Recusal of a judge after declining legal representation

39/93Verfassungsgericht18.05.1993Staats- und VerfassungsrechtNichteintreten

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The complainant filed a constitutional complaint against Land Berlin concerning alleged omissions in service in divorce proceedings and later sought the recusal of several judges. The court found the allegations against the President, Vice-President, A.-R., C.-P. and D. unintelligible. Judge E.'s earlier refusal to provide legal representation did not, without further circumstances, establish apparent bias; the court also found no statutory ground for his exclusion because the earlier contemplated matter apparently differed from the constitutional complaint. The complaint itself did not show a concrete possibility of a violation of rights under the Constitution of Berlin and was not accepted.

Omnilex-Regeste

§ 16 Abs. 1 Nr. 2 VerfGHG; § 23 Satz 2 VerfGHG; apparent bias and statutory exclusion of a judge; substantiation of a constitutional complaint. A judge's prior refusal to act as counsel for a later complainant does not, without additional circumstances, give rise to a reasonable concern that the judge will lack the independence and impartiality required in the subsequent proceedings. The identity of the subject matter of the earlier contemplated proceedings and the constitutional complaint is relevant to whether statutory exclusion applies. A constitutional complaint must set out facts demonstrating a concrete possibility that public authority has violated a right guaranteed by the Constitution of Berlin; where that threshold is not met, the decision may dispense with further reasons under § 23 sentence 2 VerfGHG.

Gesamter Gesetzestext

Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin — 39/93 — Beschluss

Entscheidungsdatum: 1993-05-18

Aktenzeichen: 39/93

ECLI: ECLI:DE:VERFGBE:1993:0518.39.93.0A

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 17 VGHG BE, § 16 Abs 1 Nr 2 VGHG BE

Rechtskraft: ja

Orientierungssatz

  1. Die Ablehnung anwaltlicher Interessenvertretung für den späteren Beschwerdeführer allein kann ohne Hinzutreten weiterer Umstände nicht zu der Annahme führen, der abgelehnte Richter werde dem Verfahren nicht mit der vorausgesetzten Unabhängigkeit und Unparteilichkeit gegenübertreten.

Gründe

1 Mit Schreiben vom 7. August 1992 hat der Beschwerdeführer "Verfassungsbeschwerde gegen das Land Berlin wegen laufender Verletzung der Grundrechte der Bundesrepublik Deutschland in Bezug von Amtsunterlassungen etc. in der Zustellung eines rechtskräftig beschlossenen Ehescheidungsverfahrens" erhoben. Mit Schreiben vom 12. März 1993 hat er verschiedene Richterinnen und Richter des Verfassungsgerichtshofs wegen Besorgnis der Befangenheit abgelehnt.

2 Soweit eine Besorgnis der Befangenheit des Präsidenten, des Vizepräsidenten, der Richterinnen A.-R. und C.-P. sowie des Richters D. vorgetragen wird, sind diese Darlegungen bereits inhaltlich nicht nachvollziehbar.

3 Die Besorgnis der Befangenheit des Richters E. gründet der Beschwerdeführer darauf, daß dieser "seinerzeit durch mich betraut worden" sei, "die Ehescheidung weiterzuführen. Er nahm zwar keine Gebühren, lehnte aber eine richtige Anwaltsberatung ab." Aus diesem Vortrag kann eine begründete Besorgnis nicht hergeleitet werden, denn die Ablehnung anwaltlicher Interessenvertretung allein kann ohne das Hinzutreten weiterer Umstände nicht zu der Annahme führen, der abgelehnte Richter werde dem Verfahren nicht mit der vorausgesetzten Unabhängigkeit und Unparteilichkeit gegenübertreten. Dabei ist auch darauf hinzuweisen, daß der Streitgegenstand des seinerzeit beabsichtigten Verfahrens und derjenige der nunmehrigen Verfassungsbeschwerde offenbar nicht identisch sind. Aus diesem Grunde ist der Richter E. auch nicht etwa bereits von Gesetzes wegen nach § 16 Abs. 1 Nr. 2 VerfGHG ausgeschlossen.

4 In der Sache selbst ist der Beschwerdeführer mit Schreiben des Verfassungsgerichtshofs vom 5. März 1993 darauf hingewiesen worden, daß seine Sachdarstellung keine konkrete Möglichkeit der Verletzung in der Verfassung von Berlin verbürgter Grundrechte durch die öffentliche Gewalt des Landes Berlin aufzeigt. Im Hinblick auf § 23 S. 2 VerfGHG bedarf dieser Beschluß daher keiner weiteren Begründung.

5 Die Entscheidung über die Kosten folgt aus den §§ 33 f. VerfGHG.

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Schlagwörter

judicial impartialityrecusalstatutory disqualificationconstitutional complaintsubstantiation

The allegations against the President, Vice-President, A.-R., C.-P. and D. were not intelligible; Judge E.'s earlier refusal to represent the complainant did not, without additional circumstances, establish apparent bias.

Declining legal representation alone does not show that a judge will lack independence or impartiality. The earlier intended proceedings and the constitutional complaint also apparently had different subject matters.

Judge E. was not disqualified by law.

The subject matter of the earlier contemplated proceedings was apparently not identical to that of the constitutional complaint.

The complainant's account did not show a concrete possibility that public authority of Land Berlin had violated rights guaranteed by the Constitution of Berlin.

The complaint did not substantiate a possible violation of constitutionally guaranteed rights; under § 23 sentence 2 VerfGHG, no further reasons were required.

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