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VPB/JAAC/GAAC/PAAF 2016, Ausgabe vom 26. Januar 2016 38
VPB 1/2016 vom 26. Januar 2016
2016.4 (S. 38–43) Gesuch um Erteilung einer Bewilligung betreffend Erteilung von Auskünften an ein US-Zivilgericht (Art. 271, Ziff. 1 StGB) EJPD, Bundesamt für Justiz Verfügung vom 12. Februar 2014
Stichwörter: Verbotene Handlungen für einen ausländischen Staat, internationale Rechtshilfe in Zivilsachen/Beweiserhebung, Erteilung von Auskünften in einem ausländischen Zivilverfahren
Mots clés: Actes exécutés sans droit pour un État étranger, entraide judiciaire internationale en matière civile / administration des preuves, communication de renseignements dans une procédure civile étran- gère
Termini chiave: Atti compiuti senza autorizzazione per conto di uno Stato estero, assistenza giudizia- ria internazionale in materia civile/assunzione delle prove, comunicazione di informazioni in un proce- dimento civile estero
Regeste: Art. 271 StGB. Bewilligungsgesuch betreffend Erteilung von Auskünften an ein US-Zivilgericht. Die gerichtliche Aufforderung hätte über den Rechtshilfeweg erfolgen müssen. Offengelassen, ob das aus- ländische Gericht Art. 271 Ziff. 1 Abs. 1 StGB erfüllt. Die Herausgabe von Unterlagen wie auch die Erteilung von Auskünften über das Vorhandensein solcher Unterlagen durch ein Privatrechtssubjekt in einem ausländischen Beweisverfahren ist nur in besonderen Fällen als Handlung im Sinne von Art. 271 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu qualifizieren. Ein solcher Fall ist nicht gegeben, wenn wie vorliegend keine iden- tifizierenden Informationen über Dritte herausgegeben werden. Ein strafbares Verhalten nach Art. 271 Ziff. 1 Abs. 3 StGB (Vorschubleisten) kommt schon insofern nicht infrage, als die Herausgabe der Unterlagen für die allfällige Haupttat auf Seiten des Gerichts nicht mehr kausal wäre. Bewilligungspflicht verneint. Regeste: Art. 271 CP. Demande d’autorisation pour la communication de renseignements à un tribunal civil des États-Unis d’Amérique. La notification du tribunal aurait dû passer par la voie de l’entraide judiciaire. La question de savoir si le tribunal étranger a commis un acte au sens de l’art. 271, ch. 1, par. 1, CP reste ouverte. En tout état de cause, la remise de documents tout comme la communication de renseigne- ments sur l’existence de tels documents par un sujet de droit privé dans une procédure probatoire étran- gère ne constituent un acte au sens de l’art. 271, ch. 1, par. 1, CP que dans des cas particuliers. L’acte n’est pas constitué lorsque les informations communiquées ne permettent pas d’identifier des tiers, comme dans le cas d’espèce. Étant donné que la remise des documents ne saurait être la cause de l’acte principal, qui serait commis par le tribunal, l’infraction visée à l’art. 271, ch. 1, par. 3, CP (favoriser de tels actes) n’entre pas en ligne de compte. Aucune demande d’autorisation n’est donc nécessaire.
Gesuch um Erteilung einer Bewilligung EJDP, Bundesamt für Justiz
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Regesto: Art. 271 CP. Domanda di autorizzazione riguardante la comunicazione di informazioni a un tribunale civile statunitense. La richiesta del tribunale avrebbe dovuto seguire la via dell’assistenza giudiziaria. Non è stato chiarito se il tribunale estero ha rispettato l’art. 271 n. 1 cpv. 1 CP. La consegna di documenti come anche la comunicazione di informazioni sull’esistenza di simili documenti da parte di un soggetto di diritto privato in una procedura probatoria estera può essere qualificata di atto ai sensi dell’art. 271 n. 1 cpv. 1 CP soltanto in casi particolari. Tale atto non è adempiuto quando, come nella fattispecie, le informazioni comunicate non permettono di identificare terzi. Dato che la consegna di documenti non è la causa dell’atto principale, che sarebbe commesso dal tribunale, il comportamento punibile secondo l’articolo 271 n. 1 cpv. 3 CP (favoreggiamento) non entra in considerazione. L’obbligo di autorizzazione non è riconosciuto.
Rechtliche Grundlagen: SR 311.0, SR 172.010.1, SR 0.274.132, SR 172.041.1, SR 172.041.0 Art. 271 Ziff. 1 StGB, Art. 31 RVOV, Art. 2 Abs. 1 AIIgGebV, Art.13 V. über die Kosten und Entschädi- gungen im Verwaltungsverfahren
Base juridique: RS 311.0, RS 172.010.1, RS 0.274.132, RS 172.041.1 et RS 172.041.0 Art. 271, ch. 1, CP, art. 31 OLOGA, art. 2, al. 1, OGEMol et art. 13 de l’ordonnance sur les frais et indemnités en procédure administrative
Base giuridica: RS 311.0, RS 172.010.1, RS 0.274.132, RS 172.041.1, RS 172.041.0 Art. 271 n. 1 CP, art. 31 OLOGA, art. 2 cpv. 1 OgeEm, art. 13 O sulle tasse e spese nella procedura amministrativa
Gesuch um Erteilung einer Bewilligung EJDP, Bundesamt für Justiz
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Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement Fehler! Unbekannter Name für Dokument-Eigenschaft.
