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Interpellation Bacciarini
lien ausgeschlossen sind. Dies ist offensichtlich nicht der
Fall. Sowohl Alleinstehende als auch Familien haben
Anspruch auf Zusatzverbilligungen, sofern die anrechenba-
ren Einkommen den Betrag von 40 000 Franken nicht über-
steigen. Bei Familien mit Kindern erhöht sich diese Grenze
zudem um 3700 Franken pro Kind.
Eine andere Frage ist, ob Alleinstehende im Vergleich zu
den Familien bei identischen Einkommen infolge ihres
geringeren Wohnraumbedarfs weniger oder überhaupt
keine Zuschüsse erhalten sollen. Über eine solche Verfeine-
rung Hesse sich zweifellos diskutieren, jedoch ist darauf hin-
zuweisen, dass erstens nach der alten Verordnung generell
all jene - auch kinderreiche - Haushalte von Beihilfen aus-
geschlossen waren, deren Mietbelastung weniger als 20
Prozent des Einkommens ausmachte. Zweitens müsste
auch das Verhältnis zwischen Baukostenlimiten, Einkom-
mensgrenzen und Anfangsmieten neu überdacht werden.
Berücksichtigt man nämlich die Tatsache, dass die grund-
verbilligte Miete des Wohnbau- und Eigentumsförderungs-
gesetzes (WEG) eine reine Nettomiete ohne jegliche
Nebenkosten darstellt, so lässt sich aufgrund der geltenden
Baukostenlimiten und der Einkommensgrenzen leicht
errechnen, dass auch bei Kleinwohnungen Wohnkostenbe-
lastungen resultieren, die etwa 20 Prozent des Einkommens
ausmachen. Ferner ist in Betracht zu ziehen, dass die abso-
lute Grenze von 20 Prozent im Rahmen der alten Ordnung
Alleinstehende tendenziell zur Miete teurer Wohnungen ani-
miert hat. Es kann deshalb nicht von einer «wenig familien-
freundlichen Folge der Verordnung» gesprochen werden.
2a. Mit dem Verbilligungsmodell des WEG werden drei
grundsätzliche Ziele der Wohnungspolitik angestrebt.
Erstens sollen die heute für den Grossteil der Haushalte zu
hohen Mieten von Neuestwohnungen erheblich gesenkt
werden. Zweitens wird durch die Ausschaltung der negati-
ven Auswirkungen von Hypothekarzinsschwankungen eine
Verstetigung der Mietzinsentwicklung angestrebt. Drittens
sollen langfristig die stossenden Ungleichheiten zwischen
Alt- und Neuwohnungsmieten etwas eingeebnet werden.
Der Bundesrat ist sich bewusst, dass im heutigen Zeitpunkt
mit hohen Kapitalzinsen vor allem das Ziel der anfänglichen
Mietzinssenkung recht gut erreicht wird. Im Zuge wachsen-
der Mietzinsnot entspricht dieser Förderungseffekt dem
angestrebten Zweck der Bundeshilfe. Von einer dadurch
bewirkten starken Konkurrenzierung und Einschränkung
des freitragenden Wohnungsbaus kann jedoch nicht
gesprochen werden. Zudem gilt es zu berücksichtigen,
dass auch im Rahmen des WEG die Bereitstellung von
Wohnungen durch private Anbieter erfolgt.
b. Aufgrund des Gesagten gibt es keine WEG-bedingte
Verzerrung der Marktsituation. Das WEG trägt vielmehr
dazu bei, die heutigen, vor allem inflationsbedingten Verzer-
rungen des Wohnungsmarktes zu glätten.
Zudem ist unter Zugrundelegung einer realistischen Hypo-
thekarsatzentwicklung die Mietzinserhöhung nach den
ersten zehn Jahren nicht höher als während dieser Jahre.
