Legal aid granted for child support conciliation

VO130068Obergericht18.04.2013Partially Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

A minor child sought legal aid for already pending conciliation proceedings concerning a child support claim against the acknowledged father. The Obergericht of Zurich held that the child was indigent because the mother, who lived on social assistance and had no assets, could not reasonably be required to advance litigation costs under her parental support duty. The support claim was also not hopeless, since the father had acknowledged the child after birth. Legal aid was granted for the conciliation stage, but no appointed lawyer was ordered because the child was already represented by a legally qualified guardian with authority to conduct the case. The obergerichtliche proceedings were declared free of charge, and the conciliation-stage legal aid costs were provisionally charged to the municipality of C.

Omnilex-Regeste

Art. 117, 119 ZPO; unentgeltliche Rechtspflege im Schlichtungsverfahren und Anforderungen an die Bedürftigkeit; Für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sind strenge Massstäbe anzulegen, da die Kosten des Schlichtungsverfahrens gering sind und bereits ein relativ kleiner Überschuss über dem zivilprozessualen Notbedarf die Verweigerung rechtfertigen kann. Der Gesuchsteller trägt eine umfassende Mitwirkungspflicht zur Darlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse; bleibt die Bedürftigkeit unklar, ist das Gesuch abzuweisen (vgl. Art. 119 Abs. 2 ZPO). Familienrechtliche Unterhaltspflichten gehen dem Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege vor, soweit dadurch ein Prozesskostenvorschuss erhältlich gemacht werden kann (consid. 2.5–2.6). Eine Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands entfällt, wenn bereits eine rechtskundige Vertretung vorhanden ist, die die Interessen ausreichend wahrt (consid. 2.9).

Gesamter Gesetzestext

Obergericht des Kantons Zürich Präsident

Geschäfts-Nr.: VO130068-O/U

Mitwirkend: Der Obergerichtspräsident lic. iur. R. Naef sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. A. Leu

Urteil vom 18. April 2013

in Sachen

A._____, Gesuchstellerin

vertreten durch Inhaberin der elterlichen Sorge B._____ vertreten durch Beiständin Rechtsanwältin lic. iur. X._____

betreffend Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege

Erwägungen: 1. Ausgangslage 1.1. Mit Eingabe vom 10. April 2013 liess A._____ (nachfolgend: Gesuchstelle- rin) durch ihre Beiständin lic. iur. X._____ beim Obergericht des Kantons Zü- rich um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für ein bereits anhän- gig gemachtes Schlichtungsverfahren beim Friedensrichteramt C._____ er- suchen (act. 1). Das Schlichtungsverfahren betrifft eine Unterhaltsklage ge- gen D._____ (act. 3/3). 1.2. Im Schlichtungsverfahren werden gemäss Art. 113 Abs. 1 ZPO keine Partei- entschädigungen gesprochen, weshalb auch eine Sicherheit für die Partei- entschädigung i.S.v. Art. 99 ZPO nicht zur Frage steht. Die Gegenpartei ist daher gemäss Art. 119 Abs. 3 ZPO e contrario nicht zwingend anzuhören. 2. Beurteilung des Gesuchs 2.1. Für die Beurteilung von Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege vor Ein- reichung der Klage bei Gericht ist gemäss § 128 GOG der Obergerichtsprä- sident im summarischen Verfahren (Art. 119 Abs. 3 ZPO) zuständig. Die un- entgeltliche Rechtspflege ist gemäss Art. 119 Abs. 5 ZPO vor jeder Instanz neu zu beantragen, weshalb der Obergerichtspräsident diese bei Vorliegen der Anspruchsvoraussetzungen nur bis zum Abschluss des Schlichtungsver- fahrens bewilligen kann. 2.2. Eine Person hat Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn sie einer- seits nicht über die erforderlichen Mittel verfügt (sog. "Mittellosigkeit" oder "Bedürftigkeit") und andererseits ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos er- scheint (Art. 117 ZPO). Die Mittellosigkeit wird gemeinhin dann bejaht, wenn der Aufwand des not- wendigen Lebensunterhalts (sog. "zivilprozessualer Notbedarf") das mass- gebliche Einkommen übersteigt bzw. aus der Differenz nur ein kleiner Über- schuss resultiert, welcher es der gesuchstellenden Person nicht erlauben