Unser Zeichen: 6.8.1.3/C 0000196/IRH2014001074
Bern, 12. Februar 2014
Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement
Nach Einsicht in das
Gesuch vom 28. Januar 2014 der [X] AG, [...], vertreten durch [...], (Gesuchstellerin)
betreffend Erteilung einer Bewilligung im Sinne von Artikel 271 Ziffer 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937 (StGB, SR 311.0)
zieht in Erwägung:
Gesuch um Erteilung einer Bewilligung EJDP, Bundesamt für Justiz
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I. Sachverhalt
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II. Rechtliches
Gesuch um Erteilung einer Bewilligung EJDP, Bundesamt für Justiz
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und Übermittlung von eigenen Informationen und der Erhebung und Übermittlung von identifizie- renden Informationen über Dritte. Nur im letzteren Fall wird von der Notwendigkeit einer Bewilli- gung nach Art. 271 StGB ausgegangen. 12. Gemäss der Umschreibung im Gesuch geht es lediglich darum mitzuteilen, ob und wie viele Un- terlagen gefunden wurden und welcher Art die gefundenen Dokumente sind. Angesichts der gros- sen Anzahl betroffener Personen und Gesellschaften darf angenommen werden, dass eine Aus- kunft dieser Art es nicht erlaubt, spezifische Kundenbeziehungen zu ermitteln. Von identifizieren- den Informationen über Dritte im Sinne der oben erwähnten Praxis ist daher nicht auszugehen. Inwieweit damit auch die Strafbarkeit nach Art. 47 BankG entfällt, ist vorliegend nicht zu entschei- den. 13. Es bleibt somit zu prüfen, ob für den Fall, dass das Verhalten des [US-]Gerichts oder der auf seine Ermächtigung hin handelnden Rechtsvertreter der [Klägerin 1] als Handlung im Sinne Art. 271 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu qualifizieren ist, die Gesuchstellerin die Tatbestandsvariante des Vor- schubleistens (Abs. 3 von Art. 271 Ziff. 1 StGB) erfüllt. Inwieweit diese Tatbestandsvariante die blosse Mitwirkung an einer Handlung im Sinne von Art. 271 StGB durch einen Privaten miterfasst, ist in der Literatur umstritten (vgl. H USMANN, a.a.O., N 39, sowie [...] des Parteigutachtens [...]). Aus dem Begriff "Vorschub leisten" ergibt sich aber als Mindestvoraussetzung, dass das Verhal- ten der mitwirkenden Person in irgendeiner Form kausal sein muss. Auch das Bundesgericht (BGE 114 IV 128 E. 4) scheint von einem kausalen Verhalten auszugehen, spricht es doch von "Beihilfe" oder "Vorbereitung". 14. Vorliegend besteht die Handlung, die einer schweizerischen Behörde vorbehalten wäre, im Erlass einer Beweisverfügung an ein Unternehmen mit Sitz in der Schweiz. Diese Handlung ist abge- schlossen. Die Gesuchstellerin hat sich erfolglos gegen die Verfügung gewehrt, und diese ist nun endgültig. Die Gesuchstellerin kann im aktuellen Stadium nicht mehr darauf Einfluss nehmen. Von einem Vorschubleisten kann daher nicht die Rede sein. 15. Demnach ist festzustellen, dass das im Bewilligungsgesuch umschriebene Verhalten den Tatbe- stand von Art. 271 StGB nicht erfüllt. Damit wird nichts in Bezug auf Handlungen gesagt, die über die im Gesuch umschriebenen hinausgehen. Sollte im Fall einer erfolgreichen Suche das [US- ]Gericht in erneuter Umgehung des Rechtshilfewegs die Herausgabe der aufgefundenen Unter- lagen verfügen, wäre die Zulässigkeit des angeordneten Verhaltens nach Art. 271 StGB erneut zu prüfen. 16. Gemäss Art. 2 Abs. 1 der Allgemeinen Gebührenverordnung (AllgGebV) vom 8. September 2004 (SR 172.041.1) hat eine Gebühr zu bezahlen, wer eine Verfügung veranlasst oder eine Dienst- leistung beansprucht. Die Gebühr wird vorliegend gestützt auf Artikel 13 der Verordnung über die Kosten und Entschädigungen im Verwaltungsverfahren vom 10. September 1969 (SR 172.041.0) auf [...] festgelegt. Gestützt darauf wird verfügt: I. Es wird festgestellt, dass die Handlungen, für die um Bewilligung nachgesucht wird, den Tat- bestand von Art. 271 Ziff. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuches nicht erfüllen. Das Bewilli- gungsgesuch wird damit gegenstandslos. II. Die Kosten dieses Verfahrens betragen [...] und werden der Gesuchstellerin auferlegt. Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement Simonetta Sommaruga, Departementsvorsteherin
Volume Volume Seite 38-43 Page Pagina Ref. No 150 000 329 Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert. Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale. Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.