Budget de la Confédération 1983
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7 décembre 1982
längstens aber bis zum Inkrafttreten des Anschlusspro-
gramms. In den Beratungen der Kommission hat sich erge-
ben, dass dieser Text modifiziert werden sollte. Der
Beschluss sollte bis zum Inkrafttreten des Anschlusspro-
grammes - längstens aber bis 31. Dezember 1986 - gelten.
Damit ist die Möglichkeit gewahrt, dass das Anschlusspro-
gramm eben schon früher in Kraft treten kann. Nach Rück-
sprache mit den Parlamentsdiensten kamen wir zum
Schluss, dass dies ein redaktionelles Problem sei, das von
der Redaktionskommission gelöst werden kann. Ich sehe
deshalb davon ab, einen Abänderungsantrag zu stellen, um
eine Differenz mit dem Nationalrat zu vermeiden. Es ist
sichergestellt, dass die Redaktionskommission diese Kor-
rektur vornehmen wird.
Ich beantrage, diesen Beschluss in globo zu behandeln.
Gesamtberatung - Traitement global du projet
Titel und Ingress, Ziff. l und II
Titre et préambule, chiffre I et II
Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble
Für Annahme des Beschlussentwurfes 28 Stimmen
(Einstimmigkeit)
Bundesbeschluss über die inländische Zuckerwirtschaft
Arrêté fédéral sur l'économie sucrière indigène
Eintreten wird ohne Gegenantrag beschlossen
Le conseil décide sans opposition d'entrer en matière
Surgi, Berichterstatter: Ich habe hier die gleiche redaktio-
nelle Bemerkung und den gleichen Wunsch an die Adresse
der Redaktionskommission anzubringen wie beim ersten
Beschluss. Sonst habe ich nichts beizufügen.
Gesamtberatung - Traitement global du projet
Titel und Ingress, Ziff. l und II
Titre et préambule, chiffre I et II
Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble
Für Annahme des Beschlussentwurfes 29 Stimmen
(Einstimmigkeit)
An den Nationalrat - Au Conseil national
#ST# 82.052
Voranschlag der Eidgenossenschaft 1983
Budget de la Confédération 1983
Botschaft und Beschlussentwurf vom 4. Oktober 1982
Message et projet d'arrêté du 4 octobre 1982
Bezug durch die Eidgenössische Drucksachen- und Materialzentrale,
Bern
S'obtiennent auprès de l'Office central des imprimés et du matériel,
Berne
Beschluss des Nationalrates vom 2. Dezember 1982
Décision du Conseil national du 2 décembre 1982
Bürgi, Berichterstatter: Die beinahe sensationelle Verbes-
serung der Staatsrechnung 1981 schuf vorübergehend die
Erwartung, die Probleme des Bundeshaushaltes seien weit-
gehend gelöst. Der Voranschlag 1983 sowie die Haushalts-
perspektiven 1984 bis 1986 führen nun zu einer Ernüchte-
rung, die wir übrigens bei der Beratung der Staatsrechnung
im vergangenen Frühjahr bereits angekündigt haben. Nur
mit Mühe konnte das Budgetziel - ein Fehlbetrag deutlich
unter 1 Milliarde - erreicht werden. Nachstehend seien die
wichtigsten Fakten zum Voranschlag stichwortartig festge-
halten:
Das Defizit der Finanzrechnung beträgt 971 Millionen Fran-
ken und liegt damit, das sei rühmlich hervorgehoben, um
121 Millionen unter dem Finanzplan. Die Gesamtrechnung
des Bundes, die auch die Vermögensveränderungen
umfasst, ergibt einen Fehlbetrag von 1,691 Milliarden Fran-
ken. Der Fehlbetrag der Bilanz der Eidgenossenschaft -
d. h. die Aufrechnung der Aktiven und Passiven - ergibt
eine Summe von 17,73 Milliarden Franken. Die verzinslichen
Schulden des Bundes sind indessen höher und bewegen
sich jetzt in der Grössenordnung von 21 Milliarden. Beim
Zinsaufwand, der 1,055 Milliarden beträgt, hat sich eine vor-
übergehende Beruhigung ergeben. Die Nettozinslast nach
Abrechnung der Zinseinnahmen beträgt 725 Millionen. Es
sei jedoch daran erinnert, dass vor Beginn der Defizitpe-
riode zu Beginn der siebziger Jahre der Nettozinsaufwand
des Bundes lediglich 43 Millionen betrug.
Einige Überlegungen zu den Ausgaben: Die Ausgaben stei-
gen gegenüber dem Voranschlag des laufenden Jahres um
771 Millionen auf 19,68 Milliarden oder 4,1 Prozent an. Darin
kommt eine erhebliche Anstrengung der Verwaltungsabtei-
lungen und des Bundesrates zur Ausgabenstraffung zum
Ausdruck. Zu den sechs wichtigsten Ausgabenpositionen,
die zusammen 80 Prozent der Bundesausgaben beanspru-
chen, ist folgendes zu bemerken:
Soziale Wohlfahrt, Ausgaben 4,292 Milliarden. Die Zu-
wachsrate beträgt lediglich 1,4 Prozent, weil für 1983 die
AHV- und IV-Renten unverändert bleiben. Die Problematik
dieser Aufgabenposition besteht darin, dass die zweckge-
bundenen Einnahmen aus Tabak und Alkohol lediglich
29 Prozent der Aufwendungen decken. 71 Prozent oder 2
Milliarden 217 Millionen stammen aus allgemeinen Bundes-
mitteln.
Landesverteidigung: Ausgaben 4,157 Milliarden. Die Auf-
wendungen für die Landesverteidigung verharren mit
21,1 Prozent der Gesamtausgaben auf dem Stand des Vor-
jahres. Die Zuwachsrate beträgt 4,2 Prozent. Bei der
Kriegsmaterialbeschaffung ist die Überwindung der diesjäh-
rigen Zahlungsspitze zu vermelden. Die Aufwendungen für
Bauten und Anlagen werden praktisch stabil gehalten.
Dafür steigen die Kosten für die Verwaltung und die Ausbil-
dung der Armee teuerungsbedingt überdurchschnittlich an.
Verkehr und Energie: Aufwendungen 2,997 Milliarden. Die
Aufwendungen für den Nationalstrassenbau bleiben unge-
fähr gleich wie im Vorjahr, während bei den Hauptstrassen
eine beachtliche Zunahme zu verzeichnen ist. Die hervor-
stechendste Tatsache aus diesem Bereich ist die völlige
Rückzahlung des Bundesvorschusses im Nationalstrassen-
bau im ersten Halbjahr 1983. Falls die Vorlage über die
Zweckbindung der Treibstoffzölle am 27. Februar nicht
angenommen wird, muss der Benzinzollzuschlag gemäss
Artikel 36ter Absatz 2 der Bundesverfassung ab Jahres-
mitte um 10 bis 11 Rappen gesenkt werden.
Im öffentlichen Verkehr stehen die Leistungen an die SBB
von 1,023 Milliarden Franken mit Abstand im Vordergrund.
Dieser Betrag übersteigt das Defizit des Bundes für 1983
um 50 Millionen Franken. Es muss dafür Sorge getragen
werden, dass keine fatalistische Gewöhnung an diese stetig
wachsende Ausgabenposition stattfindet.
Unterricht und Forschung: Ausgaben 2,425 Milliarden Fran-
ken. Die Bundesbeiträge für die kantonalen Hochschulen,
das berufliche Bildungswesen sowie die Forschung bean-
spruchen 859 Millionen; für die beiden Technischen Hoch-
schulen und ihre Annexanstalten sind 620 Millionen vorge-
sehen, was gegenüber dem laufenden Jahr eine Zunahme
von 10 Prozent bedeutet.
Landwirtschaft und Ernährung: Ausgaben 1,647 Milliarden
Franken. Der Zuwachs liegt mit 10,4 Prozent über dem
Druchschnitt des laufenden Budgets. Dies wird hauptsäch-
lich durch Mehraufwendungen für die Käseverwertung, die
erhöhten Ansätze für Kostenbeiträge an Viehhalter im Berg-
gebiet und die Verwertung des Auswuchsgetreides der
- Dezember 1982
653
Voranschlag der Eidgenossenschaft 1983
Ernte 1982 ausgelöst. Den erhöhten Aufwendungen stehen
jedoch Verbesserungen der zweckgebundenen Einnahmen
von 575 auf 618 Millionen Franken gegenüber.
Beziehungen zum Ausland: 935 Millionen Franken Ausga-
ben. In diesem Bereich ist mit 14,3 Prozent die höchste
Zuwachsrate zu verzeichnen. Sie beruht zum Teil auf teue-
rungsbedingten Mehrkosten für die diplomatischen und
konsularischen Vertretungen im Ausland. Eine substantielle
Zunahme erfahren sodann die Hilfeleistungen an Entwick-
lungsländer.
Nun folgen einige Ausführungen über die Einnahmen. Die
Einnahmen sind auf 18,709 Milliarden Franken geschätzt.
Davon sind 92 Prozent Fiskaleinnahmen. Deren Hauptposi-
tionen weisen recht unterschiedliche Entwicklungstenden-
zen auf. Die Warenumsatzsteuer soll vor allem infolge der
ab 1. Oktober dieses Jahres in Kraft stehenden Satzerhö-
hung eine Mehreinnahme von 900 Millionen Franken erbrin-
gen. Auch für die Stempelabgaben steht nochmals eine
erhebliche Verbesserung in Aussicht. Die direkte Bundes-
steuer verharrt ungefähr auf dem Stand des Vorjahres. Ein
kräftiger Rückgang von 400 Millionen Franken wird für die
Verrechnungssteuer angenommen. Dies hängt einerseits
mit dem starken Rückgang des Zinsniveaus und anderer-
seits mit den hohen Steuerrückerstattungen zusammen.
Das ist nun die Kehrseite der hohen Eingänge der Verrech-
nungssteuer in den Jahren 1981 und 1982. Die Verrech-
nungssteuer, die im Jahre 1981 massgeblich zu einer völlig
überraschenden Verbesserung des Finanzhaushaltes bei-
trug, findet damit wieder zu normalen Verhältnissen zurück.
Ihre Finanzkommission ist der Meinung, dass sich die
Schätzungen des Bundesrates zu den Fiskaleinnahmen in
der oberen Bandbreite des Optimismus bewegen. Aus frü-
heren Jahren wissen wir, dass vor allem die WUST auf eine
konjunkturelle Abflachung rasch und deutlich reagiert. Seit
der Erstellung des Budgets im Sommer dieses Jahres
haben sich die wirtschaftlichen Perspektiven für das Jahr
1983 keineswegs verbessert. Insbesondere die Investitions-
tätigkeit, welche rund 40 Prozent des Warenumsatzsteuer-
ertrages abliefert, könnte gewisse Einbussen erleiden. Min-
dereinnahmen bei den Fiskaleinnahmen sind deshalb nicht
auszuschliessen.
Ich mache einige konjunkturelle Betrachtungen. Die schwei-
zerische Wirtschaft durchläuft zurzeit eine anspruchsvolle
Phase. In verschiedenen Zweigen der Exportindustrie sind
Zeichen des Rückganges unverkennbar. In der Uhrenindu-
strie muss von einer tiefgreifenden Strukturkrise gespro-
chen werden. In der Bauwirtschaft ist ein zunehmender
Preisdruck wahrzunehmen. Im Detailhandel weisen die
Umsätze in realen Werten einen Rückgang auf. In dieser
Situation kommt den staatlichen Investitionen eine erhöhte
Bedeutung zu. Ihre Kommission konnte sich vergewissern,
dass sich die zuständigen Instanzen von Bund, PTT und
SBB dieses Zusammenhanges bewusst sind. Während die
Investitionen des Bundes und seiner Betriebe im laufenden
Jahre rund 6,5 Milliarden Franken betragen, werden sie
1983 auf rund 7 Milliarden Franken ansteigen. Der Bund
trägt damit zur erwünschten Verstetigung der Nachfrage
bei.
Für die Exportindustrie spielt die Exportrisikogarantie eine
vorrangige Rolle. Ein Bundesvorschuss von 120 Millionen
Franken soll dieses bedeutsame Instrument der schweizeri-
schen Exportförderung weiterhin leistungsfähig erhalten.
Nun komme ich zum Problem der Arbeitszeitverkürzung.
Als der Bundesrat am 25. August beschloss, ab 1983 eine
schrittweise Arbeitszeitverkürzung um zwei Stunden einzu-
leiten, konfrontierte er das Parlament mit einem Politikum
erster Ordnung. Dieses rührt keineswegs daher - ich
möchte das unterstreichen -, dass die schweizerische
Öffentlichkeit dem Personal des Bundes, der PTT und der
SBB zeitgemässe Arbeitsbedingungen verweigern will. Die
Problematik liegt primär in der angespannten Lage der
schweizerischen Wirtschaft und den erneut wachsenden
Defiziten des Bundeshaushaltes. Tausende von Mitbürgern
- das müssen wir bei realistischer Würdigung der Wirt-
schaftslage feststellen - sind zurzeit arbeitslos. Zehntau-
sende leisten Kurzarbeit und Hunderttausende - das steht
jetzt schon fest - haben nächstes Jahr auf den vollen Teue-
rungsausgleich zu verzichten.
In dieser Konstellation stösst die mit hohen Kosten verbun-
dene Arbeitszeitverkürzung des Bundespersonals in weiten
Teilen des Volkes auf Unverständnis und Ablehnung. Die
den Parlamentariern zugekommenen Reaktionen sind in
dieser Beziehung eindeutig. Der Bundesrat schiebt dem
Parlament mit seinem Entscheid eine anspruchsvolle Ver-
antwortung zu. Das Parlament hat eine Abwägung zwischen
Gruppen- und Allgemeininteresse vorzunehmen. Bei der
Beurteilung des Allgemeininteresses ist vor allem die
schwierige Lage der Bundesbeamten in Betracht zu ziehen.
Gemäss Finanzperspektiven des Bundesrates, die als reali-
stisch zu betrachten sind, steigt das Defizit des Bundes
ohne Massnahmen bis 1986 gegen 3 Milliarden Franken an.
Eine Verbesserung der Situation kann nur durch Sanie-
rungsmassnahmen getroffen werden, die im Einnahmenbe-
reich überwiegend der Zustimmung des Volkes bedürfen.
Diese Zustimmung - das wissen wir jetzt aus Erfahrung -
ist nur erhältlich, wenn das Volk die Gewissheit hat, dass
Bundesrat und Parlament die verfügbaren Mittel haushälte-
risch einsetzten. Dies ist denn auch der Hauptgrund, wes-
halb Ihre Kommission mit 8 zu 1 Stimmen beschlossen hat,
auf die Arbeitszeitverkürzung von Bund, PTT und SBB zur-
zeit nicht einzutreten. Dieser Antrag schliesst keineswegs
aus, dass die betroffenen Verwaltungen und Betriebe in
Zukunft eine Lösung der Arbeitszeitverkürzung suchen, die
einen Einbruch in die Stellenplafonierung und einen Lei-
stungsabbau vermeidet. Ich würde in der Detailberatung
dann noch einige zusätzliche Überlegungen unterbreiten.
Ich komme zu den Haushaltsperspektiven 1984 bis 1986. In
Übereinstimmung mit der Finanzkommission des National-
rates hat Ihre Kommission beschlossen, die Haushaltsper-
spektiven 1984/86 im neuen Jahr mit aller Sorgfalt zu bera-
ten. Die Fraktionen und die Räte erhalten dadurch Gelegen-
heit, die anspruchsvollen Entscheide für die künftige
Gestaltung des Bundeshaushaltes ohne Zeitdruck zu fällen.
Um die Entscheidungsfreiheit des Parlamentes zu wahren,
beantragt Ihre Kommission, 10 Prozent der anbegehrten
Verpflichtungskredite bis zur Behandlung der Haushaltsper-
spektiven in der Märzsession zu sperren.
