Obergericht des Kantons Zürich I. Strafkammer
Geschäfts-Nr.: SR170002-O /U/cwo
Mitwirkend: Die Oberrichter Dr. iur. F. Bollinger, Präsident, lic. iur. M. Langmeier und lic. iur. B. Gut sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. S. Maurer Beschluss vom 15. März 2017
i n Sachen
A._____, Gesuchsteller
gegen
Erwägungen: I. Prozessgeschichte 1. Mit Beschluss der II. Strafkammer des Obergerichts Zürich vom 12. Oktober 1998 wurde auf ei ne Direktberufung des Gesuchstellers gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach vom 3. Oktober 1997 ni cht ei ngetreten und es wurden i hm die Kosten des Verfahrens auferlegt (Urk. 4/35 S. 5). Ferner wurden die Ver- fahren GU970260 - GU970267 je mit Verfügung vom 19. September 1997 vom Einzelrichter am Bezirksgericht Zürich als durch Rückzug der Begehren (zufolge unentschuldigten Fernbleibens des Gesuchstellers an der Hauptverhandlung) er- ledigt abgeschrieben und die Gerichtskosten dem Gesuchsteller auferlegt (Urk. 5/1-8). 2. Am 6. Februar 2017 reichte der Gesuchsteller ein Revisionsgesuch betref- fend die obgenannten Entschei de des Bezirksgerichts Zürich vom 19. September 1997 und des Obergerichts Zürich vom 12. Oktober 1998 ein (Urk. 1). Die Akten der Verfahren GU970260 - GU970267 konnten nicht mehr beigezogen werden, da sie gestützt auf § 21 der Archivverordnung (LS 211.16) vernichtet worden si nd (Urk. 3). Die entsprechenden Auszüge aus den Spruchbüchern konnten dagegen noch erhältli ch gemacht werden (Urk. 5/1-8). Sodann wurden die Akten des ober- gerichtlichen Verfahrens SB980572 beigezogen (vgl. Urk. 4). II. Revision 1. Der Gesuchsteller verlangt mit seinem Revisionsgesuch vom 6. Februar 2017 die Revision der Verfügungen des Bezirksgerichts Zürich vom 19. September 1997 (Verfahrens-Nr. GU970260-GU970267) sowie des Be- schlusses des Obergerichts Züri ch vom 12. Oktober 1998 hinsichtlich der Kosten- folgen (Urk. 1 S. 2 und S. 9 f.). Zur Begründung macht er geltend, ihm als langjäh- rigem, arbeits- und mittellosen Sozialhilfeempfänger sei zu Unrecht das Armen- recht nicht gewährt worden, weshalb ihm in all diesen Entscheiden keine Kosten hätten auferlegt werden dürfen. Da es sich um Abwesenheitsurteile gehandelt ha-
be, seien seine Lebens- und fi nanzi ellen Umstände i n jenen Verfahren ni cht ab- geklärt worden (Urk. 1 S. 2 ff.). 2.1 Die Revision oder Wiederaufnahme ist ein ausserordentliches Rechtsmittel, welches es erlaubt, rechtskräftig erledigte Strafverfahren wieder aufzunehmen und den Fall so wieder neu zu beurteilen. Sie ist nur i n engem Rahmen zulässi g. Entsprechend streng sind die Voraussetzungen einer Revision (H EER in: BSK StPO, 2. Aufl., Basel 2014, N 4 und 9 zu Art. 410; SCHMID, Praxiskommentar StPO, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, N 1 zu Art. 410). Die Revisionsgründe sind i n Art. 410 Abs. 1 und 2 StPO abschliessend genannt. 2.2 Wer durch ein rechtskräftiges Urteil beschwert ist, kann gemäss Art. 410 Abs. 1 StPO die Revision verlangen, wenn: • neue, vor dem Entscheid eingetretene Tatsachen oder neue Beweismittel vor- liegen, die geeignet sind, einen Freispruch, eine wesentlich mildere oder we- sentlich strengere Bestrafung der verurteilten Person oder eine Verurteilung der freigesprochenen Person herbeizuführen (lit. a) • der Entscheid mit einem späteren Strafentscheid, der den gleichen Sachverhalt betrifft, in unverträglichem Widerspruch steht (lit. b) • sich in einem anderen Strafverfahren erweist, dass durch eine strafbare Hand- lung auf das Ergebnis des Verfahrens eingewirkt worden ist (lit. c). Darüber hi naus kann nach Art. 410 Abs. 2 StPO unter bestimmten Voraussetzun- gen Revision wegen Verletzung der Konvention zum Schutze der Menschenrech- te und Grundfreiheiten (EMRK) verlangt werden (H EER, a.a.O., N 14 und 34 ff. zu Art. 410 StPO; SCHMID, Praxiskommentar, a.a.O., N 12 ff. zu Art. 410). 2.3 Das Revisionsverfahren gemäss StPO gliedert sich grundsätzlich in zwei Phasen, nämli ch ei ne Vorprüfung (Art. 412 Abs. 1 und 2 StPO) sowie eine ma- terielle Prüfung der geltend gemachten Revisionsgründe (Art. 412 Abs. 3 und 4 sowie Art. 413 StPO). Gemäss Art. 412 Abs. 2 StPO tritt das Gericht auf das Revisionsgesuch nicht ein, wenn es offensichtlich unzulässig oder unbegründet ist oder es mit den gleichen
