Obergericht des Kantons Zürich II. Zivilkammer
Geschäfts-Nr.: PS170133-O/U
Mitwirkend: Oberrichterin lic. i ur. A. Katzenstein, Vorsitzende, Oberrichterin lic. i ur. E. Lichti Aschwanden und Ersatzrichter lic. i ur. A. Hui zi nga sowie Gerichtsschreiber lic. i ur. T. Engler Urteil vom 25. Juli 2017 i n Sachen
A._____ GmbH, Schuldneri n und Beschwerdeführeri n,
gegen
Stiftung Auffangeinrichtung BVG, Gläubigerin und Beschwerdegegnerin,
betreffend Konkurseröffnung
Beschwerde gegen ein Urteil des Konkursgerichtes des Bezirksgerichtes Zürich vom 28. Juni 2017 (EK170832)
Erwägungen: 1. 1.1 D i e Schuldneri n und Beschwerdeführerin (fortan Schuldnerin) ist seit dem 8. Dezember 2003 im Handelsregister des Kantons Zürich eingetragen. Sie be- zweckt zusammengefasst die Führung eines Kioskbetriebs, Dienstleistungen i m Bereich Gastronomie und den Handel mit Lebensmitteln und Waren aller Art (act. 6). 1.2 Mit Urteil vom 28. Juni 2017 eröffnete das Konkursgericht des Bezirksge- richts Zürich den Konkurs über die Schuldnerin für eine Forderung der Gläubige- rin und Beschwerdegegnerin (fortan Gläubigerin) von Fr. 18'711.90 nebst 5 % Zins seit 13. Dezember 2016, abzüglich einer Teilzahlung von Fr. 10'000.00 vom 11. April 2017, zuzüglich Betreibungskosten von Fr. 350.60, Mahnkosten von Fr. 50.00 und Verzugszinsen von Fr. 553.70 (act. 3 = act. 7). 1.3 Mit Eingabe vom 30. Juni 2017 erhob die Schuldnerin Beschwerde gegen das Urteil vom 28. Juni 2017. Die Schuldnerin beantragte darin die Aufhebung des Konkurses. Mit weiterer Eingabe vom 30. Juni 2017 stellte die Schuldnerin das Gesuch, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen (act. 2, 5). 1.4 Mit Verfügung vom 3. Juli 2017 wies der Vorsitzende den Antrag auf Ertei- lung der aufschiebenden Wirkung einstweilen ab, setzte der Schuldnerin Frist an, um für das Beschwerdeverfahren einen Kostenvorschuss zu bezahlen, und wies sie auf die Möglichkeit hin, die Beschwerde bis zum Ablauf der Beschwerdefrist zu ergänzen (act. 9). 1.5 Am 6. Juli 2017 reichte die Schuldnerin eine Beschwerdeergänzung mit wei- teren Beilagen zu den Akten (act. 11, 12/1-5). Nach weiteren Hinweisen auf die Anforderungen an die Aufhebung des Urteils über die Konkurseröffnung (act. 13 f.) ging am 11. Juli 2017 eine Bestätigung des Konkursamts Oerlikon-Züri ch über
die Sicherstellung der konkursamtlichen Kosten und derjenigen des erstinstanzli- chen Konkursgeri chts ein (act. 16 f.). 1.6 Mit Verfügung vom 12. Juli 2017 gewährte der Vorsitzende der Beschwerde die aufschiebende Wirkung (act. 18). 1.7 Der Kostenvorschuss von Fr. 750.00 für die Gerichtskosten des Beschwer- deverfahrens wurde fristgerecht geleistet (act. 15). Die Akten des erstinstanzli- chen Verfahrens wurden beigezogen (act. 8/1-12). Das Beschwerdeverfahren er- weist sich als spruchreif. 2. 2.1 Vorbemerkungen: Gemäss Art. 174 Abs. 1 und 2 SchKG kann di e Konkurseröffnung mi t Beschwer- de nach der ZPO angefochten werden. Dabei können neue Tatsachen, die vor dem erstinstanzlichen Entscheid eingetreten sind, uneingeschränkt geltend ge- macht werden. Zudem können im Rahmen der gesetzlich vorgesehenen Kon- kursaufhebungsgründe von Art. 174 Abs. 2 SchKG (Tilgung nach Art. 174 Abs. 2 Ziff. 1 SchKG, Hinterlegung nach Art. 174 Abs. 2 Ziff. 2 SchKG oder Gläubiger- verzicht nach Art. 174 Abs. 2 Ziff. 3 SchKG) auch Noven geltend gemacht wer- den, die erst nach dem erstinstanzlichen Entscheid eingetreten sind. Stützt sich die Beschwerde gegen die Konkurseröffnung auf solche erst nach der Konkurser- öffnung eingetretene Tatsachen, so hat die Schuldnerin zusätzlich zu deren ur- kundlichem Nachweis auch ihre Zahlungsfähigkeit glaubhaft zu machen (Art. 174 Abs. 2 SchKG). Die Beschwerde ist innert einer Frist von 10 Tagen einzureichen und abschlies- send zu begründen (Art. 174 Abs. 1 SchKG; Art. 319 lit. a i.V.m. Art. 309 lit. b Ziff. 7 ZPO). Nachfri sten si nd ni cht zu gewähren (vgl. BGE 136 III 294; OGer ZH PS150067 vom 28. Mai 2015, E. II./1.).
