- März 1984 N401Postulat der unabhängigen und evangelischen Fraktion
#ST# 82.902
Postulat der unabhängigen
und evangelischen Fraktion
Bundesverwaltung. Arbeitszeitverkürzung
Postulat du groupe indépendant et évangelique
Administration fédérale.
Réduction de la durée du travail
Wortlaut des Postulates vom 30. November 1982
Die Arbeitszeit des Bundespersonals ist der gesamtwirt-
schaftlichen Durchschnittsarbeitszeit der Arbeitnehmer
anzupassen. Dabei haben als Formen der Arbeitszeitverkür-
zung eine Verlängerung der Ferien oder zusätzliche Freitage
im Vordergrund zu stehen.
Texte du postulat du 30 novembre 1982
La durée du travail du personnel de la Confédération doit
être adaptée à la durée moyenne du travail dans l'ensemble
de l'économie. Pour ce faire, il convient d'envisager en
premier lieu, comme moyen de réduire cette durée, de
prolonger les vacances ou d'accorder davantage de jours
fériés.
Günter: Ich vertrete hier den Fraktionssprecher, Herrn
Jaeger. Das hat für Sie den grossen Vorteil, dass es sehr
kurz sein wird, da auch ich nicht damit gerechnet habe, dass
das Postulat jetzt zur Diskussion kommt.
Sie erinnern sich, dass wir Ende 1982 eine grosse Debatte
über die Arbeitszeit hatten. Unsere Fraktion hat damals den
Antrag gestellt, einen Kredit zu blockieren und das Personal
selbst einmal zu fragen, wie es über die Arbeitszeitverkür-
zung denke.
Wir haben die Idee jetzt noch einmal mit einem Postulat
untermauert. Wir sind der Meinung - wir glauben daran -,
dass die Arbeitszeit in den nächsten Jahren sicher verkürzt
werden muss. Uns scheint, dass ein gutes Mass für diese
Arbeitszeitverkürzung die Durchschnittsarbeitszeit der Ar-
beitnehmer in der Schweiz ist. Der Bund soll nicht allzu weit
vorausgehen. Persönlich bin ich der Meinung, er dürfe
einen kleinen Schritt vorausgehen, er soll aber sicher auch
nicht hinterher hinken.
Wir sind bei dieser Diskussion damals darauf gestossen,
dass im konkreten Fall die Arbeitszeit um einige wenige
Minuten pro Tag verkürzt worden wäre. Wir haben ein
ähnliches Programm bei uns im Spital durchgeführt. Dort
wurde die Arbeitszeit um 12 Minuten verkürzt. Ich kann
Ihnen das Gelächter gar nicht schildern, das wir damit bei
den Schwestern geerntet haben.
Gewitzigt durch diese Erfahrung, glaube ich, wir sollten
trotzdem noch einmal versuchen, herauszufinden: Was ist
das Optimale für die Arbeitnehmer beim Bund? Ich glaube
nämlich, dass möglicherweise mehr Ferien oder zusätzliche
Freitage bei den Betroffenen auf vielmehr Interesse stossen
würden als die Arbeitszeitreduktion von wenigen Minuten
pro Tag. Was wir Ihnen vorlegen, ist ein Postulat. Wir ersu-
chen den Bundesrat, den Problemkreis zu prüfen. Insbeson-
dere möchte ich hier meinen Wunsch anbringen, dass man
das nicht nur bei den Verbänden prüft, sondern tatsächlich
bei den Betroffenen. Es sollte ja relativ einfach sein, bei allen
Arbeitnehmern des Bundes darüber eine Umfrage zu
machen. Es ist gut, dass es Personalverbände gibt, aber in
einer derartigen Frage muss es gestattet sein, dass der
Arbeitgeber direkt bei den Betroffenen sich erkundigt. Im
Grunde genommen möchten wir hier darauf hinarbeiten,
dass die Bundesbeamten in dieser Frage das bekommen,
was sie eigentlich möchten, das uns dann auch im Staat am
meisten dient; und dazu gehört, dass man den Problemkreis
ganz offen und unbefangen neu noch einmal prüft.
