Steuerrekursgericht des Kantons Zürich 2. Abteilung
Entscheid
Mitwirkend: Einzelrichter Christian Mäder und Gerichtsschreiberin Christina Hefti
In Sachen
gegen
betreffend Direkte Bundessteuer 2013 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2013
hat sich ergeben:
A. A, geb. 1929, und seine Ehefrau B (geb. 1930; nachfolgend die Pflichtigen) wohnen im Alterszentrum D in E. In der Steuererklärung 2013 deklarierten sie ein steuerbares Einkommen von Fr. 89'600.- (direkte Bundessteuer) bzw. Fr. 89'500.- (Staats- und Gemeindesteuern) sowie ein steuerbares Vermögen von Fr. 833'000.-. Bei den Abzügen machten sie unter anderem Krankheitskosten im Umfang von Fr. 12'797.- geltend, von denen Fr. 10'800.- auf Betreuungskosten entfielen.
Mit Veranlagungsverfügung und Einschätzungsentscheid vom 2. Juli 2015 liess der Steuerkommissär die Betreuungskosten nicht zum Abzug zu. Dementspre- chend setzte er das steuerbare Einkommen mit Fr. 100'900.- (direkte Bundessteuer sowie Staats- und Gemeindesteuern) fest; das steuerbare Vermögen belief sich auf Fr. 833'000.-.
B. Eine von den Pflichtigen hiergegen erhobene Einsprache wies das kanto- nale Steueramt am 23. September 2015 ab.
C. Mit Beschwerde und Rekurs vom 16./17. Oktober 2015 liessen die Pflichti- gen dem Steuerrekursgericht beantragen, die Betreuungskosten in der deklarierten Höhe von Fr. 10'800.- einkommensmindernd zu berücksichtigen.
In seiner Beschwerde-/Rekursantwort vom 10. November 2015 schloss das kantonale Steueramt auf Abweisung der Rechtsmittel.
Auf die Erwägungen der Einspracheentscheide und die Parteivorbringen wird – soweit wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen zurückgekommen.
Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
Das Kreisschreiben Nr. 11 der Eidgenössischen Steuerverwaltung (EStV) vom 31. August 2005 betreffend Abzug von Krankheits- und Unfallkosten sowie von behin- derungsbedingten Kosten (nachfolgend Kreisschreiben) definiert die behinderte Person wie folgt (Ziffer 4.1):
"Ein Mensch mit Behinderung ist eine Person, der es eine voraussichtlich dauernde körperliche, geistige oder psychische Beeinträchtigung erschwert oder verunmöglicht, alltägliche Verrichtungen vorzunehmen, soziale Kontakte zu pflegen, sich fortzubewe- gen, sich aus- und fortzubilden oder eine Erwerbstätigkeit auszuüben. Die Beeinträch- tigung ist dauernd, wenn sie bereits während mindestens eines Jahres die Ausübung der genannten Tätigkeiten verunmöglicht oder erschwert hat oder voraussichtlich wäh- rend mindestens eines Jahres verunmöglichen oder erschweren wird. Die Einschrän- kung der alltäglichen Verrichtungen, des sozialen Lebens, der Aus- und Weiterbildung oder der Erwerbstätigkeit muss ihre Ursache in der körperlichen, geistigen oder psy- chischen Beeinträchtigung haben (kausaler Zusammenhang).
Als behinderte Personen gelten in jedem Fall:
a) Bezüger von Leistungen gemäss dem Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959;
b) Bezüger von Hilflosenentschädigungen im Sinne von Artikel 43 bis des Bundesgeset- zes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) vom 20. Dezember 1946, von Art. 26 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 20. März 1981 und von Art. 20 des Bundesgesetzes über die Militärversicherung (MVG) vom 19. Juni 1992;
c) Bezüger von Hilfsmitteln im Sinne von Artikel 43 ter AHVG, von Art. 11 UVG und von Art. 21 MVG;
d) Heimbewohner und Spitex-Patienten, für die ein Pflege- und Betreuungsaufwand von mindestens 60 Minuten pro Tag anfällt.
