverfahren eröffnet. Das Insolvenzgericht hat einen im Schlusstermin am 25. Mai 2009 gestellten Antrag der weiteren Beteiligten zu 1 (fortan: Gläubigerin) auf Versagung der Restschuldbefreiung abgelehnt. Das Landgericht hat auf die sofortige Beschwerde der Gläubigerin mit Beschluss vom 14. August 2009 dem Schuldner die Restschuldbefreiung versagt. Dieser Beschluss ist dem Schuldner erst am 19. März 2010 zugestellt worden. Mit Schriftsatz vom 30. März 2010 hat der Schuldner beim Landgericht "Beschwerde" und "Widerspruch" eingelegt. Der Vorsitzende der Zivilkammer hat den Schuldner mit Schreiben vom 20. April 2010 darauf hingewiesen, dass der angefochtene Beschluss der Rechtsbeschwerde zum Bundesgerichtshof unterliege und sich die Parteien durch einen dort zugelassenen Rechtsanwalt vertreten lassen müssten. Die Akten sind am 23. Juni 2010 beim Bundesgerichtshof eingegangen. Der Rechtspfleger beim Bundesgerichtshof hat mit am 30. Juni 2010 dem Schuldner zugestellten Schreiben vom 29. Juni 2010 darauf hingewiesen, dass das Rechtsmittel innerhalb eines Monats nach Zustellung der angefochtenen Entscheidung beim Bundesgerichtshof hätte eingelegt werden müssen. Mit Schriftsatz eines beim Bundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwalts hat der Schuldner am 14. Juli 2010 beim Bundesgerichtshof Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss des Landgerichts eingelegt und wegen der Versäumung der Fristen zur Einlegung und Begründung der Rechtsbeschwerde die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragt. Unter dem 29. bzw. 30. Juli 2010 hat er die Rechtsbeschwerde begründet und um Prozesskostenhilfe nachgesucht.

II.

2 Selbst bei zu gewährender Wiedereinsetzung wäre die Rechtsbeschwerde als unzulässig zu verwerfen, weil die geltend gemachten Zulässigkeitsgründe (§ 574 Abs. 2 ZPO) nicht vorliegen.

3 a) Die Frage, ob die Entscheidung des Beschwerdegerichts schon deshalb der Aufhebung durch das Rechtsbeschwerdegericht unterliege, weil zwischenzeitlich der nicht angefochtene weitere Beschluss des Insolvenzgerichts über die Ankündigung der Restschuldbefreiung gemäß § 291 InsO in Rechtskraft erwachsen sei, stellt sich deswegen nicht, weil dieser Beschluss weder der Gläubigerin zugestellt noch im Internet veröffentlicht worden ist und mithin ihr gegenüber keine Rechtskraft erlangen konnte.

4 b) Die Frage, ob dem Versagungsantrag desjenigen stattgegeben werden dürfe, dessen vermeintliche Forderung zur Insolvenztabelle festgestellt worden, der aber materiellrechtlich nicht mehr Insolvenzgläubiger sei, ohne dass dies auf eine nachträgliche Befriedigung der Forderung durch den Schuldner zurückzuführen sei, ist nicht klärungsbedürftig. Ausreichend für die Antragsberechtigung ist nach allgemeiner Auffassung die Feststellung, die zur Tabelle hier vorlag (LG Göttingen NZI 2007, 734; MünchKomm-InsO/Stephan, 2. Aufl. § 290 Rn. 14; HK-InsO/Landfermann, 5. Aufl. § 290 Rn. 35; HmbKomm-InsO/Streck, InsO 3. Aufl. § 290 Rn. 2; Graf-Schlicker/Kexel, InsO 2. Aufl. § 290 Rn. 3). Im Übrigen ist die Forderung - wenn überhaupt - erst nach dem Schlusstermin bezahlt worden.

III.

5 Prozesskostenhilfe konnte dem Schuldner nicht gewährt werden, weil die beabsichtigte Rechtsverfolgung keine hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet (§ 114 Satz 1 ZPO).

Ganter Raebel Vill

Lohmann Fischer

Schlagwörter

insolvencyresidual debt dischargestandingadmissibilitylegal complaintlegal aidtabular claimcreditor rights

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the creditor was entitled to request denial of residual debt discharge despite lacking current substantive claim status, where the claim had been proved to the insolvency schedule.

Extrahierter Entscheid

Yes. Proof of the claim to the insolvency schedule was sufficient for standing to file the denial request.

Extrahierte Begründung

According to the prevailing view, tabular verification suffices for applicant standing under § 290 InsO. The question therefore was not in need of clarification. In any event, any payment would have occurred only after the closing hearing.

Kernrechtsfrage

Whether the appeal met the admissibility requirements for a legal complaint under § 574 Abs. 2 ZPO.

Extrahierter Entscheid

No. The asserted grounds for admissibility were absent, so the legal complaint was inadmissible even if restitution of time were granted.

Extrahierte Begründung

The case raised no grounds requiring clarification or development of the law in the sense of § 574 Abs. 2 ZPO; consequently the legal complaint could not be admitted.

Kernrechtsfrage

Whether the debtor was entitled to procedural legal aid for the legal complaint proceedings.

Extrahierter Entscheid

No. The intended legal remedy had no sufficient prospect of success.

Extrahierte Begründung

Because the legal complaint was inadmissible, the application for legal aid necessarily failed under § 114 sentence 1 ZPO.

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