Non-admission complaint dismissed in corporate liability case

BGH IX ZR 79/09Bgh / Civil Chamber 915.04.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court dismissed the defendant's complaint against the denial of leave to appeal. It held that no admissible revision ground was shown against the appellate court's findings on the use of an account for embezzlement, the resulting duty to investigate, the causation and fault issues, the asserted retention right based on claims against the managing director, and the handling of tax assessment notices after a tax audit. The appellate court's factual and evaluative findings were not revisably flawed. Costs were imposed on the defendant.

Omnilex-Regeste

Art. 103 Abs. 1 GG, § 31 BGB, § 276 BGB, § 278 BGB, § 831 BGB; non-admission complaint and scope of review of factual findings. A complaint against the refusal of leave to appeal must substantiate a statutory ground for admission; mere disagreement with the appellate court's assessment is insufficient. Findings of fact and the trial court's evaluation of whether bookkeeping anomalies called for further inquiry are not revisable absent a properly challenged correction of the record. Under § 31 BGB, an organ's fault is attributed as the legal person's own fault; by contrast, where liability rests only on an assistant's intentional conduct, the claimant's own negligence does not exclude liability but merely reduces the damage. A retention defense based on assigned claims requires concrete substantiation of the underlying claim prerequisites.

Gesamter Gesetzestext

BGH — IX ZR 79/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-04-15

Aktenzeichen: IX ZR 79/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 31 BGB, § 276 BGB, § 278 BGB, § 831 BGB, § 246 StGB, § 266 StGB

Vorinstanz: vorgehend OLG Hamm, 27. März 2009, Az: 25 U 58/07, Urteilvorgehend LG Arnsberg, 31. Mai 2007, Az: 4 O 28/07

Spruchkörper: 9. Zivilsenat

Titelzeile

Organhaftung: Schadensersatzanspruch einer juristischen Person wegen Nichtverhinderung von Veruntreuungen durch einen Erfüllungs- oder Verrichtungsgehilfen

Tenor

Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision im Urteil des 25. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Hamm vom 27. März 2009 wird auf Kosten des Beklagten zurückgewiesen.

Der Streitwert wird auf 352.521,16 € festgesetzt.

Gründe

1 Die Beschwerde deckt keinen Zulassungsgrund auf.

I.

2 Ohne Erfolg wendet sich der Beklagte dagegen, wegen der Nichtverhinderung von Veruntreuungen zur Schadensersatzleistung in Höhe von 167.201,50 € verurteilt worden zu sein.

3 1. Vergeblich macht der Beklagte unter Berufung auf Art. 103 Abs. 1 GG geltend, der Vorwurf des Berufungsgerichts, bestimmte Buchungen nicht hinterfragt zu haben, gehe ins Leere, weil es sich insoweit um ordnungsgemäße Buchungen gehandelt habe.

4 Nach den Feststellungen des Berufungsgerichts hat die Zeugin M. das Buchungskonto durchlaufende Positionen (Nr. 1590) für ihre Unterschlagungen zwischengeschaltet. Gegen diese tatbestandliche Feststellung hat der Beklagten einen Tatbestandsberichtigungsantrag (§ 320 ZPO) nicht geltend gemacht. Mithin ist für das Revisionsverfahren von der Richtigkeit dieser Feststellung auszugehen (vgl. BGH, Urt. v. 5. Februar 2009 - IX ZR 78/07, WM 2009, 662, 663 Rn. 13). Wurde das Konto durchlaufende Positionen im Zuge der Unterschlagungen verwendet, so bewegt sich die Annahme, dass die dort ersichtliche Verbuchung eines ungewöhnlich hohen Betrages Anlass für Nachforschungen geben konnte, innerhalb des revisionsrechtlich nicht nachprüfbaren Beurteilungsspielraumes des Tatgerichts. Im Übrigen hat das Berufungsgericht nicht in der Stornierung eines Betrages von 1.941.512,41 €, sondern in der Erfassung des Stornovorganges über das Konto durchlaufende Positionen eine Nachforschungen aufdrängende Auffälligkeit erblickt. Über diese buchungsmäßigen Besonderheiten und die sich daraus ergebende Veranlassung einer umfassenden Kontrolle der gesamten Buchführung hat der Mitarbeiter D. ausweislich des Beklagtenvorbringens die Klägerin nicht unterrichtet.

5 2. Soweit die Nichtzulassungsbeschwerde meint, durch das Versäumnis des Beklagten sei der Schaden nicht kausal hervorgerufen worden und das vorsätzliche Handeln der Zeugin M. schließe eine Einstandspflicht des Beklagten aus, wird bereits ein Zulassungsgrund nicht ordnungsgemäß dargelegt (vgl. BGHZ 152, 182, 191).

