JAAC 53.1 Mitteilung des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements an die Subkommission der Kommission des Nationalrates für die Parlamentsreform, vom 28. September 1988; Communication du Département fédéral de justice et police à la sous-commission de la commission du Conseil national pour la réforme du Parlement, du 30 septembre 1988 Assemblée fédérale. Portée de l’art. 87 Cst. Cette disposition exige un quorum non seulement lors des décisions mais également lors des délibérations. Aucune modification par droit coutumier, mais uniquement par une revision éventuelle de la constitution. Sanction. Bundesversammlung. Tragweite von Art. 87 BV. Gefordert ist sowohl ein Beschlussesquorum als ein Verhandlungsquorum. Keine Änderung durch Gewohnheitsrecht, sondern nur durch allfällige Verfassungsrevision. Sanktion. Assemblea federale. Portata dell’art. 87 Cost. La disposizione esige un quorum non soltanto in occasione delle decisioni, ma anche delle deliberazioni. Nessuna modificazione attuata passando per il diritto consuetudinario, bensì per una revisione eventuale della Costituzione. Sanzione. 1
Die Frage lautet, ob Art. 87 BV nur einBeschlussesquorumverlangt oder auch einVerhandlungsquorum,und welcheSchlussfolgerungensich aus der Antwort ergeben. La question est de savoir, d’une part, si lequorumexigé par l’art. 87 Cst. ne concerne que lesdécisionsou s’il doit également être atteint durant les délibérations,et d’autre part, quellesconclusionsil convient d’en tirer. 1.Art. 87 BV hat - seit 1848 - in den drei Amtssprachen folgendenWortlaut: «Um gültig verhandeln zu können, ist die Anwesenheit der absoluten Mehrheit der Mitglieder des betreffenden Rates erforderlich.» «Un conseil ne peut délibérer qu’autant que les députés présents forment la majorité absolue du nombre total de ses membres.» «Per validamente deliberare è necessaria la presenza della maggioranza assoluta dei membri del rispettivo Consiglio.» Nach seinem Wortlaut verlangt der Verfassungsartikel in allen drei Amtssprachen eindeutig einAnwesenheitsquorum für die Verhandlungen schlechthin(«verhandeln», «délibérer», «deliberare»). Zu diesen gehört, sozusagen als letzte und entscheidende Etappe der Beratungen, auch die Beschlussfassung,selbst wenn sie im Text nicht besonders erwähnt wird. Für beides,die Beratung und den Beschluss,istalsodie Anwesenheit der absoluten Mehrheit eines Rates erforderlich:im Nationalrat somit 101 und im Ständerat 24 Mitglieder. 2.DieRatsreglementeder letzten 50 Jahre - die früheren wurden nicht nachgeprüft - haben die Verfassungsbestimmung stets in diesem Sinn verstanden und konkretisiert:
Von dieser Auffassung ist er aber im neuen Kommentar zur Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (Basel 1987, Randziff. 3-5 zu Art. 87) klar abgerückt und bekennt sich nun ebenfalls überzeugt zum Erfordernis des Anwesenheitsquorums für die ganze Dauer der Verhandlungen. Dieser Betrachtungsweise schliessen sichUlrich Häfelin / Walter Halleran (Schweiz. Bundesstaatsrecht, ein Grundriss, 2. Aufl., Zürich 1988, Randziff. 762, XLVI, S. 574), die allerdings beifügen, dass die Praxis nur ein Beschlussesquorum verlange. 4.DiePraxisscheint - jedenfalls im Nationalrat - in der Tat häufig und intensivandere Wegegegangen zu sein. Sie begnügt sich offenbar mit einemBeschlussesquorum,wobei hier offen bleiben muss, wie streng dieses Erfordernis faktisch gehandhabt wird; wir konnten der Frage schon aus Zeitgründen nicht nachgehen. 