Bei Personen, welche keiner der vorangehenden Personengruppen zugeordnet wer- den können, ist in geeigneter Weise (z.B. mit Hilfe eines Fragebogens; Muster in der Beilage) zu ermitteln, ob eine Behinderung vorliegt.
Eine leichte Beeinträchtigung, deren Auswirkungen – wie etwa bei einer Seh- oder Hörschwäche – durch ein Hilfsmittel einfach behoben werden können (Brille oder Hör- gerät), gilt nicht als Behinderung. Dasselbe gilt, wenn die Beeinträchtigung einzig darin besteht, dass die betroffene Person eine Diät einhalten muss ..."
Als behinderungsbedingt gelten laut Ziffer 4.2 Kreisschreiben die notwendigen Kosten, die als Folge der Behinderung nach Ziffer 4.1 entstehen und weder Lebenshal- tungs- noch Luxusausgaben darstellen. Behinderungsbedingt sind gemäss Ziffer 4.3 insbesondere Assistenzkosten, Kosten für Haushaltshilfen und Kinderbetreuung, Kos- ten für den Aufenthalt in Tagesstrukturen, Kosten für Heim- und Entlastungsaufenthal- te, Kosten für heilpädagogische Therapien und Sozialrehabilitationsmassnahmen, Transport- und Fahrzeugkosten, Kosten für Blindenführhunde, Kosten für Hilfsmittel, Pflegeartikel und Kleider, Wohnkosten sowie Kosten für Privatschulen.
Das Merkblatt des kantonalen Steueramtes Zürich zu den Abzügen der Krankheits- und Unfallkosten sowie der behinderungsbedingten Kosten vom 19. Juli 2005 (ZStB I Nr. 19/000; nachfolgend Merkblatt) enthält entsprechende Rege- lungen für die Staats- und Gemeindesteuern. Hinsichtlich der Personen mit Behinde- rungen statuiert Ziffer 3b Folgendes:
"Eine Behinderung im vorliegenden Sinne setzt eine schwere und voraussichtlich dau- ernde körperliche, geistige oder psychische Beeinträchtigung voraus, die es 'erschwert oder verunmöglicht, alltägliche Verrichtungen vorzunehmen, soziale Kontakte zu pfle- gen, sich fortzubewegen, sich aus- und fortzubilden oder eine Erwerbstätigkeit auszu- üben' (Art. 2 Abs. 1 des Behindertengleichstellungsgesetzes).
Als Personen mit Behinderungen, bei denen behinderungsbedingte Kosten anfallen, gelten im Wesentlichen:
• Bezüger von Hilflosenentschädigungen auf Grund der Bundesgesetze über die Al- ters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG), die Unfallversicherung (UVG) und die Militärversicherung (MVG)
• Bezüger von Leistungen auf Grund des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche- rung (IVG)
• Bezüger von Hilfsmitteln auf Grund der Bundesgesetze über die Alters- und Hinter- lassenenversicherung (AHVG), die Unfallversicherung (UVG) und die Militärversiche- rung (MVG)
• Heimbewohner und Spitex-Patienten, bei denen ein täglicher Pflege- und Betreu- ungsaufwand von 60 Minuten und mehr anfällt
Im Kanton Zürich gelten Bewohner von Alters- und Pflegeheimen als Personen mit Behinderungen:
• im BESA-System (BewohnerInnen-Einstufungs- und Abrechnungssystem) ab BESA- Stufe 2;
• im RAI/RUG-System (Resident Assessment Instrument) in allen Gruppen mit Aus- nahme der RUG-Gruppen PA0 (P00) und PAA (PA1).
In Fällen, in denen aufgrund der Einstufung nach dem Abrechnungssystem über die Pflegekosten unklar ist, ob ein täglicher Pflege- und Betreuungsaufwand von 60 Minu- ten und mehr anfällt, kann auch dann auf eine Behinderung geschlossen werden, wenn auf andere Art, z.B. über eine begründete Bestätigung der Pflegeeinrichtung, ein sol- cher Pflege- und Betreuungsaufwand nachgewiesen wird. Ein solcher Fall ist etwa denkbar, wenn ein täglicher Pflege- und Betreuungsaufwand von weniger als 60 Minu- ten abgerechnet, jedoch nachgewiesen wird, dass der tägliche Aufwand unter Berück- sichtigung der Pflege und Betreuung durch nahestehende Personen 60 Minuten und mehr beträgt."
