Full recovery of the increased procedural fee in cost taxation

BGH XII ZB 251/10Bgh / Civil Chamber 1228.07.2010Modified

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court of Justice partly set aside the Higher Regional Court of Hamm's decision in a cost taxation dispute arising from a settlement in an eviction action. The only remaining issue was whether the plaintiffs' lawyer's increased procedural fee had to be reimbursed in full or reduced by an offset against a prior business fee. The court held that § 15a RVG merely clarifies the existing law and that none of the statutory exceptions applied. It therefore amended the taxation to EUR 2,512.50 plus interest and adjusted the procedural costs accordingly.

Omnilex-Regeste

§ 15a RVG; cost taxation of a procedural fee increased under Nr. 1008 VV RVG; the provision is a mere clarification of the pre-existing legal position. In cost recovery between opposing parties, the full increased procedural fee is to be taken into account unless one of the exceptions in § 15a(2) RVG applies. A prior business fee does not justify a further reduction of the reimbursable procedural fee where the statutory prerequisites for limitation are absent. If no further findings are required, the court of complaint may decide the matter itself pursuant to § 577 Abs. 5 ZPO.

Gesamter Gesetzestext

BGH — XII ZB 251/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-07-28

Aktenzeichen: XII ZB 251/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 15a RVG

Vorinstanz: vorgehend OLG Hamm, 9. April 2010, Az: I-25 W 461/09, Beschlussvorgehend LG Essen, 3. März 2009, Az: 8 O 308/07, Beschluss

Spruchkörper: 12. Zivilsenat

Titelzeile

Rechtsanwaltsgebühr: Festsetzung der ungeminderten Verfahrensgebühr nach der Klarstellung in der gesetzlichen Neuregelung

Tenor

I. Auf die Rechtsbeschwerde der Kläger wird der Beschluss des 25. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Hamm vom 9. April 2010 teilweise aufgehoben und insgesamt wie folgt neu gefasst:

  1. Auf die sofortige Beschwerde der Kläger wird der Kostenfestsetzungsbeschluss der Rechtspflegerin des Landgerichts Essen vom 3. März 2009 unter Zurückweisung der sofortigen Beschwerde der Beklagten teilweise abgeändert und insgesamt wie folgt neu gefasst:

Die auf Grund des vor der 8. Zivilkammer des Landgerichts Essen - 8 O 308/07 - am 9. Juni 2008 geschlossenen Vergleichs von den Beklagten gesamtschuldnerisch den Klägern zu erstattenden Kosten werden festgesetzt auf 2.512,50 Euro nebst Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz nach § 247 BGB seit dem 9. September 2008.

  1. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens tragen die Kläger zu ¾ und die Beklagten als Gesamtschuldner zu ¼.

II. Die Kosten des Rechtsbeschwerdeverfahrens tragen die Beklagten als Gesamtschuldner.

III. Beschwerdewert: bis 600 Euro

Gründe

I.

1 Die Parteien streiten im Kostenfestsetzungsverfahren noch um den Ansatz der ungeminderten Verfahrensgebühr für eine Räumungsklage.

2 Rechtspflegerin und Oberlandesgericht haben die von den Klägern für ihren erstinstanzlichen Prozessbevollmächtigten geltend gemachte 1,3-Verfahrensgebühr zzgl. 0,9-Erhöhungsgebühr (Nr. 3100, 1008 VV RVG) nicht in voller Höhe berücksichtigt. Denn gemäß Anlage 1, Teil 3, Vorbemerkung 3 Abs. 4 VV RVG sei hier auf die Verfahrensgebühr die halbe vorgerichtlich entstandene, vorliegend um 0,9 erhöhte (Nr. 1008 VV RVG) 0,3-Geschäftsgebühr (Nr. 2300, 2302 VV RVG) anzurechnen.

3 Hiergegen wenden sich die Kläger mit ihrer vom Oberlandesgericht zugelassenen Rechtsbeschwerde.

II.

4 Die Rechtsbeschwerde ist gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO statthaft und auch sonst zulässig. An ihre Zulassung durch das Oberlandesgericht ist der Senat gebunden (§ 574 Abs. 3 Satz 2 ZPO).

