Inadmissibility of retroactive legal aid request

VO150029Obergericht02.03.2015Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

A man asked the Zurich High Court for retroactive legal aid for conciliation proceedings before the Dübendorf peace justice in a child-support modification dispute. The court held that legal aid generally operates only from the filing date and does not cover already paid costs; since the conciliation fee of CHF 65 had already been paid and no further costs were pending, there was no interest in retroactive relief. The court therefore did not enter on the request. It also held that the legal-aid procedure itself is free of charge.

Omnilex-Regeste

Art. 119 ZPO; retroactive legal aid for conciliation proceedings; admissibility and legal interest. Legal aid in civil proceedings takes effect, as a rule, only from the date of the request and does not retroactively exempt a party from costs already incurred and paid. Where the conciliation proceedings are concluded and no further costs can arise, the requesting party lacks a present practical interest in retroactive legal aid, so that the court will not enter into the request (consid. 2.2). A request for legal aid for subsequent judicial proceedings must be filed with the competent court of first instance; the appellate court dealing with the pre-litigation stage is competent only until the end of conciliation (consid. 2.1). Proceedings on legal aid are free of charge (Art. 119 Abs. 6 ZPO).

Gesamter Gesetzestext

Obergericht des Kantons Zürich Präsidium

Geschäfts-Nr.: VO150029-O/U

Mitwirkend: Der Obergerichtspräsident lic. iur. R. Naef sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. A. Gürber

Urteil vom 2. März 2015

i n Sachen

A._____, Gesuchsteller

betreffend Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege

Erwägungen: 1. Ausgangslage 1.1. A._____ (nachfolgend: Gesuchsteller) reichte beim Friedensrichteramt Dü- bendorf ein Schlichtungsgesuch ein betreffend eine Klage gegen seine Tochter B._____ auf Abänderung des Unterhaltsbeitrages (act. 2/2). D i e Schli chtungsver- handlung fand am 16. Dezember 2014 statt, wobei zwischen den Parteien keine Einigung erzielt werden konnte. Dem Gesuchsteller wurde die Klagebewilligung ausgestellt. Die Kosten des Schlichtungsverfahren wurden auf Fr. 65.- festgesetzt und dem Gesuchsteller auferlegt (act. 2/4). 1.2. Mit Eingabe vom 6. Februar 2015 (Datum Poststempel: 12. Februar 2015) ersuchte der Gesuchsteller um (rückwirkende) Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Schlichtungsverfahren vor dem Friedensrichteramt D üben- dorf (act. 1). 1.3. Im Schlichtungsverfahren werden gemäss Art. 113 Abs. 1 ZPO keine Par- teientschädigungen gesprochen, weshalb auch eine Sicherheit für die Parteient- schädigung i.S.v. Art. 99 ZPO nicht zur Frage steht. Die Gegenpartei ist daher gemäss Art. 119 Abs. 3 ZPO e contrario nicht zwingend anzuhören. 2. Beurteilung des Gesuchs 2.1. Für die Beurteilung von Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege vor Ein- reichung der Klage bei Gericht ist gemäss § 128 GOG der Obergerichtspräsident im summarischen Verfahren (Art. 119 Abs. 3 ZPO) zuständig. Die unentgeltliche Rechtspflege ist gemäss Art. 119 Abs. 5 ZPO vor jeder Instanz neu zu beantra- gen, weshalb der Obergerichtspräsident die unentgeltliche Rechtspflege bei Vor- liegen der Anspruchsvoraussetzungen nur bi s zum Abschluss des Schli chtungs- verfahrens bewilligen kann. Für ein gerichtliches Verfahren ist ei n Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Bestellung eines unentgelt- lichen Rechtsbeistandes direkt beim zuständigen Bezirksgericht einzureichen. Entsprechend ist der Gesuchsteller vorgegangen, hat er doch in seiner Klage-

