- Dezember 1982
669SBB. Voranschlag 1983
#ST# Achte Sitzung - Huitième séance
Donnerstag, 9. Dezember 1982, Vormittag
Jeudi 9 décembre 1982, matin
8.00h
Vorsitz - Présidence: Herr Weber
Mitteilungen der Kantone
Communications des cantons
Präsident: Der Regierungsrat des Kantons Zug teilt mit,
dass bei den Erneuerungswahlen für die Amtsdauer
1983/1986 vom 14. November 1982 als Mitglieder des Stän-
derates wiedergewählt worden sind: Markus Kündig, Buch-
drucker, Zug, und Dr. Othmar Andermatt, Zahnarzt, Baar.
Herr Dreyer hat unseren beiden Kollegen bereits letzten
Montag, anlässlich der Eröffnungssitzung, zur Wiederwahl
gratuliert.
#ST# 82.057
SBB. Voranschlag 1983
CFF. Budget 1983
Botschaft und Beschlussentwurf vom 3. November 1982 (BBI III, 727)
Message et projet d'arrêté du 3 novembre 1982 (FF III, 707)
Voranschlag der SBB vom 4. Oktober 1981
Budget des CFF du 4 octobre 1981
Bezug bei der Generaldirektion SBB, Hochschulstrasse 6, Bern
S'obtiennent auprès de la Direction générale des CFF, Hochschul-
strasse 6, Berne
Beschluss des Nationalrates vom 7. Dezember 1982
Décision du Conseil national du 7 décembre 1982
Antrag der Kommission
Zustimmung zum Beschluss des Nationalrates
Proposition de la commission
Adhérer à la décision du Conseil national
Gerber, Berichterstatter: Der Voranschlag 1983 berück-
sichtigt erstmals die Auswirkungen des auf den I.Januar
1982 in Kraft getretenen Leistungsauftrages. Er sieht bei
einem Aufwand vom 3757,6 Millionen Franken und einem
Ertrag vom 3365 Millionen Franken einen Aufwandüber-
schuss von 392,6 Millionen Franken vor. Die Abgeltung für
gemeinwirtschaftliche Leistungen wurde vom Bundesrat für
das Jahr 1983 auf 618 Millionen Franken festgelegt, beste-
hend aus 493 Millionen Franken Abgeltung für den regiona-
len Personenverkehr und einer Finanzhilfe für den Stück-
gutverkehr von 125 Millionen Franken. Im Sinne einer Start-
hilfe für den Huckepackverkehr übernimmt der Bund wäh-
rend einer Einführungsphase bis 1986 die in einer Sonder-
rechnung der SBB jährlich ausgewiesenen ungedeckten
Kosten dieses Verkehrs. Für 1983 wurden dafür 8 Millionen
Franken im Budget eingestellt. Die Aufwendungen des Bun-
des für die SBB werden im Jahre 1983 die Milliardengrenze
überschreiten. Die Ihnen vorgelegte Botschaft enthält die
Voranschläge der Bau-, der Betriebs- und der Gewinn- und
Verlustrechnung. Lassen Sie mich über diese Rechnungen
kurz berichten.
Der Bauvoranschlag 1983 beläuft sich auf 825 Millionen
Franken und liegt damit um 80 Millionen Franken über dem
im laufenden Jahr und um 45 Millionen Franken über dem in
der mittelfristigen Unternehmungsplanung vorgesehenen
Betrag. Der Grund ist vor allem in der sehr starken Bau-
teuerung zu suchen, die, ausgehend von den im Leistungs-
auftrag genannten real 700 Millionen Franken (Basis 1979),
noch zu einem wesentlich höheren Baubudget führen
würde. Rund drei Viertel der Budgetsumme entfallen auf
feste Anlagen und Einrichtungen und der Rest auf Fahr-
zeugbeschaffungen. Der Voranschlagsbetrag wird gröss-
tenteils für die Weiterführung bzw. Vollendung bereits
begonnener Bauten und Anschaffungen beansprucht.
Unter Anwendung eines strengen Auslesemassstabes sol-
len lediglich 51 neue, weitgehend dem Ersatz dienende
Objekte mit einem Investitionsbetrag von 358,7 Millionen
Franken in Angriff genommen werden, wovon im Budget-
jahr Aufwendungen von 79 Millionen Franken anfallen.
Die Betriebsrechnung sieht bei einem Betriebsertrag von
3336 Millionen Franken und einem Betriebsaufwand von
3002,8 Millionen Franken einen budgetierten Betriebsüber-
schuss von 333,2 Millionen Franken vor. Gegenüber dem
Voranschlag 1982 bedeutet dies eine Verschlechterung von
75,6 Millionen Franken. Nach wie vor weist der Betriebsauf-
wand höhere Zuwachsraten als der Betriebsertrag auf. Vom
Betriebsaufwand entfallen rund 75 Prozent auf den Perso-
nalaufwand. Der Planung liegt ein Personalbestand von
39481 Mitarbeitern zugrunde, 690 mehr als 1981. Im Hin-
blick auf die vom Bundesrat vorgesehene Arbeitszeitverkür-
zung sind im Voranschlag 205 Lehrlinge im Stations- und
Zugbegleitungsdienst sowie 150 Fahrdienstanwärter im
Zugförderungsdienst enthalten. Die Kommission wird Ihnen
beantragen, die Mehraufwendungen für diese 355 Stellen zu
streichen. Der übrige budgetierte Zuwachs ist auf ver-
stärkte Rekrutierungen wegen bevorstehenden altersbe-
dingten Personalabgängen zurückzuführen. Zudem wirken
sich die mit der Einführung des neuen Reisezugkonzeptes
verbundenen Angebotserweiterungen im Personalbestand
voll aus.
In der Verwaltung und den zentralen Diensten ist ein Rück-
gang um 70 Personen vorgesehen, eine erste Auswirkung
der Überprüfung der Organisation gemäss Aktionspro-
gramm 1982 bis 1984. Die Erhöhung des Personalbestan-
des ist mit einer Mehrbelastung von 23,2 Millionen Franken
verbunden; dazu kommen Mehraufwendungen für Teue-
rungsausgleich und Reallohnerhöhung. Im höheren Sach-
aufwand kommt vor allem die allgemeine Teuerungsent-
wicklung bei der Materialbeschaffung und den Fremdlei-
stungen zum Ausdruck.
Der budgetierte Verkehrsertrag liegt um 277,2 Millionen
Franken über den im Jahr 1981 erzielten Verkehrseinnah-
men. Dabei sollen der Reiseverkehr 161,4 Millionen Franken
und der Güterverkehr 115,8 Millionen Franken Mehreinnah-
men erbringen. Der Mehrertrag im Reiseverkehr basiert auf
einer Zunahme der beförderten Personen um 4,5 Prozent.
Die Tariferhöhungen vom I.März 1982 und 28. April 1983
(die ist vorgesehen) sollen Mehreinnahmen von 116 Millio-
nen Franken erbringen. Im Güterverkehr muss wegen der
ungünstigen Konjunkturentwicklung mit einer rückläufigen
Transportmenge gerechnet werden. Die budgetierten Mehr-
einnahmen sollen aus den Tarifanpassungen 1982 und 1983
realisiert werden. Der Nebenertrag wird wegen der geplan-
ten teuerungsbedingten Preisanpassungen um 40,5 Millio-
nen Franken höher veranschlagt als 1981.
Die Gewinn- und Verlustrechnung schliesst mit einem bud-
getierten Fehlbetrag von 392,6 Millionen Franken ab. Der für
1982 budgetierte Fehlbetrag wird um 90,7 Millionen Franken
übertroffen. Der durchschnittliche Abschreibungssatz von
3,5 Prozent der Anlagen, Einrichtungen und Fahrzeuge
bleibt unverändert. Die Kapitalkosten werden wegen der
Umwandlung von 2,2 Milliarden Franken Bundesdarlehen in
unverzinsliches Dotationskapital um 143,1 Millionen Fran-
ken entlastet.
