No fundamental question on proportionality of expulsion

BVerwG 1 B 3/10Bverwg / 1. Abteilung18.03.2010Dismissed

Zusammenfassung

The Federal Administrative Court dismissed the claimant’s complaint against the refusal to admit revision. The claimant argued that, under Art. 8 ECHR, expulsion after more than ten years of social integration would be disproportionate, especially because addiction treatment had allegedly been refused in prison. The court held that this did not raise a fundamentally clarifiable question: proportionality in expulsion cases depends on an assessment of the individual circumstances and a balancing of the public interests against the foreigner’s interests. Costs were imposed on the claimant; the amount in dispute was set at EUR 5,000.

Regest

§ 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO; fundamental significance in expulsion cases under Art. 8 ECHR requires a question capable of abstract clarification beyond the individual case. The proportionality of expulsion is determined by a case-specific balancing of the public interest in removal against the foreigner’s private and family interests, taking account of the criteria developed in the case law of the Federal Administrative Court, the Federal Constitutional Court, and the ECtHR. A complaint merely disputing the application of these standards to the facts of the case does not establish a need for clarification (consid. 3).

Gesamter Gesetzestext

BVerwG — 1 B 3/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-03-18

Aktenzeichen: 1 B 3/10

Dokumenttyp: Beschluss

Vorinstanz: vorgehend Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, 4. November 2009, Az: 11 S 654/09, Urteil

Spruchkörper: 1. Senat

Tenor

Die Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg vom 4. November 2009 wird zurückgewiesen.

Der Kläger trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens.

Der Wert des Streitgegenstands wird für das Beschwerdeverfahren auf 5 000 Euro festgesetzt.

Gründe

1 Die auf eine grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache (§ 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO) gestützte Beschwerde hat keinen Erfolg.

2 Die Beschwerde hält mit Blick auf Art. 8 EMRK für grundsätzlich klärungsbedürftig,

"ob eine Ausweisung und Trennung von der Familie und dem Land, in das man sich über 10 Jahre sozial integriert hat, verhältnismäßig ist, wenn die angelastete Suchtproblematik aufgrund der Verweigerung einer Therapie im Strafvollzug nicht angegangen werden konnte und damit zugleich die Motivation zur Bearbeitung des Aggressionspotenzials aufgegeben wurde."

3 Insoweit fehlt es indes an jeglicher Darlegung, inwiefern es sich hierbei um eine Frage handelt, die sich losgelöst von den sonstigen tatsächlichen Gegebenheiten des Falles in verallgemeinerungsfähiger, grundsätzlicher Weise beantworten lässt. Im Übrigen ist in der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, des Bundesverfassungsgerichts und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte geklärt, dass es bei der Frage der Verhältnismäßigkeit einer einzelfallbezogenen Würdigung und Abwägung der für die Ausweisung sprechenden öffentlichen Belange und der gegenläufigen Interessen des Ausländers unter Beachtung der vom Gerichtshof hierzu entwickelten Kriterien bedarf (vgl. Senatsurteil vom 22. Oktober 2009 - BVerwG 1 C 26.08 - juris Rn. 28 m.w.N.; zur Veröffentlichung in der Entscheidungssammlung BVerwGE vorgesehen). Ein darüber hinausgehender Klärungsbedarf wird von der Beschwerde nicht dargelegt.

4 Der Senat sieht von einer weiteren Begründung ab (§ 133 Abs. 5 Satz 2 Halbs. 2 VwGO).

5 Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2 VwGO. Die Streitwertfestsetzung ergibt sich aus § 47 Abs. 1 und 3 sowie aus § 52 Abs. 2 GKG.

Schlagwörter

expulsionfamily lifeproportionalityfundamental significancesocial integrationECtHR criteriacosts