No legal aid for non-required conciliation proceeding

VO120023Obergericht19.03.2012Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

A._____, represented by counsel, requested legal aid for conciliation proceedings before the justice of the peace in a proceeding to modify alimony. The Obergericht president held that no conciliation proceeding is provided by law for such a modification of a final divorce judgment, because the rules applicable to divorce actions apply analogously. As the requested proceeding is not legally required, legal aid could not be granted and the request was not entered into. The court nevertheless held that the legal-aid proceeding itself was free of charge and stated that a complaint may be filed within 10 days.

Omnilex-Regeste

Art. 198 lit. c ZPO i.V.m. Art. 284 Abs. 3 ZPO; unentgeltliche Rechtspflege for a non-statutory conciliation proceeding in an action to modify a final divorce judgment. Where the law does not provide for conciliation, no entitlement to legal aid for such a proceeding exists. By contrast, proceedings concerning legal aid are free of charge under Art. 119 Abs. 6 ZPO. The president of the cantonal appellate court decides in first instance under § 128 GOG and Art. 119 Abs. 3 ZPO; the remedy against refusal of legal aid is complaint under Art. 121 ZPO.

Gesamter Gesetzestext

Obergericht des Kantons Zürich III. Strafkammer

Geschäfts-Nr.: VO120023-O/U

Der Präsident (Obergerichtspräsident Dr. H.A. Müller)

Verfügung vom 19. März 2012

in Sachen

A._____, Gesuchsteller

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____

betreffend Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege

Erwägungen: 1. Ausgangslage 1.1. Mit Eingabe vom 8. Februar 2012 liess A._____ (nachfolgend: Gesuchstel- ler) durch seinen Rechtsvertreter beim Präsidenten des Obergerichts des Kantons Zürich um die unentgeltliche Prozessführung für das Schlichtungsverfahren vor dem Friedensrichteramt B._____ ersuchen (Prozess-Nr. GV: IA110143-T/V_V27; Urk. 1). Am 18. November 2011 liess er beim Friedensrichteramt B._____ ein Schlichtungsgesuch betreffend Abänderung Unterhaltsbeiträge einreichen und gleichzeitig das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung stellen. Das Friedens- richteramt B._____ wies in ihrer Verfügung vom 23. November 2011 darauf hin, dass über ein solches Gesuch der Präsident des Obergerichts des Kantons Zü- rich zu entscheiden habe und verfügte die Sistierung des Schlichtungsverfahrens bis zum Vorliegen des diesbezüglichen Entscheides des hiesigen Gerichts (Urk. 4/1). 1.2. Im Schlichtungsverfahren werden gemäss Art. 113 Abs. 1 ZPO keine Partei- entschädigungen gesprochen, weshalb auch eine Sicherheit für die Parteient- schädigung i.S.v. Art. 99 ZPO nicht zur Frage steht. Die Gegenpartei ist daher gemäss Art. 119 Abs. 3 ZPO e contrario nicht zwingend anzuhören. 2. Beurteilung des Gesuchs 2.1. Für die Beurteilung von Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege vor Ein- reichung der Klage bei Gericht ist gemäss § 128 GOG der Obergerichtspräsident im summarischen Verfahren (Art. 119 Abs. 3 ZPO) zuständig. Die unentgeltliche Rechtspflege ist gemäss Art. 119 Abs. 5 ZPO vor jeder Instanz neu zu beantra- gen, weshalb der Obergerichtspräsident die unentgeltliche Rechtspflege bei Vor- liegen der Anspruchsvoraussetzungen nur bis zum Abschluss des Schlichtungs- verfahrens bewilligen kann. 2.2. Grundsätzlich geht dem Entscheidverfahren immer ein Schlichtungsversuch vor einer Schlichtungsbehörde voraus (Art. 197 ZPO). Ausnahmen von diesem

