Obergericht des Kantons Zürich I. Zivilkammer
Geschäfts-Nr.: RT150146-O/U.doc
Mitwirkend: Oberrichterin D r. L. Hunzi ker Schni der, Vorsitzende, Oberrichter Dr. H.A. Müller und Oberrichter lic. iur. M. Spahn sowie Gerichts- schreiber Dr. M. Nietlispach Beschluss vom 22. September 2016
i n Sachen
A._____, Klägerin und Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. X._____
gegen
B._____, Beklagter und Beschwerdegegner
vertreten durch Rechtsanwalt Y._____
betreffend Rechtsöffnung
Beschwerde gegen ein Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfah- ren am Bezirksgericht Pfäffikon vom 16. April 2015 (EB150045-H)
Erwägungen: 1.a) Mit Zahlungsbefehl vom 2. Oktober 2014 des Betreibungsamts Pfäffi- kon ZH betrieb die Klägerin und Beschwerdeführeri n (fortan Klägerin) den Beklag- ten und Beschwerdegegner (nachfolgend Beklagter) für den Betrag von Fr. 90'888.05 zuzüglich Zins, wogegen der Beklagte Rechtsvorschlag erhob (Urk. 5/4). In der Folge ersuchte die Klägerin mit Eingabe vom 3. März 2015 beim Bezirksgericht Pfäffikon, Einzelgericht im summarischen Verfahren (Vorinstanz), einerseits um (selbstständige) Vollstreckbarerklärung der als Rechtsöffnungstitel beigebrachten, in Österreich erstellten vollstreckbaren öffentlichen Urkunde (No- tariatsakt vom 30. August 2011); andererseits beantragte sie, i hr gestützt auf die- se Urkunde und Art. 80 Abs. 2 Ziff. 1 bis SchKG in der Betreibung Nr. 1 des Betrei- bungsamts Pfäffikon ZH definitive Rechtsöffnung über Fr. 90'888.05 zuzügli ch Zins von 11.25% seit 6. August 2014 zu erteilen (Urk. 1 und 3). Mit Datum vom 16. April 2015 fällte die Vorinstanz folgendes Urteil (Urk. 16 = Urk. 20): "1. Der Notariatsakt des öffentlichen Notars Dr. C._____ vom 30. August 2011, Geschäftszahl ..., wird als in der Schweiz vollstreckbar erklärt. 2. Das von der Klägerin in der Betreibung Nr. 1 des Betreibungsamtes Pfäffi- kon ZH (Zahlungsbefehl vom 2. Oktober 2014) gestellte definitive Rechtsöff- nungsbegehren wird abgewiesen. 3. Die Gericht[s]kosten (Pauschalgebühr) werden festgesetzt auf Fr. 500.–. 4. Die Gerichtskosten werden den Parteien je hälftig auferlegt. Sie werden aus dem Kostenvorschuss der Klägerin bezogen, sind ihr jedoch im Umfang von Fr. 250.– vom Beklagten zu ersetzen. 5. Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin eine reduzierte Parteientschädi- gung von Fr. 1'600.– (inkl. Auslagenersatz und MwSt.) zu bezahlen. 6.-9. ... [Mitteilungssatz; Rechtsmittelbelehrung, Hinweis auf Art 145 Abs. 2 ZPO]." b) Hiergegen erhob die Klägerin mit Eingabe vom 14. August 2015 Be- schwerde mit dem Antrag auf Aufhebung der Dispositiv-Ziffern 2-5 des vorinstanz- li chen Urtei ls und Ertei lung der definitiven Rechtsöffnung, unter ausgangsgemäs- ser Neufestsetzung der Kosten- und Entschädigungsfolgen für die Verfahren vor beiden Instanzen; eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Urk. 19 S. 1 f.) . In sei ner Beschwerdeantwort vom 9. Oktober 2015 stellte der Beklagte den Antrag auf vollumfängliche Abweisung der Be-
schwerde, soweit darauf einzutreten sei (Urk. 32). Mit Verfügung vom 14. Juni 2016 wurde das Verfahren auf Ersuchen der Klägerin (Urk. 40) und im Einver- ständnis des Beklagten (Urk. 44) bis 1. September 2016 sistiert (Urk. 45). c) Mit Eingabe vom 29. August 2016 liess die Klägerin mitteilen, dass die Parteien inzwischen einen Vergleich abgeschlossen hätten, in dessen Rahmen sie die Beschwerde zurückziehen werde; zugleich ersuchte sie darum, einstweilen keinen Entscheid zu fällen (Urk. 48). In der Folge zog sie die Beschwerde mit Schreiben vom 9. September 2016, hier eingegangen am 12. September 2016, unter Hi nwei s auf den (nicht zu den Akten gereichten) Vergleich zurück (Urk. 49). Bezüglich der Nebenfolgen beantragt sie, die Verfahrenskosten gemäss dem von den Parteien