No legal aid for non-statutory conciliation procedure

VO120041Obergericht04.05.2012Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

A requested legal-aid order in a maintenance-modification matter was transmitted by the conciliation office to the Obergericht president. The president held that legal aid for a conciliation procedure cannot be granted where the law does not provide for conciliation at all. Because a modification of a final divorce judgment follows the rules applicable to divorce proceedings, the conciliation stage is dispensed with. The application was therefore not entertained. The court also stated that it acted in summary proceedings and that the legal-aid proceeding itself was free of court costs.

Omnilex-Regeste

§ 128 GOG; Art. 119 Abs. 3, 5 and 6 ZPO; Art. 197, 198 lit. c and 284 Abs. 3 ZPO: Legal aid may be sought at each procedural instance, but only for a legally provided proceeding. Where conciliation is excluded by statute, as in divorce proceedings and, by analogy, in proceedings for modification of a final divorce judgment, there is no conciliation procedure capable of being subsidised by unentgeltliche Rechtspflege. The request is therefore inadmissible. The competence of the Obergericht president to decide such requests in summary proceedings remains unaffected; the legal-aid procedure itself is cost-free (consid. 1-3).

Gesamter Gesetzestext

Obergericht des Kantons Zürich Präsident

Geschäfts-Nr.: VO120041-O/U

Der Präsident (Obergerichtspräsident Dr. H.A. Müller)

Verfügung vom 4. Mai 2012

in Sachen

A._____, Gesuchsteller

betreffend Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege

Erwägungen: 1. Ausgangslage 1.1. Mit Eingabe vom 20. März 2012 überwies das Friedensrichteramt der Stadt Z., das dort eingereichte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro- zessführung des Gesuchstellers vom 22. Februar 2012 im Rahmen einer dort an- hängig gemachten Klage gegen B. betreffend Abänderung Unterhalt samt Beilagen zuständigkeitshalber dem Präsidenten des Obergerichts des Kantons Zürich (Urk. 1-3). 1.2. Im Schlichtungsverfahren werden gemäss Art. 113 Abs. 1 ZPO keine Partei- entschädigungen gesprochen, weshalb auch eine Sicherheit für die Parteient- schädigung i.S.v. Art. 99 ZPO nicht zur Frage steht. Die Gegenpartei ist daher gemäss Art. 119 Abs. 3 ZPO e contrario nicht zwingend anzuhören. 2. Beurteilung des Gesuchs 2.1. Für die Beurteilung von Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege vor Ein- reichung der Klage bei Gericht ist gemäss § 128 GOG der Obergerichtspräsident im summarischen Verfahren (Art. 119 Abs. 3 ZPO) zuständig. Die unentgeltliche Rechtspflege ist gemäss Art. 119 Abs. 5 ZPO vor jeder Instanz neu zu beantra- gen, weshalb der Obergerichtspräsident die unentgeltliche Rechtspflege bei Vor- liegen der Anspruchsvoraussetzungen nur bis zum Abschluss des Schlichtungs- verfahrens bewilligen kann. 2.2. Grundsätzlich geht dem Entscheidverfahren immer ein Schlichtungsversuch vor einer Schlichtungsbehörde voraus (Art. 197 ZPO). Ausnahmen von diesem Grundsatz sind in Art. 198 ZPO enthalten. Gemäss Art. 198 lit. c ZPO entfällt das Schlichtungsverfahren bei Scheidungsverfahren. Auf die Durchführung eines Schlichtungsverfahrens wurde bei Scheidungsklagen verzichtet, da gemäss Art. 291 ZPO vor Gericht zunächst eine Einigungsverhandlung stattfindet (Bot- schaft ZPO, 7329; Siehr, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Basel 2010, N 2 zu Art. 274). Für strei-

tige Änderungen eines Scheidungsurteils gelten die Regeln über die Scheidungs- klage sinngemäss (Art. 284 Abs. 3 ZPO). Gemäss Art. 198 lit. c i.V.m. Art. 284 Abs. 3 ZPO entfällt das Schlichtungsverfahren somit auch in einem Verfahren um Abänderung eines rechtskräftigen Scheidungsurteils (ebenso: Egli, in: Brun- ner/Gasser/Schwander, Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zürich/St. Gallen 2011, N 9 zu Art. 198). 2.3. Für ein Schlichtungsverfahren, welches vom Gesetz nicht vorgesehen ist, kann die Rechtswohltat der unentgeltlichen Rechtspflege nicht beansprucht wer- den. Auf das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist deshalb nicht einzutreten. Dem Gesuchsteller ist es jedoch unbenommen, in einem allfälli- gen Verfahren vor Bezirksgericht erneut um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege zu ersuchen. 3. Kosten und Rechtsmittel 3.1. Gemäss Art. 119 Abs. 6 ZPO ist das Verfahren um unentgeltliche Rechts- pflege kostenlos. 3.2. Wird die unentgeltliche Rechtspflege ganz oder teilweise abgelehnt oder entzogen, so kann der Gesuchsteller den Entscheid mit Beschwerde gemäss Art. 121 ZPO beim Obergericht anfechten. Dass vorliegend der Obergerichtsprä- sident über das Gesuch befindet, vermag daran nichts zu ändern. Der Oberge- richtspräsident fällt in diesem Verfahren einen erstinstanzlichen Entscheid i.S.v. Art. 319 lit. b ZPO und fungiert nicht als obere kantonale Instanz gegen deren Entscheide lediglich ein Rechtsmittel ans Bundesgericht gegeben wäre. Es wird verfügt: 1. Auf das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird nicht eingetreten. 2. Dieses obergerichtliche Verfahren ist kostenlos.

  1. Schriftliche Mitteilung an: − den Gesuchsteller − das Friedensrichteramt der Stadt Z._____ − die Gegenpartei in der Hauptsache, B., ... [Adresse] − die Mutter der Gegenpartei in der Hauptsache, C., ... [Adresse], zur Kenntnisnahme je gegen Empfangsschein. 4. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid kann innert 10 Tagen von der Zustellung an im Doppel und unter Beilage dieses Entscheids beim Oberge- richt des Kantons Zürich, Zivilkammern, Postfach 2401, 8021 Zürich, einge- reicht werden. In der Beschwerdeschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen. Allfällige Urkunden sind mit zweifachem Verzeichnis beizulegen. Die gesetzlichen Fristenstillstände gelten nicht (Art. 145 Abs. 2 ZPO).

Zürich, 4. Mai 2012 __________________________________ OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. A. Bernstein-Pomeranz

versandt am:

Schlagwörter

legal aidconciliationdivorce modificationinadmissibilitysummary proceedingscourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether legal aid can be granted for a conciliation procedure that the law does not provide for in a modification of divorce judgment case

Extrahierter Entscheid

No. Because conciliation is not required in proceedings to modify a final divorce judgment, legal aid cannot be requested for such a non-statutory conciliation step.

Extrahierte Begründung

Under Art. 197 ZPO conciliation is the rule, but Art. 198 lit. c ZPO exempts divorce proceedings, and Art. 284 Abs. 3 ZPO makes those rules applicable to modification proceedings. Since no conciliation proceeding is prescribed by law, the remedy of legal aid is unavailable at this stage.

Kernrechtsfrage

Whether the Obergericht president could decide the legal-aid request and whether the proceeding is free of costs

Extrahierter Entscheid

Yes. The president is competent to decide the request in summary proceedings, and the legal-aid proceeding is cost-free.

Extrahierte Begründung

§ 128 GOG and Art. 119 Abs. 3 and 6 ZPO govern competence and costs; the request is decided in summary proceedings and is free of court fees.

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