2.2 Konkursaufhebungsg r und: D i e Schuldneri n überwies am 7. April 2017 Fr. 10'000.00 an die Gläubigerin und tilgte den Restbetrag der Konkursforderung (i nkl. Zi nsen bi s zur Konkurseröffnung und Kosten gemäss Konkursandrohung) mit zwei weiteren Zahlungen an di e Gläubigerin von Fr. 3'500.00 und Fr. 6'567.00 vom 26. und 29. Juni 2017 (act. 4/1-3). Zudem hat die Schuldnerin am 11. Juli 2017 die Kosten des Konkursamtes Oerli- kon-Züri ch unter Ei nschluss der ersti nstanzli chen Spruchgebühr mi t Bezahlung von Fr. 1'200.00 sichergestellt (act. 16 f.). Die erste Voraussetzung im Sinne von Art. 174 Abs. 2 Ziff. 2 und 3 SchKG (Ti l- gung/Hinterlegung) ist damit erfüllt. Zu prüfen bleibt die Zahlungsfähigkeit der Schuldneri n. 2.3 Zahlungsfähigkeit der Schuldneri n: 2.3.1 Die Zahlungsfähigkeit ist glaubhaft zu machen, das heisst mittels Urkunden so zu belegen, dass objektiv überprüfbar der Schluss erlaubt wird, es bestehe ei- ne gewisse Wahrscheinlichkeit dafür, die Sachdarstellung des Schuldners treffe zu. Vorausgesetzt wird, dass die Zahlungsfähigkeit wahrscheinlicher erscheint als die Zahlungsunfähigkeit (BSK SchKG II-G IROUD, 2. Auflage 2010, Art. 174 N 26). Ein Beweis, der das Gericht davon überzeugen würde, dass die Sachdarstellung des Schuldners zutreffe, i st ni cht nötig. 2.3.2 Wesentli chen Aufschluss über das Zahlungsver ha lte n und di e fi nanzi elle Lage einer Schuldnerin gibt insbesondere das Betreibungsregister. Die Schuldne- rin reichte einen Betreibungsregisterauszug des Betreibungsamts Züri ch 11 vom 6. Juli 2017 über die vergangenen 5 Jahre zu den Akten (act. 12/3). Dieser weist neben der getilgten Konkursforderung 5 weitere Betreibungen über einen Totalbe- trag von Fr. 6'656.05 aus, welche die Schuldnerin mit Zahlung an das Konkursamt erledigt hat. Dazu kommt eine weitere Betreibung über Fr. 2'739.00, welche die Schuldnerin mittels Rechtsvorschlags stoppte, worauf die Gläubigerin der ent-
sprechenden Betreibung ihren Anspruch (so die Schuldnerin, act. 11 S. 3) ni cht weiter verfolgte. 2.3.3 Die Schuldnerin weist weiter mit Einreichung eines Kontoauszugs der Zür- cher Kantonalbank über ihr Geschäftskonto per 30. Juni 2017 ein Guthaben von Fr. 2'124.26 nach (act.12/4). 2.3.4 Zu ihrem Geschäftsgang erklärt die Schuldnerin, sie betreibe einen Gastro- nomiebetrieb, kaufe die von Gästen konsumierten Waren mit Bargeld und verkau- fe diese Waren entweder gegen Bar- oder gegen Kreditkartenbezahlung. Daher habe sie keine Debitoren oder Kreditoren (act. 11 S. 3). 2.3.5 Gemäss ihrer Erfolgsrechnung für das Jahr 2016 erzielte die Schuldneri n ei nen Gewi nn von Fr. 36'659.30. In der Bilanz der Schuldnerin für das Jahr 2016 stehen dem Fremdkapital (kurzfristige Verbindlichkeiten) von Fr. 38'162.00 flüssi- ge Mittel in Höhe von Fr. 38'930.80 gegenüber (wobei allerdings bei der Position "B._____ Geld-Transferkonto" nicht klar ist, worum es sich handelt; vgl. act. 12/5). 