Ich möchte Sie bitten, dem Postulat zuzustimmen.
51-N
Bundesrat Stich: Der Bundesrat muss Ihnen auch hier bean-
tragen, das Postulat abzulehnen. Der Bundesrat hat bereits
den Bericht über die Arbeitszeitverkürzung veröffentlicht,
und aus diesem Grund kann er ganz sicher, was die jetzige
Arbeitszeitverkürzung anbetrifft, nicht darauf zurückkom-
men. Wenn Sie das hingegen für später vorsehen, ist der
Bundesrat natürlich bereit, weiter zu prüfen. Aber für die
nächste Arbeitszeitverkürzung ist der Zug in dieser Hinsicht
«abgefahren».
Renschier: Zwei Bemerkungen von Herrn Günter veranlas-
sen mich, das Wort zu ergreifen.
- Er hat sehr darauf Wert gelegt, dass das Personal befragt
wird, in welcher Form es Arbeitszeitverkürzung haben
möchte. Daraus ist wohl zu schliessen - er hat es auch so
angedeutet -, dass die Gewerkschaften in der Vertretung
der Personalinteressen nicht glaubwürdig seien.
Herr Günter, wenn der Föderativ/verband mit 140000 Mit-
gliedern für die Arbeitszeitverkürzung im Sinne der
'Wöchentlichen Arbeitszeitverkürzung eintritt, dann sind das
nicht die Funktionäre, die das vorschlagen, sondern dann
erfolgt dieser Vorschlag aufgrund der geäusserten Mitglie-
dermeinung.
Ihre diesbezüglichen Bemerkungen, Herr Günter, muss ich
als gewerkschaftsfeindlich bezeichnen.
- Der Vorschlag, statt wöchentliche Arbeitszeitverkürzung
mehr Ferien zu gewähren, wandelt eigentlich das Postulat
des Landesrings um in ein Anti-Arbeitszeitverkürzungs-
postulat. Denn so naiv können Sie ja nicht sein, dass Sie
glauben, das eidgenössische Parlament würde einer weite-
ren Verbesserung der Ferienregelung des Bundespersonals
zustimmen. Wir haben schon in der Diskussion über die
Verankerung besserer Ferienregelungen im Obligationen-
recht Diskussionen wegen der sehr grosszügigen Lösung,
die dem Bundespersonal zugute kommt, gehabt.
Glauben Sie im Ernst, dass nun das Parlament hingeht und
über die vier Wochen Mindestferien, fünf Wochen ab dem
- Altersjahr und sechs Wochen ab dem 60. Altersjahr hin-
aus zusätzliche Ferien beschliessen wird?
Was jetzt die Personalverbände mit dem Bundesrat ausge-
handelt haben, ist die Arbeitszeitverkürzung der wöchentli-
chen Arbeitszeit. Der Vorsch lag - wie Sie wissen - lautet : 42-
Stunden-Woche ab Mitte 1986.
Ich bitte Sie, das Postulat abzulehnen. Damit bekunden Sie
auch Respekt davor, dass die Verbände die Legitimation zu
Verhandlungen mit dem Bundesrat haben und dass sie ein
Recht haben, ihre Meinung - durch die Mitglieder gebildet -
zum Ausdruck zu bringen.
Günter: Ich möchte nach dem Votum von Herrn Kollege
Renschier noch einmal das Wort ergreifen. Das Postulat
besteht aus zwei Teilen:
Der erste Teil will, dass die Arbeitszeit im Masse der durch-
schnittlichen Arbeitszeitreduktion in der Schweiz erfolge.
Herr Renschier, dagegen werden Sie sich ja wohl kaum im
Ernst wenden.
Im zweiten Teil wird postuliert, dass bei dieser zusätzlichen
Reduktion, die ja in die Zukunft erfolgen wird, neu überprüft
werde, ob nicht sinnvollerweise mehr Ferien statt Reduktion
der täglichen Arbeitszeit gewährt würden.