Gemäss Artikel 8 Absatz 2 des Leistungsauftrages haben
die SBB der Bundesversammlung zusammen mit dem Vor-
CFF. Budget 1983
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9 décembre 1982
anschlag eine mehrjährige Planung zur Kenntnisnahme zu
unterbreiten. In der Unternehmenspolitik ergeben sich für
die nächsten Jahre folgende Arbeitsziele: Verminderung
der Fehlbeträge durch weitere Einsparungen, Angebotsver-
besserungen und flexible Tarifpolitik, zusätzliche Ergebnis-
verbesserung durch strukturelle Massnahmen wie Rationa-
lisierung der Regionallinien, weitere Umwandlungen von
besetzten in nicht besetzte Stationen sowie Überprüfen des
Leistungsangebots. Die Investitionstätigkeit ermöglicht,
den Produktionsapparat gemäss gesetzlicher Auflage zu
erneuern und auszubauen. Stärkung der Führung: Hierzu
gehören unter anderem die Neuregelung von Führungs-
und Entscheidungsprozessen. In der Investitionsplanung
stehen neben der systematischen Erneuerung von Anlagen
und Fahrzeugen sowie den Investitionen zur Rationalisie-
rung des Produktionsapparates, Vorhaben zur Erhöhung
der Leistungsfähigkeit in Übereinstimmung mit den vorge-
sehenen Zielsetzungen im Reise- und Güterverkehr im Vor-
dergrund. Die für die Jahre 1984 und 1985 vorgesehenen
Investitionen belaufen sich unter Berücksichtigung einer
Teuerung von 4 Prozent auf einen Betrag von 850 bzw. 900
Millionen Franken.
Der Finanzplan enthält Angaben über das Verkehrsvolu-
men, die Betriebsleistungen, den Personalbestand sowie
die Erfolgsrechnung. Im Reiseverkehr wird für die beiden
Planungsjahre 1984 und 1985 mit einer gegenüber dem Vor-
anschlag 1983 ungefähr gleich bleibenden Zahl an Reisen-
den gerechnet. Die Reisedistanz je Passagier wird jedoch
zunehmen. Die Prognosen im Güterverkehr sind stark
geprägt durch die auch für die nächsten Jahre zu erwar-
tende Stagnation der wirtschaftlichen Tätigkeit in der
Schweiz. Es wird mit einer Zunahme von 1,6 Prozent im
Jahr gerechnet. Im Personalbereich wurde für die beiden
Jahre 1984 und 1985 ein Personalbestand von 39300, für
1984 bzw. 39 000 für 1985 vorgegeben.
Da die mutmasslichen prozentualen Steigerungen beim
Aufwand über denjenigen des Ertrages liegen, steigen die
Fehlbeträge von 393 Millionen Franken (1983) auf rund 470
Millionen Franken in den Jahren 1984 und 1985. Der Mittel-
bedarf der SBB beläuft sich nach dem Finanzierungsplan in
den Jahren 1984 und 1985 auf je knapp 1,5 Milliarden Fran-
ken; davon entfallen rund drei Viertel auf die Defizitdeckung
und Abgeltung sowie weniger als ein Fünftel - aber über
200 Millionen Franken - auf die Baufinanzierung.
Angesichts dieser Prognosen kommt weiteren unternehme-
rischen Massnahmen zur Ergebnisverbesserung höchste
Priorität zu. Die SBB müssen den ihnen eingeräumten
unternehmerischen Freiraum voll nützen. Schwerpunkte bil-
den dabei Projekte aus dem Aktionsprogramm 1982/1984.
In diesem Bereich werden die Untersuchungen über die
Neuregelung der Führungs- und Entscheidungsprozesse
und die Überprüfung der Organisation der zentralen Dien-
ste besonders gefördert. Von beiden Massnahmen sind
Ergebnisverbesserungen zu erwarten.
Die Überprüfung der Konzepte für den Wagenladungsver-
kehr und den Stückgutverkehr sind ebenfalls von dringen-
der Priorität. Erste Ergebnisse über vorgesehene Einspa-
rungen beim Stückgutverkehr liegen vor. In Aussicht
genommen werden weiter insbesondere die Umwandlung
von weiteren 70 bis 80 besetzten in nichtbesetzte Stationen
sowie die Weiterführung der Rationalisierung der Regionalli-
nien bzw. die Änderung der Betriebsweise auf Regionalli-
nien mit schwachem Verkehr, ferner die Überprüfung lang-
fristiger Investitionsvorhaben.
Die Gesundung der SBB bedingt zudem ein geregeltes Ver-
kehrssystem. Das gilt insbesondere für die in der GVK ver-
langte Beseitigung der Wettbewerbsverzerrung zwischen
Schiene und Strasse. Ihre Kommission hat mit Besorgnis
über das Ausmass der Defizite die Voranschläge der SBB
für das Jahr 1983 behandelt und vom Finanz- und Investi-
tionsplan 1984/85 der Schweizerischen Bundesbahnen
Kenntnis genommen.
Sie beantragt Ihnen Eintreten auf den Bundesbeschluss
und Genehmigung desselben unter Streichung von Artikel 1
Absatz 2.
Mme Bauer: On ne peut certes manquer d'être frappé par
l'ampleur du déficit prévu pour 1983. Ainsi donc, après une
longue période de prospérité économique, la situation des
CFF va se dégradant, plus rapidement encore que prévu, et
l'on doit bien reconnaître que la situation conjoncturelle
rendra difficile un assainissement rapide de leurs finances.
Il serait injuste, cependant, d'accuser la direction de se
résigner et le mandat 1982 des Chemins de fer fédéraux,
qui précise les buts de la loi sur les CFF, constitue une pre-
mière et importante étape en vue de remédier à une telle
situation, tout comme la charte d'entreprise qui définit
l'objectif et les principes fondamentaux.
On ne peut toutefois s'empêcher de penser que ce Parle-
ment fait preuve d'inconséquence en critiquant, en fusti-
geant année après année les CFF, alors qu'il tergiverse et
hésite à prendre des mesures cohérentes, qu'il diffère sans
cesse l'étude et la réalisation de la fameuse conception glo-
bale des transports qui devrait, sinon favoriser les trans-
ports en commun, du moins leur accorder une juste place.
Comment, en effet, reprocher aux CFF leur déficit, alors
qu'au cours de la dernière décennie, on n'a cessé de privi-
légier les transports privés, investissant annuellement 2 à 3
milliards pour la route, alors que l'on consacrait chaque
année entre 400 et 700 millions seulement pour le rail.
Je suis persuadée que nous ne sortirons pas de l'impasse
tant que nous n'admettrons pas que, tout comme les
écoles, la police, l'armée et les douanes, les CFF doivent
être considérés comme un service public pour lequel c'est
l'intérêt général qui commande que certaines tâches soient
remplies. Parce que l'avenir est aléatoire, les efforts de pla-
nification doivent être intensifiés, mais je pense que nous
pouvons compter sur les responsables de notre grande
régie pour s'acquitter de cette tâche.
Pour ce qui est du Parlement et de la population, il faut sou-
haiter qu'ils considèrent enfin à leur juste valeur tous les
services que rendent les CFF. Le chemin de fer n'est-il pas
un moyen de locomotion éminemment sûr, économe, moins
polluant et moins bruyant, donc favorable à l'environne-
ment? La précision des trains suisses, leur régularité, leur
confort, leur propreté sont cités en exemple partout dans le
monde.
Enfin, je voudrais rendre hommage au personnel des CFF,
toujours extrêmement agréable et courtois. Il nous faut bien
admettre que ces fonctionnaires-là, plus que tous les
autres, exercent une activité professionnelle particulière-
ment pénible. L'horaire cadencé les soumet, de surcroît, à
rude épreuve, affirme-t-on encore. C'est pourquoi, par
souci d'équité mais aussi pour des raisons de sécurité, je
voudrais souhaiter, pour ma part, qu'il en soit tenu compte
pour fixer la durée de leur travail.
Je n'oublie pas que la Direction des CFF jouit d'un statut
d'autonomie dans sa gestion et qu'elle est compétente en
matière de tarifs. Qu'il me soit permis, cependant, de poser
quelques questions et de formuler quelques suggestions.
La politique d'information des Chemins de fer fédéraux
est-elle assez attrayante et persuasive? Ne pourrait-elle
être améliorée, en Suisse même, à l'intention des écoles,
par exemple, ou des retraités, ou encore des handicapés?
Ne pourrait-elle être intensifiée à l'étranger? Deuxième
question, assortie de suggestions: l'augmentation prévue
du prix des billets voyageurs ne va-t-elle pas exercer une
influence dissuasive? Ne va-t-elle pas encourager un plus
grand nombre encore d'habitants de notre pays de prendre
leur voiture plutôt que le train? Ne va-t-on pas ainsi accen-
tuer encore la concurrence rail/route? Certes, le billet de
Genève-Berne et retour coûte 50 francs, alors qu'avec une
auto de cylindrée moyenne il faut compter 120 francs, et
encore néglige-t-on de comptabiliser les coûts sociaux, les
accidents, les atteintes à l'environnement. Mais dès lors
qu'il s'agit de plusieurs personnes ou d'une famille, il est
vrai que le train est assez cher.
Je voudrais prier M. le conseiller fédéral de répondre à ces
quelques questions et je l'en remercie d'avance.