2.3.6 Weitere Unterlagen über ihre Geschäftstätigkeit hat die Schuldnerin nicht eingereicht, obwohl sie auf die Anforderungen an die Glaubhaftmachung der Zah- lungsfähigkeit hingewiesen wurde (act. 9). Dass keinerlei Debitoren und Kredito- ren bestehen, ist nicht anzunehmen, zumal es wie gesehen doch zu einigen Be- treibungen kam (act. 12/3). Eine umfassende Einschätzung der finanziellen Lage der Schuldnerin ist auf die- ser Basis kaum mögli ch. Immerhin sind auf dem Geschäftskonto der Schuldnerin (act. 12/4) verschiedene Gutschriften ersichtlich, und bei einem Kioskbetrieb ist nachvollziehbar, dass zumindest ein sehr grosser Teil der Geschäfte gegen Bar- zahlung erfolgt. Angesichts des soeben zum Betreibungsregisterauszug und zum Geschäftsbe- trieb Gesagten kann zu Gunsten der Schuldnerin angenommen werden, dass die Konkurseröffnung nicht Folge einer dauernden Illiquidität war. Die Schuldnerin er- scheint vor diesem Hintergrund nicht auf unabsehbare Zeit als illiquid. Ihre Zah- lungsfähigkeit ist insgesamt wahrscheinlicher als ihre Zahlungsunfähigkeit.
2.4 Die Schuldnerin hat nach dem Gesagten innert der Rechtsmittelfrist sowohl den Konkurshinderungsgrund der Ti lgung/Hinterlegung nachgewiesen als auch ihre Zahlungsfähigkeit glaubhaft gemacht. Danach ist die Beschwerde gutzuheis- sen, und der über die Schuldnerin am 28. Juni 2017 eröffnete Konkurs ist aufzu- heben. 3. 3.1 Die Kosten beider Instanzen hat die Schuldnerin zu tragen, da sie durch die verspätete Zahlung das Verfahren veranlasst hat. Die Schuldnerin hat die erstin- stanzliche Entscheidgebühr wie erwähnt beim Konkursamt sichergestellt, und die zweitinstanzliche Entscheidgebühr ist mit dem von der Schuldnerin bei der Ober- gerichtskasse geleisteten Vorschuss zu verrechnen. 3.2 Das Konkursamt Oerlikon-Züri ch ist anzuweisen, vom bei ihm einbezahlten Totalbetrag von Fr. 2'600.00 (Zahlung der Schuldneri n: Fr. 1'200.00, Rest des von der Gläubigerin geleisteten Kostenvorschusses: Fr. 1'400.00) der Gläubigerin Fr. 1'800.00 (darin inbegriffen die aus dem von ihr geleisteten Kostenvorschuss bezogene erstinstanzliche Spruchgebühr) und der Schuldnerin einen nach Abzug seiner Kosten allfällig verbleibenden Restbetrag auszuzahlen. 3.3 Der Gläubigerin ist mangels relevanter Aufwendungen im Beschwerdever- fahren keine Prozessentschädigung zuzusprechen. Es wird erkannt: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Entsprechend wird das Urteil des Kon- kursgerichts des Bezirksgerichts Züri ch vom 28. Juni 2017, mit dem über die Schuldnerin der Konkurs eröffnet wurde, aufgehoben. 2. Die erstinstanzli che Geri chtsgebühr von Fr. 400.00 wird bestätigt. 3. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird auf Fr. 750.00 festgesetzt, der Beschwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Barvorschuss ver- rechnet.
Obergericht des Kantons Zürich II. Zivilkammer
Der Gerichtsschreiber:
lic. iur. T. Engler
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