Ich komme zu meinen Schlussfolgerungen: Die Finanzen
bleiben das zentrale Problem des schweizerischen Bundes-
staates. Die Schweiz befindet sich damit in der gleichen
Lage wie beinahe alle vergleichbaren westlichen Länder.
Die in den Jahren des scheinbar unbegrenzten Aufschwun-
ges übernommenen Verpflichtungen überschreiten immer
noch die heutigen Möglichkeiten. Die bisherigen Anstren-
gungen reichen nicht aus, um ein weiteres Ansteigen der
Staatsverschuldung zu bremsen. Weitere Anstrengungen
werden von uns gefordert, nicht in Worten, sondern in
Taten.
Belser: Ein Defizit von annähernd 1 Milliarde in der Finanz-
rechung - nach jahrelangen Bemühungen zum Ausgleich
des Bundeshaushalts - ist nicht gerade ermutigend. Dies
gilt um so mehr, wenn man bedenkt, dass in diesem Vor-
anschlag mit zusätzlichen 620 Millionen Franken aus der
erhöhten Warenumsatzsteuer gerechnet wird, während die
Entlastungen bei der direkten Bundessteuer ja erst 1984
wirksam werden. Vor Jahresfrist forderten beide Kammern
vom Bundesrat einen Bericht, der aufzeigen sollte, wie der
Haushaltausgleich in der nächsten Legislaturperiode
erreicht wird. Dieser Bericht, diese Perspektiven, liegen vor,
und ich bedaure sehr, dass man sie nun losgelöst vom Bud-
get erst im kommenden März diskutieren will.
Diese Perspektiven enthalten übrigens nicht zum erstenmal
einen Termin, bis zu dem der Haushaltausgleich erreicht
werden sollte. Einmal war ja schon von 1983 die Rede. Ich
glaube, wir sollten etwas zurückhaltender mit der Fixierung
des Zeitpunkts für den Haushaltausgleich sein. Angesichts
unserer Beschlüsse während des Jahres glaubt uns die
Bevölkerung nämlich nicht, dass wir dieses Ziel überhaupt
anstreben. Im Voranschlag 1983 wird mit einer durch-
Budget de la Confédération 1983654
7 décembre 1982
schnittlichen Ausgabensteigerung von 4,1 Prozent gerech-
net. Das dürfte angesichts der nach wie vor hohen Infla-
tionsrate nicht leicht zu erreichen sein. Wie unser Kommis-
sionspräsident möchte auch ich betonen, dass die Einnah-
men doch recht optimistisch budgetiert sind. Wenn ich die
Entwicklung der Warenumsatzsteuer bis Ende Oktober
1982 betrachte - sie brachte in diesen zehn Monaten 4,463
Milliarden ein -, so sind die vorgesehenen 6,4 Milliarden für
1983 ein stolzer Betrag. Die wirtschaftliche Entwicklung
wird entscheidend mitbestimmen, ob das Jahr 1983 im Rah-
men des Voranschlags abgeschlossen werden kann. Diese
Überlegungen zeigen, wie fragwürdig jeweils die Forderun-
gen nach einem Budgetausgleich oder nach einer Senkung
des Fehlbetrages unter 1 Milliarde sind, wenn nicht wäh-
rend des Jahres auf der Einnahmen- wie auf der Ausga-
benseite die nötigen Korrekturen gemacht werden.
Vor dem Hintergrund der schwierigen Wirtschaftslage
kommt den Investitionen des Bundes oder den Ausgaben
des Bundes mit Investitionscharakter erhöhte Bedeutung
zu. Dazu zählen die Ausgaben für Militärmaterial und
Rüstungsgüter ja nicht. Die Eigeninvestitionen des Bundes
sind mit 330 Millionen verhältnismässig bescheiden,
machen aber zusammen mit den Investitionsbeiträgen doch
immerhin 2,4 Milliarden Franken aus. In diesem nichtmilitäri-
schen Bereich sind meines Erachtens allfällige Massnah-
men zur Stützung der Beschäftigung anzusiedeln. Solche
Massnahmen sollten mehr mittel- und längerfristigen Cha-
rakter haben, da eine baldige wirtschaftliche Erholung kaum
erwartet werden kann. Wir können diesen Voranschlag aber
auch nicht betrachten, ohne dass uns die innerhalb von
zehn Jahren gewaltig gestiegenen Ausgaben für den öffent-
lichen Verkehr beschäftigen. Die Beiträge an die SBB über-
steigen 1 Milliarde. Der Ausblick ist ausserordentlich
düster. Ich bedaure in diesem Zusammenhang, dass es uns
nicht gelungen ist, mit den verschiedenen Verkehrsvorlagen
rechtzeitig deutliche Korrekturen anzubringen. Die Defizit-
deckungen für den öffentlichen Verkehr helfen eben nur
ungenügend, die Attraktivität des öffentlichen Vekehrs zu
steigern, solange wir direkte attraktivitätssteigende Investi-
tionen im Strassenwesen vornehmen können.
Man kann dieses Budget nicht behandeln, ohne etwas zur
Arbeitszeitverkürzung zu sagen, die der Bundesrat vorge-
schlagen hat. Im Laufe des Herbstes führte dieser
Beschluss zu einer starken Polarisierung der Meinungen.
Noch im Frühsommer 1982, als der Antrag des Bundesrates
bekannt wurde, war diese Entwicklung nicht ganz vorauszu-
sehen. Nach den Beschlüssen des Nationalrates und den
Beratungen in unserer Finanzkommission bestehen zwar
keine Zweifel am Ausgang dieser Debatte bzw. am
Abstimmungsergebnis. Dennoch möchte ich zu einigen
Aspekten der Arbeitszeitverkürzung etwas sagen. Die
Arbeitszeitverkürzung stand in den letzten Jahren in ver-
schiedener Hinsicht zur Diskussion, als Herabsetzung des
Pensionierungsalters, als Forderung nach mehr Ferien oder
als Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit. Neben den
Ferien stand vor allem in der Privatwirtschaft die Verkür-
zung der Wochenarbeitszeit im Vordergrund. Von einer
Schrittmacherfunktion des öffentlichen Personals in dieser
Frage kann keine Rede sein. Die Arbeitszeiten müssen in
den nächsten Jahren spürbar gekürzt werden. Rationalisie-
rung und Automatisierung reduzieren Arbeitsplätze. Die
Situation der Weltwirtschaft tut ein Weiteres in der gleichen
Richtung. Fragen der Arbeitsverteilung sind also nicht zu
umgehen. Dieser Prozess wird nicht ohne Schmerzen und
harte Auseinandersetzungen vor sich gehen. Aber an der
Notwendigkeit zur Arbeitszeitverkürzung werden wir auch
beim öffentlichen Personal nicht vorbeigehen können.
Im Gespräch wird immer wieder der Zeitpunkt der Reduk-
tion der Arbeitszeit als ungünstig dargestellt. Man übersieht
dabei gerne, dass wir heute über die Verkürzung der
Arbeitszeit reden, die Mitte 1985 verwirklicht sein wird. Die
Vorschläge respektive die Beschlüsse des Bundesrates
sind das Ergebnis langer, zäher Verhandlungen. Ausgangs-
punkt waren Forderungen, die zwei Jahre zurückliegen.
Diese Arbeitszeitverkürzung trägt also den Stempel der hel-
vetischen kleinen Schritte. Ob wir mit der Verweigerung
unserer Zustimmung eine günstigere Lage für die Zukunft
schaffen, ist sicher offen. Arbeitszeitverkürzungen führen
zwar nur in beschränktem Ausmass zu neuen Stellen, aber
doch in einem gewissen Ausmass. Das möchte ich auch
nicht verhindern, mindestens bei den Regiebetrieben des
Bundes. Die Schaffung von 4000 Stellen bei PTT und SBB
darf man nicht geringschätzen angesichts der zunehmen-
den Beschäftigungssorgen in unserem Land.
Die Frage der Arbeitszeitverkürzung hat zur grössten Kund-
gebung geführt, die Bern jemals erlebte. Ich verstehe, dass
diese Demonstration nicht nur Zustimmung fand. Dass so
viele in Bern erschienen sind, hat neben der Forderung
nach Arbeitszeitverkürzung bzw. ihrer Ablehnung durch die
Finanzkommissionen sicher auch noch weitere Ursachen.
Die Diskussionen um den Personalstopp wie die Situation
bei den Bundesbahnen sind immer unterschwellig mit dem
stillen Vorwurf verbunden, das Bundespersonal arbeite
doch etwas geruhsamer als die Arbeitnehmer in der Privat-
wirtschaft. Wenn man gewisse Arbeitsbedingungen bei
SBB und PTT, aber auch bei anderen Bundesstellen kennt,
weiss man, dass dieser Vorwurf die Betroffenen schmerzen
muss. Es ist unverkennbar, dass alle diese Dinge in vielen
Dienstzweigen zu Unmut führten; zu einem Unmut, der sich
eben über Jahre angestaut hat. Neben den Komplimenten
an das Bundespersonal, den verbalen Komplimenten, kam
in der Diskussion auch immer wieder die Frage auf, ob nicht
eine differenzierte Verkürzung der Arbeitszeit sinnvoller
wäre, also eine Verkürzung, von der einzelne Kategorien
der Beschäftigten profitieren würden und andere nicht.
Ich halte dies beim zur Diskussion stehenden Schritt von 44
auf 42 Stunden für verfrüht. Es kann in einer späteren
Phase der Fall sein. In erster Linie sind dies aber Fragen,
die der Bundesrat mit den Vertretern des Personals zu
besprechen hat. Ich empfehle Ihnen, den beim Personalamt
eingestellten Kredit zur Vorbereitung der Arbeitszeitverkür-
zung gemäss dem Antrag des Bundesrates zu genehmigen.
Im übrigen stimme ich dem Budget zu, wie es unsere
Finanzkommission beantragt.
M.Genoud: Je crois qu'en abordant ce projet de budget
1983, on doit éprouver quelques sentiments un peu contra-
dictoires. Tout d'abord, il laisse de l'insatisfaction quant à
son résultat car nous approchons le milliard d'excédent de
dépenses au compte financier; mais, par ailleurs, si l'on
examine les perspectives élaborées il y a quelques années
sur révolution des finances fédérales, on doit reconnaître
l'effort sérieux accompli par le Conseil fédéral pour contenir
l'explosion de ce déficit et pour réussir, malgré tout, à main-
tenir un plafond en dessous du milliard quelque peu fatidi-
que. Il faut cependant se rendre à l'évidence que les
mesures apportées ne sont pas de celles qui produiront un
effet durable. En effet, toute une série de dispositions ont
été arrêtées qui sont limitées, elles aussi, dans le temps et
qui ne font pas durablement obstacle à l'évolution générale
vers l'aggravation des déficits. C'est la raison pour laquelle
nous devons rester extrêmement vigilants au chapitre des
dépenses et de leur accroissement, surtout des dépenses
fédérales renouvelables.
Si l'on examine les grands chapitres des dépenses, on
constate immédiatement que cinq d'entre eux seulement
absorbent les quatre cinquièmes des dépenses de la
Confédération. On peut difficilement imaginer que l'on
puisse, demain, réduire le volume ou la portée de plusieurs
d'entre eux. C'est pourquoi il conviendra, lors de l'examen
des nouvelles perspectives financières pour les années
1984 à 1986, de procéder à un examen fondamental des
incidences financières qui s'en dégagent et d'avoir le cou-
rage de porter la main, de façon lucide, dans certains sec-
teurs de dépenses qui se développent actuellement de
façon trop automatique.
Je fait allusion principalement au domaine de la politique
sociale de la Confédération. Je tiens à préciser d'emblée
qu'il n'est pas question de procéder_à un démantèlement
social. Je ne voudrais pas tomber sous le coup de l'accusa-
- Dezember 1982
655
Voranschlag der Eidgenossenschaft 1983
tion de vouloir m'en prendre à l'Etat social suisse. Mais il
est bien certain que les dépenses de ce secteur ont évolué
avec une rapidité beaucoup plus grande que pour d'autres
tâches prioritaires de la Confédération. Il convient de voir
comment il faudra, à l'avenir, financer ces assurances
sociales; mais il conviendra surtout d'en modifier la concep-
tion et d'apporter à l'intervention étatique, dans le domaine
social, une note beaucoup plus sélective que ce n'est le cas
actuellement, de manière à limiter l'effort de l'Etat à l'aide
de ceux qui ont de réels besoins dans ce domaine et à frei-
ner une intervention généralisée qui conduit inévitablement
vers des impasses financières. Je crois que cette vigilance
dont je parle sur le plan des dépenses est d'autant plus de
mise qu'il me semble que les perspectives de recettes pour
l'exercice 1983 risquent de nous réserver quelques mau-
vaises surprises.
J'ai déjà fait état de mon sentiment personnel, lors des déli-
bérations de la commission, en remarquant qu'on affichait
un optimisme - certes de bon aloi, je ne voudrais pas som-
brer non plus dans un pessimisme un peu trop déprimant -
un peu forcé quant à l'évaluation des recettes pour l'année
prochaine, dans la mesure où elles dépendent de l'évolu-
tion de la situation économique.
J'apprends par la presse que la délégation du Conseil fédé-
ral pour les problèmes économiques a abordé, hier, la situa-
tion avec une réserve bien plus grande qu'elle n'apparaît à
travers le texte du message qui accompagne le budget. En
effet, on peut dire que les perspectives se sont assombries
ces derniers mois et que rien ne permet d'affirmer
aujourd'hui qu'à partir du deuxième semestre de 1983 on
doive s'attendre à un redressement. Rien ne permet non
plus d'affirmer, comme on le dit dans le message, qu'avec
la fin de cette année, nous aurons atteint le creux de la
dépression conjoncturelle et que les choses vont s'amélio-
rer. Il semble que, plus particulièrement sur le plan intérieur,
la situation s'aggrave; les licenciements deviennent plus
nombreux et le chômage augmente. Je ne pense pas,
comme certains intervenants le prétendent dans ces cir-
constances, que le fait d'offrir plus d'emplois de la part de
la Confédération ou de l'Etat en général soit un remède
valable contre ce genre de maladie. Par contre, je pense
qu'il est nécessaire de maintenir des possibilités d'activités
et d'occupations productrices. A ce sujet, comme l'ont déjà
fait des préopinants, je me félicite que les mesures d'éco-
nomie prises ne touchent pas les investissements de la
Confédération et ceux qu'elle rend possibles à la suite du
versement de ses contributions. Le chiffre de 2 milliards
400 millions qui ressort des documents qui nous ont été
remis est à ce sujet réjouissant. Je pense que c'est dans
cette direction qu'il faut chercher à contrer les effets néga-
tifs de l'évolution économique et non pas en recourant à la
création d'emplois qui augmentent les dépenses de fonc-
tionnement de la Confédération.
Je me résume, je ne veux pas entrer dans le détail des chif-
fres, le président de la commission l'a fait tout à l'heure de
façon excellente et, du reste, les renseignements donnés
par le Conseil fédéral sont nombreux et très intéressants.
Je crois qu'il faut avoir le courage de considérer que les
perspectives ne sont pas réjouissantes pour 1983, que
l'évolution normale des finances de la Confédération tend
vers une nouvelle dégradation si nous n'intervenons pas. Il
y a donc lieu de rester extrêmement vigilants sur le plan des
dépenses et d'être très réservés quand même à propos
des possibilités de recettes nouvelles. La création de nou-
velles sources d'impôts ne doit pas permettre seulement
d'éliminer des difficultés momentanées; elle devrait
conduire, dans toute la mesure du possible, à améliorer et
assainir durablement les finances fédérales. Je pense que
la décision quant au fond, pour ce qui regarde ces grands
principes, sortira de la discussion que nous aurons, au mois
de mars, sur le plan financier pour les années 1984 à 1986.