würde, die Prozesskosten innert nützlicher Frist zu bezahlen. Nebst dem Einkommen ist auch das Vermögen zur Bestreitung des Prozessaufwands einzusetzen. Zu berücksichtigen ist vorhandenes Vermögen jeglicher Art, soweit es effektiv verfügbar, realisierbar und sein Verbrauch zumutbar ist. Als Lebensaufwandkosten sind zu berücksichtigen der Grundbetrag, recht- lich geschuldete Unterhaltsbeiträge, Wohnkosten, obligatorische Versiche- rungen, Transportkosten zum Arbeitsplatz, Steuern sowie Verpflichtungen gegenüber Dritten, wenn sie tatsächlich erfüllt werden (Emmel in: Kommen- tar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Sutter-Somm/Hasenböhl- er/Leuenberger [Hrsg.], Zürich/Basel/Genf 2010, Art. 117 N 9). Massgebend sind die wirtschaftlichen Verhältnisse im Zeitpunkt der Gesuchstellung (Em- mel, a.a.O., Art. 117 N 4). 2.3. Bei der Beurteilung der Bedürftigkeit bei Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege für das Schlichtungsverfahren sind sehr strenge Massstäbe anzulegen: Die in einem Schlichtungsverfahren entstehenden Kosten sind – anders als vor einer Gerichtsinstanz – sehr beschränkt und können deshalb bereits bei einem relativ geringen Überschuss des Einkommens und Vermö- gens über den zivilprozessualen Notbedarf bestritten werden. 2.4. Die gesuchstellende Person hat gemäss Art. 119 Abs. 2 ZPO die zur Beur- teilung ihres Gesuchs relevanten Einkommens- und Vermögensverhältnisse umfassend darzulegen - es trifft sie bei der Abklärung der wirtschaftlichen Verhältnisse eine umfassende Mitwirkungspflicht. Kommt sie dieser Mitwir- kungspflicht nicht oder nur ungenügend nach und kann als Folge davon ihre Bedürftigkeit nicht hinreichend beurteilt werden, ist der Anspruch um unent- geltliche Rechtspflege zu verweigern (BGE 120 Ia 179). 2.5. Dem Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege gehen allfällige gesetzliche Unterhaltspflichten wie bspw. die Unterhaltspflicht der Eltern für ihre Kinder gemäss Art. 276 ff. ZGB vor (vgl. BGE 127 I 202), weshalb vorliegend ins- besondere zu prüfen ist, ob die Gesuchstellerin nicht auf der Grundlage sol- cher Verpflichtungen die nötigen finanziellen Mittel erhältlich machen kann.

Konkret sind deshalb die finanziellen Verhältnisse der Mutter der Gesuch- stellerin in die Beurteilung ihrer Mittellosigkeit einzubeziehen. 2.6. Gemäss den glaubhaften Ausführungen im Gesuch handelt es sich bei der rund dreieinhalb Jahre alten Gesuchstellerin um ein einkommens- und ver- mögensloses Kleinkind (act. 1 S. 2). Zum Einkommen der Mutter wird im Gesuch geltend gemacht, sie gehe zurzeit aus gesundheitlichen Gründen keiner Erwerbstätigkeit nach und werde von der Sozialhilfe C._____ finanzi- ell unterstützt. Dem ins Recht gereichten Budget des Sozialamtes der Ge- meinde C._____ ist zu entnehmen, dass die Kindsmutter ab dem 1. Januar 2013 mit einem Betrag von monatlich Fr. 3'034.50 unterstützt wurde und ab dem 1. Mai 2013 einen solchen von monatlich Fr. 2'984.50 erhalten wird (act. 3/4), wobei gewisse Leistungen direkt durch das Sozialamt beglichen werden. Ersterer Betrag wird - soweit ersichtlich - zur Begleichung des Grundbetrags von Fr. 977.-, der Kosten für die Miete von Fr. 1'624.- (act. 3/8), der Krankenkassenprämien KVG der Kindsmutter von Fr. 393.05 (act. 3/9) sowie der Kosten für den öffentlichen Verkehr von Fr. 187.- (act. 3/4) entrichtet. Im Weiteren fallen Kosten für die Hausrat- /Haftpflichtversicherung von monatlich Fr. 22.80 (act. 3/10), Krankenkassen- prämien KVG für die Gesuchstellerin von monatlich Fr. 84.15 (act. 3/9) so- wie Platzierungskosten für die Gesuchstellerin von monatlich Fr. 7'055.- (act. 3/11) an. Letztere werden direkt von der Sozialhilfe C._____ übernom- men. Da die minderjährige Schwester der Gesuchstellerin, E., Alimen- te von Fr. 910.35 pro Monat erhält (vgl. act. 1 S. 2 und act. 3/6), ist sie in der Bedarfsrechnung nicht zu berücksichtigen. Demzufolge sind auch die Kos- ten für die Krankenkassenbeiträge nach KVG und die Platzierungskosten für E. nicht in die Unterhaltsberechnung miteinzubeziehen; Letztere wer- den ohnehin direkt von der Sozialbehörde beglichen (act. 3/13). Hingegen ist der minderjährige Bruder F._____ zwar unterhaltsberechtigt (vgl. act. 3/7), doch erhält er zurzeit vom Unterhaltsverpflichteten offenbar keine Leistun- gen (act. 1 S. 2). Damit sind auch dessen Krankenkassenprämien KVG von monatlich Fr. 84.15 (act. 3/9) sowie die Fremdplatzierungskosten von mo- natlich Fr. 7'055.- (act. 3/12) in der Bedarfsrechnung zu berücksichtigen,