- Dezember 1982671
SBB. Voranschlag 1983
Piller: Wir haben schon bei der Behandlung des SBB-Lei-
stungsauftrages klar erkannt, dass ohne Gesamtverkehrs-
konzeption, ohne Beseitigung der Wettbewerbsverzerrun-
gen kein Rechnungsausgleich zu erzielen ist. Wir müssen
auch erkennen, dass die SBB nicht allein nach marktwirt-
schaftlichen Kriterien beurteilt werden dürfen, sondern dass
die gemeinwirtschaftliche Komponente auch künftig ein
bestimmender Faktor sein wird. Ich hatte Gelegenheit, bei
der Behandlung des Budgets 1981, der Rechnung 1981 und
bei den Beratungen des Leistungsauftrages dazu Stellung
zu nehmen und möchte Gesagtes nicht wiederholen.
Ich möchte nur nochmals klar zum Ausdruck bringen, dass
nach meiner Meinung die SBB als Hauptstütze des öffentli-
chen Verkehrs nicht wegrationalisiert werden dürfen, son-
dern dass sie ihr heutiges Leistungsangebot aufrechterhal-
ten müssen. Es erfüllt mich deshalb schon etwas mit Sorge,
dass die ständige Kritik, der ständige Druck nach Ausgleich
der Rechnung dieses Unternehmen dazu zwingen, sich rein
marktwirtschaftlich zu verhalten. Unrentable Zweige sollen
abgeschnitten, defizitäre Linien geschlossen werden. Mit
einschneidenden Rationalisierungsmassnahmen will man
eine beträchtliche Zahl von Arbeitsplätzen einsparen. Allein
im Kanton Freiburg sollen in den nächsten Jahren 30 Stellen
gestrichen werden. Auch soll eine Tariferhöhung, die mei-
nes Erachtens in der heutigen Verkehrslandschaft der
Schweiz völlig quer liegt, vermehrte Einnahmen bringen.
Diese Entwicklung darf uns nicht gleichgültig lassen. Die
SBB hatten in den vergangenen Jahren hinsichtlich Arbeits-
platzbeschaffung, Verkehrserschliessung und Arbeitsver-
gabe an Privatbetriebe wesentliche Impulse zur wirtschaftli-
chen Belebung schwacher Regionen erteilen können. Ohne
SBB wären die Disparitäten zwischen den Regionen weit
grösser als heute. Es ist deshalb gerade heute besonders
wichtig, dass dieses Unternehmen leistungsfähig bleibt. Ich
betrachte dieses geplante Defizit nicht als gravierend, weil
ich die gemeinwirtschaftliche Leistungskomponente sehr
hoch einstufe. Ich betrachte es aber als verhängnisvoll, dies
nicht einzusehen. Wir sprechen weder bei der Landwirt-
schaft noch bei der Armee noch bei den Sozialwerken von
Defiziten. Dies zurecht. Warum tun wir es denn eigentlich
bei den SBB? Ich glaube, dass wir uns möglichst bald mit
der GVK befassen und in diesem Rahmen unseren Bundes-
bahnen und dem gesamten öffentlichen Verkehr einen
hohen Stellenwert zuweisen müssen. Dabei müssen wir die
notwendigen Geldmittel zur Verfügung stellen, damit das
Unternehmen modern und leistungsfähig arbeiten kann.
Was auch dringend benötigt wird, ist die Anerkennung der
grossen Leistungen aller in diesem Unternehmen Beschäf-
tigten, vom Geleisearbeiter bis hin zum Generaldirektor. In
diesem Sinne bitte ich Sie, diesem Budget zuzustimmen
und unseren SBB damit auch das Vertrauen auszuspre-
chen. Es genügt nicht, dass wir aus Nostalgiegründen und
weil wir wohl alle einmal, als wir klein waren, mit Eisenbah-
nen gespielt haben, noch halbwegs zu diesem Unterneh-
men stehen. Dieses Unternehmen braucht gerade heute
unsere volle Unterstützung. Was die zusätzlichen 9 Millio-
nen Franken anbetrifft, die der Nationalrat beschlossen hat,
möchte ich nur sagen, dass ich für diese Erhöhung bin.
Frau Bührer wird dann dazu nachher noch Stellung neh-
men. Ich verzichte deshalb darauf.
Mich beschäftigt ein weiteres Problem: das Personal, diese
zusätzlichen Stellen. Ich werde mich als Bundesbeamter
dazu nicht äussern. Ich habe nur ein Problem, die Lehrlinge!
Ich möchte den Bundesrat dringend bitten, auf dem
Gebiete der Lehrlinge einen Handlungsspielraum offen zu
lassen und diese Lehrstellen doch zu bewilligen. Darf ich
Sie daran erinnern, dass wir jeweils grosse Kredite spre-
chen, um den Numerus clausus an den Hochschulen zu
verhindern? Es ist ein grosses Anliegen unseres Rates
gewesen zu verhindern, dass das Medizinstudium nicht
dem Numerus clausus unterworfen wird. Und gerade heute,
wo eine so grosse Lehrstellenknappheit herrscht - ich kann
das beurteilen, weil ich selber damit zu tun habe -, sollten
wir doch diesen Weg öffnen und den SBB ermöglichen,
doch wenigstens Lehrlinge anzustellen. Der Jugend, die
heute Probleme hat, Lehrstellen zu finden, sollte man hier
einen Schritt entgegenkommen. Das wäre ein Akt der
Gerechtigkeit, nachdem wir schon diese Millionen gespro-
chen haben, damit unsere Hochschulstudenten dem Nume-
rus clausus nicht unterworfen werden.
Was mich weiter beschäftigt, sind die Rationalisierungs-
massnahmen, die die SBB auf Druck des Parlamentes ein-
geleitet haben. Es würde mich interessieren, wie Herr Bun-
desrat Schlumpf die Gefahr einer solchen Wegrationalisie-
rung von Arbeitsplätzen ausgerechnet in wirtschaftlich
benachteiligten Regionen einstuft. Es trifft nämlich durch-
wegs defizitäre Linien, die jetzt automatisiert oder wo die
Bahnhöfe aufgehoben werden sollen; diese befinden sich
fast ausschliesslich in wirtschaftlich benachteiligten Regio-
nen. Ich denke beispielsweise an meinen Kanton: Zwischen
Flamatt und Romont sollen 30 Arbeitsplätze wegrationali-
siert werden. Es würde mich auch interessieren, wie der
Bundesrat die geplante Tariferhöhung einstuft, ob er hier
nicht eine Gefahr sieht, dass letztlich die geplanten Einnah-
men ausbleiben, weil einfach noch mehr Leute auf das Auto
umsteigen.
Nebst diesen Fragen möchte ich meine Zustimmung zum
Budget bekunden (inklusive die 9 Millionen Franken des
Nationalrates).
Schönenberger: Es geht mir nicht darum, die verantwortli-
chen Organe der SBB zu kritisieren oder ihnen Vorwürfe zu
machen. Ich anerkenne sehr gerne, dass Hunderte von
SBB-Angestellten jahraus jahrein ihre Pflicht voll und ganz
erfüllen. Ich kann aber nicht begreifen, wie Herr Piller jetzt
erklären konnte, er erachte das Defizit der SBB eigentlich
gar nicht als gravierend. Ich glaube, hier müssen wir schon
ganz klar sagen, dass dieses Defizit eben äusserst gravie-
rend und äusserst deprimierend ist und auf die Dauer ein-
fach nicht hingenommen werden kann.
Ich war nie ein Freund des Leistungsauftrages, aber Herr
Piller hat mir nun gezeigt, dass dieser Leistungsauftrag -
ich sage das ganz gerne Herr Bundesrat - eben trotzdem
seine Berechtigung hat, denn er verpflichtet die Organe der
SBB klar und deutlich, die Bahnen nach unternehmerischen
Grundsätzen zu führen. Das Parlament hat zu diesem Lei-
stungsauftrag ja gesagt, und darum muss es eben auch ja
sagen, wenn nun die SBB hingehen und bisher noch
bemannte Stationen in unbesetzte umwandeln usw. Man
darf nicht dort, wo die verantwortlichen Organe der SBB
unternehmerisch tätig werden, ihnen wieder die Hände bin-
den.
