Obergericht des Kantons Zürich II. Zivilkammer als obere kantonale Aufsichtsbehörde über Schuldbetreibung und Konkurs
Geschäfts-Nr.: PS170059-O/U
Mitwirkend: Oberrichter lic. i ur. P. Diggelmann, Vorsitzender, Oberrichterin lic. i ur. A. Katzenstein und Ersatzrichterin Prof. Dr. I. Jent-Sørensen sowie Gerichtsschreiber MLaw P. Klaus Urteil vom 14. März 2017 i n Sachen
betreffend Sicherungsmassnahmen (Beschwerde über das Konkursamt Wald)
Beschwerde gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil vom 10. Februar 2017 (CB160015)
Erwägungen: 1. Mit Urteil vom 28. April 2016 widerrief das Konkursgericht die der Akti- engesellschaft AB._____ gewährte provisorische Nachlassstundung und eröffnete über die Gesellschaft den Konkurs. Die Kammer wies eine dagegen gerichtete Beschwerde am 25. Mai 2016 ab. Das Bundesgericht wies seinerseits am 11. No- vember 2016 eine Beschwerde ab. Da es dieser für die Dauer seines Verfahrens aufschiebende Wirkung zuerkannt hatte, traten die Wirkungen des Konkurses (erst) mit Ausfällung des bundesgerichtlichen Urteils wieder in Kraft (BGE 118 III 37 E. 2b S. 39). Das mit der Durchführung des Konkurses betraute Konkursamt Wald/ZH beauftragte am 6. Dezember 2016 die C._____ AG, welche auf Dienstleistungen im Bereich von Schuldbetreibung und Konkurs spezialisiert ist, insbesondere mit der "Sicherung, Aufnahme und Bewertung des Inventars" und mit der "Feststel- lung und Prüfung Eigentumsansprachen, Vorbereiten Herausgabe Dritteigentum, vorzeitige Herausgabe Dritteigentum in klaren Fällen, allenfalls gegen Hinterlage eines Depots" im Konkurs über die Aktiengesellschaft AB._____ (nunmehr "i n Li- quidation"). Die Schliessung des Betriebes wurde auf den 7. Dezember 2016, 15 Uhr, angesetzt. Die A._____ Liegenschaften AG und die Aktiengesellschaft AB._____ i n Li- quidation, beide vertreten durch D., beschwerten sich über diese Mass- nahmen des Konkursamtes beim Bezirksgericht Hi nwi l als untere Aufsi chtsbehör- de in Schuldbetreibungs- und Konkurssachen. Sie behaupteten, schon seit Län- gerem habe die A. Liegenschaften AG als Grundeigentümerin den Betrieb der Aktiengesellschaft AB._____ in Liquidation übernommen. Es gebe daher kei- nen Betri eb der Konkursi ti n zu schli essen und ni chts zu i nventi eren, zudem be- raube die Schliessung nicht nur den Betrieb jeden Umsatzes namentlich in der guten Zeit des Jahresendes, sondern auch zahlreiche Angestellte ihrer Arbeit und ihres Verdienstes. Das Bezirksgericht wies die Beschwerde am 10. Februar 2017 ab (act. 6). Dagegen führt D._____ wiederum Beschwerde an die Kammer (act. 2).
Recht zur Beschwerde verschaffen, sondern diesfalls wäre das Verfahren der Aussonderung zu beschreiten (angefochtener Entscheid S. 7 E. 3.1). Dem ent- spricht, dass der vom Konkursamt Beauftragten ausdrücklich "Feststellung und Prüfung Eigentumsansprachen, Vorbereiten Herausgabe Dritteigentum, vorzeitige Herausgabe Dritteigentum in klaren Fällen, allenfalls gegen Hinterlage eines De- pots" aufgegeben ist. Auch insoweit ist also auf die Beschwerde nicht einzutreten. Es könnte sich höchstens fragen, ob die Massnahmen des Konkursamtes nichtig seien. Die Pfändung von offenkundig nicht dem Schuldner gehörenden Vermögenswerten ist nichtig (BSK SchKG I-Cometta/Möckli 2. Aufl. 2010, Art. 22 N. 13, mit Hinweisen auf zahlreiche Entscheide des Bundesgerichts). Das lässt sich zwanglos auf das Konkursverfahren übertragen. Zutreffend hat das Bezirks- gericht aber erwogen, die Behauptung der A._____ Liegenschaften AG, einzig sie sei noch i m "A." tätig, sei weder glaubhaft noch bewiesen und erst recht nicht ohne Weiteres klar (angefochtenes Urteil S. 5 ff. E. 2.2-3). Es fehlen vorweg jegli che schri ftli chen Unterlagen zu der behaupteten Betriebsübernahme - das al- lein schliesst "Klarheit" praktisch bereits aus. Der Betrieb einer B., wi e auch immer das im Detail aussah, lässt sich sodann kaum vereinbaren mit dem Zweck der A._____ Liegenschaften AG, der laut Handelsregister wie folgt definiert ist: "Erwerb, Errichtung, Vermietung, Verwaltung, Veräusserung und Vermittlung von Immobilien aller Art. Die Gesellschaft kann im Inland und Ausland Zweignieder- lassungen errichten, im Inland und Ausland Unternehmungen gründen, erwerben und veräussern oder sich an solchen beteiligen, im Inland und Ausland Liegen- schaften kaufen und verkaufen, beleihen, vermitteln und verwalten, Schutzrechte aller Art wie Patente und Lizenzen entwickeln und registrieren lassen, solche er- werben, vergeben und verwerten, Finanz-, Anlage-, Franchising-, Leasing-, Ver- waltungs- und Treuhandgeschäfte durchführen sowie Repräsentations- und Agen- ten-Tätigkeiten übernehmen." - von Hotel, Restaurant und dergleichen ist da nicht die Rede, auch wenn in der Beschwerde (S. 9) das Gegenteil behauptet wird. Auf den mit der Beschwerde an das Bezirksgericht eingereichten Kontobelegen si nd Belastungen für Lohnzahlungen und weitere Ausgaben ersichtlich, hingegen si nd keine Einkünfte belegt - D._____ als für beide Gesellschaften Handelnder kann Zahlungen für sei ne Gesellschaften nach Gutdünken vornehmen (allenfalls unter
