Legal aid denied for maintenance claim at conciliation stage

VO150049Obergericht19.03.2015Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

A filed a request for free legal aid and appointed counsel for a maintenance action against B._____ before the conciliation stage. The Obergericht president held that the applicant’s disclosed assets of CHF 25,787 were sufficient to cover the relatively modest costs of conciliation and any related legal expenses. Because he was not needy, the request was denied without examining the merits’ prospects or the necessity of counsel. The court also noted that the legal-aid proceeding itself is cost-free and that a fresh application could be made later before the district court.

Omnilex-Regeste

Art. 117, 118 Abs. 1 lit. c, 119 Abs. 2–6 ZPO; unentgeltliche Rechtspflege im Schlichtungsverfahren: Bei Gesuchen vor Klageeinreichung sind an die Bedürftigkeit strenge Anforderungen zu stellen, da die Kosten des Schlichtungsverfahrens beschränkt sind und ein Überschuss an Einkommen oder frei realisierbarem Vermögen bereits zur Finanzierung genügt. Die gesuchstellende Person trägt eine umfassende Mitwirkungslast zur Darlegung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse; bei ungenügender Substantiierung ist das Gesuch abzuweisen. Ein unentgeltlicher Rechtsbeistand ist im Schlichtungsverfahren nur bei besonderen Umständen notwendig. Sind die Voraussetzungen der Bedürftigkeit nicht erfüllt, erübrigt sich die Prüfung der Aussichtslosigkeit und der Notwendigkeit des Beistands.

Gesamter Gesetzestext

Obergericht des Kantons Zürich Präsident

Geschäfts-Nr.: VO150049-O/U

Mitwirkend: Der Obergerichtspräsident lic. iur. R. Naef sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. A. Leu

Urteil vom 19. März 2015

i n Sachen

A._____, Gesuchsteller

betreffend Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege

Erwägungen: 1. Ausgangslage 1.1. Mit Eingabe vom 8. März 2015 stellte A._____ (nachfolgend: Gesuchsteller) beim Präsidenten des Obergerichts des Kantons Zürich ein Gesuch um un- entgeltliche Rechtspflege und unentgeltliche Rechtsverbeiständung für eine Klage gegen B._____ betreffend Unterhaltsleistungen (act. 1). Ob die Klage bei der zuständigen Schlichtungsbehörde bereits anhängig gemacht wurde, geht aus dem Gesuch nicht hervor. 1.2. Im Schlichtungsverfahren werden gemäss Art. 113 Abs. 1 ZPO keine Partei- entschädigungen gesprochen, weshalb auch eine Sicherheit für die Partei- entschädigung i.S.v. Art. 99 ZPO nicht zur Frage steht. Die Gegenpartei ist daher gemäss Art. 119 Abs. 3 ZPO e contrario nicht zwingend anzuhören. 2. Beurteilung des Gesuchs 2.1. Für die Beurteilung von Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege vor Ein- reichung der Klage bei Gericht ist gemäss § 128 GOG der Obergerichtsprä- sident im summarischen Verfahren (Art. 119 Abs. 3 ZPO) zuständig. Die un- entgeltliche Rechtspflege ist gemäss Art. 119 Abs. 5 ZPO vor jeder Instanz neu zu beantragen, weshalb der Obergerichtspräsident diese bei Vorliegen der Anspruchsvoraussetzungen nur bis zum Abschluss des Schlichtungsver- fahrens bewilligen kann. 2.2. Eine Person hat Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn sie einer- seits nicht über die erforderlichen Mittel verfügt (sog. "Mittellosigkeit" oder "Bedürftigkeit") und andererseits ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos er- schei nt (Art. 117 ZPO). Ein Anspruch auf die gerichtliche Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes setzt sodann zusätzlich voraus, dass dies zur Wahrung der Rechte notwendig ist (Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO). Die Mittellosigkeit wird gemeinhin dann bejaht, wenn der Aufwand des not- wendigen Lebensunterhalts (sog. "zivilprozessualer Notbedarf") das mass-