Die Defizite der Nebenlinien decken wir jetzt ab durch die
Abgeltung der gemeinwirtschaftlichen Leistungen. Die SBB
sind in dieser Beziehung weit besser gestellt als die Privat-
bahnen, die lineare Kürzungen hinnehmen müssen, wäh-
rend wir bei den SBB die Abgeltung für die gemeinwirt-
schaftlichen Leistungen Jahr für Jahr erhöhen. Was zu
Bedenken Anlass gibt, ist einfach die Tatsache, dass wir
zwar die Abgeltung gemeinwirtschaftlicher Leistungen stän-
dig erhöhen, dass das Defizit der SBB aber trotzdem
wächst. Es ist für mich deshalb unverständlich gewesen,
dass der Bundesrat 355 neue Stellen schaffen wollte. Wir
haben sie in der Kommission gestrichen. Ich bin der Über-
zeugung, dass wir alles unternehmen und den Organen der
SBB den Rücken stärken müssen, damit diese Defizite
abgebaut werden können. Ich bin in diesem Punkt mit Herrn
Piller einverstanden. Wir haben als Parlament alles zu tun,
um bei der Beseitigung dieser Defizite mitzuhelfen. Ich ver-
weise auf die letzte Seite der Botschaft, wo ganz klar auf
die GVK hingewiesen wird. Wenn wir nicht endlich mit die-
ser GVK ernst machen und die entsprechenden Beschlüsse
fassen, werden wir uns Jahr für Jahr wieder über diese Defi-
zite unterhalten müssen.
Nun noch zu den 9 Millionen Franken für Wagenrevisionen:
Ich habe über diese Sache mit Verantwortlichen der Gene-
raldirektion gesprochen. Die Revision dieser Waggons ist
nicht dringend notwendig; sie erhöht vielleicht den Komfort,
bringt aber betrieblich nichts Wesentliches. Ich bin folgen-
der Auffassung: Wenn wir die Defizite immer kritisieren,
CFF. Budget 1983
672
9 décembre 1982
dürfen wir nicht hingehen und dieses Defizit einfach noch
um 9 Millionen Franken erhöhen.
Ich bitte Sie um Genehmigung der Vorlage.
Hefti: Die Texte der Botschaften beginnen sich zu wieder-
holen und die Belastung des Bundes steigt, aber es
geschieht nicht viel Konkretes. Ich möchte mich auf einen
Punkt beschränken: Kompetenzen bezüglich der Führung
der SBB haben heute nebst der Generaldirektion die Kreis-
direktionen - deren Verhältnis zur Generaldirektion ist nicht
immer so klar -, der Verwaltungsrat, das Departement, das
Amt für Verkehr, der Gesamtbundesrat und das Parlament.
Wo Kompetenzen auf derart verschiedene Organe, teil-
weise ungenügend abgegrenzt, verteilt sind, kommt es
leicht dazu, dass sich am Schluss niemand wirklich verant-
wortlich fühlt. Hier eine bessere Ordnung zu schaffen, ist
vordringlicher und die Voraussetzung für alles weitere. Gut-
achten und Überprüfungen sind richtig, aber sie können
noch nicht die Lösung geben, nur Hilfen dazu, und es dürfte
nun an der Zeit sein, dass namentlich Bundesrat und
Departementschef aus ihrer eigenen Kenntnis der Sache
und Überzeugung heraus hier den richtigen und raschen
Entscheid treffen.
Frau Lieberherr: Ich möchte mich eigentlich nur äussern
zur Frage der 9 Millionen für die Revisionsaufträge und
mich abstützen auf das, was jetzt gerade Herr Schönenber-
ger gesagt hat. Die Mitglieder der Verkehrskommission
erinnern sich, dass ich mich an der Sitzung genau zu dieser
Frage geäussert und die Bedenken diesbezüglich bereits
dargelegt hatte. Die Vertreter der SBB äusserten sich nicht
dahin, diese Revisionen seien nicht nötig, sondern es
wurde vielmehr erklärt, man verzichte auf die Revisionen
aus finanziellen Erwägungen heraus. Wenn man bedenkt,
dass es sich um sehr alte Wagen handelt, um Waggons, die
bereits zwischen 20 und 30 Jahre alt sind, kann man sich
ungefähr vorstellen, was mit diesen Waggons passiert,
wenn sie nicht revidiert werden. Wir wollen aber, dass
unsere Bahnen in einem Zustand erhalten werden können,
der eine gute Leistung garantiert, wir wollen keine Verhält-
nisse, wie wir sie zum Teil im Ausland kennen, wo das Wag-
gonmaterial vernachlässigt wird und die Reisequalität sinkt.
Ich war sehr erfreut, als der Nationalrat die 9 Millionen Fran-
ken gewährt hatte, und ich möchte Sie dringend ersuchen,
auf den Antrag des Nationalrates einzutreten, denn diese
Auftragsverweigerung - ich spreche ausdrücklich von einer
Verweigerung - bedeutet für diese Firma in Schlieren und
auch für die Stadt Schlieren einen schweren Schlag.
Die Waggonindustrie hat sich ja im Interesse einer Speziali-
sierung darauf geeinigt, dass die einzelnen Firmen sich
bestimmten Arbeiten zuwenden. Diese Arbeitsteilung
bewirkt einen Abbau von 300 Arbeitsplätzen für das Werk in
Schlieren. Die Strukturbereinigung, die 1981 abgeschlossen
wurde, hat der Wagonfabrik Schlieren die Komponentenfer-
tigung sowie die Umbauten und Revisionen zugewiesen.
Man hatte sich auf diese Revision eingestellt, weil eine
schriftliche Absichtserklärung der SBB vorlag, bis 1990
jährlich 40 Revisionen von Reisezugwagen durchführen zu
können. In der Zeit vom I.Januar 1982 bis heute hat die
Schlierener Fabrik als erste Tranche dieser Aufgabe 6 von
total 16 25 bis 28 Jahre alten Waggons zur ausdrücklichen
vollen Zufriedenheit der SBB revidiert und abgeliefert. Der
Entscheid nun, weitere Revisionsaufträge zu verweigern,
bedeutet natürlich für diese Firma, dass sie noch einmal 150
Mitarbeiter abbauen muss. Sie können sich die Konsequen-
zen ungefähr vorstellen. Die Mitarbeiter der Unternehmung
in Schlieren sind bereits dahin informiert worden, dass sie
ab I.Januar 1983 eine 10- bis SOprozentige Kurzarbeit in
Kauf nehmen müssen.
Die SBB sprechen diesbezüglich von einer neuen «Revi-
sionsphilosophie». Für mich ist es etwas neu, dass man
jetzt diesbezüglich auch schon von einer Philosophie^
spricht. Diese «Philosophie» bedeutet schlicht und einfach
einen Abbau für die Unte/nehmung. Ich bitte Sie, dass wir
hier, auch wenn das zusätzliche Auslagen für die SBB
bedingt, dem Antrag des Nationalrates zustimmen, um
erstens einmal das abgegebene Versprechen einhalten zu
können und zweitens, um diese Waggons in einem Stand zu
erhalten, der den Ansprüchen des modernen Eisenbahnrei-
senden entspricht. Ich glaube, wir können nicht die Bahnen
attraktiv erhalten oder attraktiv machen, indem man
schlechtes und unsicheres Rollwagenmaterial in den Ver-
kehr hinausschickt.
Knüsel: Ich möchte mich kurz fassen. Ich habe den Ein-
druck, Leistungsauftrag, Leistungsdruck sei das eine,
Kostendruck das andere. Herr Kollege Schönenberger hat
davon gesprochen, dass das Budget der SBB für 1983
besorgniserregend sei. Das stimmt. Aber auf der Seite des
Kostendruckes und des Leistungsdruckes passieren heute
Dinge, die langfristig gesehen für die SBB gefährlich wer-
den könnten. Ich denke daran, dass aus dem Personal-
druck heraus heute kleinere Stationen ohne Fachpersonal
bedient werden. Die Unfallgefahr wird längerfristig vermut-
lich beängstigend zunehmen.
Das Zweite ist der Kostendruck. Ich habe die Auffassung,
dass, wenn die SBB über längere Fristen hinaus ein voll-
ständig zusammengedrücktes Unterhaltsprogramm für das
Wagenmaterial vorsehen, die Konkurrenzfähigkeit unserer
Bahnen gegenüber der Strasse noch weiter abnimmt. Ich
habe mir die Mühe genommen, mit dem mittleren Kader der
SBB, also mit jenen Leuten Kontakt aufzunehmen, die
direkt mit dem Wagenmaterial zu tun haben. Und wenn Sie
nicht auf den ganz grossen Linien fahren, werden Sie
sehen, dass das stimmt. Der Zustand der SBB-Wagen
muss Jahr um Jahr einem Unterhalt unterzogen werden.
Wenn wir das nicht tun, dann wird der Fahrkomfort abneh-
men und die SBB verlieren an Attraktivität. Die SBB kom-
men mir fast wie ein Schuldenbauer vor, der die Finanzmit-
tel für den Dünger nicht mehr hat; ohne Dünger gibt es
aber keine Ernte. Da komrnen meine Bedenken. Im letzten
Jahr ist die Vereinbarung getroffen worden zwischen der
Generaldirektion und Schlieren. Es sind Millioneninvestitio-
nen gemacht worden, um diese 40 Wagen im Service und in
der Innenausstattung sicherzustellen. Im September dieses
Jahres erhielt Schlieren den blauen Brief: es ist vorbei bis
Ende dieses Jahres. Da kommt meine grosse Angst, dass
wir mit dem Weglassen des Unterhalts einen weiteren
Schritt in Richtung Inattraktivität der Schiene tun. Da
möchte ich meinerseits bitten, dem Vorschlag des National-
rates zuzustimmen, dies obwohl in gewissen Presseorga-
nen von Inkonsequenz gesprochen wurde.