Wie schon im Rahmen der alten Verordnung gilt ein langfri-
stiger Mietzinsanstieg von durchschnittlich 3 Prozent pro
Jahr. Ähnliche oder erfahrungsgemäss noch höhere Miet-
zinssteigerungen sind auch im freien Wohnungsmarkt zu
erwarten. Auch diese müssen von den «kommenden Gene-
rationen» aufgebracht werden.
c. Eigentümer und Mieter werden nicht absichtlich über die
künftigen Belastungen im unklaren belassen. Die Bauträger
sind darüber informiert, dass der jährliche Mietzinsanstieg
bei einem langfristigen Hypothekarzinssatz von durch-
schnittlich etwa 5 Prozent rund 3 Prozent betragen wird. Da
sich die Entwicklung der Hypothekarzinssätze jedoch nicht
für zehn Jahre voraussagen lässt, den Mietern umgekehrt
aber für die ersten zehn Jahre ein fixer Mietzinsverlauf
garantiert werden soll, kann für die verbleibenden fünfzehn
Jahre der Bundeshilfe zwangsläufig kein exaktes Rech-
nungsbeispiel gegeben werden. Liegt der durchschnittliche
Hypothekarzinssatz während den ersten zehn Jahren über
der gemachten Annahme, so ist in der Restperiode mit
höheren Mietzinsanstiegen zu rechnen; liegt er dagegen
darunter, so reichen auch geringere Mietzinserhöhungen
aus. Im übrigen ist daran zu erinnern, dass gerade von sel-
ten der Bauträger die Anregung gekommen ist, in Anbe-
tracht der mangelnden Voraussagbarkeit der relevanten
Daten inskünftig auf die Aufstellung von 25jährigen
Mietzinsplänen zu verzichten und sich mit der Darstellung
überblickbarerer Zeiträume zu begnügen.
d. Da die Mietzinse auch bei Hyp"othekarzinserhöhungen
nicht unmittelbar erhöht werden, kann davon ausgegangen
werden, dass die Mieter in Anbetracht der unbestreitbaren
Vorteile des Verbilligungssystems auch in Zeiten fallender
Hypothekarzinsen die systembedingten Mietzinserhöhun-
gen verstehen und akzeptieren werden. Sollte jedoch bei
ausgesprochen rezessiver Wirtschaftsentwicklung ein wei-
terer Mietzinsanstieg fraglich werden, so gilt nach wie vor
Artikel 40 WEG, wonach die modellbedingten Mietzinserhö-
hungen vorübergehend auch sistiert werden können.-
Präsidentin: Der Interpellant erklärt sich von der Antwort
teilweise befriedigt.
#ST# 82.465
Interpellation Bacciarini
Information der Lehrlinge
Informazione per gli apprendisti
Information des apprentis
Wortlaut der Interpellation vom 24. Juni 1982
Bekanntlich brechen immer wieder Lehrlinge ihre Lehre ab.
Dies ist nicht nur zu ihrem persönlichen Nachteil (fehlende
Ausbildung und berufliche Qualifikation), sondern auch zum
grossen Nachteil der schweizerischen Wirtschaft.
Die Eltern wissen oft nichts von der Verschlechterung der
Beziehungen zum Arbeitgeber, oder sie vernehmen davon
erst, wenn es schon zu spät ist und die Auflösung des Lehr-
verhältnisses nicht mehr vermieden werden kann.
Ich frage den Bundesrat:
- Auf welche Gründe ist dies zurückzuführen?
- Meint er nicht auch, man sollte für die Lehrlinge - über
Weisungen an die Berufsbildungsämter und allenfalls durch
die Veröffentlichung eines «Lehrlingsführers» - eine eigent-
liche Informationskampagne durchführen?
Texte de l'interpellation du 24 juin 1982
Pour autant que je sache, un certain nombre d'apprentis
interrompent leur apprentissage, subissant ainsi un préju-
dice personnel (absence de formation et de qualification
professionnelle) et faisant subir également un grave préju-
dice à l'économie du pays.
Souvent, les parents ignorent la détérioration des rapports
avec l'employeur ou ils l'apprennent quand il est trop tard et
que la résiliation du contrat d'apprentissage est devenue
inéluctable.
Je demande au Conseil fédéral:
- D'examiner les causes éventuelles d'un tel état de
choses;
- De dire s'il n'estime pas opportun de lancer une cam-
pagne d'information des apprentis en adressant des direc-
tives aux offices de formation professionnelle ou, éventuel-
lement, en publiant un «guide à l'usage de l'apprenti».
