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BGH IV ZR 130/08 ΓÇó Insurance coverage for site foreman under liability policy
BGH IV ZR 130/08Bgh / IV. Zivilkammer19.05.2010Dismissed
The Federal Court of Justice dismissed the defendant’s non-admission complaint in a liability insurance dispute concerning whether a site foreman was co-insured under BBR BauNG. Although the Court noted that the court below erred in treating the occupational-accident exclusion as irrelevant merely because it had not been expressly invoked, it held that this did not affect the result. On the facts found, the foreman had been entrusted with management and supervision of the construction site and therefore fell within the coverage clause. The complaint was rejected; costs were imposed on the defendant.
§ 151 Abs. 1 Satz 1 VVG a.F.; Mitversicherung eines Poliers im Rahmen einer Betriebshaftpflichtversicherung; Auslegung von Nr. 3.1.1 und Nr. 3.2 BBR BauNG. Eine Mitversicherung kann auch dann gegeben sein, wenn der Polier am Unfalltag nicht mehr in einem festen Dienstverhältnis stand, sofern er auf der Baustelle mit Leitung und Aufsicht betraut war. Der Leistungsausschluss für Arbeitsunfälle ist nicht schon deshalb unbeachtlich, weil er vom Versicherer nicht ausdrücklich geltend gemacht wurde; ergibt sich sein Tatbestand jedoch aus den Feststellungen, fehlt insoweit ein Versicherungsfall. Maßgeblich ist die nach Rechtsprechung und Literatur anerkannte weite Auslegung der Mitversicherungsklausel, die den Polier als von der Klausel erfasst behandelt (vgl. consid. 2–6).
Entscheidungsdatum: 2010-05-19
Aktenzeichen: IV ZR 130/08
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: § 151 Abs 1 S 1 VVG
Vorinstanz: vorgehend OLG Karlsruhe, 6. Mai 2008, Az: 12 U 1/08, Urteilvorgehend LG Mannheim, 28. November 2007, Az: 5 O 126/07
Spruchkörper: 4. Zivilsenat
Betriebshaftpflichtversicherung: Mitversicherung eines Poliers
Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 12. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom 6. Mai 2008 wird auf Kosten der Beklagten zurückgewiesen.
Streitwert: 120.000 €
1 Die Rechtssache hat weder grundsätzliche Bedeutung noch erfordert die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts (§ 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO).
2 1. Das angefochtene Urteil ist allerdings nicht frei von Rechtsfehlern. Bei der Prüfung, ob hier eine Mitversicherung für den Zeugen I. besteht, durfte das Berufungsgericht den Leistungsausschluss (die so genannte Arbeitsunfallklausel) aus Nr. 3.2 der Besonderen Bedingungen und Risikobeschreibungen zur Haftpflichtversicherung für Betriebe des Baunebengewerbes (BBR BauNG) nicht schon deshalb für unbeachtlich halten, weil sich die Beklagte hierauf nicht ausdrücklich berufen hatte. Ergeben sich die tatbestandsmäßigen Voraussetzungen für diesen Risikoausschluss aus dem vom Tatrichter festgestellten Sachverhalt, so liegt, was selbst das Revisionsgericht noch zu beachten hat, kein Versicherungsfall vor. Insoweit verhält es sich anders als bei der Leistungsfreiheit wegen einer Obliegenheitsverletzung (BGH, Urteil vom 12. Juni 1985 - IVa ZR 17/84 - VersR 1985, 1029 unter III).
3 2. Im Ergebnis kommt es hierauf aber nicht an, weil sich das angefochtene Urteil aus anderem Grunde als richtig erweist.
4 a) Nach den ohne Rechtsfehler getroffenen Feststellungen des Berufungsgerichts war I. von der Versicherungsnehmerin für die Baustelle, auf welcher der Geschädigte verunglückte, als Polier mit der Leitung und Aufsicht betraut. Damit besteht für ihn Versicherungsschutz nach Nr. 3.1.1 BBR BauNG und ist der Leistungsausschluss aus Nr. 3.2 BBR BauNG nicht anwendbar.
5 b) Zwar hat das Berufungsgericht offen gelassen, ob I., der am Unfalltage nicht mehr in einem festen Dienst- oder Arbeitsverhältnis bei der Versicherungsnehmerin stand, als "angestellt" im Sinne der Nr. 3.1.1 BBR BauNG anzusehen ist. Davon ist jedoch auf der Grundlage der vom Senat für zutreffend erachteten Auslegung, welche die Klausel in Rechtsprechung und Literatur gefunden hat, auszugehen (vgl. dazu Baumann in BK, VVG § 151 Rdn. 10; Schmalzl, Die Berufshaftpflicht des Architekten und des Bauunternehmers, Rdn. 447; Späte, AHB BetrH Rdn. 10; Voit/Knappmann in Prölss/Martin, VVG 27. Aufl. Betriebshaftpflicht Ziff. 7.1.2 Rdn. 6; § 151 VVG Rdn. 10, 11; OLG Stuttgart JR 1940, 62; ÖOGH VersRdsch 1956, 121; dazu, dass auch der Polier auf einer Baustelle der Mitversicherung nach Nr. 3.1.1 BBR BauNG unterfällt, vgl. Bruck/Möller/Johannsen, VVG Bd. IV Anm. H 6; a.A. Krause, VersR 1999, 819 f.).
6 c) Einen weiter gehenden grundsätzlichen Klärungsbedarf zu dieser Frage zeigt die Nichtzulassungsbeschwerde im Übrigen auch nicht auf (vgl. dazu BGH, Beschluss vom 8. Februar 2010 - II ZR 54/09- veröffentlicht in juris, unter Tz. 3). Ziff. 3.1.1 BBR BauNG entspricht dem Gesetzestext des § 151 Abs. 1 Satz 1 VVG a.F.. In § 102 VVG n.F. ist diese Regelung nicht mehr übernommen worden. Nunmehr wird Mitversicherung entweder dadurch begründet, dass die betreffende Person zur Vertretung des versicherten Unternehmens befugt ist oder zu ihr in einem Dienstverhältnis steht. Die Rechtsänderung lässt erwarten, dass entsprechende Mitversicherungsklauseln künftig am neuen Gesetzestext ausgerichtet werden, so dass sich die Frage einer "Anstellung" im Sinne des hier in Rede stehenden Klauselwortlauts in Zukunft noch seltener stellen dürfte.
7 3. Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2, Halbs. 2 ZPO abgesehen.
Terno Wendt Felsch
Harsdorf-Gebhardt Dr. Karczewski