Entre-temps, les consignes de vigilance restent de mise.
Bundesrat Ritschard: Herr Guntern hat es soeben gesagt,
und auch Herr Bürgi, der Präsident der Kommission, hat
darauf hingewiesen, dass wir möglicherweise - ich brauche
Ihre Worte - mit diesem Voranschlag, so wie er jetzt konzi-
piert worden ist, böse Überraschungen erleben können. Sie
wissen, dass für die Verwaltung ein Voranschlag in der
Mitte des Vorjahres beginnt. Hier macht man die ersten
Aufstellungen; bereits im August ist das Gerippe mehr oder
weniger erstellt; man muss ja von gewissen Annahmen aus-
gehen. Wir sind im August des letzten Jahres von den
damals gültigen Prognosen über die wirtschaftliche Ent-
wicklung ausgegangen. Diese gingen dahin, dass man mit
einem möglichen Aufschwung ab Mitte 1983 rechnen
durfte. Man ist von einer Erhöhung des Bruttosozialproduk-
tes um nominell 5 Prozent und von einer Steigerung der
Anlageinvestitionen um 1,3 Prozent ausgegangen. Die
Anlageinvestitionen sind besonders bedeutungsvoll. Ich
denke jetzt an die Bautätigkeit für die Entwicklung der
Warenumsatzsteuer, weil hier etwa 40 Prozent aus Investi-
tionen kommen. Aber eben, das war im Sommer 1982; man
glaubte, dass man sich langsam dem Tiefpunkt der Rezes-
sion entgegenbewege, und dass dann ein bescheidener
Aufschwung erwartet werden könne. Das waren nicht
unsere Annahmen, das waren die Annahmen des Institutes
für Wirtschaftsforschung und des Centre de recherches
économiques appliquées à Lausanne und auch von anderen
Instituten, die uns diese Zahlen geliefert haben. Sie lauten
inzwischen anders. Man geht jetzt davon aus, dass das
nominelle Bruttosozialprodukt - wir rechnen auch noch mit
4 Prozent Teuerung, die man abziehen muss, wenn man
eine Zunahme errechnen will - im nächsten Jahr noch um
etwa 3,5 Prozent steigen wird. Bei der Annahme einer 4pro-
zentigen Teuerung - auch eine Grundlage dieses Voran-
schlages - würde das heissen, dass wir nächstes Jahr nicht
ein Null-, sondern ein Minuswachstum haben, wenn man
von den realen Zahlen ausgeht. Wir können schon heute
nicht mehr mit einer nominellen Zunahme des Bruttosozial-
produktes von 5 Prozent rechnen, wie wir das bei der Auf-
stellung des Voranschlages getan haben, sondern nur noch
mit 3,5 Prozent, vielleicht auch etwas mehr. Man soll ja
immer etwas optimistisch sein. Aber es wird ganz sicher
weniger sein, als wir angenommen haben, und das wird sich
natürlich auswirken.
Auch bei den Anlageinvestitionen geht man nicht mehr von
plus 1,3 Prozent aus. Auch hier musste man zurückrevidie-
ren, und all das wird sich natürlich bei den Steuereinnah-
men auswirken. Genaue Zahlen kann ich nicht nennen. Eine
neue Prognose der Kommission für Konjunkturfragen wird
erst im Januar 1983 wieder vorliegen. Aber schon heute
kann man sagen, dass das Wachstum bei der Warenum-
satzsteuer nach den Faktoren, die heute sichtbar sind,
kaum mehr als 3 Prozent betragen wird. Aus heutiger Sicht
könnte der Budgetbetrag bei der Warenumsatzsteuer des-
halb um rund 100 Millionen Franken zu hoch budgetiert
sein. Wenn allerdings die Teuerung etwas stärker ausfällt
als wir annehmen - mehr als 4 Prozent, was wir auch nicht
hoffen -, würden die Wust-Eingänge entsprechend mehr
zunehmen. Deshalb haben wir den Kommissionen auch
keine Korrektur mehr vorschlagen wollen. Es ist eben
immer sehr schwierig, weil wir von Annahmen ausgehen
müssen, die nie ganz sicher sind.
Ich möchte Ihnen kein finanzpolitisches Referat halten. Sie
haben das ja schon oft gehört, und es ist auch verschie-
dentlich von den Herren Kommissionsreferenten darüber
gesprochen worden. Herr Genoud hat soeben auch darauf
hingewiesen. Der Bundesrat hat sich während Wochen und
in ziemlich harten Beratungen mit der Motion, der beiden
Räte befasst. Es war eine Motion, Edi Belser. Wir haben
diese Haushaltperspektiven mit den einschneidenden
Massnahmen nicht etwa vorgelegt, weil der Bundesrat oder
das Finanzdepartement eine besondere Freude an diesen
Zahlenspielen hätten. Wir hatten den verbindlichen Auftrag
des Parlamentes, diese Perspektiven vorzulegen, und wir
haben diese Aufgabe sehr ernst genommen, weil wir sie
wirklich - wie das gesagt worden ist - für ausserordentlich
bedeutungsvoll halten. Wenn Sie jetzt die öffentliche Dis-
kussion über diese Perspektiven etwas verfolgen und wenn
Budget de la Confédération 1983
656
7 décembre 1982
behauptet worden ist, das Kollegialprinzip sei verletzt wor-
den und man könne schon andere Dinge auch vertreten,
dann bitte ich Sie, den letzten Absatz dieses Berichtes, der
ja im Budget enthalten ist, zu lesen. Wir haben dort
geschrieben : «Er - der Bundesrat - beabsichtigt, die aufge-
zeigten Sanierungsmassnahmen zu treffen, soweit sie in
seiner Zuständigkeit liegen» - es gibt einige Gebiete, wo wir
selber zuständig sind - «und der Bundesversammlung im
übrigen die entsprechenden Vorlagen zu gegebener Zeit zu
unterbreiten.» Das heisst also, wenn Sie, wenn das Parla-
ment, diese Perspektiven beraten hat, dann werden wir von
uns aus tun, was wir vorgeschlagen haben, und Ihnen ent-
sprechende Gesetzesvorlagen unterbreiten, _ soweit Sie
diese Massnahmen in~derDebatte über diese Perspektiven
nicht ausdrücklich bestreiten.
Jedenfalls ist es die Überzeugung des Bundesrates - Herr
Honegger hat es vor zwei Stunden auch gesagt, und Sie
können es auf den Seiten 150/151 des Berichtes lesen -,
dass solche Sanierungsmassnahmen nicht nur nötig, son-
dern auch dringlich sind. Wir haben auch geschrieben, dass
sich der Bundesrat der Opfer durchaus bewusst ist, die
damit notwendigerweise verbunden sein werden. Wir wer-
den das im März dann diskutieren.
Ich bitte Sie, etwas Weiteres zu beachten, das mit Ihrem
gestrigen Beschluss zu tun hat. Aber ich will vorerst noch
auf die Wirkungen hinweisen. Die Zahlenübersicht des Per-
spektivenberichts zeigt - und das gehört auch etwas zum
Voranschlag -, wohin, nach allem, was wir jetzt wissen und
wissen können, der Weg führen wird, wenn wir nicht bereit
sind, ab sofort harte Konsequenzen zu ziehen.
Ich weiss, dass ich das als Finanzminister nicht mehr erle-
ben werde. Man darf aber auch etwas über diese Zeit hin-
aussehen. Schon 1985, in drei Jahren oder etwas früher,
werden wir, wenn wir nichts unternehmen und wenn nicht
alles trügt, Defizite von über 2 Milliarden Franken haben,
und ab 1986 werden diese Defizite - wenn wir nichts tun -
ansteigen auf 2,8 Milliarden Franken. Das sind nicht Phanta-
siezahlen eines Schwarzmalers. Es sind seriös erhobene,
auf Analysen über die einzelnen Aufgabengebiete abge-
stützte Zahlen, nicht etwa bloss Hochrechnungen.
Dabei sind - wir haben es soeben gehört, und ich habe es
bestätigt - die Einnahmen noch eher etwas optimistisch
geschätzt; denn die Einnahmen des Staates wachsen nur
dann im geschätzten Ausmass, wenn auch die Wirtschaft
so wächst. Sie haben es gerade gesagt: Die Wirtschaft
wächst gegenwärtig nur noch nominell, aber real haben wir
ein Minuswachstum, und wir müssen uns wahrscheinlich
auch für kommende Jahre auf sehr geringe Wachstums-
raten - wenn überhaupt - einrichten. Weil eine gewisse Sät-
tigung des Marktes besteht - denken Sie an Haushaltappa-
rate und anderes -, werden wir nie mehr die Wachstums-
raten erreichen, wie wir sie Ende der fünfziger Jahre und in
den sechziger oder siebziger Jahren hatten. Das ist völlig
undenkbar.
2 Milliarden Defizit jährlich! Ich bitte Sie, sich das einmal zu
vergegenwärtigen, auch wenn man es langsam gewöhnt ist,
sich mit Milliarden herumzuschlagen. Ich bitte Sie zu über-
legen, wohin eine solche Schuldenpolitik unsere Eidgenos-
senschaft führen muss. Dabei hängen diese 2-Milliarden-
Defizite erst noch von X Vorbedingungen ab, von denen Sie
bereits gestern eine nicht unwesentliche - 270 Millionen -
abgelehnt haben. 2 Milliarden - oder 2,8 Milliarden - Defizit
werden wir nach diesen Perspektiven nur haben, wenn die
Kantonsanteile, die Sie gestern abgelehnt haben, dem Bund
erhalten bleiben. Diese Defizite werden nur dann nicht klei-
ner sein, wenn Sie das Anschlussprogramm, das wir Ihnen
nächstens noch unterbreiten werden - übrigens mit einer
gewissen Schadenfreude, ich sage es offen, weil Sie da
noch ganz anders reagieren werden als auf diese Kantons-
anteile -, beschliessen, und auch nur dann, wenn die Aufga-
benteilung dem Bund Einsparungen von rund 180 Millionen
bringt; immer nur dann! Diese 2 Milliarden werden nur dann
nicht überschritten, wenn auch die neuen Einnahmen zum
Fliessen gebracht werden, wie sie in diesen Perspektiven
aufgeführt sind, also die Schwerverkehrsabgabe, die Bank-
kundensteuer und die Unterstellung der Energie unter die
Wust. Nur, wenn alle diese «wenn» erfüllt sind - und zwar in
den nächsten drei Jahren, und wer glaubt das -, werden wir
1986 nicht 2,8, sondern «nur» 1,25 Milliarden Franken Defizit
haben. Ich überlasse das Urteil Ihnen, ob wir ein drasti-
sches Sanierungsprogramm, wie es die Perspektiven auf-
zeigen, nötig haben, oder ob wir das nicht nötig haben.
Thomas Mann hat einmal gesagt, dass gewisse Dinge nicht
prophezeit werden, damit sie eintreten; sie werden prophe-
zeit, damit sie nicht eintreten, also gleichsam im Sinne der
Beschwörung; aber Thomas Mann war kein Finanzpolitiker.
Und so fürchte ich, dass unsere Perspektiven in die Zukunft
Ihnen auch nicht jenen Eindruck machen werden, den sie
eigentlich nötig hätten. Ich bedaure es auch, Herr Belser,
dass wir diese Perspektiven erst im März diskutieren. Es ist
zwar zu begrüssen, dass sich die Räte in der Zwischenzeit
genug Zeit nehmen, um diese Perspektiven nach allen Rich-
tungen gründlich zu durchleuchten und sich davon über-
zeugen zu lassen, dass sie richtig sind. Aber ich habe wirk-
lich Bedenken: Bis im März, bis diese Perspektiven hier
beraten werden, wird das Rechnungsergebnis für das Jahr
1982 bekannt sein - wie Sie wissen, wird es ja noch einmal
etwas besser ausfallen als budgetiert, weil die ausseror-
dentlichen Verhältnisse, die wir an der Zinsfront von 1981
hatten, auch im laufenden Jahr 1982, wenigstens zu Beginn
des Jahres, noch zu Mehreinnahmen geführt haben; es sind
die Oktoberzahlen genannt worden, man wird dann sehen,
wie sich die Sache jetzt entwickelt. Wir hatten bei der Ver-
rechnungssteuer im letzten Jahr vom I.Januar bis zum
30. November 5,3 Milliarden Rückerstattungen; jetzt sind es
6,1 Milliarden, der Rohertrag dieser Verrechnungssteuer ist
nun von 1,6 auf 1,9 Milliarden gestiegen, und auch bei den
Stempelabgaben ist es besser; aber immerhin, die Rech-
nung 1982 wird noch einmal besser ausfallen. In dieser
Atmosphäre werden wir dann diese Perspektiven beraten.
Wir werden das Budget von 1983 vergessen haben und
Schlechtwetterprognosen nicht mehr so ernst nehmen, und
so wird, das fürchte ich, im Kampf gegen die Defizite und
eine verhängnisvolle Verschuldung einmal mehr - so habe
ich es im Nationalrat gesagt - die weisse Fahne gehisst
werden, die auf den Finanzminister eben wie ein rotes Tuch
wirkt. Wir werden ja sehen, aber ich glaube schon lange
nicht mehr alles, was ich hoffe.
Die Reaktion auf diese Perspektiven kennen Sie von allen
Seiten. Sie werden kritisiert. Kein einziger hat allerdings bis
jetzt gesagt, was und wie man es anders und besser
machen könnte. Das würde uns natürlich helfen, aber ich
weiss es schon: um eine gute Sache zu beerdigen, findet
sich immer ein Pfarrer. Vielleicht sollte man aber doch ein-
mal nachlesen, was der Geschäftsführende Direktor des
Internationalen Währungsfonds - ein Mann, der es weiss,
denn er wird alle diese Umschuldungen, die jetzt verschie-
dene total verschuldete Staaten (zum Beispiel Mexiko) vor-
nehmen müssen, mit harten Massnahmen durchsetzen - im
April dieses Jahres gesagt hat; wir können es durchaus auf
uns beziehen, auch wenn wir nie in eine Situation kommen
werden, in der wir andere Staaten zu Hilfe rufen müssen,
wie das jetzt fast jede Woche neu vorkommt; dieser Direk-
tor hat gesagt - ich zitiere ihn und erinnere Sie daran, dass
wir nun im zwölften Jahr Defizite haben: «Anhaltende
Staatsdefizite führen schliesslich unweigerlich zu einer
Schädigung der Volkswirtschaft. Diese Wirkungen können
in Form von Inflation» - das ist das erste -, «von Zahlungs-
bilanzungleichgewichten, hohen Zinsen» - das spielt auch
eine Rolle -, «tiefen Wachstumsraten, einer Fehlverteilung
der Ressourcen, wachsender Arbeitslosigkeit und schliess-
lich in Form sozialer Spannungen auftreten.»
Nicht der schweizerische Finanzminister sagt das, sondern
ein Mann, der es wissen muss, der jetzt bittere Erfahrungen
macht, zu was diese Staatsdefizite führen. Es gibt ja auch
europäische Staaten, Industriestaaten, die uns diese Wir-
kung bereits drastisch vorexerzieren. Nehmen Sie die Bun-
desrepublik: Ich habe hier ein Verzeichnis all der harten
Sparmassnahmen, die dort nicht nur von der Regierung
Kohl/Genscher, sondern von der SPD/FDP-Regierung vor-
- Dezember 1982
657
Voranschlag der Eidgenossenschaft 1983
geschlagen werden mussten. Sie lesen davon, dass Herr
Mitterrand eine Kürzung der Arbeitslosentaggelder vor-
schlagen muss, weil die Schulden zu hoch werden; Sie
lesen, dass auch Schweden einige soziale Aufgaben
zurückschrauben muss, weil die Schuldenlast zu hoch
geworden ist. _
Das sollte man bedenken, wenn man sich immer noch
einem falschen Optimismus hingibt. Der Optimist ist
bekanntlich ein Mann, der alles nur halb so schlimm findet,
bis es ihm selber passiert. So weit werden auch wir wahr-
scheinlich in nicht allzu ferner Zeit kommen.