wobei Letztere ebenfalls direkt vom Sozialamt bezahlt werden (act. 1 S. 2). Vermögen hat die Kindsmutter sodann keines (act. 3/14-15, vgl. auch act. 3/7 S. 2). Bei diesen finanziellen Verhältnissen kann die Kindsmutter nicht angehalten werden, gestützt auf die familienrechtliche Unterhaltspflicht nach Art. 276 ZGB einen Prozesskostenvorschuss zu leisten. Das Erforder- nis der Mittellosigkeit der Gesuchstellerin ist damit gegeben. 2.7. Für die Beurteilung der fehlenden Aussichtslosigkeit als zweite Vorausset- zung der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist eine gewisse Pro- zessprognose notwendig, wobei auf den Zeitpunkt der Gesuchseinreichung abzustellen ist. Als aussichtslos sind dabei nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaus- sichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können (vgl. z.B. BGE 69 I 160). Zur Vornahme der Prüfung ist auf die vorhandenen Akten abzustellen (vgl. auch BSK ZPO-Rüegg, Art. 117 N 20). 2.8. Die rechtshängig gemachte Unterhaltsklage gegen D._____ kann aus heuti- ger Perspektive nicht als aussichtslos bezeichnet werden, da er gemäss der Mitteilung einer Kindesanerkennung nach der Geburt die Gesuchstellerin am 19. März 2013 als sein Kind anerkannt hat (act. 3/2). Folglich kann dem An- trag der Gesuchstellerin entsprochen werden und ist ihr für das Schlich- tungsverfahren vor dem Friedensrichteramt C._____ betreffend oberwähnte Unterhaltsklage die unentgeltliche Rechtspflege zu erteilen. 2.9. Einen Antrag um Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsbeiständin in der Person von lic. iur. X._____ lässt die Gesuchstellerin nicht stellen. Einem solchen Antrag wäre auch nicht stattzugeben, da gemäss ständiger kantona- ler und bundesgerichtlicher Rechtsprechung die Bestellung einer solchen nicht notwendig erscheint, wenn die bedürftige Partei über einen Beistand verfügt, welcher in der Lage ist, die Interessen des Vertretenen zu wahren (ZR 83 [1984] S. 271; BGE 110 IA 87). Dies ist vorliegend der Fall. Die Vor- mundschaftsbehörde von C._____ hat lic. iur. X._____ mit Beschluss vom 30. August 2011 ausdrücklich zur Beiständin der Gesuchstellerin u.a. mit