Vorbringen schon früher gestellt und abgelehnt wurde. Bei dieser vorläufi gen und summarischen Prüfung sind grundsätzlich die formellen Voraussetzungen zu klä- ren. D as Geri cht kann jedoch auf ei n Revi si onsgesuch auch ni cht ei ntreten, wenn die geltend gemachten Revisionsgründe offensichtlich unwahrscheinlich oder un- begründet sind (Urteile des Bundesgerichtes 6B_1042/2015 vom 19. April 2016 E. 4.3, 6B_864/2014 vom 16. Januar 2015 E. 1.3.2; 6B_545/2014 vom 13. November 2014 E. 1.2; 6B_1163/2013 vom 7. April 2014 E. 1.2; 6B_415/2012 vom 14. Dezember 2012 E. 1.1 mit Hinweisen). Eine entsprechende Vorprüfung sah auch das kantonale Prozessrecht vor (vgl. D ONATSCH/SCHMID, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Zürich, 1996, N 1 zu § 440 StPO/ZH; SCHMID, Strafprozessrecht, 4. Aufl., Zürich 2004, N 1161). 3. Die Revision ist gemäss Art. 410 Abs. 1 StPO zulässig gegen rechtskräftige Urteile, Strafbefehle, nachträgliche richterliche Entscheide oder Entscheide im selbständigen Massnahmeverfahren. Somit sind Sachurtei le i m Si nne von Art. 80 Abs. 1 Satz 1 StPO aller Instanzen revisionsfähig (H EER, a.a.O., N 21 zu Art. 410). Eine Revision gegen Beschlüsse und Verfügungen – mit Ausnahme des Strafbefehls – sieht die StPO dagegen nicht vor, da in dieser Form verfahrens- leitende und verfahrenserledigende Entscheide ergehen, die sich grundsätzlich ni cht i m Si nne ei nes Sachurtei ls zu Schuld oder Unschuld und zur Anordnung von Massnahmen äussern (F INGERHUTH in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar StPO, 2. Aufl., Züri ch 2014, N 17 zu Art. 410). Gegen gerichtliche Nichteintretens- und Einstellungsentscheide ist eine Revision nicht möglich (H EER, a.a.O., N 27 zu Art. 410). Auch S CHMID hält hi erzu ausdrücklich fest, dass eine Revision gegen Nichteintretensbeschlüsse des Berufungsgerichtes nicht zulässig ist (SCHMID, Praxiskommentar, a.a.O., Art. 410 N 8). Ferner kann si ch di e Revi si on ni cht auf die Kosten- und Entschädigungsfolgen von Entscheiden beziehen (Botschaft S. 1319 oben; H EER, a.a.O., N 30 zu Art. 410; FINGERHUTH, a.a.O., N 26 zu Art. 410). 4. Das Revisionsgesuch des Gesuchstellers ist somit offensichtlich unzulässig, da die Entscheide, deren Revision der Gesuchsteller beantragt, nicht mittels Re-
vision abänderbar sind. In Anwendung von Art. 412 Abs. 2 StPO ist auf das Revi- sionsgesuch des Gesuchstellers vom 6. Februar 2017 daher ni cht ei nzutreten. III. Kosten Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittel- ve rfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Die Kosten des vorliegenden Verfahrens si nd somit ausgangsgemäss dem Gesuchsteller aufzuer- legen. Angesichts der angespannten finanziellen Situation des Gesuchstellers ist die Gerichtsgebühr auf Fr. 300.– festzusetzen. Es wird beschlossen: 1. Auf das Revisionsgesuch des Gesuchstellers vom 6. Februar 2017 wird ni cht ei ngetreten. 2. Die Gerichtsgebühr wird auf Fr. 300.– festgesetzt. 3. Die Kosten des Revisionsverfahrens werden dem Gesuchsteller auferlegt. 4. Schri ftli che Mi ttei lung an − den Gesuchsteller − die II. Strafkammer des Obergerichts Zürich (in die Akten SB980572). 5. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtli che Beschwerde in Straf- sachen erhoben werden. Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundes- gerichtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.
Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts- gesetzes.
Obergericht des Kantons Zürich I. Strafkammer
Züri ch, 15. März 2017
Der Präsident:
Dr. iur. F. Bollinger
Die Gerichtsschreiberin:
lic. iur. S. Maurer