Testo della interpellazione del 24 giugno 1982
Mi risulta che un certo numero di apprendisti interrompono
l'apprendistato con prediudizio personale (mancanza di for-
Interpellation Dirren
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N 8 octobre 1982
inazione e di qualifica professionale) e con grave pregiudi-
zio per l'economia del paese.
Spesse volte i genitori non conoscono il deterioramento dei
rapporti con il datore di lavoro, o ne vengono a conoscenza
quando orami è troppo tardi e l'annullamento del contratto
di tirocinio è irreparabile.
Chiedo al Consiglio federale:
- di appurare quali siano gli eventuali motivi di tale stato di
cose;
- se non ritiene opportuna una specifica azione di informa-
zione degli apprendisti tramite direttive agli uffici di forma-
zione professionale e l'eventuale pubblicazione di una
«Guida per l'apprendista».
Mitunterzeichner - Cosignataires - Con firmatari: Akeret,
Allenspach, Aubry, Barchi, Cevey, Füeg, Girard, Jaggi, Koh-
ler Raoul, Pini (10)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Motivazione scritta
L'interpellante rinuncia ad una motivazione e desidera una
risposta scritta.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates
Rapport écrit du Conseil fédéral
Risposta scritta del Consiglio federale
Le interruzioni del rapporto di tirocinio non sono rilevate
statisticamente a livello nazionale. Per contro inchieste
effettuate nei Cantoni di Zurigo, Berna e Ginevra hanno
recentemente posto in maggior risalto l'entità numerica ed i
motivi di queste interruzioni, nonché informato sull'ulteriore
carriera professionale di coloro che hanno interrotto il tiro-
cinio. Stando a questa inchiesta circa un settimo dei rap-
porti di tirocinio viene sciolto prematuramente. I motivi pos-
sono essere, per esempio, i seguenti: difficoltà nell'azienda
di tirocinio o nella scuola professionale, errata scelta pro-
fessionale, cambiamento del luogo di domicilio, motivi di
salute, gravidanza, soppressione dell'azienda di tirocinio
ecc. La metà scarsa degli apprendisti che interrompono il
tirocinio entra nell'attività lucrativa senza una formazione
professionale conclusa, circa un quinto termina il tirocinio
nella medesima professione e circa un quarto in un'altra
professione.
Rispondiamo come segue alle due domande:
- Si devono distinguere due categorie di interruzione del
contratto di tirocinio: quelle durante il periodo di prova da
uno a tre mesi e quelle dopo questo periodo. Gli apprendisti
della prima categoria non costituiscono di regola dei casi
problematici. Le cause sono infatti da attribuire perlopiù ad
errata scelta della professione oppure ad una situazione di
formazione professionale non rispondente alle aspettative.
Più gravi sono le interruzioni del tirocinio dopo parecchi
mesi o anni di formazione. La mancata informazione dei
genitori in merito al deterioramento del rapporto di tirocinio
può essere ascritta a diversi fattori. In primo luogo, il disin-
teresse dei genitori all'andamento della formazione oppure
un'indipendenza mal interpretata del giovane. Non mancano
comunque gli indicatori che segnalano mutamenti in senso
negativo. Ne citiamo due, ancorati nella legge: il rapporto
sullo stato di formazione dell'apprendista che il maestro di
tirocinio deve redigere semestralmente ed il certificato della
scuola professionale che pure va consegnato ogni sei mesi.
Lo scioglimento di un contratto di tirocinio non è preso alla
leggera dall'autorità cantonale di vigilanza sulla formazione
professionale. Si cerca anzi di evitare con tutti i mezzi lo
scioglimento del contratto oppure di far proseguire l'istru-
zione in un'altra azienda.