5.DerGesetzgeberhat bisher Art. 87 BV nicht konkretisiert. Er hatte aber Gelegenheit, über einen ähnlich gelagerten Sachverhalt zu legiferieren, nämlich überArt. 100 BVmit folgendem Wortlaut: «Um gültig verhandeln zu können, müssen wenigstens vier Mitglieder des Bundesrates anwesend sein.» «Le Conseil fédéral ne peut délibérer que lorsqu’il y a au moins quatre membres présents.» «Per trattare e risolvere legalmente devono essere presenti almeno quattro membri.» Die textlichen Unterschiede innerhalb der drei Amtssprachen einerseits und die teilweise abweichende Terminologie im Vergleich zu Art. 87 BV anderseits sind nicht zu übersehen. Frappanter sind jedoch die materielle Ähnlichkeit der beiden Bestimmungen und die strenge Auslegung des «Bundesratsartikels 100 BV» durch den Gesetzgeber. Dieser verlangt in Art. 14 des BG vom 19. September 1978 über die Organisation und die Geschäftsführung des Bundesrates und der Bundesverwaltung (Verwaltungsorganisationsgesetz [VwOG], SR 172.010) sowohl einVerhandlungsquorum(4 Mitglieder) als auch einBeschlussesquorum (3der stimmenden Mitglieder bei Sachgeschäften und die Mehrheit der anwesenden Mitglieder bei Wahlen). Die gleiche Regelung enthielt schon das Gesetz von 1914 (Art. 7 und 8; BS 1, 261). Die strenge Auslegung der für den Bundesrat geltenden Verfassungsbestimmung durch den Gesetzgeberdeckt sichmit der Auslegung der für die beiden Räte geltenden Verfassungsbestimmung durch die Ratsreglemente und die Doktrin. Nicht in dieses Konzept passt einzig die Praxis. 6.Zusammenfassend lässt sich die gestellteFragedemnach wie folgt beantworten:derWortlautdes Verfassungsartikels 87, dieReglemente der beiden Räte und dieDoktrinverlangen einVerhandlungsquorum(das Beschlussesquorum logischerweise eingeschlossen), wogegen diePraxis des Nationalrates - wenn überhaupt - es bei einemBeschlussesquorum bewenden lässt. DerGesetzgeberhat den ähnlich gelagerten Art. 100 BV ebenfalls im Sinne einesVerhandlungsquorumskonkretisiert. Das Bundesamt 3
für Justiz ist der Überzeugung, dass die Verfassung für beide Gewalten, die Bundesversammlung und den Bundesrat, einVerhandlungsquorumund nicht nur ein Beschlussesquorum verlangt. 7.In Art. 87 BV eine blosseOrdnungsvorschrifterblicken zu wollen, wäre abwegig;die Bestimmung ist nicht weniger verbindlich als alle andern Verfassungsnormen. Dürfte man die Praxis des Nationalrates allenfalls als verfassungskonträres, aber verfassungsderogierendesGewohnheitsrechtgelten lassen, etwa mit der Begründung, es sei praktisch überhaupt nicht möglich, Art. 87 BV zu befolgen? Zunächst ist daran zu erinnern, dass sich Gewohnheitsrechtnicht contra constitutionem bildenkann ( BGE 91 I 266). Sodann ist freilich zuzugeben, dass die römische Maxime «ultra posse nemo obligatur» (Unmögliches kann man von niemandem verlangen) noch immer aktuell ist. Allerdings scheint dem Bundesamt für Justiz, dass man sich nicht mit Erfolg auf diese Maxime berufen könne,solange nicht alle tauglichen und zumutbaren Mittel ausgeschöpft wurden,um der Verfassung Genüge zu tun. Es kann nicht dessen Aufgabe sein, der Frage nachzugehen, ob diese Voraussetzung im vorliegenden Fall als erfüllt angesehen werden könnte. Wird übrigens die Bestimmung heute als überholt, als unzweckmässig oder gar als nicht praktikabel empfunden, so kann sieim Weg der Verfassungsrevision geändert oder beseitigtwerden. Eine isolierte Partialrevision hätte indessen zur Zeit kaum Aussicht auf Erfolg. Die von der Bundesversammlung beschlosseneTotalrevision der Verfassungböte eine günstige Gelegenheit. Zu denken wäre etwa an die Möglichkeit, die Materie auf Gesetzesebene herabzustufen in der Meinung, dass es inskünftig Sache des Gesetzgebers sein soll, ob und gegebenenfalls wie er das Problem lösen will. Ein ausdrücklicher Auftrag aus dem Schosse eines Rates würde die entsprechenden Vorbereitungen des Bundesrates wesentlich erleichtern. 