Cavelty: In der Kommission analysierte Herr Desponds,
Präsident der Generaldirektion, die Zukunftsperspektiven
der SBB folgendermassen. Ich zitiere aus dem Protokoll:
«En résumé, la tendance hélas est une stagnation des défi-
cits à un haut niveau, voire une augmentation de ceux-ci.
Alors, que faire? En définitive, la seule possibilité réelle de
réduire d'une façon notable l'écart entre les coûts et les
recettes serait de réduire l'effectif du personnel. (On a pu
ainsi estimer que - et c'est là un exemple purement formel
- 5000 agents en moins, sur les quelques 39 000 que
compte l'entreprise, permettraient d'économiser 200 mil-
lions de francs.) Mais une réduction des effectifs de cette
importance ne peut être envisagée sans une réduction
sévère des prestations les plus déficitaires: fermeture de
lignes régionales, suppression du transport des colis de
détail, etc.
Une telle opération réduirait également les recettes, dimi-
nuant d'autant l'intérêt de celle-là.
On se trouve donc devant une alternative très claire:
- soit en estime que le maintien des prestations des CFF
est indispensable à la collectivité, mais alors celle-ci doit -
en contrepartie - prendre à sa charge le déficit;
- soit on estime que les CFF doivent à tout prix diminuer la
charge qu'ils représentent financièrement pour la Confédé-
ration, mais dans ces conditions la collectivité doit accepter
les conséquences d'une réduction correspondante des
prestations du chemin de fer.»
- Dezember 1982
673
SBB. Voranschlag 1983
Ich betrachte diese Analyse als ehrlich und realistisch. Es
hat keinen Sinn, über die Defizite der SBB zu klagen, wenn
man nicht bereit ist, die politischen Bedingungen für eine
grundlegende Verbesserung zu schaffen. Und diese politi-
schen Bedingungen sind neben der Verbesserung der
Wettbewerbsverzerrungen usw. die Inkaufnahme eines Lei-
stungsabbaus dort, wo die grössten Defizite entstehen,
nämlich beim Stückgutverkehr und bei den schlecht fre-
quentierten Linien. Wollen wir wirklich das, und zwar nicht
nur generelle Deklamation, sondern auch dann, wenn es um
den Abbau konkreter Leistungen geht? Ich bezweifle das.
Zu viele romantische Vorstellungen sind mit der Bahn ver-
bunden, zu viele beachtenswerte Vorzüge ebenfalls, die
nicht nur in bare Münze umgerechnet werden können; die
Bahn bietet aber auch fassbare Vorteile, wie zum Beispiel
die Umwelt- und Energiefreundlichkeit, die Nützlichkeit im
Kriegsfalle usw. Und doch muss man bei den gegebenen
Bundesfinanzen auf längere Sicht eine Interessenabwägung
in Kauf nehmen. Der Slogan von der Bahn als dem Auto des
kleinen Mannes ist gut und recht, aber angesichts der finan-
ziellen Situation des Bundes können wir natürlich nicht
jedem kleinen Mann eine Bahn schenken. So sehr die
Bahnbenützer zu schätzen und zu loben sind: Dort, wo man
wegen weniger Einzelpersonen eine Bahn fahren lassen
muss, dort hören die Verdienste dieser Bahnbenützer für
das Vaterland meines Erachtens auf, namentlich dann,
wenn die Benützung eines anderen Verkehrsmittels mög-
lich und zumutbar wäre.
Dazu noch ein Wort: Der öffentliche Verkehr wickelt sich
nicht nur auf der Schiene ab. Es gibt einen solchen eben-
falls auf der Strasse. Ich leite aus diesen Überlegungen fol-
gende Schlussfolgerungen ab:
- Die SBB sollten ihre einzelnen Linien und Leistungen auf
ihren Kostendeckungsgrad und auf eine allfällig nötige und
mögliche Ablösung durch einen anders gearteten Ersatz
prüfen.
- Aufgrund dieser Prüfung sollte der Bundesrat dem Parla-
ment einen Bericht mit den nötigen Anträgen unterbreiten.
In diesen Anträgen müssen Alternativen mit sich aufdrän-
genden Reduktionen des Leistungsangebotes der SBB und
dadurch bewirkte Verbesserungen der finanziellen Ergeb-
nisse enthalten sein.
Gadient: Das Fehlen einer klaren Aufgabenstellung und
einer eindeutigen Kompetenz- und Verantwortungszuwei-
sung mag zu verstärkter Einflussnahme auf die Entschei-
dungsstruktur der SBB verleiten. Es scheint mir indessen
unhaltbar, dass das Parlament - und das wohlgemerkt im
Rahmen der Beratung des Voranschlags - Korrekturen sol-
cher Art wie diejenigen der Waggonrevisionen vornimmt,
denn diese greifen ohne Zweifel zutiefst in die Handlungs-
freiheit des vielkritisierten Managements der SBB ein. Das
ist für mich weit mehr als eine Frage der Opportunität, denn
es geht um die ganz ausserordentlich bedeutsame Ent-
scheidung, ob das Parlament mit solchen Stegreifinterven-
tionen - unter Ausschaltung der Unternehmungsführung -
eine direkte Führungsverantwortung übernehmen will. Das
ist meines Erachtens unhaltbar und steht in krassem
Gegensatz zu der uns zufallenden Aufgabe und den im
Zusammenhang mit dem Leistungsauftrag in diesem Saale
entwickelten Grundsätzen.
Wir beraten einen Voranschlag, also weder ein Investitions-
noch ein Arbeitsbeschaffungsprogramm. Mit dem Lei-
stungsauftrag 1982 haben wir eine Überleitung zur GVK
geschaffen und damit den SBB für künftige Jahre Richtli-
nien gegeben über ihr Angebot im Reise- und Güterver-
kehr, über die Mengen- und Preispolitik und über das Vor-
gehen im Personal- und Investitionsbereich. Schon mit die-
sen Massnahmen - der Herr Kommissionspräsident hat das
in den Verhandlungen im Januar dieses Jahres betont -
haben wir Bereiche einbezogen, die gemäss GVK später
zur unternehmerischen Freiheit gehören sollen. Wir haben
dies für eine Übergangszeit bewusst in Kauf genommen.
Hier ist indessen heute zu bemerken, dass der Verwal-
tungsrat nach vorbereitenden Arbeiten der oberen Kader,
der Generaldirektion und der Kreise sowie der Fachaus-
schüsse und der Personalverbände im September die for-
mulierte Unternehmungspolitik verabschiedet hat, die nun
das zentrale interne Führungsinstrument darstellt, genau so
wie wir das vom Parlament aus erwartet und verlangt
haben. Es ist daher meines Erachtens unzulässig, heute mit
einer Politik der Inkonsequenz in den Handlungsspielraum
der Unternehmung einzugreifen und diese dann letzten
Endes wieder für höhere Defizite zur Rechenschaft zu zie-
hen.
Frau Bührer: Ich habe nicht viel, aber doch etwas beizufü-
gen, denn ich kenne die Probleme der Waggonbranche aus
allernächster Nähe. Unsere Schaffhauser Firma SIG ist ja
auch in diesem Sektor tätig. Ich bin informiert, dass vor kur-
zem zwischen den schweizerischen Waggonfabriken Struk-
turbereinigungen abgesprochen worden sind, um die Über-
lebenschancen zu erhöhen. Die Branche ist also nicht untä-
tig gebleiben. Sie hat sich im Sinne der Selbsthilfe organi-
siert. Bei diesen Strukturbereinigungen hat die Wagonfabrik
Schlieren - das haben wir schon gehört - ihr Konzept
umgestellt. Dort werden jetzt nicht mehr komplette Wag-
gons hergestellt, sondern nur noch Komponenten, und -
das ist eigentlich die Hauptsache - die Firma hat sich spe-
zialisiert auf Wagonrevisionen. Diese Spezialisierung
erfolgte nicht zuletzt aufgrund von Zusicherungen der SBB,
dass dort jährlich etwa 40 RIC-Wagen revidiert werden. Die
Investitionen wurden getätigt, das Personal ist vorhanden;
allein im Werkstattbereich sind es rund 100 Mitarbeiter.
