- Oktober 1983 N1487Postulat Ott
unterstrichen: ein Milizparlament, in dem vier Sprachen und
vier Kulturen vertreten sind. Über die Parlamentsarbeit hin-
aus wurde aber auch die Gelegenheit wahrgenommen, den
Aufenthalt der Parlamentarier in der Bundesstadt zu schil-
dern, der auch Vergnügliches aufweist. Der Film ist in deut-
scher, französischer, italienischer und englischer Sprache
realisiert worden.
- Das Büro erachtet diesen Film der SRG als ein den
Bedürfnissen des Parlamentes entsprechendes Informa-
tionsmittel. Es verzichtete deshalb vorläufig darauf, selbst
einen Film oder eine Tonbildschau in Auftrag zu geben. Die
SRG hat dem Parlament eine Anzahl Filmkassetten in allen
vier Sprachen zur Verfügung gestellt. Er kann auf Wunsch
im Parlamentsgebäude oder im Käfigturm abgespielt wer-
den. Die SRG wird den Film auch an die Schulfilmzentralen
weitergeben.
Antrag des Büros
Das Büro beantragt, von diesem Bericht Kenntnis zu neh-
men und das Postulat als erfüllt abzuschreiben.
Proposition du Bureau
Le Bureau propose de prendre acte du présent rapport et de
classer le postulat, l'objectif visé par celui-ci étant atteint.
Präsident: Auch dieses Postulat soll abgeschrieben werden.
HerrBremi lässt seinen Dank für die prompte Postulatserfül-
lung mitteilen. Sind Sie mit der Abschreibung einverstan-
den? Das ist der Fall.
Abgeschrieben - Classé
#ST# 80.461
Postulat Ott
Radio und Fernsehen. Parlamentsdebatten
Radio et télévision. Débats parlementaires
Herr Eng unterbreitet im Namen des Büros den folgenden
schriftlichen Bericht:
- Am 17.Juni 1980 reichte Herr Nationalrat Ott ein Postulat
mit folgendem Wortlaut ein:
«Da zur Funktionsfähigkeit und Vitalität einer Demokratie
auch die Vertrautheit des Bürgers mit der Arbeit seiner
Volksvertretung gehört, da es paradox anmutet, wie wenig
bei uns zu diesem Ziele getan wird und wie zum Beispiel in
der deutschen Schweiz der westdeutsche Bundestag in
weiten Kreisen viel populärer ist als das eigene Parlament,
von dem man nur wenig zu sehen und zu hören bekommt,
ist im Einvernehmen mit den Programmverantwortlichen
der Medien zu prüfen, wie durch Direktaufnahmen oder
Aufzeichnungen wichtige Parlamentsdebatten in grösserem
Umfang als bisher durch Fernsehen und Radio an den
Bürger herangetragen werden können.»
Der Nationalrat hat das Postulat auf Antrag des Büros am
- Dezember 1980 entgegengenommen.
- Zur Prüfung des Anliegens beschloss das Büro - in
Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Radio- und Fern-
sehgesellschaft SRG und dem Büro des Ständerates - ver-
suchsweise während eines Jahres (vier Sessionen) eine
Direktübertragung pro Session durchzuführen. Das Konzept
sah vor, abwechslungsweise aus dem National- und Stände-
rat eine für das Fernsehpublikum interessante Debatte
direkt zu übertragen. Die Übertragung soll von den Fernseh-
journalisten nur minimal moderiert und die anderssprachi-
gen Voten simultan übersetzt werden.
- Eine erste Direktübertragung fand am 9./1 O.März 1982
statt, und zwar jene der Debatte zum Umweltschutzgesetz.
Die Eintretensdebatte zum Umweltschutzgesetz wurde aus-
gewählt in der Meinung, dass der Umweltschutz einen gros-
sen Teil der Bürger interessiere und dass eine interessante
Debatte mit unterschiedlichen Standpunkten zu erwarten
sei.
Die Übertragung wurde am 9. März um 7.55 Uhr morgens mit
einer kurzen Einführung der SRG eröffnet. Die Debatte
wurde anschliessend mit wenigen Kommentaren betreffend
Arbeitsweise des Rates, Funktion und Person der Sprecher,
Stand der Rednerliste usw. begleitet. Die anderssprachigen
Voten wurden im Deutschschweizer Fernsehen simultan
übersetzt, im welschen und Tessiner Fernsehen entweder
durch den Kommentar zusammenfassend wiedergegeben
oder im Originalton übertragen. Eine Abweichung vom
Übertragungskonzept ergab sich durch die lange Rednerli-
ste. Da keine organisierte Debatte durchgeführt und die
Rednerliste gegen 50 Redner enthielt, beschloss die SRG,
am nächsten Morgen die Übertragung fortzusetzen.
Das Echo auf diese Direktübertragung war in der Presse mit
einigen ablehnenden Ausnahmen zurückhaltend positiv,
obwohl die Übertragung fast einhellig als zu langweilig und
ausgedehnt beurteilt wurde. Da und dort wurde auch der
Verdacht geäussert, dass die Parlamentarier «zum Fenster
hinaus» geredet haben.