8.Erträgt das VerhandlungsquorumAusnahmen?Will man die Verfassungsbestimmung nicht mit formalistischer Strenge handhaben, so könnte man die Frage dort bejahen, wodie Verhandlungen nicht ineine Entscheidung,einen Beschluss münden.Wir denken an die Fragestunde oder an Interpellationsberatungen nach beschlossener Diskussion. Würde dabei das Quorum so tief gesenkt, dass die «Beratungen» im Ergebnis einem blossen Dialog zwischen Fragesteller und Antwortgeber gleichkämen, so müsste man sich im Rahmen der laufenden Parlamentsreform allerdings ernsthaft fragen, ob solche Instrumente überhaupt noch erhaltenswert sind, das heisst, ob die gewünschten Auskünfte nicht einfacher und billiger auf direktem Weg (persönlich, brieflich, telefonisch) bei der Verwaltung beschafft werden sollten.
Ob «gültig» beraten und beschlossen worden ist,entscheiden die Rätein eigener Zuständigkeit. Ist einErlassin derGesamtabstimmung(einfacher Bundesbeschluss) oder in derSchlussabstimmung(Verfassungsartikel, Gesetz, allgemein-verbindlicher Bundesbeschluss)angenommenworden, so ist er - stillschweigend -als gültig zu betrachten(Burckhardt, a.a.O.; Aubert, Kommentar, Randziff. 7 zu Art. 87). Ein allfälliger früherer Mangel (fehlendes Quorum) wäre dadurch automatischgeheilt(Aubert, a.a.O.). Diese Schlussfolgerung gilt sinngemäss fürWahlen(Aubert, a.a.O.). 10.Ergebnis:
Ces textes laissent, certes, apparaître quelques différences de nature rédactionnelle. Mais ils confirment tous et de manière concordante - certains reprennent textuellement la disposition constitutionnelle - le principe du quorum de présence exigé pour toute la durée des délibérations. 3.Ladoctrine -assez peu abondante dans ce domaine - admet également l’existence d’unquorum de présence lors des délibérations et des décisions. Parmi les écrits relativement anciens, il convient de mentionner les contributions deWalter Burckhardt(Kommentar der Bundesverfassung, Berne 1931, p. 699/700) et dePaul Cron(Die Geschäftsordnung der schweizerischen Bundesversammlung, Université Fribourg 1946, p. 100-102, 216 et 231). Dans son Traité de droit constitutionnel suisse (Neuchâtel 1967/1982, N o 1393), Jean-François Aubertestimait encore qu’un quorum n’était pas nécessaire lors des délibérations et qu’il n’était requis que pour les décisions. Cependant, il s’écarte nettement de ce point de vue, dans le nouveau Commentaire de la Constitution fédérale (1987, ch. marginaux 3-5 relatifs à l’art. 87) et se déclare lui aussi convaincu de la nécessité d’atteindre le quorum de présence pendant toute la durée des délibérations.Ulrich Häfelin / Walter Haller(Schweiz. Bundesstaatsrecht, Zurich 1988, ch. marginal 762) partagent cette opinion, tout en précisant que la pratique n’exige le quorum que pour les seules décisions. 4.Lapratique -du moins celle du Conseil national - semble effectivement emprunter souvent et allégrement desvoies bien différentes.Elle se contente manifestementd’un quorum pour les décisionset, même dans ce cas, il convient de se demander jusqu’à quel point cette exigence est scrupuleusement observée dans les faits; nous n’avons pas eu le temps d’approfondir cette question. 