Eine drastische Kürzung des SBB-Auftrages wird also
unmittelbare und sehr einschneidende Folgen betreffend
Stellenabbau und Kurzarbeit haben. Wir haben nun die eher
«abenteuerliche» Aussage gehört, dass diese Waggonrevi-
sionen gar nicht notwendig seien. Dem widerspricht, dass
anlässlich der Strukturbereinigungen eben ausdrücklich
von diesen notwendigen 40 Revisionen gesprochen wurde.
Auch in der Kommission - das haben wir von Kollegin Lie-
berherr gehört - wurde die Aussage wiederholt, dass diese
Revisionen an sich notwendig wären, im Zuge der Spar-
massnahmen aber gestrichen wurden.
Es gibt hier noch einen Aspekt, den wir nicht übersehen
dürfen. Die SBB unterhalten ja eigene Revisionswerkstät-
ten. Aber die grosse Anzahl alter Wagen bringt es mit sich,
dass in naher Zukunft ein Spitzenbedarf an Revisionen
anfallen wird. Ich erachte es nun als ausserordentlich ver-
nünftig, dass die SBB ihre Werkstätten nicht auf diesen
Spitzenbedarf expandiert haben, sondern ihm in Zusam-
menarbeit mit der Privatwirtschaft gerecht werden möch-
ten. Das ist eine sehr sinnvolle Zusammenarbeit. Aber die
Privatwirtschaft muss sich auf Zusagen und Konzepte stüt-
zen können. Sie tätigt ihre Investitionen, sie hat das Perso-
nal, und eine kurzfristige Änderung des Konzeptes, wie das
nun hier eben passiert ist, erachte ich als unhaltbar.
Wir haben heute einmal mehr von der grossen Besorgnis
gehört betreffend die Defizite der SBB. Ich teile diese
Besorgnis. Wir haben auch die Bedenken von Kollege
Gadient gehört, dass wir hier unzulässigerweise in die
unternehmerische Freiheit der SBB eingreifen. Demgegen-
über steht aber die Besorgnis um die wirtschaftliche Lage
in unserem Lande, in einer Region und ganz konkret die
Sorge um diese Arbeitsplätze, die sehr direkt betroffen wer-
den. Für mich zählen die menschlichen Aspekte der
Arbeitslosigkeit eben ganz besonders.
Ich gestatte mir, Sie daran zu erinnern, dass wir im Falle
des Lastwagenauftrages an Saurer diese Aspekte auch
berücksichtigt haben und dass es dort möglich war, den
Kredit aufzustocken und den Auftrag zu erweitern. Ich
meine, dass wir uns - auch in Erinnerung an diesen Fall -
dazu durchringen sollten, diesen Kredit aufzustocken und
diese 40 Waggonrevisionen zu garantieren und zu ermögli-
chen.
Gerber, Berichterstatter: Ich spreche ganz kurz zum
Beschluss des Nationalrates zur Revision dieser 40 Wagen.
3-S
CFF. Budget 1983
6749 décembre 1982
Dieser Antrag lag der Kommission nicht vor. Ich äussere
hier meine persönliche Meinung.
Bei allem Verständnis für die wirtschaftlich positiven Aus-
wirkungen dieses Beschlusses auf gewisse Teile unserer
Wirtschaft, dürfen wir wohl die Auswirkungen auch nicht
überschätzen. 9 Millionen mehr Investitionen werden wirt-
schaftliche Schwierigkeiten nicht unbedingt beenden helfen
oder wesentliche Besserungen bringen. Auf der anderen
Seite haben wir ja in unseren Verhandlungen deutlich zum
Ausdruck gebracht - und das wurde von verschiedenen
Kollegen unterstrichen -, dass wir bei den Entscheidungen
auf allen Stufen der SBB eine klare Kompetenzabgrenzung
verlangen müssen. Wenn wir der Generaldirektion und dem
Verwaltungsrat schon einen grösseren unternehmerischen
Freiraum einräumen wollen, ist es etwas inkonsequent,
wenn dann das Parlament im nachhinein Beschlüsse fasst
in bezug auf diesen unternehmerischen Freiraum.
Aus diesen Überlegungen möchte ich Ihnen beantragen,
den Antrag des Nationalrates abzulehnen und dem Voran-
schlag zustimmen, wie er Ihnen unterbreitet wird. Ich werde
dann bei der Detailberatung noch einen Antrag zu begrün-
den haben.
Bundesrat Schlumpt: Ich danke Herrn Gerber für die sachli-
che Darlegung des Voranschlages. Ich darf Sie versichern,
dass die Besorgnis, die er zum Ausdruck brachte, auch den
Bundesrat und unser Departement beschäftigt. Man kann ja
nicht darüber hinwegsehen, dass die Budgetzahlen 1983
insbesondere in Verbindung mit den hochgerechneten
Ergebnissen 1982, vor allem aber auch mit den Finanzplan-
und Perspektivzahlen der Folgejahre, einen sehr bedrük-
kenden Eindruck vermitteln. Kurz zu den aufgeworfenen
Problemen: Die GVK, auf die Sie sich beziehen, Madame
Bauer, wurde vom Bundesrat kürzlich, am 17. November,
verabschiedet. Die Botschaft muss noch an die definitiven
Verfassungsartikel angepasst werden. Wie schwer es in
unserem Lande ist, Verkehrspolitik anzustreben, haben wir
auch an diesem Beispiel erlebt. Es sei falsch, dass der Bun-
desrat diese Verkehrsartikel verabschiedet oder minde-
stens veröffentlicht habe. Vielleicht wäre es besser gewe-
sen, wenn wir damit bis nach der Volksabstimmung von
Ende Februar zugewartet hätten. Die Botschaft unseres
Departements lag aber seit Juli 1981 auf dem Tisch des
Bundesrates. Ich höre indessen die Vorwürfe, die man uns
gemacht hätte, wenn wir diese Verkehrsartikel erst im März
oder April bekanntgegeben hätten. Es wäre dann gesagt
worden, die da oben machten ohnehin, was sie wollten,
ungeachtet der Abstimmung über den Treibstoffzollartikel.
Wir haben also das Paket verabschiedet, und die Botschaft
wird im Verlaufe der ersten Monate des Jahres 1983
erscheinen. Sie wird jetzt bereinigt und übersetzt und wird
dann noch definitiv genehmigt und gedruckt werden müs-
sen.
Zum Problem der Förderung des Bahnverkehrs durch spe-
zielle Tarifgestaltungen und zur Frage, ob Tariferhöhungen
nicht kontraproduktiv wirken würden, werde ich mir erlau-
ben, im Zusammenhang mit dem Revisionsauftrag des Par-
laments im Umfang von 9 Millionen Franken, der an eine
Firma in Schlieren geht, Stellung zu nehmen. Im Grunde
genommen geht es hier nämlich nicht um die Gestaltung
des Budgets der SBB an und für sich, sondern vielmehr um
diesen sogenannten Revisionsauftrag. Vorerst aber ein
Wort zu Ständerat Piller: Man verlangt von den SBB - das
ist verbrieft, und verschiedene Herren haben darauf hinge-
wiesen - ein marktwirtschaftliches Verhalten, und man
respektiert das SBB-Gesetz, das den SBB einen zweifa-
chen Auftrag erteilt: Einerseits sollen volkswirtschaftliche
Interessen und solche der Landesverteidigung wahrgenom-
men werden, und andererseits soll ausserhalb dieses
gemeinwirtschaftlichen Bereiches, der abgegolten werden
muss, soweit keine Eigenwirtschaftlichkeit möglich ist, ein
marktwirtschaftliches Verhalten im Sinne des Leistungsauf-
trages angestrebt werden. Ständerat Cavelty hat mit Recht
auch appelliert, man müsste nun konsequent handeln.
Bekanntlich ist der Bundesbeschluss über den Leistungs-
auftrag in beiden Kammern genehmigt worden, und zwar
gerade deswegen, weil bis heute niemand ein anderes Kon-
zept kennt, ich auch nicht. Der Unterschied zwischen dem
Bundesrat und einzelnen Parlamentariern ist möglicher-
weise nur der, dass wir am 9. Dezember immer noch beim
Konzept bleiben, welches das Parlament im März dieses
Jahres festgelegt hat mit der Abgeltung für den gemeinwirt-
schaftlichen Bereich auf der einen Seite und dem marktwirt-
schaftlichen Bereich auf der anderen Seite, mit der Konse-
quenz, wie sie von Herrn Cavelty verlangt wird.
Sodann stellt sich die Frage, was wir alles im gemeinwirt-
schaftlichen Bereich unterbringen wollen und wer das abzu-
gelten hat. Im Prinzip ist es derjenige, der die gemeinwirt-
schaftliche Leistung verlangt.
