Legal aid denied; no appeal against refusal to admit Rechtsbeschwerde

BGH IX ZA 27/10Bgh / Civil Chamber 905.07.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The BGH refused legal aid and dismissed all filed remedies as inadmissible. It held that a Rechtsbeschwerde against the challenged order decisions in the legal-aid context was not statutorily available and had not been admitted by the court below. A complaint against the refusal to admit the Rechtsbeschwerde is not provided for by the ZPO, and an extraordinary complaint is not available. The hearing complaint had to be brought before the court whose decision was challenged, so the BGH lacked competence to decide it.

Omnilex-Regeste

§ 114 S. 1 ZPO; § 574 Abs. 1 ZPO; § 544 Abs. 1 S. 1 ZPO; § 321a Abs. 2 S. 4, Abs. 4 ZPO; legal aid and admissibility of remedies against order-form decisions. Legal aid is to be refused if the intended remedy has no prospect of success; a Rechtsbeschwerde is admissible only where expressly provided by statute or expressly admitted by the court whose decision is attacked. A complaint against the non-admission of the Rechtsbeschwerde is excluded; § 544 ZPO applies only to judgments, not to decisions in order form. The hearing complaint must be raised before, and is exclusively to be decided by, the court whose decision is challenged; the BGH is not competent to decide it. An extraordinary complaint is neither provided for by the ZPO nor constitutionally required.

Gesamter Gesetzestext

BGH — IX ZA 27/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-07-05

Aktenzeichen: IX ZA 27/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 114 S 1 ZPO, § 321a Abs 2 S 4 ZPO, § 321a Abs 4 ZPO, § 544 Abs 1 S 1 ZPO, § 574 Abs 1 ZPO

Vorinstanz: vorgehend OLG Hamm, 11. Mai 2010, Az: 25 W 108/10, Beschlussvorgehend OLG Hamm, 6. April 2010, Az: 25 W 108/10, Beschlussvorgehend LG Paderborn, 4. März 2010, Az: 110 O 1058/08, Beschlussvorgehend LG Paderborn, 2. Februar 2010, Az: 110 O 1058/08, Beschluss

Spruchkörper: 9. Zivilsenat

Titelzeile

Prozesskostenhilfe für die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Rechtsbeschwerde und Zuständigkeit für die Entscheidung über eine Anhörungsrüge

Tenor

Die Rechtsbeschwerde gegen die Beschlüsse der 4. Zivilkammer der Landgerichts Paderborn vom 2. Februar 2010 und vom 4. März 2010 sowie gegen die Beschlüsse des 25. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Hamm vom 6. April 2010 und 11. Mai 2010 wird auf Kosten des Rechtsbeschwerdeführers als unzulässig verworfen. Die Anhörungsrüge und die Gegenvorstellung gegen die genannten Beschlüsse werden als unzulässig verworfen.

Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Rechtsbeschwerde in den Beschlüssen des 25. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Hamm vom 6. April 2010 und 11. Mai 2010 wird auf Kosten des Rechtsbeschwerdeführers als unzulässig verworfen.

Der Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe für die vorgenannten Rechtsbehelfe wird abgelehnt.

Gründe

1 Die Prozesskostenhilfe ist zu versagen, weil die in Aussicht genommene Rechtsverfolgung keine Aussicht auf Erfolg hat (§ 114 Satz 1 ZPO). Die vom Antragsteller angestrebte Rechtsbeschwerde wäre unstatthaft. Gemäß § 574 Abs. 1 ZPO ist gegen einen Beschluss die Rechtsbeschwerde nur statthaft, wenn dies entweder im Gesetz ausdrücklich bestimmt ist oder das Beschwerdegericht - gemeint ist das Gericht, dessen Entscheidung über eine (erste) sofortige Beschwerde mit der Rechtsbeschwerde angegriffen werden soll - die Rechtsbeschwerde ausdrücklich zugelassen hat. Beide Voraussetzungen liegen nicht vor. Die Zivilprozessordnung eröffnet die Rechtsbeschwerde gegen Entscheidungen der Beschwerdegerichte in Prozesskostenhilfeverfahren nicht allgemein. Das Oberlandesgericht hat die Rechtsbeschwerde auch nicht zugelassen. Die in erster Instanz ergangenen Beschlüsse sind ohnehin ausschließlich mit der - im vorliegenden Verfahren längst beschiedenen - sofortigen Beschwerde anfechtbar.

2 Die Nichtzulassung der Rechtsbeschwerde durch das Beschwerdegericht ist mit einer Nichtzulassungsbeschwerde nicht angreifbar. Die Zivilprozessordnung sieht ausnahmslos keine Beschwerde gegen die Nichtzulassung einer Rechtsbeschwerde vor. Die Nichtzulassungsbeschwerde ist gemäß § 544 Abs. 1 Satz 1 ZPO ausschließlich gegen Berufungsurteile eröffnet, nicht aber gegen Entscheidungen, die in Beschlussform ergehen (BGH, Beschl. v. 16. November 2007 - IX ZA 26/06, WuM 2007, 41).Der Weg einer außerordentlichen Beschwerde ist nicht eröffnet (BGHZ 150, 133 ff) und verfassungsrechtlich auch nicht geboten (vgl. BVerfGE 107, 395 ff).

3 Die Anhörungsrüge ist gemäß § 321a Abs. 2 Satz 4 ZPO bei dem Gericht zu erheben, dessen Entscheidung angegriffen wird, und gemäß § 321a Abs. 4 ZPO ausschließlich von diesem Gericht - ohne weitere Anfechtungsmöglichkeit - zu bescheiden. Deshalb waren zur Entscheidung über Anhörungsrügen im vorliegenden Verfahren ausschließlich das Landgericht und das Oberlandesgericht zuständig, nicht aber der Bundesgerichtshof als Rechtsbeschwerdegericht. Gleiches gilt für die Gegenvorstellung.

4 Die Gründe für die Verwerfung der verschiedenen Rechtsbehelfe des Antragstellers als unzulässig ergeben sich aus dem Vorstehenden.

5 Der Antragsteller kann nicht damit rechnen, Antwort auf weitere Eingaben zu erhalten.

Ganter Kayser Gehrlein

Fischer Grupp

Schlagwörter

legal aidinadmissibilityRechtsbeschwerdenon-admission complainthearing complaintjurisdictionprocedural remedy

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether legal aid should be granted for the intended Rechtsbeschwerde and related remedies

Extrahierter Entscheid

Legal aid was denied because the intended proceedings had no prospect of success; the Rechtsbeschwerde was inadmissible.

Extrahierte Begründung

Under § 114 sentence 1 ZPO, legal aid requires a reasonable prospect of success. A Rechtsbeschwerde against the challenged orders was not statutorily available, and the court of appeal had not expressly admitted it.

Kernrechtsfrage

Whether a complaint lies against the refusal to admit the Rechtsbeschwerde

Extrahierter Entscheid

The complaint against non-admission of the Rechtsbeschwerde was inadmissible.

Extrahierte Begründung

The ZPO does not provide a complaint against the refusal to admit a Rechtsbeschwerde; § 544 Abs. 1 sentence 1 ZPO concerns only appeals from judgments, not order-form decisions.

Kernrechtsfrage

Whether the hearing complaint and objection against the challenged orders were admissible before the BGH

Extrahierter Entscheid

The hearing complaint and the objection were inadmissible before the BGH because only the court whose decision is challenged may decide them.

Extrahierte Begründung

Under § 321a Abs. 2 sentence 4 and Abs. 4 ZPO, a hearing complaint must be filed with and decided by the original deciding court; here that was the LG and OLG, not the BGH.

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