5.Jusqu’à maintenant, l’art. 87 Cst. n’a pas été concrétisé par lelégislateur. Celui-ci a pourtant eu l’occasion de légiférer sur une situation analogue, à savoir surl’art. 100 Cst.,dont la teneur est la suivante: «Le Conseil fédéral ne peut délibérer que lorsqu’il y a au moins quatre membres présents.» «Um gültig verhandeln zu können, müssen wenigstens vier Mitglieder des Bundesrates anwesend sein.» «Per trattare e risolvere legalmente devono essere presenti almeno quattro membri.» Il convient de relever les divergences qui apparaissent au niveau du texte dans les trois langues officielles, ainsi que la terminologie, en partie différente de celle utilisée à l’art. 87 Cst. Cependant, on est frappé par l’analogie matérielle des deux dispositions, ainsi que par l’interprétation stricte que le législateur donne de l’art. 100 Cst. sur le Conseil fédéral. L’art. 14 de la LF du 19 septembre 1978 sur l’organisation et la gestion du Conseil fédéral et de l’administration fédérale (Loi sur l’organisation de l’administration [LOA], RS 172.010) exige en effet unquorumtant pour lesdélibérations(4 membres) que pour lesdécisions (voixde 3 membres pour les décisions objectives et majorité des membres présents pour les nominations). La loi de 1914 (art. 7 et 8, RS 1, 261) contenait déjà une réglementation identique. L’interprétation stricte que fait le législateur de la disposition constitutionnelle relative au Conseil 6
fédéralcorrespond àl’interprétation que font les règlements des conseils et la doctrine de la disposition constitutionnelle relative aux deux Chambres. Seule la pratique s’écarte de cette conception. 6.En résumé,on peut doncrépondrede la manière suivante à la question posée: lateneurde l’art. 87 Cst., lesrèglementsdes deux conseils, de même que la doctrine exigent que lequorumsoit atteintlors des délibérations(et par voie de conséquence également lors des décisions), alorsqu’en pratique,le Conseil national s’en tient à la règle duquorum lors des décisions -si tant est qu’il l’applique. Lelégislateura interprété une disposition similaire - l’art. 100 Cst. dans le sens d’unquorumexigélors des délibérations.L’Office fédéral de la justice est convaincu que la constitution exige pour les deux formes de pouvoir
une forme plus simple et moins coûteuse (personnellement, par lettre, par téléphone). A première vue, nous n’entrevoyons pas d’autres possibilités d’exceptions. 9.Enfin, nous abordons encore le problème de lasanction.En vertu de la teneur -stricte - de la norme constitutionnelle et selon ladoctrine(Burckhardt, op. cit.; Cron, op. cit.; Aubert, Commentaire, ch. marginal 6 ad art. 87), l’inobservation de la règle du quorum entraîne lanullité(des débats ou des décisions). On peut donc en déduire la nécessité d’interrompre les débats ou de reporter la décision jusqu’à ce que le quorum soit atteint.Il incombeen premier lieuaux présidents des conseilsde veiller au respect et au rétablissement d’une situation conforme à la constitution (R du CN, art. 44 al. 3; R du CE, art. 40 al. 2). Les conseilsont eux-mêmes la compétence dedéterminers’ils ont ou non valablement délibéré et pris leurs décisions. Lorsqu’untexte aétéacceptédans unvote sur l’ensemble(arrêté fédéral simple) ou dans unvote final(article constitutionnel, loi, arrêté fédéral de portée générale), il doit être - tacitement -considéré comme valable(Burckhardt, op. cit.; Aubert, Commentaire, ch. marginal 7 ad art. 87). Les éventuelles irrégularités antérieures (absence de quorum) seraient donc automatiquementredressées(Aubert, op. cit.). Ce point de vue s’applique par analogie auxélections(Aubert, op. cit.). 10.Conclusions:
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