Meine Damen und Herren, ich habe das hier auch schon
gesagt, und ich bitte Sie, es zu glauben! Ich kann es beur-
teilen, weil ich wirklich genug Finanzvorträge im Lande
herum halte, um die Stimme des Volkes zu hören. Mit die-
sen ständigen, nun zwölf Jahre dauernden Milliardendefizi-
ten, die wir da vorlegen, verliert der Bund seine Handlungs-
fähigkeit und seine Glaubwürdigkeit. Daran mögen gewisse
Leute Freude haben. Aber ein Staat, der unumgängliche
Aufgaben nicht mehr erfüllen kann, weil die Zinsen am
Schluss alle Mehreinnahmen auffressen, ist dann nicht
mehr nur handlungsunfähig, dieser Staat wird dann auch in
den Augen seiner Bürger und vor allem in den Augen seiner
jungen Mitbürger, die einmal unsere Aufgabe zu überneh-
men haben, unglaubwürdig. Und auf eine Demokratie, in der
der Bürger nicht nur mit dem Wahl-, sondern auch mit dem
Stimmzettel mitregiert, kann sich das mehr als verhängnis-
voll auswirken. Ich bin hier nicht in einer Volksversammlung
und will nicht das Wort vom Prüfstein für unsere Demokra-
tie heraufbeschwören, indem der Bund sich bei den Finan-
zen bewähren muss, obschon es stimmt. Darin bin ich ganz
sicher; ich habe es gestern nach Ihrem Beschluss gedacht:
Wenn es uns auf ordentlichem Wege - denken Sie an die
internationalen Konsequenzen, die ich zitiert habe - nicht
gelingt, die Finanzen möglichst bald in Ordnung zu bringen,
wird man früher oder später - ich weiss, dass mir die «Neue
Zürcher Zeitung» das wieder verdrehen wird - die heutige
Defizit- und Schuldenpolitik mit Notrecht beenden jnüsseri.
Ich sage nicht, dass man das tun wird - ich sicher nicht
mehr -, aber ich bin sicher, dass man das eines Tages tun
muss, wenn wir nicht dauernd ein Inflationsherd bleiben
wollen, der sich schliesslich auf dem Buckel der Sparer und
Rentner und all jener saniert, die nicht in Sachwerte flüch-
ten können. Ich bitte hier zu bedenken, was das bedeutet.
Notrecht wäre dann wirklich ein Schlag ins Gesicht jedes
Demokraten, und es wäre auch ein Armutszeugnis für
unsere Demokratie. Am meisten Freude an dieser Entwick-
lung hätten dann jene, die sich schon jetzt gegen diesen
Staat zusammenrotten und ihn überall diskriminieren und
lächerlich machen wollen. Jene, die aus diesem Staate Gur-
kensalat zu machen beabsichtigen, würden Freude haben,
wenn die Demokratie an dieser entscheidenden Frage der
Finanzen scheitern müsste, was wir ja alle nicht hoffen,
aber leider auch zu wenig ernst nehmen.
Ich bitte Sie wirklich zu bedenken, dass nach den Finanz-
perspektiven nur etwa die Hälfte dessen zu erwarten ist,
was wir effektiv haben mussten, nämlich etwas über 1 Mil-
liarde, und wir blicken auf Defizite von 2,8 Milliarde Franken,
die bereits in drei oder vier Jahren eintreten werden. Ich
möchte Sie wirklich einmal mehr bitten, diese Sache so
ernst zu nehmen, wie ich sie nehme. Es genügt nicht, die
Stime nur dann zu runzeln, wenn man das Budget behan-
delt; man muss es dann tun, wenn man Ausgaben
beschliesst und wenn man Einsparungen machen muss.
Ich danke Ihnen, dass Sie auf das Budget eintreten werden.
Zur Arbeitszeitverkürzung werde ich dann beim entspre-
chenden Abschnitt etwas sagen.
Eintreten ist obligatorisch
L'entrée en matière est acquise de plein droit
Wo nachstehend nichts anderes bemerkt ist,
- beantragt die Kommission Zustimmung zum Beschluss
des Nationalrates
- stimmt der Rat den Anträgen der Kommission still-
schweigend zu
Sauf indication contraire
- la commission propose d'adhérer à la décision du Con-
seil national
- le conseil adhère tacitement aux proposition de la com-
mission
Behörden und Gerichte - Autorités et tribunaux
Antrag der Kommission
104 Bundeskanzlei
511.40 Büro- und Datenverarbeitungs-
maschinen sowie Apparate wie Bundesrat
Verpflichtungskredite für 1983
- Datenverarbeitungsanlagen 24,8 Mio Franken
Proposition de la commission
104 Chancellerie fédérale
51'1.40 Machines de bureau,
ordinateurs et appareils selon Conseil fédéral
Crédits d'engagement pour 1983
- Ordinateurs 24,8 millions de fr.
Antrag Schmid
101 Eidgenössische Räte
202.08 Besuchsaustausch mit ausländischen
Parlamenten und IPU Streichen
Proposition Schmid
101 Chambres fédérales
202.08 Visites réciproques avec des
parlements étrangers et l'UlP Biffer
M. Reymond, rapporteur: II ressort du dépliant que le
Conseil national a ramené de 51 à 45 millions le montant du
poste 104.511.40. Il s'agit de la rubrique «acquisitions de
machines de bureau, d'ordinateurs et d'appareils».
Après examen de cette décision, votre Commission des
finances est arrivée à la conclusion qu'une telle réduction
conduirait à des difficultés considérables propres à réduire
les prestations de l'administration d'une part, et des hautes
écoles d'autre part. Il faut rappeler que le chiffre de 51 mil-
lions demandé par le Conseil fédéral tient compte de réduc-
tions déjà apportées par les organes de l'administration,
cela aussi bien dans les plans financiers précédents que
dans le budget pour l'année 1983.
D'autre part, notre commission remarque que la réduction
proposée par le Conseil national irait à rencontre de la réali-
sation des programmes d'impulsion I et II, surtout du
second, qui ont insisté sur la nécessité et l'importance de la
formation en matière d'informatique, cela pour l'ensemble
de notre économie. C'est là une raison supplémentaire qui
nous conduit à vous proposer le maintien du chiffre de 51
millions, c'est-à-dire celui fixé par le Conseil fédéral.
Pour le surplus, la commission vous demande d'adopter le
budget relatif aux autorités et tribunaux tel qu'il est pré-
senté.
Schmid: Die Position 101.202.08 beläuft sich auf den Betrag
von 150 000 Franken und enthält zwei verschiedene Ausga-
ben: einerseits die Kosten für bilaterale Besuche von Rats-
delegationen im Betrage von 80000 Franken, und anderer-
seits die Kosten für die Interparlamentarische Union (IPU)
im Betrage von 70 000 Franken, die früher unter der Posi-
84-S
Budget de la Confédération 1983658
7 décembre 1982
tion 101.481.01 figurierte. Ich beantrage Ihnen, beide Aus-
gaben für das Jahr 1983 nicht zu bewilligen.
Was zunächst die IPU angeht, so darf ich darauf verweisen,
dass Sitzungsteilnehmer aus unserem Rate schon geradzu
vernichtende Urteile über diese Organisation gefällt haben.
Ich erinnere Sie an den ätzenden Rapport von Herrn Kol-
lege Affolter über die IPU-Sitzung in Havanna. Ich verweise
Sie auch darauf, dass die IPU offenbar die Mitarbeit der
schweizerischen Delegation nicht besonders hoch ein-
schätzt. Ein langjähriges und im Rahmen der IPU verdientes
Mitglied des Nationalrates wäre dieses Jahr für eine höhere
Charge in der Union vorgesehen gewesen; er wurde aus
unerklärlichen Gründen übergangen. Man soll sich dort
nicht aufdrängen, wo man nicht erwünscht ist.
Dazu gesellt sich ein weiteres Argument. Die IPU ist ein
lockendes Ferienziel, das Mitglieder beider Räte auf Bun-
deskosten Jahr für Jahr besuchen. Dieser eidgenössisch
finanzierte Polittourismus passt nicht zu den allgemeinen
Sparanstrengungen, die wir gegenwärtig propagieren. Die
Streichung dieser 70 000 Franken für die IPU bedeutet nun
keineswegs, dass unser Parlament aus der Union austritt.
Es bedeutet auch nicht, dass damit notwendigerweise im
nächsten Jahr keine schweizerische Delegation an den Sit-
zungen der IPU teilnehmen würde. Es bedeutet schlicht,
dass ein Parlamentarier, der im nächsten Jahr in die Tropen
oder sonst irgendwohin reisen will, dies aus dem eigenen
Sack zu bezahlen hat wie jeder andere Schweizer Bürger
auch. Soweit zur IPU.
Was den Besuchsaustausch auf bilateraler Ebene betrifft,
so wende ich mich nicht grundsätzlich dagegen. Ich aner-
kenne vielmehr die Nützlichkeit solcher bilateraler Besuchs-
austausche, bin aber der Auffassung, dass in der gegen-
wärtigen Situation auch die Bundesversammlung einen -
wenn auch mehr symbolischen - Beitrag zu den allgemei-
nen Sparanstrengungen leisten und für nächstes Jahr auf
den Besuchsaustausch verzichten sollte. Ich bin überzeugt,
dass dies nicht zu diplomatischen Konsequenzen führen
würde.
Aus diesen Gründen beantrage ich Ihnen, diese 150000
Franken für das Jahr 1983 nicht zu bewilligen.
Bürgi, Berichterstatter: Der Antrag des Kollegen Schmid
nötigt mich, den Rahmen meiner Erklärungen etwas weiter
zu ziehen. Ich möchte zunächst etwas über die Interparla-
mentarische Union sagen. Diese Institution geht zurück bis
ins Jahr 1889; seit 1891 ist die Schweiz Mitglied. Der Sitz
des Generalsekretariates der Union ist seit der Gründung in
Genf domiziliert; lange Zeit war immer ein Schweizer Gene-
ralsekretär. Das hat sich erst in den letzten Jahren geän-
dert. Nun übt ein Italiener diese Funktion aus. Die Interpar-
lamentarische Union war natürlich lange ein «Club of white
gentlemen», wie es in der Welt von gestern eben war.
Nun sind mittlerweile die jungen Länder dazugekommen,
aus Asien, Afrika, Arabien und Südamerika. Es sind auch
die Länder des Ostblockes dazugestossen. Sie verwenden
die IPU (Interparlamentarische Union) als Plattform zur Dar-
legung ihrer Probleme, zum Beispiel des Wirtschaftsge-
fälles Nord-Süd, der Spannungen USA und Russland. Es ist
klar, dass eine Konferenz, die in Kuba stattfand - sie wurde
soeben von Herrn Schmid erwähnt -, in besonderer Weise
diesen Spannungen ausgesetzt war. Das gab Veranlassung
zu Akzenten, die uns wenig gefallen und die ich in keiner
Art und Weise in Schutz nehmen möchte. Aber ich weise
darauf hin, dass die Konferenz nicht dauernd in Kuba statt-
findet; glücklicherweise, möchte ich sagen. Das Palästinen-
serproblem spielt auch hinein; das schlägt sich dann jeweils
in den Debatten und in den Resolutionen nieder. Hier gibt
es - das bestreite ich nicht - Äusserungen, die mit unserem
politischen Verständnis der Probleme nicht gerade immer in
bester Übereinstimmung stehen.
Nun zu den Finanzen: Die Aufwendungen für die Interparla-
mentarische Union, die 70 000 Franken betragen sollen,
gehen zunächst einmal zu nicht ganz der Hälfte als Beitrag
an diese Union; daraus wird hauptsächlich das Generalse-
kretariat und die übrige Tätigkeit finanziert. Sodann werden
diese für Entschädigungen an die Delegierten verwendet.
Da weise ich nun darauf hin, dass die Delegierten nur ein
Taggeld bekommen, aber keine Übernachtungsentschädi-
gung und keine Verpflegungsentschädigung. Insofern
haben die Delegierten durchaus Gelegenheit, aus Ihrer
eigenen Tasche Aufwendungen beizusteuern. Die Flüge
werden, wenn immer möglich, bei der Swissair gebucht,
weil dort die Eidgenossenschaft einen Rabatt von 50 Pro-
zent erhält.
Ich mache nun einige Überlegungen zum Besuchsaus-
tausch. Der Budgetbetrag von 80 000 Franken würde in er-
ster Linie dem Empfang von zwei Delegationen aus Italien
und Frankreich dienen. Das sind Gegenbesuche für Einla-
dungen, die eine schweizerische Delegation bereits ausge-
führt hat. Es wäre doch ein recht weitgehender Affront
gegenüber zwei Nachbarländern, wenn wir diese Delegatio-
nen ausladen müssten. Schweizerische Besuche in ande-
ren Ländern sind noch nicht geplant. Hier bestünde gege-
benenfalls die Möglichkeit, den Sparwünschen des Kolle-
gen Schmid zu entsprechen. Die Krediteinstellung erfolgt
hier vorsorglich. Ich bin nur sehr wenige Male bei Besuch-
saustauschen dabeigewesen. Aufgrund meiner persönli-
chen Eindrücke würde ich doch sagen, dass diese wertvolle
Einblicke verschaffen, Einblicke, die man als individueller
Besucher nicht bekommt. Sie dienen dem einzelnen Parla-
mentarier zur Abrundung seiner Information über eine Welt,
die zunehmend interdependent geworden ist. Ich glaube,
die Schweiz kann sich da nicht einfach abmelden; indessen
habe ich für eine gewisse Zurückhaltung durchaus Ver-
ständnis.
Ich komme noch einmal auf die Interparlamentarische Union
zurück und möchte auch hier hervorheben, dass sie ein
wertvolles Instrument zu einer direkten Information ist. Sie
kann auch eine Hilfe für die in den Ländern befindlichen
diplomatischen Vertretungen der Schweiz darstellen. Ich
erinnere an das Beispiel der Herbstkonferenz in Rom. Da
war es dem frisch eingetroffenen schweizerischen Bot-
schafter - er war erst zehn Tage in Rom - möglich, über die
Interparlamentarische Union den Staatspräsidenten, den
Aussenminister, den Präsidenten des Senates, der mittler-
weile Ministerpräsident geworden ist, zu treffen und sich
eingehend zu unterhalten. Der schweizerische Botschafter
hat uns gesagt, das hätte ihn sonst beinahe ein volles Jahr
gekostet. Wenn die Schweiz nicht mehr an diesen Anlässen
vertreten ist, dann ist das de facto eine Abmeldung aus der
Interparlamentarischen Union. Ich bin überzeugt, dass dann
der nächste Schritt die Entfernung des Generalsekreta-
riates von Genf sein wird. Ich möchte doch darum bitten,
dass wir hier den grösseren Zusammenhang mit der UNO-
Präsenz in Genf sehen. Wir sollten nicht einen Exodus inter-
nationaler Institutionen aus Genf in die Wege leiten.
Aus all diesen Gründen bitte ich Sie, dem anbegehrten Kre-
dit, der die Aufwendungen der Vorjahre nicht überschreitet,
zuzustimmen.
Affolter: Mein Name wurde vorhin von Herrn Schmid
erwähnt. Ich muss ihm zugestehen, dass auch bei mir ein
gewisses Verständnis für diesen Antrag herrscht und eine
gewisse Skepsis gegenüber diesem Budgetposten am
Platze ist.
Es ist tatsächlich so, dass ich vor anderthalb Jahren das
Vergnügen - oder auch streckenweise das Missvergnügen
- hatte, an einer IPU-Tagung teilzunehmen. Ich habe über
dieses événement einen Bericht verfasst und darin den
offensichtlichen Leerlauf dieses Konferenzbetriebes ange-
prangert. Ein Betrieb, der sich tatsächlich in hochtrabenden
und meist völlig unwirksamen Resolutionen und Leerfor-
meln erschöpft. Ich stehe heute noch zu diesem Bericht.