- Le interruzioni del tirocinio non sono quindi da attribuire
a carenza d'informazione bensì ad un insufficiente contatto
e disponibilità al dialogo fra le parti contraenti. Già oggi
all'informazione dell'apprendista viene data la dovuta impor-
tanza. Quale materiale informativo menzioniamo: il com-
mento al contratto di tirocinio, il regolamento di tirocinio e
d'esame, nonché il programma d'insegnamento della
scuola. Questa documentazione è consegnata all'apprendi-
sta all'inizio del tirocinio. Nell'estate 1981 la «Deutsch-
schweizerische Berufsbildungsämter-Konferenz» ha pubbli-
cato l'opuscolo «Vom Schüler zum Lehrling - Was muss ich
wissen?» Questo vademecum contiene tutte le informazioni
essenziali concernenti il tirocinio ed è utile tanto per
l'apprendista quanto per i suoi genitori. Attualmente l'opu-
scolo in parola è in corso di traduzione nelle altre lingue
nazionali. In tal modo, ma anche mediante l'attività degli
uffici pubblici d'orientamento professionale viene data
esauriente soddisfazione alla, di per sé giustificata, richiesta
dell'interpellante.
Präsidentin: Die Interpellantin erklärt sich von der Antwort
teilweise befriedigt.
#ST# 81.538
Interpellation Dirren
Tarife für den Autoverlad
Transports de voitures. Tarifs
Wortlaut der Interpellation vom 9. Oktober 1981
In Berücksichtigung der verkehrspolitischen Lage, der
regionalwirtschaftlichen Entwicklung, des Verkehrsmarktes,
der Verkehrswegsituation und der Verkehrsinvestitionen
kann der Bundesrat bzw. das BAV in Sonderfällen eine Ent-
schädigung an das Transportunternehmen festlegen. Wenn
der regionalwirtschaftliche Verkehr über Transportunter-
nehmen und -Varianten mit besonderen Verhältnissen abge-
wickelt werden muss und dabei trotz unternehmerischer
Zielsetzung nicht kostendeckend ist, kann der Bundesrat
diese Leistungen teilweise abgelten.
Bei der Bildung der Tarife hat der Bundesrat auch auf das
volkswirtschaftliche, soziale und kulturelle Bedürfnis Rück-
sicht zu nehmen, und deshalb frage ich den Bundesrat an:
- Ist er bereit zu prüfen, ob der Tarifannäherungsbe-
schluss auf den Autoverlad ausgeweitet werden kann?
- Was bestehen für Möglichkeiten, bei der Bildung der
Tarife, analog zum Personenverkehr, Ermässigungen für
den Einheimischen bzw. Schweizer zu gewähren?
- Ist er bereit, das Eisenbahngesetz extensiver auszule-
gen bzw. zu ändern und für die spezifischen Verhältnisse
Autoverlad am Lötschberg und an der Furka Mittel aus der
Bundeskasse oder der SBB zur Verfügung zu stellen, um
diese gemeinwirtschaftlichen Leistungen abzugelten?
- Ist er bereit, beim Inkrafttreten des Leistungsauftrags
SBB 82 diese Tarifvergünstigungen für den Autoverlad
sofort zu beschliessen?
- Sieht er einen Weg, aufgrund der Ergebnisse des Ver-
nehmlassungsverfahrens über das neue Transportgesetz
bzw. bei dessen Revision, die Rechtsgrundlage zur Gewäh-
rung der verbilligten Tarife für den Autoverlad zu schaffen?
Texte de l'interpellation du 9 octobre 1981
Compte tenu de la situation en matière de transports, ainsi
que de l'évolution de l'économie régionale et du marché, de
l'état des voies de communication et des investissements
dans ce domaine, le Conseil fédéral ou l'Office fédéral des
transports peut, dans des cas particuliers, fixer une indem-
nité en faveur des entreprises de transport. Si le trafic
régional est effectué par des entreprises spécialisées et par
des moyens répondant aux conditions particulières, et
n'est, par conséquent, pas rentable malgré les objectifs
visés par l'entreprise, le Conseil fédéral peut indemniser
partiellement ces prestations.
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Bacciarini Information der Lehrlinge
Interpellation Bacciarini Information des apprentis
Interpellation Bacciarini Informazione per gli apprendisti
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans
Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In
Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1982
Année
Anno
Band
IV
Volume
Volume
Session
Herbstsession
Session
Session d'automne
Sessione
Sessione autunnale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
15
Séance
Seduta
Geschäftsnummer
82.465
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
08.10.1982 - 08:00
Date
Data
Seite
1463-1464
Page
Pagina
Ref. No
20 010 853
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