Obergericht des Kantons Zürich Präsident
Geschäfts-Nr.: VO130119-O/U
Mitwirkend: Der Obergerichtspräsident lic. iur. R. Naef sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. A. Leu
Urteil vom 31. Juli 2013
in Sachen
A._____, Gesuchsteller
betreffend Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
Erwägungen: 1. Ausgangslage 1.1. Mit Eingabe vom 26. Juli 2013 ersuchte A._____ (nachfolgend: Gesuchstel- ler) beim Obergericht des Kantons Zürich um Gewährung der unentgeltli- chen Rechtspflege für ein beim Friedensrichteramt der Stadt B., ..., anhängig gemachtes Schlichtungsverfahren gegen Dr. C. betreffend Forderung (act. 1, act. 2/3). 1.2. Im Schlichtungsverfahren werden gemäss Art. 113 Abs. 1 ZPO keine Partei- entschädigungen gesprochen, weshalb auch eine Sicherheit für die Partei- entschädigung i.S.v. Art. 99 ZPO nicht zur Frage steht. Die Gegenpartei ist daher gemäss Art. 119 Abs. 3 ZPO e contrario nicht zwingend anzuhören. 2. Beurteilung des Gesuchs 2.1. Für die Beurteilung von Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege vor Ein- reichung der Klage bei Gericht ist gemäss § 128 GOG der Obergerichtsprä- sident im summarischen Verfahren (Art. 119 Abs. 3 ZPO) zuständig. Die un- entgeltliche Rechtspflege ist gemäss Art. 119 Abs. 5 ZPO vor jeder Instanz neu zu beantragen, weshalb der Obergerichtspräsident diese bei Vorliegen der Anspruchsvoraussetzungen nur bis zum Abschluss des Schlichtungsver- fahrens bewilligen kann. 2.2. Eine Person hat Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn sie einer- seits nicht über die erforderlichen Mittel verfügt (sog. "Mittellosigkeit" oder "Bedürftigkeit") und andererseits ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos er- scheint (Art. 117 ZPO). Ein Anspruch auf die gerichtliche Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes setzt sodann zusätzlich voraus, dass dies zur Wahrung der Rechte notwendig ist (Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO). Die Mittellosigkeit wird gemeinhin dann bejaht, wenn der Aufwand des not- wendigen Lebensunterhalts (sog. "zivilprozessualer Notbedarf") das mass- gebliche Einkommen übersteigt bzw. aus der Differenz nur ein kleiner Über-
schuss resultiert, welcher es dem Gesuchsteller nicht erlauben würde, die Prozesskosten innert nützlicher Frist zu bezahlen. Nebst dem Einkommen ist auch das Vermögen zur Bestreitung des Prozessaufwands einzusetzen. Zu berücksichtigen ist vorhandenes Vermögen jeglicher Art, soweit es effek- tiv verfügbar, realisierbar und sein Verbrauch zumutbar ist. Als Lebensauf- wandkosten sind grundsätzlich zu berücksichtigen der Grundbetrag, recht- lich geschuldete Unterhaltsbeiträge, Wohnkosten, obligatorische Versiche- rungen, Transportkosten zum Arbeitsplatz, Steuern sowie Verpflichtungen gegenüber Dritten, wenn sie tatsächlich erfüllt werden (Emmel in: Kommen- tar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Sutter-Somm/Hasenböhl- er/Leuenberger [Hrsg.], Zürich/Basel/Genf 2010, Art. 117 N 9). Massgebend sind die wirtschaftlichen Verhältnisse im Zeitpunkt der Gesuchstellung (Em- mel, a.a.O., Art. 117 N 4). 2.3. Bei der Beurteilung der Bedürftigkeit bei Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege für das Schlichtungsverfahren sind sehr strenge Massstäbe anzulegen. Die in einem Schlichtungsverfahren entstehenden Kosten sind – anders als vor einer Gerichtsinstanz – sehr beschränkt und können deshalb bereits bei einem relativ geringen Überschuss des Einkommens und Vermö- gens über den zivilprozessualen Notbedarf bestritten werden. 