b) Krankheitskosten sowie behinderungsbedingte Kosten im Sinn von Art. 33 Abs. 1 lit. h und lit. h bis DBG bzw. § 32 lit. a StG stellen steuermindernde Tatsachen dar, welche gemäss den allgemeinen Beweislastregeln vom Steuerpflichtigen darzutun und nachzuweisen sind (RB 1987 Nr. 35, auch zum Folgenden). Der Steuerpflichtige hat bis zum Ablauf der Rechtsmittelfrist die zum Beweis für seine Darstellung erforder- lichen Beweismittel einzureichen oder zumindest anzubieten (RB 1986 Nr. 49). Fehlt es an einer hinreichenden Sachdarstellung oder Beweismittelofferte, trifft das Steuer- rekursgericht keine weitere Untersuchungspflicht. Es hat den Steuerpflichtigen weder
zur Ergänzung seiner mangelhaften Sachdarstellung noch zur Beibringung besserer Beweismittel anzuhalten.
b) Die Pflichtigen bringen zur Begründung von Beschwerde und Rekurs vor, aufgrund des Schlussberichts des BAG dürfe nicht zwischen Pflege- und Betreuungs- kosten unterschieden werden. Dies leuchte deswegen ein, weil im hektischen Alltag eines Alters- und Pflegeheims eine klare Zuordnung der entstehenden Kosten nicht praktikabel sei. Die von ihnen bezahlten Betreuungskosten seien eine Quersubventio- nierung der Pflegekosten. Dies sei durch den Umstand bedingt, dass der Ehemann körperlich noch leistungsfähig sei und Pflegeleistungen an seiner Ehefrau selber erbringe, welche durchaus schon "BESA-Stufen würdig" seien. Unter diesen Umstän- den wäre es stossend, wenn die ihnen erwachsenden Betreuungskosten nicht als be- hinderungsbedingte Kosten voll zum Abzug zugelassen würden.
c) Dem hält das kantonale Steueramt in der Beschwerde-/Rekursantwort ent- gegen, aus der Bestätigung vom Alterszentrum D gehe einzig hervor, dass die Pflege- kosten-Stufe 0 bei der Pflichtigen nur deshalb zum Zug komme, weil der Ehemann fast ausschliesslich für die tägliche Pflege der Ehefrau besorgt sei. Jedoch bleibe unklar, in welcher BESA-Stufe die Ehefrau ohne die Hilfe ihres Gatten eingestuft wäre.
b) Entgegen der Auffassung der Pflichtigen gelten somit steuerrechtlich gese- hen nicht alle Bewohner von Alters- und Pflegeheimen als behindert, sondern nur dann, wenn der tägliche Pflegeaufwand mindestens 60 Minuten beträgt oder im BESA- System mindestens die Stufe 2 erreicht hat. Mit Bezug auf den Ehemann ist kein Pfle- geaufwand erforderlich. Was die Ehefrau betrifft, kommt die Stufe 0 nur deswegen zum Zug, weil gemäss Bestätigung des Alterszentrums D vom ... 2015 der Ehemann für die tägliche Pflege besorgt ist. Nach dem in E. 1a a.E. Gesagten fällt die Berücksichtigung von Pflegeaufwand auch dann in Betracht, wenn dieser durch nahestehende Personen erbracht wird. Indessen geht weder aus dieser summarischen Bestätigung noch aus
den übrigen Akten hervor, ob der Pflegeaufwand für die Ehefrau in der vorliegend massgebenden Steuerperiode 2013 bereits die Stufe 2 erreicht hat oder nicht.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung von Beschwerde und Rekurs.
c) Abschliessend ist anzufügen, dass das Steuerrekursgericht wie die Vorin- stanz an die massgebenden, vorne wiedergegebenen Rechtsgrundlagen gebunden ist. Soweit die Pflichtigen Kritik am hiesigen System der Pflegefinanzierung üben, liegt es am Gesetzgeber, dieses zu ändern.
Demgemäss erkennt der Einzelrichter:
Die Beschwerde wird abgewiesen.
Der Rekurs wird abgewiesen.
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