schrift an das Bezirksgericht Uster vom 6. Februar 2014 [recte: 2015] ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung ge- stellt (act. 2 S. 2). 2.2. Die unentgeltliche Rechtspflege entfaltet i hre Wi rkungen grundsätzli ch erst ab dem Zeitpunkt der Gesuchseinreichung und vermag insbesondere nicht von Vorschüssen oder Kosten, welche im Zeitpunkt des Gesuches bereits geleistet wurden, zu befreien. Solche Leistungen werden nicht zurückerstattet (Huber, in: Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], DIKE-Kommentar Schweizerische Zivilpro- zessordnung, Zürich/St. Gallen 2011, N 24 zu Art. 118 mit Hinweisen). Das Frie- densrichteramt Dübendorf hat die Kosten des Schlichtungsverfahrens von Fr. 65.- dem Gesuchsteller auferlegt (act. 2/4 S. 2). Gemäss Mitteilung des Friedensrich- teramtes Dübendorf wurde dieser Betrag durch den Gesuchsteller am 29. Dezember 2014 bezahlt (act. 3). Damit werden im Zusammenhang mit dem Schli chtungsverfahren vor dem Friedensrichteramt Dübendorf keine weiteren Kosten auf den Gesuchsteller zukommen, weshalb kein Interesse an der (rück- wirkenden) Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Schlichtungsver- fahren besteht. Auf das vorliegende Gesuch i st deshalb ni cht ei nzutreten. 3. Kosten und Rechtsmittel 3.1. Gemäss Art. 119 Abs. 6 ZPO ist das Verfahren um unentgeltliche Rechts- pflege kostenlos. 3.2. Wird die unentgeltliche Rechtspflege ganz oder teilweise abgelehnt oder entzogen, so kann der Gesuchsteller den Entscheid mit Beschwerde gemäss Art. 121 ZPO beim Obergericht anfechten. Dass vorliegend der Obergerichtsprä- sident über das Gesuch befindet, vermag daran nichts zu ändern. Der Oberge- richtspräsident fällt in diesem Verfahren ei nen ersti nstanzli chen Entschei d i .S.v. Art. 319 lit. b ZPO und fungiert nicht als obere kantonale Instanz, gegen deren Entscheide lediglich ein Rechtsmittel ans Bundesgericht gegeben wäre.

Es wird verfügt: 1. Auf das Gesuch um (rückwirkende) Gewährung der unentgeltlichen Rechts- pflege für das Schlichtungsverfahren vor dem Friedensrichteramt Dübendorf (GV.2014.00147/SB.2014.00145) wird nicht eingetreten. 2. Dieses obergerichtliche Verfahren ist kostenlos. 3. Schri ftli che Mi ttei lung an: − den Gesuchsteller − das Friedensrichteramt Dübendorf (GV.2014.00147/SB.2014.00145), Postfach 625, Bettlistrasse 28, 8600 Dübendorf je gegen Empfangsschein. 4. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid kann innert 10 Tagen von der Zustellung an im Doppel und unter Beilage dieses Entscheids beim Oberge- richt des Kantons Zürich, Zivilkammern, Postfach 2401, 8021 Zürich, einge- reicht werden. In der Beschwerdeschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen. Allfällige Urkunden sind mit zweifachem Verzeichnis beizulegen. Die gesetzlichen Fristenstillstände gelten nicht (Art. 145 Abs. 2 ZPO). Züri ch, 2. März 2015 __________________________________ OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. A. Gürber versandt am:

Schlagwörter

legal aidconciliation proceedingsretroactive effectadmissibilitylegal interestcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the retroactive request for legal aid for the conciliation proceedings was admissible

Extrahierter Entscheid

The request was inadmissible because legal aid generally takes effect only from the date of filing and no further costs were expected for the already concluded conciliation proceedings.

Extrahierte Begründung

The conciliation fee of CHF 65 had already been imposed and paid; since no further costs would arise, the applicant had no current interest in retroactive legal aid for that stage. For court proceedings, legal aid had to be requested directly from the competent district court.

Kernrechtsfrage

Whether the Obergericht proceedings were free of charge

Extrahierter Entscheid

The proceedings concerning legal aid are free of charge.

Extrahierte Begründung

Art. 119(6) ZPO provides that proceedings on legal aid are free of charge.

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