Ich habe in ihm auch die Frage aufgeworfen, die jetzt Herrn
Schmid beschäftigt, nämlich ob wir uns aus dieser
geschwätzigen Organisation zurückziehen sollten. So völlig
daneben liegt also der Antrag Schmid nicht.
Ich komme - übrigens auch in meinem Bericht - zum
Schluss: Man sollte vorläufig in der IPU verbleiben. Ich
möchte nur einen Hauptgrund erwähnen, um die Diskussion
- Dezember 1982
659
Voranschlag der Eidgenossenschaft 1983
hier nicht mehr allzu lange auszudehnen. Herr Bürgi hat
schon einiges erwähnt; für mich ist aber die Möglichkeit
internationaler parlamentarischer Kontaktpflege nicht die
Hauptsache. Dies können wir auch auf anderer Ebene
haben. Aber es gibt etwas anderes, das mich bewegt, heute
zu empfehlen, wir sollten in dieser Organisation bleiben. Mit
einem Auszug aus der IPU würden wir das schon verzwei-
felt klein gewordene Lager der Länder mit einem wirklich
funktionierenden parlamentarischen System noch weiter
schwächen.
In der IPU treten heute zur Mehrheit Staaten auf, deren Par-
lamente nichts mehr mit unseren Auffassungen von freiheit-
licher Volks- und Teilstaatenvertretung zu tun haben. Auch
andere demokratische Staaten westlichen Zuschnittes
haben sich das schon überlegt, was Herr Schmid uns heute
mundgerecht machen will, nämlich das IPU-Forum zu ver-
lassen. Es ist auf die Dauer frustrierend, sich einer Überzahl
von Staaten gegenüberzusehen, die parlamentarische
Systeme aufweisen, die diesen Namen nicht verdienen.
Aber gerade auch die anderen westlichen Länder bleiben in
der IPU, damit überhaupt die freiheitlichen parlamentari-
schen Systeme noch präsent sind, obschon sie immer und
immer wieder von der Überzahl der anderen überstimmt
und in Minderheit versetzt werden.
In einem weiteren Punkt kann ich Sie auch beruhigen, Herr
Schmid; die Teilnahme an solchen Tagungen der IPU - ich
habe das erfahren - ist kein reines Honigschlecken. Ich
habe für diesen Abstecher aus eigener Tasche mehr
bezahlt, als ich für 14 Tage Ferien in der Karibik aufwenden
müsste, weil die Umstände eben so sind, dass der Bund nur
für einen Teil der Reisekosten aufkommt.
Allerdings möchte ich auch noch etwas Positives hinein-
bringen. Ich habe im erwähnten Bericht auch Anregungen
unterbreitet, die offenbar immer noch studiert werden. Man
sollte zwei Dinge erreichen, und das gebe ich auch Herrn
Bürgi zu bedenken, der nächstens das Präsidium dieser
Gruppe übernimmt: Man sollte endlich einmal ein Regle-
ment über die Beschickung dieser Konferenz durch das
schweizerische Parlament realisieren, wie dies beim Euro-
parat längst der Fall ist. Bis jetzt regierte hier der Zufall.
Man müsste im weiteren die keineswegs vorbildlichen
Arbeitsmethoden der schweizerischen IPU-Delegation
überdenken. Dann würde man nämlich etwas von dem weg-
rücken, was Herr Schmid als Polittourismus und Konferenz-
ferien bezeichnet hat; unter solchen Voraussetzungen
könnte man saubere, seriöse Arbeit leisten. Diese Voraus-
setzungen sind gegenwärtig nicht gegeben. Deshalb sollte
man - vielleicht auch unter neuer Führung - versuchen, die
Arbeit in der IPU auf einen Boden zu stellen, der dann unse-
rem Parlament und unserem Lande etwas bringen könnte.
Das wären ein paar Bemerkungen zur IPU, vorgetragen von
einem sehr kritischen Beobachter dieses zwiespältigen
Forums.
Ulrich: Wir sind jetzt zwar beim berüchtigten Veloständer
angelangt; wenn man dieses Budget sieht, hätten wir viel
wichtigere und bedeutendere Fragen zu diskutieren als die-
sen kleinen, bescheidenen Posten. Gestatten Sie mir trotz-
dem, zwei Worte dazu zu sagen, als ehemaliger Ratspräsi-
dent und als derzeitiger Präsident der aussenpolitischen
Kommission.
Um was geht es? Es geht auf der einen Seite um die Kon-
takte mit den Parlamenten der befreundeten Nachbarlän-
der. Ich kann aus Erfahrung sagen, diese Kontakte werden
auf äusserst bescheidener Ebene durchgeführt, die man
sich überhaupt noch vorstellen kann; es sind die gleichen
Kontakte, die man als Familie mit befreundeten Familien
pflegt oder die ein Geschäft mit einem anderen Geschäft
pflegt, gar nichts weiter und gar nichts mehr. Im Gegenteil,
man muss jedesmal, wenn eine Delegation vom Ausland
kommt, noch bei Firmen, Kantonen, Städten und Gemein-
den anklopfen, damit diese auch einen Teil der Kosten über-
nehmen. Also hier, glaube ich, wird wirklich nur das getan,
was Höflichkeitspflicht ist gegenüber ausländischen Parla-
menten.
Was die IPU anbetrifft, so will ich mich nicht äussern. Ich
kann mich in gewissem Sinne den Ausführungen von Herrn
Bürgi und von Herrn Affolter anschliessen. Ich möchte nur
Herrn Schmid sagen: Natürlich werden bei diesen Organi-
sationen - ich bin ja nur ein einziges Mal dabei gewesen -
Beschlüsse gefasst - es wird aber auch gearbeitet, nicht
nur Tourismus betrieben, das kann ich auch bestätigen. Mir
hat einiges nicht gepasst letztes Mal in Rom. Aber wir tre-
ten ja auch nicht aus dem Bund der Eidgenossenschaft
aus, wenn einmal im National- oder im Ständerat etwas
beschlossen wird, das uns nicht passt, oder wenn jemand
zum Bundesrat gewählt wird, der uns nicht passt. Hingegen
habe ich sehr oft in letzter Zeit in diesem Hause gehört, wir
seien sehr benachteiligt gegenüber unserer Verwaltung, die
vielmehr Informationen besitzt und die vielmehr Möglichkei-
ten hat und die natürlich das alles im Füll time-Job betreibt.
Nun wollen wir hingehen und dort, wo wir noch eine
bescheidene Möglichkeit haben, über den Zaun hinauszu-
sehen, das auch noch beschneiden. Das ist nach meiner
Ansicht inkonsequent. Ich bin der Ansicht, man sollte
immer das Richtige tun, auch hier, und darum bin ich für
den Antrag des Bundesrates und für Ablehnung des Antra-
ges meines sehr geschätzten, lieben Kollegen Schmid.
Abstimmung - Vote
Für Antrag Schmid 5 Stimmen
Dagegen 24 Stimmen
M. Reymond rapporteur: Après avoir discuté le budget
financier relatif aux autorités et tribunaux, il nous reste à
examiner les crédits d'engagement pour 1983, où il existe
une divergence à propos de la rubrique «Ordinateurs». Le
Conseil fédéral demandait 40,8 millions, le Conseil national
a décidé 30,8 millions. Nous avions cru pouvoir proposer le
chiffre qui est porté sur le dépliant, soit 24,8 millions, en
estimant qu'il était nécessaire de biffer le chiffre correspon-
dant au KIS, lequel avait fait l'objet d'un crédit d'engage-
ment antérieur. Or, il ressort d'informations que nous avons
reçues ce matin, qu'il n'est pas possible de pratiquer des
compensations. En conséquence, nous vous proposons,
d'entente avec le président de la commission, ainsi qu'avec
les membres de la section 1, de nous en tenir à la proposi-
tion du Conseil national, soit 30 millions sous la rubrique
«Ordinateurs, crédits d'engagement».
Präsident: Wird das Wort zu Position 511.40, Büro- und
Datenverarbeitungsmaschinen, gewünscht?
Letsch: Ich beantrage, dem Nationalrat zuzustimmen.
M. Reymond rapporteur: Je me suis déjà exprimé sur ce
point tout à l'heure. J'aimerais rappeler qu'en commission
nous nous sommes rendu compte, à l'instar des sections,
qu'il était nécessaire d'acquérir un certain nombre de
machines de bureau, d'ordinateurs et d'appareils, notam-
ment dans la perspective du développement normal des
écoles polytechniques et des hautes écoles de la Confédé-
ration.
En outre, la réduction de ce crédit destiné à l'achat de
machines de bureau et d'ordinateurs irait, nous semble-t-il,
à rencontre du but recherché par le vote du crédit pour le
programme d'impulsion. Je vous rappelle que ce pro-
gramme s'inscrit dans la volonté de développer la forma-
tion, dans le domaine de l'informatique et des microproces-
seurs. Le crédit en question démontre que la Confédéra-
tion, dans ses hautes écoles, ses bureaux, ses propres
régies et ses propres services, s'équipe de manière
moderne, ce qui ne peut qu'améliorer la gestion de ses
affaires, et ce qui s'inscrit tout naturellement dans la ligne
d'un développement commandé par le progrès.
Dans cette optique, il nous semble qu'il serait contradic-
toire par rapport au programme d'impulsion, de revenir en
arrière et de s'en tenir à la proposition du Conseil national.
C'est pourquoi la commission a souhaité maintenir le crédit
de 51 millions demandé par le Conseil fédéral.
Budget de la Confédération 1983
660
7 décembre 1982
Bundesrat Ritschard: Ich möchte Sie auch bitten, dem
Bundesrat zuzustimmen. Natürlich sind wir für jede Einspa-
rung dankbar, aber für die Datenverarbeitungsanlagen
mussten bereits sehr hohe Zahlungskredite verlangt wer-
den, weil diese Anlagen bestellt sind und in nächster Zeit
eingesetzt werden. Für die Rationalisierung weiterer Ver-
waltungszweige mittels Datenverarbeitungsanlagen würde
sich das schädlich auswirken. Wir haben hier noch Gebiete,
in denen Möglichkeiten bestehen. Hier geht es ja vor allem
um die ETH, um den Schulrat. Ich glaube, wenn man ein
Korrelat zum Personalstopp schaffen will, muss man bei der
Rationalisierung der Verwaltung über die neuen techni-
schen Möglichkeiten etwas an Ausgaben in Kauf nehmen,
und das ist hier der Fall. Nachdem der Nationalrat die Strei-
chung beschlossen hatte, haben wir das zuhanden Ihrer
Kommission sehr gründlich studiert; wir glauben, dass wir
hier zu einer Verflachung kämen, die der Sache wirklich
nicht dienlich wäre, so sehr wir es an sich begrüssen, dass
man diese Verpflichtungskredite im Einzelfalle ansieht, weil
eigentlich hier der Beginn der Ausgaben steht. Aber hier
würde es sich wahrscheinlich zum langfristigen Nachteil
auswirken.
Ich bitte Sie, Ihrer Kommission zuzustimmen.
Abstimmung - Vote
Für den Antrag der Kommission 24 Stimmen
Für den Antrag Letsch 1 Stimme
Präsident: Herr Reymond hat bereits über den Verpflich-
tungskredit Datenverarbeitungsanlagen orientiert.
Hier gibt es eine Korrektur, wie Herr Reymond ausgeführt
hat. Die Kommission hat ursprünglich vorgeschlagen, eine
Reduktion auf 24,8 Millionen vorzunehmen. Nun scheint das
nicht zu gehen, und sie beantragt, dem Nationalrat zuzu-
stimmen, also einer Reduktion auf lediglich 30 Millionen
Franken.
Wird dazu das Wort gewünscht? - Es ist dies nicht der Fall.
Sie haben zugestimmt.
Genehmigt - Approuvé
Departement für auswärtige Angelegenheiten
Département des. affaires étrangères
Kündig, Berichterstatter: Das Departement für auswärtige
Angelegenheiten mit einem Totalaufwand im Budget 1983
von 750 Millionen Franken oder 3,8 Prozent des Totalauf-
wandes des Bundes gibt an und für sich wegen seiner
Bedeutungslosigkeit und wegen der knappen Abweichung
gegenüber dem Budgetrahmen 1982 zu keinen Bemerkun-
gen Anlass. Wenn ich trotzdem heute das Wort zu diesem
Departement ergreife, so, weil gestern ein Appell der Erklä-
rung von Bern auf Ihren Pulten lag, in dem verschiedene
Behauptungen aufgestellt werden.
Es stimmt, was in diesem Appell erwähnt wird: Der Bundes-
rat hat tatsächlich im Juni 1980 bestätigt, dass er beabsich-
tigt, die Leistungen an die Entwicklungshilfe zu erhöhen.
Die Absicht besteht, die Entwicklungshilfe an die üblichen
westlichen Länder anzugleichen. Der Anteil der GATT-Län-
der liegt im heutigen Zeitpunkt bei 0,35 Prozent des Brutto-
sozialproduktes, wobei man sich schon hier die Frage stel-
len kann, ob das Bruttosozialprodukt als Masseinheit in
allen Ländern gleich oder gleichwertig gehandhabt wird.
Die Erklärung von Bern fordert nun, dass trotz finanzieller
Schwierigkeiten die Entwicklungshilfe des Bundes bis Mitte
der achtziger Jahre auf die beabsichtigte Höhe von 0,35
Prozent anzuheben sei. Gleichzeitig wird auch die Behaup-
tung aufgestellt, der Bundesrat schlage vor, die Entwick-
lungshilfe des Bundes sei bei 0,26 Prozent des Bruttoso-
zialproduktes einzufrieren. In diesem Zusammenhang ver-
weise ich auf die Botschaft des Bundesrates (Seite 19*),
wo es unter anderem heisst, die Bundeshilfe für Hilfelei-
stungen an Entwicklungsländer erfahre mit einer Steigerung
von 15,6 Prozent oder 78 Millionen eine substantielle
Zunahme, nachdem sie von 1981 auf 1982 um 5 Prozent
angestiegen war. Diese Ausgabe entspreche damit 0,26
Prozent des Bruttosozialproduktes. Zusammen mit den Bei-
trägen an multilaterale Finanzierungsinstitutionen wird im
nächsten Jahr, also im Budgetjahr 1983, sogar eine Quote
von 0,29 Prozent erreicht werden können. Die Bundeshilfe
werde dadurch entsprechend dem erklärten Ziel, die öffent-
liche schweizerische Entwicklungshilfe bis Mitte der achtzi-
ger Jahre auf den Durchschnitt der übrigen OECD-Länder
anzuheben, einen bedeutenden Schritt näherkommen.
Soweit der Bericht des Bundesrates.
Daraus kann ich mit bestem Willen nicht herauslesen, dass
der Bundesrat trotz finanzieller Schwierigkeiten, die sehr
viele inländische Subventionsempfänger ebenfalls namhaft
treffen - ich denke hier zum Beispiel an die Krankenkassen,
an die Landwirtschft und weitere mehr -, die Absicht hat,
die Leistungen des Bundes einzufrieren. Im übrigen ist dar-
auf hinzuweisen, dass die Bundesleistungen in den letzten
Jahren eine sehr starke Zunahme zu verzeichnen haben.
Der Totalaufwand für Entwicklungszusammenarbeit und
humanitäre Hilfe betrug im Jahre 1974 161 Millionen Fran-
ken, 1976 waren es 206, 1978 289, 1980 396, 1982 447 und
im Budget 1983 sind 488 Millionen Franken enthalten, also
eine Zunahme innerhalb von zehn Jahren von 100 auf 303
Prozent.