6 Das Verschulden des Organs ist gemäß § 31 BGB als unmittelbar eigenes Verschulden der juristischen Person anzusehen. Darum führt ein Vorsatz des Organs des Geschädigten zum Ausschluss von Schadensersatzansprüchen gegen nur fahrlässig handelnde Dritte. Hat der Rechtsträger hingegen - wie im Streitfall- für vorsätzliches Handeln lediglich eines Erfüllungs- oder Verrichtungsgehilfen einzustehen, wird im Falle eines fahrlässigen Handelns des Anspruchsgegners der Schaden lediglich gemindert (BGH, Urt. v. 6. Dezember 1983 - VI ZR 60/82, NJW 1984, 921, 922; Urt. v. 8. Oktober 1991 - XI ZR 207/90, NJW 1991, 3208, 3210).

7 3. Soweit der Beklagte wegen der Abtretung der Klägerin gegen ihren Geschäftsführer zustehender Schadensersatzansprüche ein Zurückbehaltungsrecht geltend macht, fehlt es an einem substantiierten Sachvortrag, dass die haftungsbegründenden Voraussetzungen eines Anspruchs aus § 43 GmbHG erfüllt sind.

II.

8 Ein Zulassungsgrund greift auch nicht ein, soweit sich der Beklagte dagegen wendet, wegen der Hinnahme von gegen die Klägerin ergangenen Schätzungsbescheiden des Finanzamts zur Schadensersatzleistung in Höhe von 185.319,66 € verurteilt worden zu sein.

9 1. Das Berufungsgericht ist ohne Verstoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG zu der Feststellung gelangt, dass der Beklagte die Möglichkeit, die Buchführung aus der Warenwirtschaft zu rekonstruieren, nicht substantiiert bestritten hat. Überdies ist die Nichtzulassungsbeschwerde der weiteren - tragenden- Erwägung des Berufungsgerichts nicht entgegengetreten, dass die von der Klägerin eingeschaltete Steuerberatungsgesellschaft nachträglich zu einer Wiederherstellung der Buchführung aus der Warenwirtschaft tatsächlich in der Lage war und Entsprechendes auch für den Beklagten gilt.

10 2. Soweit der Beklagte die als grundsätzlich eingestufte Rechtsfrage unterbreitet, welche Anforderungen an die Konkretisierung der Hinweispflicht des Steuerberaters vor Einspruch gegen Schätzungsbescheide nach Beanstandung der Buchhaltung im Rahmen einer Betriebsprüfung zu stellen sind, fehlt es bereits an einer ordnungsgemäßen Darlegung des Zulassungsgrundes (BGHZ 152, 182, 191). Die Würdigung des Berufungsgerichts, dass der Beklagte pflichtwidrig gehandelt hat, bildet ohnehin eine nicht verallgemeinerungsfähige Einzelfallentscheidung.

Ganter Gehrlein Vill

Lohmann Fischer

Schlagwörter

corporate liabilityembezzlementnon-admission complaintright to be heardcausationbookkeepingtax assessmentset-offduty to investigate

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the non-admission complaint showed a ground for revision regarding alleged violation of the right to be heard about supposedly proper accounting entries.

Extrahierter Entscheid

No revisable error was shown; the appellate court's factual finding that the account was used for the embezzlements had to be accepted.

Extrahierte Begründung

The defendant had not sought correction of the judgment record, so the appellate findings were binding. The assessment that unusual bookkeeping entries could trigger a duty to investigate fell within the trial court's discretion.

Kernrechtsfrage

Whether the intentional conduct of the employee excluded the defendant's liability or broke causation.

Extrahierter Entscheid

No. The defendant had not properly substantiated a revision ground, and where the obligor is liable only for an agent's intentional act, the claimant's negligence merely reduces the damage.

Extrahierte Begründung

The court distinguished between an organ's fault under § 31 BGB, which is attributed as the legal person's own fault, and liability for an assistant's intentional conduct. In the latter case, negligence by the defendant does not bar the claim but only reduces it.

Kernrechtsfrage

Whether a right of retention existed based on assigned claims against the claimant's managing director.

Extrahierter Entscheid

No sufficiently substantiated factual basis was provided for liability under § 43 GmbHG, so the asserted set-off/retention defense failed.

Extrahierte Begründung

Without concrete facts establishing the prerequisites of a claim against the managing director, no retention right could be derived from the assignment.

Kernrechtsfrage

Whether the defendant was liable for damage caused by unchallenged tax assessment notices after the bookkeeping was allegedly reconstructible.

Extrahierter Entscheid

No revision ground was shown; the appellate court could find that the bookkeeping could be reconstructed and that the defendant failed to dispute this in a substantiated manner.

Extrahierte Begründung

The defendant did not sufficiently challenge the finding that reconstruction from the merchandise system was possible; the court also relied on the fact that the claimant's tax adviser had in fact reconstructed the books.

Kernrechtsfrage

Whether the defendant sufficiently clarified the duty to warn before filing objections to tax estimates after an audit.

Extrahierter Entscheid

No. The legal question was not properly presented as a revision ground, and the appellate finding of breach of duty was an unreviewable case-specific assessment.

Extrahierte Begründung

The complaint did not meet the requirements for properly substantiating a ground for admission of revision.

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