2.4. Die gesuchstellende Person hat gemäss Art. 119 Abs. 2 ZPO die zur Beur- teilung ihres Gesuchs relevanten Einkommens- und Vermögensverhältnisse umfassend darzulegen - es trifft sie bei der Abklärung der wirtschaftlichen Verhältnisse eine umfassende Mitwirkungspflicht. Kommt sie dieser Mitwir- kungspflicht nicht oder nur ungenügend nach und kann als Folge davon ihre Bedürftigkeit nicht hinreichend beurteilt werden, ist der Anspruch um unent- geltliche Rechtspflege zu verweigern (BGE 120 Ia 179). 2.5. Zu seinem Einkommen führt der Gesuchsteller aus, er erhalte Rentenzah- lungen in der Höhe von insgesamt Fr. 3'555.- pro Monat und belegt diese mittels Gutschriftsanzeigen auf seinem Konto bei der UBS AG (act. 2/6 S. 2). Als Beleg für die geltend gemachte Vermögenslosigkeit reichte der Gesuchsteller lediglich die von ihm unterzeichnete Steuererklärung 2011 ins
Recht (act. 2/2). Kontobelege, aus welchen ein aktueller Kontostand hervor- ginge, sind hingegen nicht aktenkundig. Ebenfalls nicht nachgewiesen hat der Gesuchsteller die geltend gemachten Schulden von Fr. 250'000.- (act. 2/8 S. 4), weshalb sie in der Bedarfsrechnung nicht zu berücksichtigen sind. Seine notwendigen Lebenshaltungskosten beziffert und belegt der Ge- suchsteller sodann wie folgt: Mietkosten Fr. 1'650.- pro Monat (act. 2/1), Krankenkassenprämien KVG Fr. 321.45 pro Monat (act. 2/5) sowie Kosten öffentlicher Verkehr Fr. 73.- pro Monat (act. 2/7). Die an das Betreibungsamt zu leistenden Ratenzahlungen von Fr. 622.- (act. 2/8 S. 2 und act. 2/6 S. 1) weist der Gesuchsteller nicht nach, weshalb sie keinen Eingang in die Be- darfsrechnung finden. Eine Fristansetzung zur Nachreichung der fehlenden Unterlagen drängt sich aufgrund des klaren Hinweises im Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege", wonach dem Gesuch insbesondere die letzte Steuererklärung und Belege zu sämtlichen Einkünften, zu allen Ver- mögenspositionen und zu den geltend gemachten Auslagenpositionen bei- zulegen seien und unvollständige Angaben sowie fehlende Belege ohne weitere Nachfrage zur Abweisung des Gesuchs führen könnten (act. 2/8 S. 5), nicht auf (vgl. auch Beschluss und Urteil der II. Zivilkammer des Ober- gerichts des Kantons Zürich vom 25. April 2013, RU130019, E. 3.4.1). Bei diesen finanziellen Verhältnissen (Einkommen: Fr. 3'555.- pro Monat, Ver- mögen: Fr. 0.-, Notbedarf: Fr. 3'244.45 pro Monat, inkl. Grundbetrag von Fr. 1'200.-) ist es dem Gesuchsteller zumutbar, für die relativ geringen Kos- ten des Schlichtungsverfahrens und allfällige Anwaltskosten aufzukommen. Es fehlt damit am Erfordernis der Mittellosigkeit des Gesuchstellers, weshalb das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege abzuweisen ist. Auf eine Prü- fung der weiteren Voraussetzungen der fehlenden Aussichtslosigkeit des Begehrens in der Hauptsache und der Notwendigkeit einer unentgeltlichen Rechtsverbeiständung kann unter diesen Umständen verzichtet werden. Dem Gesuchsteller ist es jedoch unbenommen, bei einem allfälligen Verfah- ren vor Bezirksgericht erneut um die unentgeltliche Rechtspflege zu ersu- chen.
Es wird erkannt: 1. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abge- wiesen. Eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung wird nicht bestellt. 2. Das obergerichtliche Verfahren ist kostenlos. 3. Schriftliche Mitteilung, je gegen Empfangsschein, an: - den Gesuchsteller, - das Friedensrichteramt der Stadt B., ..., ad Verfahren GV.2013.00250, - die Gegenpartei in der Hauptsache, Rechtsanwalt Dr. C., ... [Ad- resse].
Zürich, 31. Juli 2013 __________________________________ OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH Die Gerichtsschreiberin:
lic. iur. A. Leu
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