Formally appointed GmbH director liable for tax evasion by omission

BGH 1 StR 105/10Bgh / I. Strafkammer14.04.2010Dismissed

Zusammenfassung

The Federal Court of Justice dismissed the accused’s revision against the Frankfurt Regional Court judgment. It held that a formal managing director of a GmbH is personally obliged to ensure compliance with tax filing duties and can therefore be liable as a perpetrator for tax evasion by omission, even if he was merely a straw man and not the mastermind or economic beneficiary. His minor role was adequately considered in sentencing. The appeal was therefore unfounded, and the accused had to bear the costs.

Regest

§ 370 Abs. 1 Nr. 2 AO in Verbindung mit §§ 1 Abs. 1 Nr. 1, 16 Abs. 1, 18 Abs. 1 und 2 UStG; Verantwortlichkeit des formellen Geschäftsführers für Steuerhinterziehung durch Unterlassen. Täter der Steuerhinterziehung durch pflichtwidriges Unterlassen ist, wer kraft besonderer gesetzlicher Pflicht zur Aufklärung steuerlich erheblicher Tatsachen verpflichtet ist. Der formelle Geschäftsführer einer GmbH trifft als gesetzlicher Vertreter die Pflicht zur Erfüllung der steuerlichen Erklärung- und Zahlungspflichten der Gesellschaft. Dass er nur als Strohmann auftrat, schließt Täterschaft nicht aus; die untergeordnete Stellung und das Fehlen eigener Bereicherung sind lediglich bei der Strafzumessung zu berücksichtigen (vgl. BGH, Beschl. v. 14.4.2010, 1 StR 105/10).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 1 StR 105/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-04-14

Aktenzeichen: 1 StR 105/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 370 Abs 1 Nr 2 AO, § 1 Abs 1 Nr 1 UStG, § 16 Abs 1 UStG, § 18 Abs 1 UStG, § 18 Abs 2 UStG

Vorinstanz: vorgehend LG Frankfurt, 6. Oktober 2009, Az: 5/29 KLs 5/09 - 7810 Js 221980/08, Urteil

Spruchkörper: 1. Strafsenat

Titelzeile

Steuerhinterziehung durch pflichtwidriges Unterlassen: Verantwortlichkeit des formellen Geschäftsführers der GmbH

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main vom 6. Oktober 2009 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat:

Entgegen der Auffassung der Revision hat das Landgericht den Angeklagten rechtsfehlerfrei wegen täterschaftlicher Steuerhinterziehung und nicht nur wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung des faktischen Geschäftsführers verurteilt. Hierzu hat der Generalbundesanwalt in seiner Antragsschrift vom 4. März 2010 zutreffend ausgeführt:

„Eine Steuerhinterziehung im Sinne von § 370 Abs. 1 Nr. 2 AO, wie sie dem Angeklagten zur Last gelegt wird, setzt ein pflichtwidriges Unterlassen voraus. Täter einer solchen Tat kann nur sein, wer zur Aufklärung steuerlich erheblicher Tatsachen besonders verpflichtet ist. Dem Angeklagten oblagen als formellem Geschäftsführer der GmbH nach den geltenden Steuergesetzen die Steuererklärungspflichten, wie aus § 34 AO zu entnehmen ist. Der Geschäftsführer hat als gesetzlicher Vertreter für die Erfüllung aller Pflichten Sorge zu tragen, welche die von ihm vertretene juristische Person treffen, also auch die zur Entrichtung der angefallenen Steuern und zur Abgabe der Erklärung gegenüber den Steuerbehörden (hier § 18 Abs. 1 und 2 UStG).“ Auch wenn er nach seiner „Stellung in dem Unternehmen eher eine Randfigur war und er lediglich als Strohmann fungierte (UA S. 5 und 6), war der Beschwerdeführer als formeller Geschäftsführer für die Erfüllung der steuerlichen Erklärungspflichten verantwortlich und hat damit in eigener Person die Tatbestände der Umsatzsteuerhinterziehung (§ 370 Abs. 1 Nr. 2 AO in Verbindung mit §§ 1 Abs. 1 Nr. 1, 16 Abs. 1, 18 Abs. 1 und 2 UStG) verwirklicht.“

Den Umstand, dass der Angeklagte weder Drahtzieher noch wirtschaftlicher Nutznießer der Umsatzsteuerhinterziehungen war, sondern nur eine untergeordnete Rolle spielte, hat das Landgericht im Rahmen der Strafzumessung ausreichend berücksichtigt.

Nack Hebenstreit Graf

Jäger Sander

Schlagwörter

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