dem Auftrag ernannt, für eine angemessene Regelung der Unterhaltspflicht zu sorgen, wozu ihr eine Prozessvollmacht mit Substitutionsrecht erteilt wur- de (act. 3/1). Damit ist die rechtskundige Vertretung der Gesuchstellerin ge- währleistet. 3. Kosten der unentgeltlichen Rechtspflege Gemäss den einschlägigen Bestimmungen der ZPO werden die Kosten der unentgeltlichen Rechtspflege vom "Kanton" getragen bzw. wird der unent- geltliche Rechtsbeistand vom "Kanton" entschädigt (Art. 113 Abs. 1 und Art. 122 ZPO). Der ständigen Praxis des Obergerichts des Kantons Zürich zur Schweizerischen Zivilprozessordnung folgend sowie entsprechend der bisherigen zürcherischen Praxis sind die Kosten der unentgeltlichen Rechts- pflege für das Verfahren vor der Schlichtungsbehörde von der zuständigen Gemeinde zu tragen, vorliegend somit von der Gemeinde C._____. Zu be- achten ist indes, dass die Kosten des Schlichtungsverfahrens gemäss Art. 207 Abs. 2 ZPO bei der Einreichung der Klage zur Hauptsache geschla- gen werden und das erkennende Gericht somit in der Folge über diese zu- sammen mit den übrigen Prozesskosten gemäss Art. 104 ff. ZPO zu ent- scheiden hat. Die Kostenauflage an die Gemeinde erfolgt deshalb unter die- sem Vorbehalt. 4. Kosten und Rechtsmittel 4.1. Gemäss Art. 119 Abs. 6 ZPO ist das Verfahren um unentgeltliche Rechts- pflege kostenlos. 4.2. Die Gegenpartei in der Hauptsache verfügt im vorliegenden Verfahren nicht über Parteistellung. Ihr steht aber gegen den Entscheid betreffend unentgelt- liche Rechtspflege die Beschwerde gemäss Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO offen, sofern ihr ein nicht leicht wieder gutzumachender Nachteil droht.

Es wird erkannt: 1. Der Gesuchstellerin wird für das Schlichtungsverfahren vor dem Friedens- richteramt C._____ betreffend Unterhaltsklage gegen D._____ die unentgelt- liche Rechtspflege gewährt. Eine unentgeltliche Rechtsbeiständin wird nicht bestellt. 2. Die Kosten der unentgeltlichen Rechtspflege des Schlichtungsverfahrens trägt unter Vorbehalt von Art. 207 Abs. 2 ZPO die Gemeinde C.. 3. Das obergerichtliche Verfahren ist kostenlos. 4. Schriftliche Mitteilung, je gegen Empfangsschein, an: - die Beiständin der Gesuchstellerin, dreifach, für sich, die Kindsmutter und die Gesuchstellerin, - an das Friedensrichteramt C., - an die Gegenpartei in der Hauptsache, Herr D._____, ... [Adresse]. 5. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid kann innert 10 Tagen von der Zustellung an im Doppel und unter Beilage dieses Entscheids beim Oberge- richt des Kantons Zürich, Zivilkammern, Postfach 2401, 8021 Zürich, einge- reicht werden. In der Beschwerdeschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen. Allfällige Urkunden sind mit zweifachem Verzeichnis beizulegen. Die gesetzlichen Fristenstillstände gelten nicht (Art. 145 Abs. 2 ZPO).

Zürich, 18. April 2013 __________________________________ OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. A. Leu

versandt am:

Schlagwörter

legal aidindigenceconciliation proceedingschild supportappointed counselsocial assistanceparental support duty

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether legal aid should be granted for the conciliation proceedings in the child support case

Extrahierter Entscheid

The applicant met the requirements of indigence and non-frivolousness, so legal aid was granted for the conciliation proceedings.

Extrahierte Begründung

The mother's social-assistance budget left no reasonable capacity to advance litigation costs, and the support claim was not hopeless because the alleged father had acknowledged paternity.

Kernrechtsfrage

Whether an appointed legal aid lawyer should be designated

Extrahierter Entscheid

No appointed counsel was necessary because the child was already adequately represented by a knowledgeable guardian/representative with litigation authority.

Extrahierte Begründung

Where a capable representative already safeguards the protected party's interests, appointment of separate legal aid counsel is unnecessary.

Kernrechtsfrage

Who bears the costs of the legal aid proceedings and conciliation-stage legal aid

Extrahierter Entscheid

The obergerichtliche proceedings were free of charge, and the legal aid costs for the conciliation stage were provisionally borne by the municipality, subject to later allocation under the ZPO cost rules.

Extrahierte Begründung

The ZPO makes legal aid proceedings cost-free; under Zurich practice, conciliation-stage legal aid costs are charged to the responsible municipality, while the main action court later decides final allocation.

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