Grundsatz sind in Art. 198 ZPO enthalten. Gemäss Art. 198 lit. c ZPO entfällt das Schlichtungsverfahren bei Scheidungsverfahren. Auf die Durchführung eines Schlichtungsverfahrens wurde bei Scheidungsklagen verzichtet, da gemäss Art. 291 ZPO vor Gericht zunächst eine Einigungsverhandlung stattfindet (Bot- schaft ZPO, 7329; Siehr, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Basel 2010, N 2 zu Art. 274). Für strei- tige Änderungen eines Scheidungsurteils gelten die Regeln über die Scheidungs- klage sinngemäss (Art. 284 Abs. 3 ZPO). Gemäss Art. 198 lit. c i.V.m. Art. 284 Abs. 3 ZPO entfällt das Schlichtungsverfahren somit auch in einem Verfahren um Abänderung eines rechtskräftigen Scheidungsurteils (ebenso: Egli, in: Brun- ner/Gasser/Schwander, Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zürich/St. Gallen 2011, N 9 zu Art. 198). 2.3. Für ein Schlichtungsverfahren, welches vom Gesetz nicht vorgesehen ist, kann die Rechtswohltat der unentgeltlichen Rechtspflege nicht beansprucht wer- den. Auf das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist deshalb nicht einzutreten. Dem Gesuchsteller ist es jedoch unbenommen, in einem allfälli- gen Verfahren vor Bezirksgericht erneut um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege zu ersuchen. 3. Kosten und Rechtsmittel 3.1. Gemäss Art. 119 Abs. 6 ZPO ist das Verfahren um unentgeltliche Rechts- pflege kostenlos. 3.2. Wird die unentgeltliche Rechtspflege ganz oder teilweise abgelehnt oder entzogen, so kann der Gesuchsteller den Entscheid mit Beschwerde gemäss Art. 121 ZPO beim Obergericht anfechten. Dass vorliegend der Obergerichtsprä- sident über das Gesuch befindet, vermag daran nichts zu ändern. Der Oberge- richtspräsident fällt in diesem Verfahren einen erstinstanzlichen Entscheid i.S.v. Art. 319 lit. b ZPO und fungiert nicht als obere kantonale Instanz gegen deren Entscheide lediglich ein Rechtsmittel ans Bundesgericht gegeben wäre.

Es wird verfügt: 1. Auf das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird nicht eingetreten. 2. Dieses obergerichtliche Verfahren ist kostenlos. 3. Schriftliche Mitteilung an: − den Rechtsvertreter des Gesuchstellers, zweifach, für sich und zuhanden des Gesuchstellers (gegen Empfangsschein) − das Friedensrichteramt B._____ (gegen Empfangsschein) − die Gegenpartei in der Hauptsache, C._____, ... [Adresse] je gegen Empfangsschein. 4. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid kann innert 10 Tagen von der Zustellung an im Doppel und unter Beilage dieses Entscheids beim Oberge- richt des Kantons Zürich, Zivilkammern, Postfach 2401, 8021 Zürich, einge- reicht werden. In der Beschwerdeschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen. Allfällige Urkunden sind mit zweifachem Verzeichnis beizulegen. Die gesetzlichen Fristenstillstände gelten nicht (Art. 145 Abs. 2 ZPO).

Zürich, 19. März 2012 __________________________________ OBERGERICHT DES KANTONS ZÜRICH Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. A. Bernstein-Pomeranz

versandt am:

Schlagwörter

legal aidconciliationdivorce modificationmaintenancenon-entryfamily lawcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether legal aid can be granted for a conciliation proceeding that the law does not require in a divorce-modification matter.

Extrahierter Entscheid

No. Because no conciliation proceeding is provided for by law in this type of case, legal aid for such a proceeding cannot be claimed.

Extrahierte Begründung

The court held that conciliation is generally required before proceedings, but Art. 198 lit. c ZPO exempts divorce proceedings; by analogy with Art. 284 Abs. 3 ZPO, this also applies to actions modifying a final divorce judgment. Since the requested conciliation proceeding is not legally предусмотрен, legal aid is unavailable.

Kernrechtsfrage

Whether the proceedings on the legal-aid request are free of charge.

Extrahierter Entscheid

Yes. The legal-aid proceeding itself is free of charge.

Extrahierte Begründung

Art. 119 Abs. 6 ZPO provides that proceedings concerning legal aid are free of charge.

Kernrechtsfrage

What remedy is available against this order and within what time limit.

Extrahierter Entscheid

A complaint may be filed with the Obergericht within 10 days; the statutory standstill periods do not apply.

Extrahierte Begründung

The president's decision is an առաջին-instance decision under Art. 319 lit. b ZPO, and therefore subject to complaint under Art. 121 ZPO.

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