Revision requirements and hearing of rejected expert witness

BGH 3 StR 426/09Bgh / III. Strafkammer18.03.2010Dismissed

Zusammenfassung

The Federal Court of Justice rejected the defendant’s revision against a Landgericht Itzehoe judgment as unfounded. The court held that the complaint alleging a procedural obstacle under Art. 6(2) ECHR was sufficiently substantiated, but unsuccessful on the merits. It also found no error in the trial court’s hearing of a successfully challenged expert as a witness regarding facts learned in the course of the expert assignment, nor in the use of recorded exploratory interviews. The defendant was ordered to bear the costs of the remedy and the necessary expenses of the private prosecutor in the revision proceedings.

Regest

§ 344 Abs. 2 Satz 2 StPO; § 74 StPO; § 86 StPO; revisional substantiation and hearing of a rejected expert as witness: A revision ground is sufficiently presented when the decisive facts are set out comprehensively; no separate offer of proof is additionally required (consid. 1). An expert who has been successfully challenged may nevertheless be heard as a witness concerning factual findings obtained within the scope of the expert assignment; this also permits the use of recorded exploratory interviews conducted by the expert, provided the challenge affects only the expert function and not the witness competence as such (consid. 2).

Gesamter Gesetzestext

BGH — 3 StR 426/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-03-18

Aktenzeichen: 3 StR 426/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 74 StPO, § 338 Nr 5 StPO, § 344 Abs 2 S 2 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Itzehoe, 17. März 2009, Az: Jug 3 KLs 21/06 - 307 Js 22148/06 jug, Urteil

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Strafverfahren: Notwendiger Inhalt der Revisionsbegründung; Vernehmung eines abgelehnten Sachverständigen als Zeugen

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Itzehoe vom 17. März 2009 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die der Nebenklägerin im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

Ergänzend zu der Begründung der Antragsschrift des Generalbundesanwalts bemerkt der Senat:

  1. Die Rüge, es bestehe ein Verfahrenshindernis nach Art. 6 Abs. 2 MRK ist zulässig erhoben. Der Beschwerdeführer hat vorgetragen, dass er sich dem Einstellungsantrag der Mitangeklagten angeschlossen hat. Der Mitteilung des Hauptverhandlungsprotokolls bedurfte es entgegen der Auffassung des Generalbundesanwalts nicht. § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO verpflichtet den Beschwerdeführer nur zum vollständigen Tatsachenvortrag, nicht auch darüber hinausgehend zum Beweisantritt (BGH NStZ 2009, 145). Die Rüge greift aber aus den vom Generalbundesanwalt ergänzend dargelegten Gründen in der Sache nicht durch.

  2. Die Rüge einer "Verletzung der §§ 74, 86 StPO" zeigt einen Rechtsfehler nicht auf. Das Landgericht durfte die erfolgreich abgelehnte Sachverständige über die von ihr im Rahmen ihres Auftrags - die Erstellung eines aussagepsychologischen Gutachtens - ermittelten Tatsachen als Zeugin vernehmen (BGH NStZ 2002, 44; NJW 2005, 445, 447 [insoweit in BGHSt 49, 381 nicht abgedruckt]). Damit war auch die ergänzende Augenscheinseinnahme der auf Tonband aufgezeichneten Explorationsgespräche, die die abgelehnte Sachverständige mit der kindlichen Zeugin geführt hatte, zulässig.

Becker Pfister Hubert

Schäfer Mayer

Schlagwörter

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