Zur konkreten Frage in bezug auf die Lehrlinge ist folgen-
des zu sagen: Vom Budget 1981 zum Budget 1983 haben
wir die Zahl der Lehrstellen immerhin um 342 vermehrt. Sie
sehen das auf der Seite 8. Aufgrund dieser Budgetannah-
men haben wir 2287 Lehrstellen berechnet. Das entspricht
einem Verhältnis von etwa 1 zu 17 oder 1 zu 18, d. h. auf 17
oder 18 Arbeitsplätze entfällt eine Lehrstelle. Soweit ich
mich noch an die Verhältnisse in der Privatwirtschaft erin-
nere, ist das ein recht günstiges Verhältnis. Die Ausbil-
dungspflicht der SBB wird also durchaus wahrgenommen.
Zur weiteren Frage von Ständerat Piller, ob Rationalisie-
rungsoperationen in entwicklungsschwachen Gebieten
nicht auch zum Abbau von Arbeitsplätzen führen können,
ist zu bemerken, dass wir auch hier konsequent sein müs-
sen. Wenn wir aus regionalwirtschaftlichen Gründen
Arbeitsplätze beibehalten wollen, d. h. Betriebsbereiche
pflegen wollen, die unternehmerisch nicht notwendig, nicht
richtig und nicht eigenwirtschaftlich sind, haben wir es wie-
derum mit der Frage einer gemeinwirtschaftlichen Leistung
und deren Abgeltung an die SBB zu tun. Wenn also irgend-
eine Instanz das verlangt, muss dafür auch die Abgeltung
geregelt werden.
Ich danke Ständerat Schönenberger für seine Ausführun-
gen, obwohl ich nicht etwa sagen will, er habe sich vom
Saulus zum Paulus bekehrt. Ich freue mich aber, dass er
doch den Wert des Leistungsauftrages anerkennt, nachdem
er diesem gegenüber seinerzeit - begreiflicherweise - kri-
tisch eingestellt war. Ich teile seine Meinung, dass wir die
Unternehmenspolitik der SBB, wie wir sie verlangen, gar
nicht festlegen können ohne einen bestimmten Leistungs-
auftrag.
Ständerat Hefti hat auf die Kompetenzordnung in dieser
ganzen Hierarchie hingewiesen, und man müsste neben
den Instanzen, die er erwähnt hat, auch noch den Souverän
nennen. Wir werden nämlich auch allgemeinverbindliche
Bundesbeschlüsse erlassen müssen, die referendums-
pflichtig sind. Letzten Endes wäre also auch der Souverän
gelegentlich in die Kompetenzordnung mit einzubeziehen.
Hier müssen Ausforstungen vorgenommen werden - sie
stehen in Vorbereitung -, und zwar nicht nur aufgrund von
Expertisen. Wir haben wohl einen Fachmann, Prof. Rühli,
beigezogen, aber auch intern, im Bundesrat und im Depar-
tement, festgestellt, was vereinfacht werden muss. Man
muss einfach sehen, dass es sich um ein über Jahrzehnte
gewachsenes Gebilde handelt, das nicht mehr in allen Tei-
len synchron ist.
Nun zu den Fragen: Revisionsprogramm für Waggons und
damit eben zum Kernproblem: Unternehmensbereich. Herr
Cavelty hat verlangt - und ich kann diesem Anliegen ent-
sprechen -, dass schon im kommenden Jahr die Kosten-
deckung linienbezogen geprüft werden müsse und der
Bundesrat darauf abgestützt entsprechende Anträge zu
stellen bzw. geeignete Massnahmen vorzuschlagen habe.
Das können beispielsweise Umstellungen sein, Sie haben in
dieser Richtung Ausführungen gemacht. Das ist in Arbeit,
und zwar unabhängig vom Aktionsprogramm 1982/1984,
und wurde schon früher in die Wege geleitet. Die SBB
haben bis heute keine Rechnungsgrundlagen für linienbe-
zogene Kostenrechnungen. Deshalb mussten wir ja beim
Leistungsauftrag SBB die Abgeltung für die gemeinwirt-
schaftlichen Leistungen auch pauschalieren, indem wir ein-
- Dezember 1982675
SBB. Voranschlag 1983
fach auf den regionalen Personenverkehr abstellen. Es hat
natürlich auch im Güterverkehr Elemente, bei denen keine
genügende Kostendeckung vorliegt. Aber wir können das
bis heute nicht ermitteln, weil uns die linienbezogenen
Rechnungsgrundlagen fehlen. Diese recht komplizierte
Arbeit ist im Gange. Eine SpezialUnternehmung beschäftigt
sich damit. Wir werden im kommenden Jahr diese Unterla-
gen haben und dann diese Prüfung vornehmen wie auch die
entsprechenden Berichte und Anträge erstatten.
Von diesem Spezialbereich abgesehen, müssen wir sagen:
Die Philosophie des Bundesbeschlusses über den Lei-
stungsauftrag war die Festlegung einer marktwirtschaftli-
chen Orientierung im unternehmerischen Bereich und damit
das, was Ständerat Gerber sagte, nämlich Absteckung des
unternehmerischen Freiraumes bzw. Respektierung dieses
Freiraumes.
Und nun zur Tarifpolitik. Die Festlegung der Spezialtarife für
besondere Kategorien, Frau Ständerat Bauer, gehört zum
elementaren Bereich der unternehmerischen Dispositionen;
es ist die eigentliche Preisgestaltung. Man spricht von Tari-
fen, aber es sind Preise, die für eine bestimmte Dienstlei-
stung verlangt werden. Und in einem marktwirtschaftlichen
System gehört die freie Preisgestaltung zum elementaren
Unternehmensbereich. Sie denken an den vergangenen
Sonntag, an die Probleme der Preisüberwachung, aber bei
der Preisüberwachung geht es nur um Missbrauchsbe-
kämpfung, das ist der Sinn dieser Initiative wie auch der
Preisüberwachung von 1972 bis 1978. Dabei kann allenfalls
interveniert werden, wo Preisbildungen missbräuchlich vor-
genommen werden. Das ändert aber am Prinzip der Preis-
gestaltung nach Marktgegebenheiten nichts. Wenn wir auf
diesem Gebiet die unternehmerische Freiheit nicht akzep-
tieren, dann weiss ich nicht, wo sie spielen soll.
Nun zur Disposition über Unterhalts- und Revisionspro-
gramme. Ich könnte da Eingriffe vom Parlament nur akzep-
tieren, wenn das richtig wäre, was verschiedene von Ihnen
gesagt haben. Frau Lieberherr, Herr Knüsel, man kann wirk-
lich nicht von Aufträgen sprechen, die erteilt worden seien
bzw. von einem blauen Brief. Wo sind denn diese Aufträge?
Wo sind diese Abmachungen? Die SBB hatten ein Revi-
sionsprogramm, und man hat dieses Programm, wie es
üblich ist, bekanntgegeben. Das macht man periodisch,
damit die Drittfirmen, die damit beauftragt werden sollen,
sich auch darauf ausrichten können. Aber das sind keine
Aufträge. Wenn wir von unternehmerischer Freiheit spre-
chen und diese ernst nehmen und von der Unternehmung
verlangen, dass sie Sparmassnahmen durchsetzt, um das
Budgetgleichgewicht wieder zu erreichen, dann muss es ihr
auch erlaubt sein, ihre Unterhalts- und Revisionspro-
gramme zu modifizieren und auf solche Sparziele auszu-
richten. Es muss dieser Unternehmung doch auch erlaubt
sein, im Zuge von Rationalisierungsmassnahmen allenfalls
Arbeitsplätze einzusparen, wenn dies die Erfüllung des Lei-
stungsauftrages nicht beeinträchtigt; das scheint mir doch
ganz selbstverständlich zu sein. Ständerat Gadient hat mit
Recht - ich danke meinen beiden Bündner Kollegen für ihre
ausgezeichneten Argumente - herausgestellt: Wir haben es
hier nicht mit einem Arbeitsbeschaffungsprogramm zu tun.
Der Bundesrat hat für Auswirkungen von Sparmassnahmen
im personellen Bereich natürlich sehr viel Verständnis wie
auch die Unternehmensleitung der SBB. Aber da bewegen
wir uns im Bereiche der Quadratur des Zirkels. Wie sollen
wir denn sparen? Wir dürfen nicht im Unterhaltsbereich
sparen, aber auch nicht beim Personaletat. Wir dürfen auch
die Ertragsseite nicht verstärken, die Tarife sollen ja nicht
erhöht werden.
Es geht heute um das Budget 1983 und nicht um ein
Arbeitsbeschaffungsprogramm. Es kann dazu kommen, das
möchte ich offenlassen, wenn sich die wirtschaftlichen Ver-
hältnisse noch wesentlich verschärfen sollten. Der Bundes-
rat wird in einer solchen Situation nicht untätig sein. Dann
wird sich die Frage nach einem Arbeitsbeschaffungspro-
gramm stellen; dann werden die SBB, und übrigens auch
die PTT, zum Zuge kommen. Aber dann wird natürlich vor
allem, und das möchte ich Frau Bührer noch sagen, der
Investitionssektor anvisiert. Bei der Firma Saurer ging es
um vorgezogene Investitionen, um Beschaffungen bzw.