gebliche Einkommen übersteigt bzw. aus der Differenz nur ein kleiner Über- schuss resultiert, welcher es der gesuchstellenden Person nicht erlauben würde, die Prozesskosten innert nützlicher Frist zu bezahlen. Nebst dem Einkommen ist auch das Vermögen zur Bestreitung des Prozessaufwands einzusetzen. Zu berücksichtigen ist vorhandenes Vermögen jeglicher Art, soweit es effektiv verfügbar, realisierbar und sein Verbrauch zumutbar ist. Als Lebensaufwandkosten sind grundsätzlich zu berücksichtigen der Grund- betrag, rechtlich geschuldete Unterhaltsbeiträge, Wohnkosten, obligatori- sche Versicherungen, Transportkosten zum Arbeitsplatz, Steuern sowie Verpflichtungen gegenüber Dritten, wenn sie tatsächlich erfüllt werden (Em- mel in: Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Sutter- Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Zürich/Basel/Genf 2013, Art. 117 N 9). Massgebend sind die wirtschaftlichen Verhältnisse im Zeitpunkt der Gesuchstellung (Emmel, a.a.O., Art. 117 N 4). 2.3. Bei der Beurteilung der Bedürftigkeit bei Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege für das Schlichtungsverfahren sind sehr strenge Massstäbe anzulegen: Einerseits sind die in einem Schlichtungsverfahren entstehenden Kosten – anders als vor einer Gerichtsinstanz – sehr beschränkt und können deshalb bereits bei einem relativ geringen Überschuss des Einkommens und Vermögens über den zivilprozessualen Notbedarf bestritten werden. Ande- rerseits braucht es ganz besondere Umstände, damit die Bestellung eines Rechtsbeistandes im Schlichtungsverfahren gemäss Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO als notwendig erscheint. 2.4. Die gesuchstellende Person hat gemäss Art. 119 Abs. 2 ZPO die zur Beur- teilung ihres Gesuchs relevanten Einkommens- und Vermögensverhältnisse umfassend darzulegen - es trifft sie bei der Abklärung der wirtschaftlichen Verhältnisse eine umfassende Mitwirkungspflicht. Kommt sie dieser Mitwir- kungspfli cht ni cht oder nur ungenügend nach und kann als Folge davon ihre Bedürftigkeit nicht hinreichend beurteilt werden, ist der Anspruch um unent- geltliche Rechtspflege zu verweigern (BGE 120 Ia 179).

2.5. Dem Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege gehen - auch bei Mündigkeit der sich in einer Erstausbildung befindenden gesuchstellenden Person - all- fällige gesetzliche Unterhaltspflichten wie bspw. die Unterhaltspflicht der El- tern für ihre Kinder gemäss Art. 276 ff. ZGB vor (vgl. BGE 127 I 202), wes- halb vorliegend grundsätzlich zu prüfen wäre, ob der Gesuchsteller nicht auf der Grundlage solcher Verpflichtungen die nötigen finanziellen Mittel erhält- lich machen könnte. Konkret wären die finanziellen Verhältnisse der Mutter des Gesuchstellers in die Beurteilung seiner Mittellosigkeit einzubeziehen. Da das Gesuch aber - wie nachfolgend zu zeigen sein wird - ohnehi n abzu- weisen ist, erübrigen sich diesbezügliche Abklärungen. 2.6. Zu seinen finanziellen Verhältnissen führt der Gesuchsteller aus, er sei als Student einkommenslos, verfüge aber über ei n Vermögen von Fr. 25'787.-. Seine Auslagen für Miete, Versicherungen, Krankenkassenprämien KVG, Ausbildung, Essen sowie für persönliche Bedürfnisse wie Coiffeur, Ferien und Kleider beliefen sich auf Fr. 3'700.- pro Monat (act. 1 S. 2 f.). Der Ge- suchsteller hat zwar davon abgesehen, seine notwendigen Lebenshaltungs- kosten zu belegen. Eine Fristansetzung zur Nachreichung der massgebli- chen Dokumente erweist sich aber nicht als nötig. Der Steuererklärung 2014 kann entnommen werden, dass der Gesuchsteller über Wertschriften und Guthaben von Fr. 25'787.- verfügt (act. 2 S. 4). Selbst unter Berücksichti- gung der Tatsache, dass er einkommenslos ist, kann i hm zugemutet wer- den, die relativ geringen Kosten des Schlichtungsverfahrens sowie die damit zusammenhängenden anwaltlichen Aufwendungen aus seinem Vermögen zu begleichen. Damit besteht vorliegend keine Bedürftigkeit des Gesuchstel- lers und ist das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbei- ständung abzuwei sen. Auf ei ne Prüfung der weiteren Anspruchsvorausset- zungen der fehlenden Aussichtslosigkeit des Begehrens in der Hauptsache sowie der Notwendigkeit einer unentgeltlichen Rechtsverbeiständung kann unter diesen Umständen verzichtet werden. Dem Gesuchsteller ist es jedoch unbenommen, bei einem allfälligen Verfahren vor Bezirksgericht erneut um die unentgeltliche Rechtspflege zu ersuchen.