III.

5 Die Rechtsbeschwerde ist auch begründet. Das Oberlandesgericht hat die geltend gemachte Verfahrensgebühr (Nr. 3100, 1008 VV RVG) zu Unrecht nicht in voller Höhe berücksichtigt.

6 1. Der erkennende Senat hat in Übereinstimmung mit dem II. Zivilsenat (vgl. BGH Beschluss vom 2. September 2009 - II ZB 35/07 - ZIP 2009, 1927 Tz. 6 ff.) wiederholt entschieden, dass die Vorschrift des § 15a RVG eine bloße Klarstellung der bestehenden Gesetzeslage darstellt (vgl. Senatsbeschlüsse vom 9. Dezember 2009 - XII ZB 175/07 - FamRZ 2010, 456 Tz. 15 ff. m.w.N., vom 3. Februar 2010 - XII ZB 177/09 - AGS 2010, 106 f., vom 31. März 2010 - XII ZB 230/09 - AGS 2010, 256, 257; vom 31. März 2010 - XII ZB 20/10 - zur Veröffentlichung bestimmt und vom 7. Juli 2010 - XII ZB 79/10 - zur Veröffentlichung bestimmt). Dieser Auffassung haben sich zwischenzeitlich auch der IX. Zivilsenat (vgl. BGH Beschluss vom 11. März 2010 - IX ZB 82/08 - AGS 2010, 159) und der V. Zivilsenat (vgl. BGH Beschluss vom 29. April 2010 - V ZB 38/10 - AGS 2010, 263 f.) angeschlossen.

7 2. Der vorliegende Sachverhalt gibt keine Veranlassung, hiervon abzuweichen. Mit den vom Oberlandesgericht für seine gegenteilige Rechtsauffassung angeführten Argumenten hat sich der Senat bereits in seinen vorstehend genannten Beschlüssen ausführlich befasst und unter anderem auch dargelegt, dass es keiner Anrufung des Großen Senats für Zivilsachen bedarf.

8 3. Da weitere Feststellungen nicht zu erwarten sind, hat der Senat gemäß § 577 Abs. 5 ZPO in der Sache selbst zu entscheiden. Nachdem keiner der Ausnahmefälle des § 15a Abs. 2 RVG ersichtlich ist, ist die hier nach Nr. 1008 VV RVG erhöhte Verfahrensgebühr in vollem Umfang zu berücksichtigen. Die von den Beklagten den Klägern zu erstattenden Kosten sind somit unter Berücksichtigung der verauslagten Gerichtskosten in Höhe von 313,50 Euro auf 2.512,50 Euro festzusetzen.

9 4. Die Kostenentscheidung folgt aus §§ 97 Abs.1, 92 Abs. 1 ZPO sowie im Umfang der mit Schriftsatz vom 9. September 2009 zurückgenommenen sofortigen Beschwerde der Kläger in entsprechender Anwendung des § 516 Abs. 3 ZPO.

Hahne Weber-Monecke Klinkhammer

Schilling Günter

Schlagwörter

cost taxationattorney feesprocedural feeoffset rulesettlementreimbursementcivil costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the increased 1.3 procedural fee under VV RVG Nr. 3100, 1008 must be fully taken into account in cost taxation despite a prior business fee offset.

Extrahierter Entscheid

Yes. The increased procedural fee had to be counted in full because § 15a RVG is only a clarification and none of the exceptions in § 15a(2) RVG applied.

Extrahierte Begründung

The court followed its prior case law that § 15a RVG does not change the existing legal situation. Since no exception of § 15a(2) RVG was present, the full increased fee remained recoverable.

Kernrechtsfrage

Whether the lower courts' cost taxation should be amended to include the full reimbursable costs from the settlement.

Extrahierter Entscheid

The taxation had to be amended to EUR 2,512.50 plus interest.

Extrahierte Begründung

After including the full procedural fee and the advanced court costs, the reimbursable amount totaled EUR 2,512.50.

Setzen Sie Ihre Recherche in ChatGPT oder Claude fort

Verbinden Sie Omnilex, um den Rechtskorpus über Ihren KI-Assistenten zu durchsuchen.