Wenn wir das Total aller zusätzlichen Leistungen nehmen,
die neben der öffentlichen Entwicklungshilfe erbracht wer-
den, zum Beispiel Geschenke von privaten Hilfswerken
sowie andere Beiträge des öffentlichen Sektors und die Pri-
vatkapitalzuflüsse - kommen wir auf einen Totalbetrag von
4,475 Milliarden Franken oder 2,34 Prozent des Bruttoso-
zialprodukts. Die Finanzkommission hat sich sehr intensiv
mit diesen Fragen auseinandergesetzt, insbesondere aber
auch mit der Frage der Kontrollierbarkeit und des richtigen
Einsatzes der Mittel, wie sie hier geleistet werden.
Ich mache diese Ausführungen im besonderen, weil ich
glaube, dass die tatsächlichen Leistungen auch einmal
gewertet werden sollten und das in einem Appell an die eid-
genössischen Räte Erwähnung finden dürfte. Die Öffentlich-
keit hat ein Recht darauf, zu vernehmen, wie diese nach
meinem Dafürhalten bedeutungsvolle Aufgabe des Bundes
in den letzten Jahren ausgebaut werden konnte.
Im Namen der Kommission beantrage ich Ihnen Zustim-
mung zum Voranschlag des Departementes für auswärtige
Angelegenheiten.
Genehmigt - Approuvé
Departement des Innern
Département de l'intérieur
Antrag der Kommission
Verpflichtungskredit für 1983
5.4 ETH Zürich und Lausanne 44,0 Mio Fr.
Proposition de la commission
Crédits d'engagement pour 1983
5.4 EPF Zurich et Lausanne 44,0 Mio Fr.
Meier, Berichterstatter: Zuerst drei Bemerkungen zum
Departement des Innern. Gegenüber dem Vorjahr beträgt
die Zunahme der Gesamtausgaben lediglich 2,5 Prozent,
ohne Schulratsbereich sogar nur 2,08 Prozent, was ange-
sichts der Teuerung sehr wenig ist. Der Finanzplan 1980 bis
1983 kann eingehalten werden, liegen doch die gesamten
Aufwendungen lediglich 0,25 Prozent über den Vorgaben.
Weiter gilt es zu beachten, dass das EDI aus Ämtern mit
unterschiedlichen Kostenstrukturen zusammengesetzt ist,
nämlich aus solchen mit hohem Personalkostenanteil und
solchen mit hohem Sachausgabenanteil.
War schon im Budget 1982 unter der Rubrik 302.463.52
Denkmalpflege ein Sonderkredit von 4,75 Millionen enthal-
- Dezember 1982
661
Voranschlag der Eidgenossenschaft 1983
ten, so sind im Voranschlag 1983 unter diesem Titel 5 Millio-
nen vorgesehen. Mit diesen Sonderkrediten und einer
strengen Selektion der Beitragsgesuche sollte der vielkriti-
sierte Überhang bei der Denkmalpflege bis 1986 abgebaut
sein. Die Kommission hat sodann mit Befriedigung davon
Kenntnis genommen, dass das bei der zweiten Säule
zusätzlich erforderliche Personal durch interne organisatori-
sche Massnahmen beim Bundesamt für Sozialversicherung
freigestellt werden kann.
Zu den vier Änderungsbeschlüssen des Nationalrates bean-
tragt Ihnen unsere Kommission Zustimmung. Beim Bundes-
amt für Strassenbau, Rubrik 313.311.02, waren die 25 100
Franken im Sinne einer vorsorglichen Massnahme einge-
setzt und können gestrichen werden. Beim Amt für Bun-
desbauten, Rubrik 314.501.01, Bauten und Anlagen, kann
beim gegenwärtigen Stand der Dinge der für ein Objekt
reservierte Betrag von 500 000 Franken gestrichen werden.
Daher erfolgt die Reduktion des Gesamtbetrages von
155 Millionen auf 154,5 Millionen Franken. Beim Bundesamt
für Gesundheitswesen, Rubrik 318.453.40, Bekämpfung
übertragbarer Krankheiten, erscheinen hier neu Beiträge an
Hepatitis-B-lmpfung (ansteckende Gelbsucht). Da aber im
Gegensatz zu den Annahmen im Zeitpunkt der Budgetie-
rung 1982 bedeutend weniger Personen geimpft wurden,
kann dieser Teilbetrag auf rund 673 000 Franken reduziert
werden. Zusammen mit den übrigen Impfungen von 466 000
Franken haben wir total 1,139 statt 1,812 Millionen Franken
(allerdings mit entsprechenden Kostenverschiebungen für
das Jahr 1984, eventuell 1985).
Beim Institut für Reaktorforschung, Rubrik 331.342.10,
Unterricht und Forschung, kann aufgrund der Besprechung
der nationalrätlichen Finanzkommission mit dem Schulrat
eine Reduktion auf 7,521 Millionen Franken vorgenommen
werden. Mit diesen Änderungen erklärt sich Ihre Kommis-
sion einverstanden und beantragt Ihnen, dem Voranschlag
des Departements des Innern zuzustimmen.
Zum Verpflichtungskredit, Seite 56*, wurde nachträglich der
Antrag eingebracht, im Zusammenhang mit einem Experi-
ment am LEP-Grossbeschleuniger der CERN in Genf den
Verpflichtungskredit zugunsten des Schulrats für die
Beschaffung von Rohmaterialien von 36 Millionen auf 44 Mil-
lionen zu erhöhen. Diesem nachträglichen Antrag stimmt
Ihre Kommission ebenfalls zu.
Genehmigt - Approuvé
Justiz- und Polizeidepartement
Département de justice et police
Arnold, Berichterstatter: Seit mehreren Jahren verfolgt Ihre
Finanzkommission aufmerksam unsere Flüchtlings- und
Asylpolitik und deren finanzielle Auswirkungen. Diese Politik
war bisher gekennzeichnet durch Kosten, die von Jahr zu
Jahr um Millionen von Franken stiegen. Die Rechnung 1981
weist noch 44 Millionen Franken für das Flüchtlingswesen
aus, für das laufende Jahr 1982 haben wir Kredite von ins-
gesamt 71,6 Millionen Franken bewilligt. Den letzten Nach-
tragskredit haben Sie heute morgen mit den Nachträgen II
beschlossen.
Wie sieht nun der Voranschlag 1983 aus? Wie im laufenden
Jahr sollen die Hilfswerke an ihre Infrastruktur 6,6 Millionen
Franken erhalten. Diese Position war in früheren Staats-
rechnungen noch nicht enthalten. Für Unterstützungen -
das sind die Mittel, die an die Flüchtlinge selber für ihren
Lebensunterhalt fliessen - sind im Budget 1983 51 Millionen
Franken vorgesehen. Im laufenden Jahr sind hiefür 65 Millio-
nen Franken budgetiert. Um Missverständnisse zu vermei-
den, bedarf dieser Rückgang von 65 Millionen auf 51 Millio-
nen Franken einer Erläuterung.
Es ist nicht etwa so, dass unsere Asylpolitik wesentlich
geändert würde oder dass wir den echten Flüchtlingen
gegenüber eine härtere Linie einschlagen würden. Hinge-
gen hat das Justiz- und Polizeidepartement die Absicht,
unter Einsatz von zusätzlichen Hilfskräften aus der Bundes-
verwaltung die oft schwierigen Abklärungen über die per-
sönlichen Verhältnisse der Asylsuchenden zeitlich zu
beschleunigen. Dadurch kann der Aufenthalt der unechten
Flüchtlinge bei uns verkürzt werden. Die Zahl der Unter-
kunfts- und Verpflegungstage wird kleiner, die Gesamtko-
sten sinken.
Die Verkürzung der Abklärungszeit ist aber auch aus
menschlichen Gründen erwünscht. Der Asylsuchende soll
nicht monatelang darüber im Ungewissen gelassen werden,
ob er bei uns bleiben kann oder nicht.
Mit dieser Bemerkung zum Flüchtlingswesen beantragt Ihre
Kommission, dem Voranschlag des Justiz- und Polizeide-
partementes ohne Änderungen zuzustimmen.
Genehmigt - Approuvé
Militärdepartement - Département militaire
Gerber, Berichterstatter: Von den auf 4157 Millionen bud-
getierten Ausgaben für die Landesverteidigung entfallen
3948 Millionen oder 95 Prozent auf die militärische und
209 Millionen auf die zivile Landesverteidigung. Dazu gehö-
ren Zivilschutz, wirtschaftliche und psychologische Landes-
verteidigung. Gegenüber dem Voranschlag 1982 werden die
Ausgaben für die Landesverteidigung insgesamt um
4,2 Prozent anwachsen. Das Budget des EMD beläuft sich
auf 3952,4 Millionen Franken. In diesem Budget sind Auf-
wendungen für zivile Bereiche enthalten, dagegen sind
Anteile an Ausgaben anderer Departemente, die der militäri-
schen Landesverteidigung zuzurechnen sind, nicht aufge-
führt.
Deshalb die Differenz zur militärischen Landesverteidigung,
die, wie bereits erwähnt, auf 3948 Millionen Franken budge-
tiert ist. Gegenüber dem Voranschlag 1982 nimmt das Bud-
get des EMD um 138,6 Millionen Franken oder 3,6 Prozent
zu. Gemäss Planungskonzeption des Militärdepartementes
werden die Militärausgaben in Betriebsaufwendungen und
Investitionen gegliedert. Der Betriebsaufwand umfasst im
wesentlichen die Ausgaben für das Personal, den Unterhalt
und Betrieb der Anlagen und Einrichtungen, die Schulen
und Kurse der Armee sowie die Verwaltung. Zu den Investi-
tionen werden die Ausgaben für Kriegsmaterial und Bauten,
für Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sowie für die
Ausbildungsmunition gerechnet.
Gegenüber dem Voranschlag 1982 ist beim Betriebsauf-
wand eine Zunahme um 154 Millionen oder 8,7 Prozent zu
verzeichnen. Die Personalbezüge liegen um 9,9 Prozent
über dem Vorjahr, während bei den Sachausgaben ein
Zuwachs um 7,7 Prozent festzustellen ist. Die Investitionen
verzeichnen gegenüber dem Voranschlag 1982 eine
Abnahme von 16 Millionen Franken oder 0,8 Prozent.
Im Voranschlag 1983 entfallen 48,8 Prozent auf den
Betriebsaufwand und 51,2 Prozent auf die Investitionen.
Noch in den Jahren 1973 bis 1975 war dieses Verhältnis
annähernd umgekehrt. Gegenüber dem Budget 1982 hat
sich jedoch der Anteil des Betriebsaufwandes zu Lasten
der Investitionen wieder etwas erhöht.
Der Betriebsaufwand wird mit 1929,1 Millionen Franken
budgetiert. Rund 45 Prozent des Betriebsaufwandes oder
875 Millionen entfallen auf die Besoldungen, die um
79,1 Millionen Franken über dem Vorjahresstand liegen. Die
Sachausgaben verzeichnen gegenüber dem Vorjahr eine
Zunahme um 75,2 Millionen oder 7,7 Prozent und belaufen
sich damit auf 1054,1 Millionen. Davon entfallen allein auf
Schulen und Kurse der Armee 494,9 Millionen Franken. Für
Investitionen sind im Budget 1983 2023 Millionen Franken
vorgesehen. Davon entfallen 314 Millionen Franken unter
Bauten und Anlagen und 1709 Millionen Franken unter
Kriegsmaterial.
Die budgetierten Ausgaben für militärische Bauten und
Anlagen erreichen real den Stand von 1966. Nominell liegen
sie nach wie vor unter dem Stand von 1975.
Budget de la Confédération 1983
662
7 décembre 1982
Für die eigentlichen Rüstungsausgaben sind im Budget
1983 Aufwendungen von 1013 Millionen Franken vorgese-
hen. Sie sollen schwergewichtig für Anschaffungen aus den
Rüstungsprogrammen 1978 bis 1983 verwendet werden.
Die Finanzkommission Ihres Rates beantragt Ihnen Eintre-
ten auf das Budget des EMD.
Ich habe noch einen Antrag der Kommission zu vertreten.
Sie sehen auf Seite 1 der Fahne unter der Rubrik
519.308.01, Ersatz von Auslagen, eine Reduktion gegen-
über dem Budget von 2,41 auf 2,31 Millionen Franken. Die
Finanzkommission des Ständerates beantragt Ihnen, dem
Nationalrat zuzustimmen.
Warum kam es zu dieser höheren Budgetzahl? Alle diejeni-
gen, die Wiederholungskurse geleistet haben, wissen, dass
am Schluss des Wiederholungskurses die grosse Übung
mit der Materialabgabe kommt. Da sind Materialverluste zu
berappen. Bis jetzt haben die Zeughäuser diese Material-
verluste jeweils sofort kontrollieren und einziehen können.
Es hat sich dann eine neue Praxis herausgebildet, indem
die Zeughäuser das Material entgegennahmen, im nachhin-
ein die Kontrollen durchführten und dann die Kommandan-
ten mit den Materialverlusten belasteten. Gegen dieses Vor-
gehen hat ein Kommandant Beschwerde bis zum Bundes-
gericht eingereicht und dort Recht erhalten; das hatte zur
Folge, dass das EMD die Praxis wieder ändern wollte.
Nach einer Diskussion in der Finanzkommission des Natio-
nalrates wurde allerdings die Meinung vertreten, die Mate-
rialverluste, die so entstehen, seien eigentlich kleiner als die
zusätzlichen Aufwendungen für das Heranziehen von ver-
mehrtem Personal. Dieser Meinung hat sich die Finanzkom-
mission des Ständerates angeschlossen; sie beantragt
Ihnen eine Streichung oder eine Kürzung dieses Kredites
von 2,41 auf 2,31 Millionen Franken.
Genehmigt - Approuvé
Finanzdepartement - Departement des finances
Antrag der Kommission
604 Getreideverwaltung
433.01 Mahlprämien und Ausfall-
entschädigung wie Bundesrat
606 Zollverwaltung
373.01 Beiträge wie Bundesrat
614 Personalamt
211.07 Arbeitszeitverkürzung, Globalkredit
Mehrheit
Zustimmung zum Beschluss des Nationalrates
Minderheit
(Belser, üeberherr)
Wie Bundesrat
Proposition de la commission
604 Administration des blés
433.01 Primes de mouture et indem-
nités compensatoires selon Conseil fédéral
606 Administration des douanes
373.01 Contributions selon Conseil fédéral
614 Office du personnel
211.07 Réduction de la durée du travail, crédit global
Majorité
Adhérer à la décision du Conseil national
Minorité
(Belser, Lieberherr)
Selon le Conseil fédéral
Generali, Berichterstatter: Nachdem der Kommissionsprä-
sident eingehend über die finanzielle Lage des Bundes refe-
riert hat, erübrigt es sich, dass ich nochmals auf die Zahlen
des Finanzdepartementes eingehe. Ich möchte trotzdem zu
einzelnen Rubriken einige Bemerkungen anbringen, um so
mehr als die Beschlüsse unserer Kommission sich nicht
überall mit den Beschlüssen des Nationalrates decken.
Zuerst zur Finanzverwaltung, Position 601.311.01 Entschä-
digungen und Honorare. Gemäss Fahne stimmen wir in der
Kommission dem Antrag des Nationalrates auf Kürzung des
Betrages von 230 000 auf 224 800, also um 5200 Franken,
zu. Es handelt sich hier lediglich um die Aufhebung der
Emissionskontrolle.