Ein sehr positives Bild ergab die Zuschauerbefragung des
wissenschaftlichen Dienstes der SRG. Etwa 5 Prozent des
Gesamtpublikums in der ganzen Schweiz haben die Debatte
-wenn auch zum Teil nur während kurzer Zeit-mitverfolgt.
Demnach beträgt der weiteste Seherkreis 230000
Zuschauer. Dieses Ergebnis darf als Erfolg betrachtet wer-
den, sind doch nur 18 Prozent des Publikums an Politik
interessiert und nur 17,6 Prozent an Vormittagen für das
Fernsehen frei. Die Umfrage ergab auch, dass die überwie-
gende Mehrheit des weitesten Seherkreises die Direktüber-
tragung von Parlamentsdebatten begrüsst, vor allem, wenn
es um wichtige Themen geht. Etwa 40 Prozent der Gesamt-
zuschauerschaft würden es auch begrüssen, wenn das
Fernsehen Ausschnitte von Debatten am Abend zeigen
würde.
- In der Sommersession 1982 war die Reihe für die Direkt-
übertragung am Ständerat. Der Antrag seines Büros, für die
Debatte über die Verkehrsabgaben die Direktübertragung
zu gestatten, wurde aber vom Rat mit 14 zu 22 Stimmen
abgelehnt. Der Sprecher der ablehnenden Mehrheit vertrat
seinen Antrag wie folgt: «Wenn wir uns mit einem solchen
Vorhaben nicht so ganz befreunden können, so nicht etwa
deshalb, weil wir den Kontakt und die Mitarbeit der Medien
und insbesondere auch des Fernsehens ablehnen, sondern
deshalb, weil wir gerade diese Mitarbeit wünschen und
suchen. Und wenn ich sage Mitarbeit, so meine ich Mit-
Arbeit. Wir meinen damit eine Eigenleistung des Fernse-
hens, welche zusammenfasst, bedeutsame Ausschnitte wie-
dergibt, kommentiert, analysiert, Stimmungsbilder vermittelt
und vielleicht auch unsere Ambiance anschaulich schildert.
Wir möchten, dass ein Bild unserer Arbeit vermittelt wird,
wie sie sich tatsächlich und unter alltäglichen Bedingungen
abspielt. Dieses Bild und diese Bedingungen werden aber
gerade durch die Tatsache und das Bewusstsein der Rats-
mitglieder, dass sie Schauobjekt einer solchen Übertragung
sind, verfälscht.» («Amtliches Bulletin» SR 1982 Seite 212).
Der Sprecher betonte in seinem Votum auch, dass eine Aus-
dehnung der Berichterstattung über beide Räte durch das
Fernsehen, insbesondere in Abendsendungen, anzustreben
sei. Solche Abendsendungen mit Ausschnitten aus Parla-
mentsdebatten wären fernsehgerechter und einem grösse-
ren Publikum zugänglich.
- In der Herbstsession 1982 wurde auch vom Nationalrat
eine Direktübertragung abgelehnt. Sie scheiterte daran,
dass zur rationellen Gestaltung der Debatte über die Wirt-
schaftslage von der Fraktionspräsidentenkonferenz eine
Redezeitbeschränkung beantragt wurde.
- Die SRG hat in der Zwischenzeit aus den Diskussionen
über die Parlamentsberichterstattung erste Konsequenzen
bezogen und im Herbst 1982 die tägliche 15- bis20minütige
Postulat Ott 1488 N 6 octobre 1983
Sessionssendung «Bericht aus Bern» wieder eingeführt.
Darin werden die Debatten des National- und Ständerates
kommentiert und ausschnittweise wiedergegeben.
Antrag des Büros
Aufgrund der ablehnenden Haltung der Räte gegenüber
Direktübertragungen von Ratsdebatten und aufgrund der
vermehrten Berichterstattung über das Parlament im Fern-
sehen beantragt das Büro dem Rat, das Postulat abzu-
schreiben.
Proposition du Bureau
Se fondant sur l'attitude négative des conseils à l'égard des
transmissions directes des débats parlementaires et eu
égard à l'accroissement constaté de l'information isur les
travaux des Chambres fédérales, le Bureau propose au
conseil de classer ce postulat.
Präsident: Herr Ott ist mit dem Antrag auf Abschreibung
einverstanden. Sie haben in diesem Sinne beschlossen.
Abgeschrieben - Classé
Schluss der Sitzung um 13.00 Uhr
La séance est levée à 13 h 00
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften
Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées
Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Postulat Ott Radio und Fernsehen. Parlamentsdebatten
Postulat Ott Radio et télévision. Débats parlementaires
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung
Dans
Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In
Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1983
Année
Anno
Band
IV
Volume
Volume
Session
Herbstsession
Session
Session d'automne
Sessione
Sessione autunnale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
14
Séance
Seduta
Geschäftsnummer
80.461
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
06.10.1983 - 08:00
Date
Data
Seite
1487-1488
Page
Pagina
Ref. No
20 011 825
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