  1. Kosten und Rechtsmittel 3.1. Gemäss Art. 119 Abs. 6 ZPO ist das Verfahren um unentgeltliche Rechts- pflege kostenlos. 3.2. Wird die unentgeltliche Rechtspflege ganz oder teilweise abgelehnt oder entzogen, so kann die gesuchstellende Person den Entscheid mit Be- schwerde gemäss Art. 121 ZPO beim Obergericht anfechten. Dass vorlie- gend der Obergerichtspräsident über das Gesuch befindet, vermag daran nichts zu ändern. Der Obergerichtspräsident fällt in diesem Verfahren einen erstinstanzlichen Entscheid i.S.v. Art. 319 lit. b ZPO und fungi ert ni cht als obere kantonale Instanz, gegen deren Entscheide lediglich ein Rechtsmittel ans Bundesgericht gegeben wäre.

Es wird erkannt: 1. D as Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Be- stellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes für die Klage des Gesuch- stellers gegen B._____ betreffend Unterhalt wird abgewiesen. 2. Das obergerichtliche Verfahren ist kostenlos. 3. Schriftliche Mitteilung an den Gesuchsteller, gegen Empfangsschein. 4. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid kann innert 10 Tagen von der Zustellung an im Doppel und unter Beilage dieses Entscheids beim Oberge- ri cht des Kantons Züri ch, Zi vi lkammern, Postfach 2401, 8021 Zürich, einge- reicht werden. In der Beschwerdeschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen. Allfällige Urkunden sind mit zweifachem Verzeichnis beizulegen. Die gesetzlichen Fristenstillstände gelten nicht (Art. 145 Abs. 2 ZPO).

Züri ch, 19. März 2015 __________________________________ OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. A. Leu

versandt am:

Schlagwörter

legal aidindigenceconciliation proceedingsappointed counselmaintenance claimassetsburden of substantiationcost-free proceedings

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the applicant was entitled to free legal aid and appointed counsel for a maintenance claim in conciliation proceedings.

Extrahierter Entscheid

No. His assets of CHF 25,787 made it reasonable to pay the comparatively low conciliation and legal costs, so he was not needy.

Extrahierte Begründung

Legal aid requires indigence and a non-frivolous claim; appointed counsel also requires necessity. In conciliation proceedings, particularly strict standards apply because costs are limited and counsel is rarely necessary. The applicant bore the burden of substantiating income and assets, and his own tax return showed sufficient liquid assets.

Kernrechtsfrage

Whether court costs were to be charged for the legal-aid proceeding.

Extrahierter Entscheid

No. The legal-aid proceeding is free of charge.

Extrahierte Begründung

Art. 119(6) ZPO provides that proceedings on legal aid are cost-free.

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