Immer noch unter Finanzverwaltung: Es dürfte Sie die
Rubrik 601.702 auf Seite 55 «Guthaben aus internationalen
Abkommen» interessieren. Sie sehen, dass im Voranschlag
ein Betrag von 8 097 600 Franken figuriert. Die Finanzkom-
mission bzw. ihre Sektion hat sich für dieses Guthaben
interessiert und erhielt folgende Informationen:
Die mit den zwischenstaatlichen Abkommen vereinbarten
Zahlungsverpflichtungen bilden die Grundlage für die Bud-
getierung der Einnahmen dieser Rubrik. Eine Wertung der
Zahlungsfähigkeit der Schuldnerstaaten wäre schwierig und
politisch ausserordentlich heikel. Die Finanzverwaltung
stützt sich deshalb auf die zwischenstaatlichen Vereinba-
rungen. Für das laufende Jahr haben wir in der Finanzkom-
mission feststellen können, dass beispielsweise die Türkei
ihren Verpflichtungen bis jetzt vollumfänglich nachgekom-
men ist. Zahlungsrückstände bestehen einzig seitens Togo
und des Sudan, wobei aber auch von diesen beiden Län-
dern Einzahlungen eingingen.
Bei der Getreideverwaltung auf Seite 57, Position 433.01
Mahlprämien und Ausfallentschädigung, beantragt der
Nationalrat Sperrung des Betrages von 2,4 Millionen Fran-
ken. Die Finanzkommission des Ständerates beantragt
Zustimmung zum Bundesrat.
Um was geht es? Das Parlament hat sich vor zwei Jahren
bei der Beratung des neuen Getreidegesetzes aus folgen-
den Gründen für die Beibehaltung der Auszahlung von
Mahlprämien und Ausfallentschädigung ausgesprochen.
Erstens wird mit der Mahlprämie verhindert, dass die Pro-
duzenten, die ihr selbstangebautes Inlandgetreide im eige-
nen Betrieb verwenden, nicht schlechter gestellt werden als
die Bäcker, die ihr Mehl bei den Handelsmüllern beziehen.
Zweitens ist die Erhaltung der stark dezentralisierten Kun-
denmühlen aus sicherheitspolitischen Gründen erwünscht.
Die nationalrätliche Finanzkommission ist nach langer Dis-
kussion zum Schluss gekommen - zuerst lag ein Antrag auf
Streichung dieses Betrages vor -, diesen Kredit zu sperren,
wobei man mit dem Sperren dieses Betrages erreichen
wollte, den Bundesrat dazu zu zwingen, dieses Gesetz, das
ja vor einem Jahr revidiert wurde, nochmals zu revidieren;
dass der Bundesrat sich nicht bereit erklärt hat, nach so
kurzer Zeit das Gesetz wieder zu revidieren, ist selbstver-
ständlich; deshalb hat Ihre Finanzkommission sich schliess-
lich nicht dem Antrag des Nationalrates anschliessen kön-
nen.
Wir beantragen Ihnen Zustimmung zur bundesrätlichen
Lösung gegen diese Sperrung, wobei wir allerdings in der
Kommission den Wunsch zum Ausdruck gebracht haben,
dass der Bundesrat - nachdem auch in landwirtschaftlichen
Kreisen nicht die volle Überzeugung herrscht, dass diese
Sache an sich richtig ist - die Sache nochmals überlegt und
das Budget 1984 nochmals prüft.
Eine Regelung im Budget 1983 wäre schon deshalb nicht
möglich, weil das sogenannte «Mahljahr» ungefähr mitten
im Jahr abläuft, so dass aufgrund des Getreidegesetzes der
Bund ohnehin verpflichtet gewesen wäre, für das Jahr 1983
- Sperre hin oder her - zu zahlen. Deshalb beantragt Ihnen
Ihre Kommission Zustimmung zur bundesrätlichen Lösung.
Zur Position Zollverwaltung 606.373.01, Beiträge 370000
Franken (Seite 59): Der Nationalrat hat beantragt, 70000
Franken zu streichen. Unsere Kommission hat sich dem
Nationalrat nicht anschliessen können, und wir beantragen
Ihnen - gemäss Bundesrat - 370 000 Franken ins Budget
- Dezember 1982
663
Voranschlag der Eidgenossenschaft 1983
aufzunehmen. Um was handelt es sich bei diesen 70 000
Franken? Das ist etwas kompliziert. Die Zollverwaltung zahlt
Fr. 3.50 als Rückvergütung für die Kontrolle der Brenn-
stoffe, die in der Landwirtschaft benützt werden; diese
Fr. 3.50 werden nicht den Gemeinden ausbezahlt, sondern
den Beauftragten. Die Finanzkommission Ihres Rates hat
schliesslich nach reiflicher Überlegung grossmehrheitlich
beschlossen, die bereits seit Jahren eingeführte Organisa-
tion beizubehalten, und beantragt deshalb, diese 370000
Franken ins Budget aufzunehmen. Hingegen hat die Kom-
mission dem Antrag auf Streichung des Betrages von
90 000 Franken zur Bekämpfung des Blauschimmels des
Tabaks und auch der 4000 Franken für Studienaufträge im
Bundesamt für Organisation gemäss Antrag des Nationalra-
tes ohne Diskussion zugestimmt.
Die Finanzkommission beantragt auch, den Jahreszusiche-
rungskredit von 700 000 Franken für die Tabaktrocknungs-
scheunen gemäss nationalrätlichem Antrag zu streichen.
Sie mögen sich vielleicht erinnern, dass hier eine Motion zur
Behandlung kam. Diese Motion wurde in ein Postulat umge-
wandelt. Der Bundesrat ist beauftragt worden, die ganze
Geschichte zu prüfen. Wir sind der Meinung, dass diese
Sache hinausgezögert werden soll, bis eine Abklärung des
Bundesrates vorliegt.
Knüsel: Ich danke Herrn Kollega Generali für die Ausfüh-
rungen mit Bezug auf die Position 604.433.01, Mahlprämien
und Ausfallentschädigung. Wenn ich ihn richtig verstanden
habe, will der Nationalrat mit seinem Mehrheitsbeschluss
durch Sperrung dieses Betrages von 2,4 Millionen Franken
eine erneute Revision des Getreidegesetzes durchsetzen.
Wir müssen die Situation schon festhalten, wie sie ist. Wir
haben vor etwa anderthalb Jahren in diesem Rate recht
ausgiebig über diese Revision des Getreidegesetzes
gesprochen und sind zum Schluss gekommen, dass mit
dem Verfassungsauftrag im neuen Getreidegesetz, mit der
dezentralisierten Eigenversorgung unseres Landes, den
gegebenen Verhältnissen Rechnung getragen wird.
Und zum zweiten: Herr Generali sagt, dass kein Rechtsun-
terschied zwischen den Produzenten von Brotgetreide und
den Konsumenten bestehen soll. Das ist doch der Sinn und
Zweck dieser Mahlprämie. Nach diesen eingehenden Dis-
kussionen, die in beiden Räten stattgefunden haben,
möchte ich meine Auffassung so bekanntgeben: Im gegen-
wärtigen Zeitpunkt, aus dem Verfassungsauftrag, den wir
haben, ist eine erneute Revision dieses Getreidegesetzes
schon nach einem Jahr nicht notwendig.
Ich möchte der Getreideverwaltung und dem Finanzdepar-
tement für das Wohlwollen, das Entgegenkommen und das
Verständnis meinerseits danken.
614 Personalamt - Office du personnel
Bürgi, Berichterstatter: In Ergänzung meiner Ausführungen
beim Eintreten möchte ich noch einige Überlegungen vor-
tragen.
Ich äussere mich zunächst einmal über das zusätzliche Per-
sonal, das die vom Bundesrat bewilligte Arbeitszeitverkür-
zung zur Folge hätte. Ich beziehe mich da auf die Mitteilun-
gen des Bundesrates an die Mitglieder der Finanzkommis-
sion. Daraus ergibt sich, dass bis ins Jahr 1985 zusätzlich
4110 Personaleinheiten bei Bund, PTT und SBB notwendig
wären. Das ist zweifellos ein massiver Einbruch in den Per-
sonalstopp. Bei Würdigung des Personalstopps darf man
wohl ohne Übertreibung sagen, dass er in der Öffentlichkeit
über einen hohen Stellenwert verfügt. Es wurde damit viel
Goodwill geschaffen für den Bundesrat, das Parlament,
auch für die Verwaltung, die diesen Personalstopp zu tra-
gen hat. Man sollte diesen Goodwill nicht ohne Not aufs
Spiel setzen.
Sodann kommen die finanziellen Überlegungen. Beim Bund
würde ein Mehrbedarf von 50 Millionen Franken entstehen.
Bei der heutigen Finanzlage ist das eine Direktschaltung zu
einem erhöhten Defizit. Bei den Bundesbahnen würde ein
Mehrbedarf von 73 Millionen ausgelöst. Über die Defizitdek-
kung würde das mit einem Jahr Verzögerung ebenfalls in
die Bundeskasse einfliessen. Bei den PTT würde eine Erhö-
hung des Personalaufwandes von 106 Millionen Franken
entstehen. Das gäbe eine Minderung des Ertrages und eine
verschlechterte Ausgangslage für die Ablieferung an die
Bundeskasse. Auch hier ergeben sich direkte Auswirkun-
gen auf den Bundesfinanzhaushalt.
Wir dürfen aber nicht nur die Auswirkungen im Bund ins
Auge fassen. Wir müssen auch die übrigen öffentlichen
Arbeitgeber in unsere Erwägungen einbeziehen. Noch sel-
ten so oft wurde ich von Regierungsräten, insbesondere
aber auch von Finanzchefs und Gemeindepräsidenten in
Sachen Arbeitszeitverkürzung angesprochen. Die Argu-
mentation geht dahin: Wenn der Bund vorangeht, müssen
wir nachziehen. Der Bundesrat gibt in seinem Bericht fol-
gende Schätzungen über den zusätzlichen Personalbedarf
bei den Kantonen: Gesundheitswesen 1500, in den subven-
tionierten Betrieben im Gesundheitswesen auch 1500 (das
sind in der Regel Gemeindespitäler, die von den Kantonen
subventioniert werden), bei den Straf- und Erziehungshei-
men, Heime im allgemeinen und Polizei 460 Einheiten, bei
der Staatsverwaltung etwa 1000; zusammen 4460. Die
Kosten würden ungefähr den gleichen Betrag ergeben wie
beim Bund, insgesamt 230 Millionen Franken. Wenn Sie
alles zusammenzählen, gibt das allein für Bund und Kan-
tone einen Mehraufwand von 460 Millionen, die Gemeinden
noch nicht eingerechnet.
Die Mehrheit der Finanzkommission ist der Meinung, dass
wir das bei der jetzigen angespannten Finanzlage des Bun-
des und der sich abzeichnenden Anspannung bei den Kan-
tonen nicht verantworten können. Die Öffentlichkeit würde
das nicht verstehen. Sie würde dort nein sagen, wo sie dazu
Gelegenheit hat. Das könnten sehr wohl Einnahmenvorla-.
gen sein, die wir im Zusammenhang mit der Sanierung der
Bundesfinanzen dem Volk unterbreiten müssen. Diese Ver-
schlechterung des finanzpolitischen Klimas im Lande soll-
ten wir vermeiden. Daran hat im Grunde genommen auch
das Bundespersonal ein Interesse. Es ist ihm mit einer wei-
teren Verhärtung im Verhältnis Steuerzahler-öffentliche
Hand sicherlich nicht gedient.
Aus diesen zusätzlichen Überlegungen, zusammen mit den-
jenigen im Eintretensreferat, beantrage ich Ihnen im Namen
der grossen Mehrheit der Finanzkommission und in Über-
einstimmung mit dem Nationalrat, diese Position zu strei-
chen.
Frau Lieberherr: Der Wunsch nach Arbeitszeitverkürzung
ist weder unvernünftig noch unzeitgemäss. Seit 1958
beträgt die wöchentliche Arbeitszeit des Bundespersonals
in der Verwaltung und seit 1968 diejenige des Personals in
den Betrieben 44 Stunden. Dies bedeutet, dass seit 24 bzw.
14 Jahren bezüglich Arbeitszeit beim Bundespersonal
nichts mehr geschehen ist. Nun wird immer wieder ins Feld
geführt, die öffentliche Verwaltung dürfe in diesem Sektor
keineswegs vorprellen. Diese Sorge ist absolut ungerecht-
fertigt. Wie sieht denn die Situation zum Beispiel in der Pri-
vatwirtschaft aus?
In der Privatwirtschaft ist die Arbeitszeit in sehr vielen
Bereichen sukzessive gekürzt worden. Ab 1983 arbeiten
700 000 Beschäftigte in der Schweiz pro Woche 42 Stunden
oder sogar weniger. Mitte 1985 werden es rund 1 Million
Arbeitnehmer sein. Im Gegensatz dazu schlägt der Bundes-
rat eine Kürzung der Arbeitszeit um eine Stunde auf Anfang
1984 und um eine weitere Stunde auf Anfang 1985 vor.
Auch wenn wir das Bundespersonal mit dem Personal der
Kantone und Gemeinden vergleichen, ist das Bundesperso-
nal kein Spitzenreiter punkto Arbeitszeit. So gibt es zahlrei-
che Beispiele wöchentlicher Arbeitszeiten von 42 oder
weniger Stunden pro Woche für einzelne Personalgruppen
oder das gesamte Personal. Ich erinnere Sie hier an die
Kantone Genf, Neuenburg und Tessin sowie an die Gemein-
den Biel, Genf, Neuenburg, La Chaux-de-Fonds sowie an
zahlreiche Tessiner Gemeinden.
Budget de la Confédération 1983
664
7 décembre 1982
Natürlich sind es nicht diese Vergleiche, die uns veranlas-
sen, für die Arbeitszeitverkürzung einzutreten, obwohl die
Konkurrenzfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt bei der Gewin-
nung guter Mitarbeiter eine wichtige Rolle spielt. Die beiden
Gründe, welche die Arbeitszeitverkürzung rechtfertigen,
sind jedoch die folgenden:
Der erste Grund: Die Arbeitszeitverkürzung bewirkt primär
eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Die überwie-
gende Mehrheit des Bundespersonals ist folgenden
Arbeitsbedingungen unterworfen: unregelmässige Arbeits-
zeit, Nacht- und Sonntagsdienst, ständige Dienstbereit-
schaft. Wir stehen jetzt wieder vor Weihnachten; der gröss-
te Teil der Eisenbahner und ein grosser Teil der PTT-Ange-
stellten kann nicht Weihnachten feiern wie andere Leute. All
diese Einschränkungen belasten das Personal körperlich
und psychisch ausserordentlich stark. Es ist immer sehr
liebenswürdig, wenn man dem Personal der beiden grossen
Bundesbetriebe, den PTT und den SBB, gute Noten erteilt
und sagt, wie gut und vorteilhaft ihre Leistungen seien. Ich
bin aber der Meinung, dass man dies nicht nur verbal tun
soll, sondern auch in Form der Zubilligung von Begehren in
bezug auf die Arbeitszeit.
Wie generell in der Arbeitswelt wird die Situation der
Beschäftigten in den Betrieben des Bundes und in der Ver-
waltung immer hektischer. Die Kräfte des Menschen wer-
den heutzutage rascher verzehrt. Die Berufskrankheiten
nehmen zu. Trotz gestiegener Lebenserwartung werden
viele Berufstätige vorzeitig von Herz- und Kreislaufschäden
befallen, dauernd invalid oder gar ihren Familien durch den
Tod vorzeitig entrissen. Es ist nicht nur eine menschliche,
sondern auch eine gesundheitspolitische, ja volkswirt-
schaftliche Forderung, diesen Kräfteverzehr zu bremsen.
Dies ist möglich, wenn die Erholungsphase für den Arbeit-
nehmer verlängert wird.
Zum zweiten Grund bzw. zum volkswirtschaftlichen Aspekt:
Die Arbeitszeitverkürzung ist ein wirksames Mittel zur
Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, weil die Arbeit auf mehr
Köpfe verteilt wird. Laut der Konjunkturforschungsstelle der
ETH soll die Zahl der statistisch erfassten Arbeitslosen
noch in diesem Winter auf 30 000 ansteigen. In den näch-
sten Jahren werden die geburtenstarken Jahrgänge auf den
Lehrstellenmarkt und auf den Arbeitsmarkt treten. Wir
haben grosse Bedenken, dass man gerade auf dem
Arbeitsmarkt zuwenig Möglichkeiten haben wird, um diese
jungen ausgebildeten Jahrgänge plazieren zu können.