Eingehen einer Rückerstattungsverpflichtung für die Schuldneri n); wäre der Be- trieb tatsächlich übernommen worden, müssten aber auch Einnahmen vorhanden sein. Es gibt Arbeitsverträge von Mitte 2016 und später, welche abgeschlossen wurden von der "AB._____ (...) vertreten durch A._____ Liegenschaften AG", resp. von der "AB._____ A._____ Liegenschaften AG" (act. 11/7 und 14/3). Das könnte theoretisch ein Indiz sein, dass die A._____ Liegenschaften AG damit ausdrücken wollte, sie stelle die entsprechenden Personen für einen (eigenen) Betrieb "AB." an. Klar ist das allerdings nicht - umso mehr, als mit der Be- schwerde die Lohnabrechnung für einen unter der oben genannten Bezeichnung eingestellten Mitarbeiter von Ende November 2016 eingereicht wird, welche als Arbeitgeberin ausdrücklich die "Aktiengesellschaft AB." nennt (act. 11/8, Kursivschrift im Original). Die nicht ganz leicht lesbare Beschwerde an die Kam- mer kann nicht schlüssig etwas Anderes dartun. Neue Behauptungen sind pro- zessual unzulässi g. Es wird die Vorgeschichte des Konkurses und Details der Forderung, welche zum Konkurs führte erläutert. Es wird behauptet, dass Gäste und Personal das Haus verlassen mussten. Es wird erläutert, wer aktuell den Pa- pagei füttert und dass bei grosser Kälte die Heizung ausgefallen ist. Es wird da- rauf verwiesen, D._____ habe die Betriebsübernahme dem Konkursamt gegen- über schriftlich behauptet. Und es wird das der unteren Aufsichtsbehörde Vorge- tragene ohne Bezugnahme auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheides wiederholt. Das alles macht es nicht glaubhaft und erst recht nicht bewiesen, dass die Schuldnerin den statutengemässen Betrieb im "A." aufgegeben und der Eigentümerin der Liegenschaften übertragen hat. So weit (sinngemäss) Nichtig- keit geltend gemacht sein sollte, ist die Beschwerde abzuweisen. 4. Offenkundig geht es bei den mittlerweile buchstäbli ch zahllosen Rechtsmitteln und Weiterzügen im Komplex "A." ungeachtet der Erfolgs- aussichten darum, möglichst viele Register zu ziehen, weil "in einem Rechtsstaat niemand exekutiert werden darf, solange Rechtsmittel offenstehen"; schon vor der endgültigen Konkurseröffnung kündigte D._____ an, "Rekurs an das Bundesge- richt (...) Antrag um Widerruf des Konkurses, Wiedererwägung oder Revisionsbe- gehren" zu ergreifen (act. 2/2 im Dossier CB160015 S. 2 unten/S. 3). In der Tat sind bei der Kammer aktuell sechzehn von D._____ verfasste Beschwerden rund
um den "A." anhängig. Das ist mutwillig im Sinne von Art. 20a Abs. 1 Ziff. 5 SchKG. Es sind daher Kosten von Fr. 1'000.-- zu erheben und der A. Lie- genschaften AG und D._____ unter solidarischer Haftung aufzuerlegen. Es wird erkannt: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens werden festgesetzt auf Fr. 1'000.-- und der A._____ Liegenschaften AG und D., ... [Adresse], unter soli- darischer Haftung auferlegt. 3. Schriftliche Mitteilung an die A. Liegenschaften AG, an die Akti enge- sellschaft AB._____ in Liquidation und an D._____ persönlich, an das Kon- kursamt Wald unter Beilage von act. 2, sowie – unter Rücksendung der erst- i nstanzli chen Akten – an das Bezirksgericht Hinwil, je gegen Empfangs- schein. 4. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist i nnert 10 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be- schwerde ri chten si ch nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG).
Dies ist ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG. Es handelt sich um einen Entscheid der kantonalen Aufsichtsbehörde in Schuldbetreibungs- und Konkurssachen im Sinne von Art. 74 Abs. 2 lit. c BGG. Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung.
Obergericht des Kantons Züri ch II. Zi vi lk a mme r
Der Gerichtsschreiber:
MLaw P. Klaus
versandt am: 15. März 2017