Wertanschaffungen. Hier geht es aber nicht um den Investi-
tionssektor. Hier geht es um den Unterhaltsbereich, damit
also um Betriebskosten. Unterhaltsarbeiten sind nicht vor-
gezogene Investitionen. Die Einsparung führt auch nicht zu
einer Vernachlässigung der Ausstattung und damit zu
einem Abbau der Attraktivität. Das versichern uns die
zuständigen Instanzen der SBB.
Wenn es aber so ist, dass keine Verpflichtungen vorliegen
und das Leistungsangebot, die Attraktivität, die Betriebs-
sicherheit usw. damit nicht in Frage stehen, dann müssen
wir unbedingt den unternehmerischen Freiraum respektie-
ren, wenn wir es mit dem Leistungsauftrag ernst nehmen
wollen. Was Ständerat Gadient sagte, dass fast Stegreif In-
terventionen in Frage stehen, kann wohl nicht bestritten
werden..
Ich habe gesagt, dass wir uns in Richtung Quadratur des
Zirkels bewegen: keine Tariferhöhungen, keine Kostenein-
sparungen oder doch nicht diese, sondern andere (aber
dann müssten Sie uns sagen welche), keine Rationalisie-
rungen beim Leistungsangebot, Arbeitsplatzerhaltung und
Aufträge an die private Wirtschaft. Davon hat auch Frau
Bührer gesprochen, diese Ansicht teilen wir selbstverständ-
lich. Aber: Aufträge an die private Wirtschaft ohne Einspa-
rung von Arbeitsplätzen bei den SBB und trotz allem keine
Defizite und auch keine Erhöhung der Abgeltungsaufwen-
dungen - mindestens des Bundes -: Von einer harmoni-
schen Symphonie höre ich nichts. Was ich gehört habe,
bewegt sich zwischen c-Moll und h-Moll, das ist eine Parti-
tur aus lauter Dissonanzen. Das mag ja moderne Musik
sein, zukunftsträchtig ist sie aber nicht! Wenn wir schon im
musikalischen Bereich sind: Man kann Marschmusik kom-
ponieren im 2/4-Takt, im 4/4- oder im 6/8-Takt. Aber eines
sage ich Ihnen: Sie können nicht gleichzeitig im 4/4- und im
6?8-Takt marschieren. Glauben Sie, die SBB können in ganz
verschiedenen Taktarten ihre Fahrt absolvieren? Wir müs-
sen uns auf ein bestimmtes Konzept verständigen. Wir
haben es festgelegt, ob das nun der 6/8- oder der 4/4-Takt
sei. Ich möchte Sie bitten: Bleiben wir nun bei diesem Lei-
stungsauftrag, bei diesem Konzept! Es ist das einzige, was
wir machen können, wenn wir daran glauben wollen, dass
wir über eine längere Zeit die SBB aus dieser fatalen Ent-
wicklung herausführen können.
Bundesbeschluss - Arrêté fédéral
Eintreten ist obligatorisch
L'entrée en matière est acquise de plein droit
Titel und Ingress
Antrag der Kommission
Zustimmung zum Beschluss des Nationalrates
Titre et préambule
Proposition de la commission
Adhérer à la décision du Conseil national
Angenommen - Adopté
Art. 1
Antrag der Kommission
Abs. 2
Zustimmung zum Beschluss des Nationalrates
Abs. 1
Ingress, Ziff. 1
Zustimmung zum Beschluss des Nationalrates
Ziff. 2
... und einem Aufwand von 2997,6 Millionen Franken mit
einem Betriebsüberschuss von 338,4 Millionen Franken
abschliesst;
CFF. Budget 1983
6769 décembre 1982
Ziff. 3
... einem Ertrag von 475,8 Millionen Franken ...
... Fehlbetrag von 387,4 Millionen Franken abschliesst.
Art. 1
Proposition de la commission
Al. 2
Adhérer à la décision du Conseil national
Al. 1
Préambule, ch. 1
Adhérer à la décision du Conseil national
Ch. 2
... et, en charges, à 2997,6 millions, et se soldant par un
excédent d'exploitation de 338,4 millions;
Ch. 3
... s'établissant à 475,8 millions aux produits ...
... un déficit présumé de 387,4 millions.
Gerber, Berichterstatter: Zu Artikel 1 Absatz 2: Die Kom-
mission beantragt Ihnen, Absatz 2 von Artikel 1 zu strei-
chen. Persönlich möchte ich Ihnen beantragen, bei Artikel 1
Absatz 1 Ziffer 2 die vorgeschlagene Erhöhung des Natio-
nalrates abzulehnen. Eine Streichung von Artikel 1 Absatz 2
wird dann gewisse Auswirkungen auf die Zahlen in Artikel 1
Absatz 1 Ziffern 2 und 3 haben. Sobald Sie hier entschieden
haben, werde ich Ihnen die entsprechenden Zahlen
bekanntgeben.
Präsident: Nach dem ursprünglichen Sessionsprogramm
wäre die Priorität bei der Behandlung des SBB-Voranschla-
ges dem Ständerat zugekommen. Im Zusammenhang mit
der Frage der Arbeitszeitverkürzung ist eine Umstellung
vorgenommen und damit dem Nationalrat der Vortritt gelas-
sen worden. Der Nationalrat hat bereits eine Differenz zum
Bundesrat geschaffen. Deshalb ist es sinnvoll, wenn wir
zuerst Absatz 2 von Artikel 1 beraten, weil damit auch Ziffer
2 tangiert wird. Wird das Wort zu Absatz 2 verlangt? - Darf
ich annehmen, dass Sie dem Antrag der Kommission
zustimmen?
Frau Lieberherr: Ich verlange, dass abgestimmt wird.
Abs. 2-AI. 2
Abstimmung - Vote
Für den Antrag der Kommission (Streichung) 18 Stimmen
Dagegen 8 Stimmen
Abs. 1-AI.1
Ziff. 1 -Ch. 1
Angenommen - Adopté
Ziff. 2-Ch.2
Gerber, Berichterstatter: Hier liegt ein Antrag des National-
rates vor um Erhöhung auf 3011,8 Millionen Franken. Per-
sönlich möchte ich Ihnen beantragen, dass wir diese Erhö-
hung um 9 Millionen ablehnen und dann Kenntnis nehmen
von den Konsequenzen, die der Streichungsantrag von Arti-
kel 1 Absatz 2 zur Folge hat.
Die Streichung von Artikel 1 Absatz 2 hat zur Folge, dass
beim Aufwand eine Reduktion von 5,2 Millionen Franken auf
2997,6 Millionen Franken resultiert.
Frau Bührer: Ich beantrage, dem Nationalrat zuzustimmen,
d. h. diese neun Millionen zu belassen.
Abstimmung - Vote
Für den Antrag Bührer 9 Stimmen
Für den Antrag der Kommission 16 Stimmen
Präsident: Damit wird eine Differenz zum Nationalrat
geschaffen.
Gerber, Berichterstatter: Der Betriebsüberschuss würde
entsprechend einer Minderausgabe steigen auf 338,4 Millio-
nen Franken.
Ziff. 3-Ch.3
Gerber, Berichterstatter: Hier würde sich der Ertrag wie-
derum um die 5,2 Millionen Franken erhöhen, und zwar auf
475,8 Millionen Franken, während sich der Fehlbetrag ent-
sprechend reduzieren würde, und zwar von 392,6 Millionen
auf 387,4 Millionen Franken.
Angenommen - Adopté
Art. 2, 3
Antrag der Kommission
Zustimmung zum Beschluss des Nationalrates
Proposition de la commission
Adhérer à la décision du Conseil national
Angenommen - Adopté
Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble
Für Annahme des Beschlussentwurfes 24 Stimmen
(Einstimmigkeit)
An den Nationalrat - Au conseil national
Schluss der Sitzung um 9.30 Uhr
La séance est levée à 9 h 30
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
SBB. Voranschlag 1983
CFF. Budget 1983
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans
Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In
Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1982
Année
Anno
Band
V
Volume
Volume
Session
Wintersession
Session
Session d'hiver
Sessione
Sessione invernale
Rat
Ständerat
Conseil
Conseil des Etats
Consiglio
Consiglio degli Stati
Sitzung
08
Séance
Seduta
Geschäftsnummer
82.057
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
09.12.1982 - 08:00
Date
Data
Seite
669-676
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Pagina
Ref. No
20 011 166
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