Die Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 42 Stun-
den beim Bund bedingt bis 1986 rund 4000 zusätzliche Stel-
len. Wenn Kantone und Gemeinden dem Beispiel des Bun-
des folgen, werden nochmals rund 6000 Stellen geschaffen,
insgesamt also rund 10000 Arbeitsplätze, die in den näch-
sten Jahren dazu beitragen werden, die Arbeitslosigkeit zu
mildern. Die Arbeitszeitverkürzung ist billiger als die Kosten
der Arbeitslosigkeit, die sich nicht nur in Frankenbeträgen
bemessen lassen. Das Arbeitslosengeld kann die psychi-
sche Beeinträchtigung der Arbeitslosen und die negativen
Auswirkungen auf die von Arbeitslosigkeit betroffenen
Familien nicht beseitigen. Die rund 1000 zusätzlichen Stel-
len, die für 1983 bewilligt werden sollen, um die Arbeitszeit-
verkürzung für das Bundespersonal 1984 und 1985 durch-
zuführen, kosten 60 Millionen Franken. Dieser Betrag, der
gemessen am Budget des Bundes lediglich 0,3 Prozent
ausmacht und der zur Hälfte von den mit Gewinn arbeiten-
den PTT getragen wird, ist als bescheidener finanzieller Auf-
wand des Bundes zugunsten seines Personals und als
bescheidene Verbesserung der Arbeitsmarktlage zu
bezeichnen.
Die Arbeitnehmerorganisationen stehen geschlossen hinter
der Forderung nach Arbeitszeitverkürzung. Diese Forde-
rung ist nicht überrissen. Unser Land verfügt über eine ver-
antwortungsbewusste Arbeiterschaft. Dies konnten wir
gerade wieder in den letzten Tagen aufgrund einer interna-
tionalen Wertung erfahren. Wir haben aber ebenso verant-
wortungsbewusste Arbeitnehmerorganisationen.
Mit einem Nein zum Vorschlag des Bundesrates, die
Arbeitszeit zu verkürzen und bis zum Jahre 1986 um zwei
Stunden zu senken, diskriminieren und desavouieren wir
nicht nur das Personal, sondern auch deren Verbände. Die
vielgerühmte Sozialpartnerschaft scheint mir auf dem Spiel
zu stehen. Deshalb beantrage ich Ihnen auch im Namen der
sozialdemokratischen Fraktion, dem Bundesrat zuzustim-
men.
Guntern: Herr Bundesrat Ritschard hat vorhin Thomas
Mann zitiert, ich möchte in diesem Zusammenhang Erich
Kästner zitieren. Er sagt nämlich: «Man kann sich auch an
offenen Türen den Kopf einrennen.» In bezug auf das Pro-
blem, das wir heute diskutieren, ist es so, dass nach dem
Beschluss des Nationalrates kaum noch etwas geändert
werden kann.
Nun glaube ich persönlich aber doch, dass die Diskussion
in der Öffentlichkeit und in der letzten Woche im Nationalrat
so war, dass es sich rechtfertigt, noch zwei, drei Worte
zugunsten der Bundesbeamten zu verlieren. Ich möchte vor
allem zwei Tatsachen erwähnen, die meiner Ansicht nach
noch nicht genügend gewürdigt sind.
Die erste betrifft die Lohnverhältnisse der Bundesbeamten
verglichen mit privaten Angestellten. Man darf sicher davon
ausgehen, dass die Lohnverhältnisse unserer Bundesbeam-
ten gut sind, aber man darf auf der anderen Seite ebenso
betonen, dass sie keineswegs besser sind als in der Privat-
wirtschaft. Beim Bundespersonal, das ergibt sich aus einer
Untersuchung, die gemacht worden ist, sind lediglich die
Minimallöhne höher als in den privaten Unternehmungen.
Man liefert hierzu auch ein Beispiel. Bei den PTT verdient
lediglich 1 Prozent der Beschäftigten weniger als 27 000
Franken, d. h. es gibt wenige Angestellte bei den PTT, die
weniger als 27 000 Franken verdienen. Bei einer hier nicht
zu nennenden Dienstleistungsfirma verdienen 14 Prozent
weniger als 27 000 Franken, dieser Vergleich fällt also ein-
deutig zugunsten der Bundesangestellten aus. Bei den PTT
bezogen aber lediglich 0,04 Prozent mehr als 100 000 Fran-
ken, bei der viel kleineren Privatfirma erhalten demgegen-
über einige Hunderte über 100000 Franken.
Ich möchte das hier erwähnen, um darzulegen, dass die
Lohnverhältnisse beim Bundespersonal in Ordnung, aber
nicht übertrieben sind und dass somit von einer lohnmässi-
gen Privilegierung der Bundesbeamten nicht gesprochen
werden kann.
Eine zweite Bemerkung: Bei der Arbeitszeitverkürzung sind
die Bundesbeamten nicht die Schrittmacher, als die sie dar-
gestellt worden sind; denn es ist richtig, dass in der
Maschinenindustrie die 42-Stunden-Woche schon 1983 ein-
geführt wird und nicht erst 1985, wie dies vom Bundesrat
für das Bundespersonal geplant ist. Heute arbeitet bereits
ein Drittel der Arbeitnehmer weniger als 44 Stunden. Ich
glaube daher, dass es nicht ganz richtig ist, wenn man sagt,
dass hier der Bund eine Signalwirkung auslöst.
Eine dritte Bemerkung betrifft einen Punkt, der zugunsten
der Bundesbeamten ausfällt: die Sicherheit des Arbeitsplat-
zes. Es ist richtig, dass der Arbeitsplatz des Bundesbeam-
ten besser sichergestellt ist als derjenige irgendeines priva-
ten Angestellten. Erlauben Sie mir auf Parkinson hinzuwei-
sen, der sagt: «Die Vollbeschäftigung der Beamten ist
immer garantiert, denn Beamte schaffen sich gegenseitig
so viel Arbeit, dass sie ständig genug zu tun haben.» Ich
muss hinzufügen, dass das Parlament dabei auch wacker
mithilft.
Ich mache mir keine Illusionen über den Ausgang dieser
Abstimmung. Das Schicksal des Antrages, Herr Bundesrat,
das werden Sie auch wissen, ist entschieden, aber es wird
kein definitiver Entscheid sein. Es gibt meiner Ansicht nach
zahlreiche Möglichkeiten für differenziertere Varianten.
Auch bei der letzten Reallohnerhöhung wurden nicht alle
Beamten über einen Leisten geschlagen. Warum sollte es
nicht möglich sein, zumindest jenen Kategorien entgegen-
zukommen, deren Arbeitsbedingungen besonders hart und
wo die Rekrutierungsschwierigkeiten besonders gross
sind, d. h. vor allem bei den Betriebsdiensten. Herr Belser
hat dies vorhin ausgeschlossen. Ich persönlich würde dies
- Dezember 1982665
Voranschlag der Eidgenossenschaft 1983
eher als ersten Schritt ansehen, der meiner Ansicht nach in
der Budgetdebatte 1984 wieder diskutiert werden sollte.
Bundesrat Ritschard: Ich mache mir auch keine Illusionen,
aber das Unmögliche ist ja gelegentlich auch das, was noch
nie versucht worden ist, und deshalb möchte ich doch zwei
Worte sagen und die Gründe, die der Bundesrat hatte,
Ihnen diese Anträge zu stellen, kurz darlegen.
Ich kann Ihnen versichern, und Sie werden das auch von
jedem meiner Kollegen hören, dass wir die vielen Gründe,
die gegen die Arbeitszeitverkürzung sprechen, diskutiert
haben, insbesondere die finanziellen. Sie können sich vor-
stellen, dass diese insbesondere dem Finanzminister sehr
zu schaffen gemacht haben.
Wir haben unseren Beschluss nach vielen Diskussionen im
Bundesrat selber und nach schriftlichen Mitberichtsverfah-
ren, also Überlegungen, die die Departemente in aller Ruhe
gemacht haben, getroffen. Wir haben den Beschluss nach
intensiven Verhandlungen einer Dreierdelegation des Bun-
desrates mit den Personalverbänden gefasst. Wir hatten
eine Eingabe der Kantonsregierungen bzw. der Finanzdirek-
torenkonferenz, die wirklich sehr gewichtig und ernst zu
nehmen war, und Eingaben der Arbeitgeberorganisation,
also der Dachorganisation, zu berücksichtigen. Wir hatten
mit dieser Organisation, übrigens auch mit den Finanzdirek-
toren, sogar eine Besprechung durchgeführt. Trotzdem
sind wir zu unserem Antrag gekommen, nicht zuletzt des-
halb, weil wir befürchteten, dass die Sozialpartnerschaft,
die vom Bundesrat mit seinem Personal und den Verbänden
gepflegt wird, an dieser Sache, an der den Verbänden sehr
gelegen ist, zerbrechen könnte.
Die Fakten kamen von den Betrieben her, von den PTT, von
den SBB. Die Generaldirektionen und die Personaldirektio-
nen dieser Betriebe haben der bundesrätlichen Delegation
dargelegt, wie schwierig es geworden sei, besonders in den
Agglomerationen, in den grösseren Städten und industriali-
sierten Ortschaften, neues Personal zu rekrutieren. Sie
müssen bedenken, dass beide Betriebe des Bundes, SBB
und PTT, allein um die natürlichen Abgänge zu ersetzen,
jedes Jahr 7400 neue Leute suchen müssen. Dazu kommen
etwa 2600 in der Zentralverwaltung, zusammen gegen
10000 Leute, die jährlich neu rekrutiert werden müssen.
Sie wissen alle auch, dass bei jungen Leuten, wie sie heute
gesucht werden, die feste Anstellung, die der Bund bietet,
die Pensionsberechtigung, die anständige Besoldung, die
der Bund ausrichten kann, offensichtlich nicht mehr allein
massgebend sind. Wichtig ist vor allem bei jüngeren Leuten
die Freizeit geworden, und vor allem die Möglichkeit der
5-Tage-Woche, die wir beim fahrenden Personal wegen der
langen Wartezeiten nicht überall einführen können, weil wir
sonst die gesetzlichen Höchstarbeitszeiten überhaupt
überschreiten würden.
Es geht nicht um 12 Minuten weniger pro Tag; es geht
darum, überall, auch beim fahrenden oder anderwärts unre-
gelmässig tätigen Personal die 5-Tage-Woche einführen zu
können. Das spielt bei der Rekrutierung offenbar eine sehr
wichtige Rolle. Unsere Betriebe - so wurde uns erklärt -
kommen auf dem Arbeitsmarkt, der eben auch ein Markt ist,
ins Hintertreffen. Es ist jetzt ganz sicher etwas besser
geworden. Wir haben Rezession, sie wird andauern und
sich vielleicht noch verschärfen. Aber man muss bedenken:
Diese Arbeitszeitverkürzung soll ja, mit einer Stunde, erst
1984 und 1985 eingeführt werden. Wir hoffen alle, dass es
bis dahin besser sein wird.
Frau Lieberherr hat darauf hingewiesen, und ich möchte
das zur Entlastung des Bundesrates auch sagen: Wir haben
immer den Grundsatz hochgehalten, dass die Arbeitsbedin-
gungen und -Verhältnisse des Bundespersonals nicht als
Lokomotive funktionieren dürfen. In der Frage der Arbeits-
zeitverkürzung tun wir das nicht. Ein Drittel der in privaten
Betrieben angestellten Arbeitnehmer wird ab 1983 diese
42-Stunden-Woche haben. Das sind nicht nur irgendwelche
Kleinbetriebe, die sie einführen; auch die wichtigste Bran-
che unseres Landes, die Maschinenindustrie, wird sie ein-
führen, und zwar auf dem Wege des Gesamtarbeitsver-
trags.
Natürlich wissen wir, dass der Zeitpunkt ungünstig ist. Ich
habe es gesagt: Wir haben die Rezession, wir haben die
Finanzmisere. Wer könnte das negieren? Wir haben in den
letzten Jahren sehr, sehr viele Personalbegehren mit dieser
Begründung abgelehnt, lesen Sie die Personalzeitungen;
immer wieder haben wir dem Personal gesagt, dass es ein-
fach nicht gehe. Aber die Arbeitszeitverkürzung ist offen-
sichtlich zu einer zentralen, sehr ernsthaften gewerkschaft-
lichen Frage geworden. Man kann sie nicht einfach auf die
Seite schieben und erklären, dass wir kein Geld hätten. Für
die Gewerkschaften, und ich habe einiges Verständnis
dafür, geht das eben wirklich weiter.
Ich bin froh, dass es Herr Guntern gesagt hat: Unser Perso-
nal kann sich ganz sicher nicht über ungenügende Besol-
dungen beklagen, auch wenn ich behaupte, dass sie durch-
aus nicht über dem Mittel liegen. Dass aber der grosse Teil
von ihnen - vor allem das Personal in den Betrieben - eben
auch gerne die 5-Tage-Woche hätte, sollte man verstehen;
diese kann man aber nicht zugestehen aus den Gründen,
die ich erwähnt habe. Ich habe das im Nationalrat sehr weit-
läufig ausgeführt; das waren eben auch Fragen des partner-
schaftlichen Verhältnisses mit den Personalverbänden, das
wir für das Bundespersonal mit seiner Vielschichtigkeit als
Ordnungsfaktor doch sehr nötig haben. Ich glaube, jeder,
insbesondere auch der Bundesrat, versteht die Bedenken,
die in der Öffentlichkeit geäussert werden. Ich glaube, dass
vom grossen Teil des Bundespersonals, der 130000 Leute,
die hier arbeiten, diese Bedenken nicht einfach weggescho-
ben werden. Wir müssen also wirklich bedenken, dass wir
irgendwann einmal tun müssen, was die Privatwirtschaft
auch tut, nämlich die 42-Stunden-Woche realisieren.
Es gibt Gründe dafür, sie im jetzigen Zeitpunkt zu realisie-
ren. Frau Lieberherr hat sie erwähnt. Irgendwann einmal
werden wir diesen Schritt nachvollziehen müssen; man
kann sich durchaus auf den Standpunkt stellen, man sollte
es jetzt tun, weil wahrscheinlich in dieser Frage ein günsti-
ger Zeitpunkt überhaupt nie eintreten wird.
Ich bitte Sie im Namen des Bundesrates, der diese Sache
sehr ernsthaft behandelt hat - und zwar über mehr als ein
halbes Jahr hinweg -, diese Stellen zu bewilligen.
Abstimmung - Vote
Für den Antrag der Mehrheit 33 Stimmen
Für den Antrag der Minderheit 8 Stimmen
Präsident: Wir behandeln noch Position 614.373.02. Hier
beantragt Ihnen die Kommission Zustimmung zum
Beschluss des Nationalrates. Wird das Wort gewünscht? -
Das ist nicht der Fall.
Genehmigt - Approuvé
Hier wird die Beratung dieses Geschäftes unterbrochen
Le débat sur cet objet est interrompu
Schluss der Sitzung um 12.00 Uhr
La séance est levée à 12 h 00
85-S
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Voranschlag der Eidgenossenschaft 1983
Budget de la Confédération 1983
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans
Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In
Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1982
Année
Anno
Band
V
Volume
Volume
Session
Wintersession
Session
Session d'hiver
Sessione
Sessione invernale
Rat
Ständerat
Conseil
Conseil des Etats
Consiglio
Consiglio degli Stati
Sitzung
06
Séance
Seduta
Geschäftsnummer
82.052
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
07.12.1982 - 08:00
Date
Data
Seite
652-665
Page
Pagina
Ref. No
20 011 163
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