No jurisdiction over legal aid request in pending labor case

VO130024Obergericht04.03.2013Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

A._____ applied to the president of the Zurich High Court for legal aid in connection with a labor dispute pending before the Zurich district court. The president held that he had no jurisdiction because such requests must be filed with the court conducting the pending case; for an already pending or completed first-instance proceeding, any legal aid request belongs before that court. To the extent the filing could be viewed as a complaint against a labor court order, it should have been lodged with the I. Civil Chamber, but no transfer was made. The application was therefore not entertained, no free counsel was appointed, and the High Court proceedings were declared free of charge.

Omnilex-Regeste

§ 128 GOG; Art. 119 and 121 ZPO; jurisdiction for legal aid requests in civil proceedings. The president of the cantonal high court is competent only for pre-litigation requests, in particular before a conciliation authority or before commencement of proceedings; once a case is pending before a district court, the request must be directed to that court. A renewed legal aid application before the high court is inadmissible for lack of jurisdiction. If a filing is in substance a complaint against a first-instance decision, it must be submitted to the competent appellate chamber; absent conditions for transfer under Art. 63 ZPO, no forwarding is required. Legal aid proceedings are free of charge under Art. 119 Abs. 6 ZPO; the mere fact that the president decides as first instance does not alter the appellate route under Art. 121 ZPO.

Gesamter Gesetzestext

Obergericht des Kantons Zürich Präsident

Geschäfts-Nr.: VO130024-O/U

Mitwirkend: der Obergerichtspräsident lic. iur. R. Naef sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. A. Leu

Verfügung vom 4. März 2013

in Sachen

A._____, Gesuchstellerin

betreffend Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege

Erwägungen: 1.1. Mit Eingabe vom 25. Februar 2013 reichte A._____ (nachfolgend: Gesuchstellerin) beim Präsidenten des Obergerichts des Kantons Zürich ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Verfahren AN120051 des Arbeitsgerichts des Bezirksgerichts Zürich in Sachen A._____ gegen die B._____ Stiftung ein (act. 1). 1.2. Im Schlichtungsverfahren werden gemäss Art. 113 Abs. 1 ZPO keine Parteientschädigungen gesprochen, weshalb auch eine Sicherheit für die Parteientschädigung i.S.v. Art. 99 ZPO nicht zur Frage steht. Die Gegenpartei ist daher gemäss Art. 119 Abs. 3 ZPO e contrario nicht zwingend anzuhören. 2. Dem Präsidenten des Obergerichts des Kantons Zürich obliegt gemäss § 128 GOG nur die Beurteilung von Gesuchen um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege vor Einreichung einer Klage bei einem zürcherischen Gericht, namentlich für ein Schlichtungsverfahren vor einer zürcherischen Schlichtungsbehörde. In sachlicher Hinsicht ist er damit nur für vorprozessuale Gesuche bzw. Gesuche bis zum Abschluss eines allfälligen Schlichtungsverfahrens zuständig. Nicht zuständig ist er hingegen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Rahmen eines bereits hängigen bzw. durchgeführten Verfahrens vor einem Bezirksgericht, wie dies die Gesuchstellerin beantragt (act. 1). Ein solches Gesuch ist direkt beim betreffenden Gericht zu stellen, vorliegend beim Bezirksgericht Zürich, was die Gesuchstellerin offenbar getan hat (act. 1 S. 1). Gegen einen allfälligen negativen Beschluss des Bezirksgerichts Zürich hätte die Gesuchstellerin ein Rechtsmittel erheben müssen. Die Einreichung eines erneuten Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege beim Obergerichtspräsidenten ist jedenfalls nicht möglich. Mangels Zuständigkeit ist daher auf das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nicht einzutreten.

  1. Soweit die Gesuchstellerin mit ihrer Eingabe sodann eine Beschwerde gegen den Beschluss des Arbeitsgerichts Zürich vom 11. Februar 2013 (act. 2) hätte erheben wollen, so wäre diese entsprechend den Ausführungen in besagtem Entscheid bei der I. Zivilkammer des Obergerichts des Kantons Zürich und nicht beim Obergerichtspräsidenten einzureichen gewesen. Von einer Überweisung der Eingabe an die I. Zivilkammer ist mit Blick auf Art. 63 ZPO abzusehen (vgl. auch BSK ZPO- Infanger, Art. 63 N 16; Sutter-Somm/Hedinger in: Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenber- ger [Hrsg.], Zürich/Basel/Genf 2010, Art. 63 N 10). 4.1. Gemäss Art. 119 Abs. 6 ZPO ist das Verfahren um unentgeltliche Rechtspflege kostenlos. 4.2. Wird die unentgeltliche Rechtspflege ganz oder teilweise abgelehnt oder entzogen, so kann die gesuchstellende Person den Entscheid mit Beschwerde gemäss Art. 121 ZPO beim Obergericht anfechten. Dass vorliegend der Obergerichtspräsident über das Gesuch befindet, vermag daran nichts zu ändern. Der Obergerichtspräsident fällt in diesem Verfahren einen erstinstanzlichen Entscheid i.S.v. Art. 319 lit. b ZPO und fungiert nicht als obere kantonale Instanz, gegen deren Entscheide lediglich ein Rechtsmittel ans Bundesgericht gegeben wäre. Es wird verfügt: 1. Auf das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird nicht eingetreten. Ein unentgeltlicher Rechtsbeistand wird nicht bestellt. 2. Das obergerichtliche Verfahren ist kostenlos. 3. Schriftliche Mitteilung an die Gesuchstellerin (gegen Empfangsschein). 4. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid kann innert 10 Tagen von der Zustellung an im Doppel und unter Beilage dieses Entscheids beim

Obergericht des Kantons Zürich, Zivilkammern, Postfach 2401, 8021 Zürich, eingereicht werden. In der Beschwerdeschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen. Allfällige Urkunden sind mit zweifachem Verzeichnis beizulegen. Die gesetzlichen Fristenstillstände gelten nicht (Art. 145 Abs. 2 ZPO). Zürich, 4. März 2013 __________________________________ OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. A. Leu

versandt am:

Schlagwörter

legal aidjurisdictioncivil proceduretransfer of filingappeal routecourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the president of the Zurich High Court had jurisdiction to decide a legal aid request for an already pending district-court/labor-court proceeding.

Extrahierter Entscheid

No. Such legal aid requests must be filed with the court conducting the pending proceedings; the president of the High Court is only competent for pre-litigation or pre-conciliation requests.

Extrahierte Begründung

Under § 128 GOG, the president’s competence is limited to legal aid requests before the filing of a claim or until completion of conciliation. Because the underlying proceeding was already pending or had been conducted before the district court, the president lacked subject-matter jurisdiction.

Kernrechtsfrage

Whether a lawyer should be appointed as free legal counsel.

Extrahierter Entscheid

No, because the legal aid request was not entered into for lack of jurisdiction.

Extrahierte Begründung

The request for counsel was ancillary to the inadmissible legal aid application and therefore failed with it.

Kernrechtsfrage

Whether the filing should be transferred to the I. Civil Chamber of the Zurich High Court as an appeal against the labor court order.

Extrahierter Entscheid

No transfer was ordered; the filing was not forwarded.

Extrahierte Begründung

Given the circumstances and Art. 63 ZPO, transfer was declined.

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