getroffenen Vergleich zu regeln, d.h. so, dass jede Partei ihre eige- nen Geri chts- und Anwaltskosten trage, falls der Beklagte dazu sei n Ei nverständ- ni s gebe; andernfalls verzichte sie auf diesen Antrag. Der Beklagte liess dazu er- klären, dass er der beantragten Nebenfolgenregelung nicht zusti mmen könne (Urk. 50). Der entsprechende Antrag ist somit hi nfälli g. 2.a) Ein Rechtsmittel kann bis zur Eröffnung des Rechtsmittelentscheids zu- rückgezogen werden (BSK ZPO-Spühler, vor Art. 308-334 N 17; Blickenstorfer, D IK E-Komm-ZPO, vor Art. 308-334 N 89; ZK ZPO-Reetz, Vorbem. Art. 308-318 N 39; Kunz i n: Kunz/Hoffmann-No wotny/S tauber [Hrsg.], ZPO-Rechtmittel – Be- rufung und Beschwerde, Basel 2013, vor Art. 308 ff. N 92 ff.). Als einseitiges Rechtsgeschäft beendigt die gegenüber dem Gericht abgegebene vorbehaltlose und klare Rückzugserklär ung das Rechtsmittelverfa hre n unmi ttelbar. Diesfalls schreibt die Rechtsmittelinstanz das Rechtsmittelverfahren ab (vgl. Art. 241 Abs. 3 ZPO), wobei dem Abschreibungsentscheid rein deklaratorische Bedeutung zukommt. Mi t Ausnahme der darin festzusetzenden Kosten- und Entschädi gungs- folgen ist gegen i hn auch kein Rechtsmittel an das Bundesgericht zulässig (BGE 139 III 133 E. 1.2 und 1.3 S. 133 f.). b) Die Klägerin hat i hre Beschwerde vorbehaltlos ("unwi derrufli ch und mi t sofortiger Wirkung") zurückgezogen (Urk. 49). Das Beschwerdeverfahren ist dem- nach abzuschreiben. Damit bleibt es beim angefochtenen Entschei d und fällt ins- besondere auch eine Änderung der von der Vorinstanz für das erstinstanzliche
Verfahren getroffenen Kosten- und Entschädi gungsregelung durch die Rechtsmi t- teli nstanz ausser Betracht. 3.a) Wie die erstinstanzlichen werden grundsätzli ch auch die zweitinstanzli- chen Prozesskosten der unterliegenden Partei bzw. nach Massgabe des Verfah- rensausgangs auferlegt (vgl. Art. 106 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 ZPO). Bei einem Rückzug des Rechtsmittels gilt diejenige Partei als (im Rechtsmittelverfahren) un- terliegend, die das Rechtsmittel ergriffen und zurückgezogen hat (vgl. Art. 106 Abs. 1 Satz 2 ZPO analog; s.a. Kunz, a.a.O., vor Art. 308 ff. N 97). In besonderen Fällen können die Prozesskosten in Abwei chung von diesem Grundsatz nach Er- messen verteilt werden (Art. 107 ZPO). D afür si nd vorliegend jedoch keine Grün- de ersichtlich. b) Die zwei ti nstanzli c hen Gerichtskosten si nd demnach vollumfänglich der Klägerin aufzuerlegen. Die Entscheidgebühr, deren Bemessung sich nach der Gebührenverordnung zum Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs (GebV SchKG; SR 281.35) richtet (Art. 16 SchKG; BGE 139 III 195 E. 4.2 S. 197 ff.; BGer 5A_28/2013 vom 15. April 2015, E. 2.2; ZR 110 [2011] Nr. 28; s.a. BSK SchKG I-Staehelin, Art. 80 N 69 und Art. 84 N 73), i st i n Anwendung von Art. 48 i.V.m. Art. 61 Abs. 1 GebV SchKG auf Fr. 750.– festzusetzen und mit dem vo n der Klägerin geleisteten Kostenvorschuss (vgl. Urk. 23 und 24) zu verrechnen (Art. 111 Abs. 1 ZPO). Zudem hat die Klägerin dem im Beschwerdeverfahren an- waltlich vertretenen Beklagten für das zwei ti nstanzli c he Verfahren eine nach den Vorschriften der Verordnung über die Anwaltsgebühren (AnwGebV) zu bemes- sende Parteientschädigung zu bezahlen (Art. 105 Abs. 2 und Art. 106 Abs. 1 ZPO; BGE 139 III 195 E. 4.3 S. 199; BSK SchKG I-Staehelin, Art. 84 N 74). Deren Höhe ist auf Fr. 1'620.– (Fr. 1'500.– zuzüglich 8% Mehrwertsteuer) festzusetzen (§ 4 Abs. 1 i.V.m. § 9 und § 13 Abs. 1 und 2 AnwGebV).
Es wird beschlossen: 1. Das Beschwerdeverfahren wird abgeschrieben. 2. Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr wird auf Fr. 750.– festgesetzt.
Züri ch, 22. September 2016
Obergericht des Kantons Zürich I. Zivilkammer
Der Gerichtsschreiber:
Dr. M. Nietlispach versandt am: mc