Und da, Herr Renschier, wird auch die Diskussion offen sein,
ob das zum Beispiel eben mehr Freitage sein werden. Ich
meine, da wird das Parlament sicher dafür offen sein. Denn
wir wollen ja die Form finden, die für den Bund die beste ist
und gleichzeitig auch für diejenigen, die beim Bund ange-
stellt sind. Denn wenn die Beamten zufrieden sind, dann
besteht eine Chance, dass sie auch am besten arbeiten.
Im übrigen möchte ich mich dagegen verwahren, gewerk-
schaftsfeindlich zu sein. Sie wissen so genau wie ich, dass
ich immer noch Mitglied des VPOD bin. Aber es ist nicht
gewerkschaftsfeindlich, und es muss einfach erlaubt sein,
dass der Bund die Leute auch direkt befragt. Ich finde es
gut, wenn sie organisiert sind und wenn die Verbände ihre
Interessen vertreten haben. Aber in spezifischen Sachfra-
Postulat du groupe indépendant et évangelique 402 N 22 mars 1984
gen, wie das nun eine ist, muss der Bund die Leute direkt
befragen können. Ich weiss einfach aus eigener Erfahrung,
dass die Leue mehr Freitage einer noch kürzeren Arbeitszeit
pro Tag vorziehen, weil sie sich so weniger Stress verspre-
chen. Sie fürchten, dass, wenn die Arbeitszeit nur um
wenige Minuten verkürzt wird, sie dann dieselbe Arbeit
einfach in noch kürzerer Zeit hineindrängen müssen. Wenn
sie einen richtigen Freitag haben, können sie sich richtig
entspannen.
Ich möchte Sie nach dieser Berichtigung bitten, das Postulat
anzunehmen.
Eggll-Winterthur: Selbst auf die Gefahr hin, dass Herr Gün-
ter ein drittes Mal ans Mikrophon kommt, möchte ich ihm
doch einiges sagen.
Auch ich habe in meiner beruflichen Tätigkeit mit Kranken-
schwestern zu tun. Ich stelle immer wieder fest, dass die
Krankenschwestern sagen, dass ihr Arbeitstag.zu lange sei
und es deshalb notwendig se , auch die tägliche Arbeitszeit
zu verkürzen.
Ich möchte Sie bitten, Herr Giünter, als Mitglied des VPOD
einmal die alten gewerkschaftlichen Parolen zu lesen wie: 8
Stunden Arbeit genügt, 8 Stunden Freizeit und 8 Stunden
Ruhe. Ich würde mich wehren dagegen, dass jetzt einfach
die tägliche Arbeitszeit gleich bleibt und zum Teil noch
verlängert wird, damit man am Freitag nachmittag schon frei
machen kann. Man weiss ganz genau, dass auch die Lei-
stungsfähigkeit und die Gesundheit des Arbeitnehmers bei
allzu langen Arbeitszeiten Schaden nehmen. Es wäre drin-
gend notwendig, dass wir in der Schweiz auch endlich zum
8-Stunden-Tag kommen und nicht, wie heute noch, zum Teil
fast zum 9-Stunden-Tag.
Ich möchte Sie einfach bitten - aus diesem Grunde schon -
das Postulat abzulehnen.
Le président: Le Conseil föderal propose de refuser le
postulat. M. Günter le maintient.
Abstimmung - Vote
Für die Überweisung des Postulates Minderheit
Dagegen offensichtliche Mehrheit
Schluss der Sitzung um 17.40 Uhr
La séance est levée à 17 h 40
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
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Arbeitszeitverkürzung
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Jahr
1984
Année
Anno
Band
I
Volume
Volume
Session
Frühjahrssession
Session
Session de printemps
Sessione
Sessione primaverile
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
15
Séance
Seduta
Geschäftsnummer
82.902
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
22.03.1984 - 15:00
Date
Data
Seite
401-402
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Pagina
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