Complaint against bankruptcy opening: no stay of enforcement after opening

PS160050Obergericht08.04.2016Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Obergericht dismissed the debtor's complaint against the bankruptcy opening. It held that objections to the existence or enforceability of the claim had to be raised by enforcement objection, not in the complaint under Art. 174 SchKG. It further ruled that once bankruptcy is opened, the enforcement proceedings cease by law, so a stay can no longer be requested or relied upon. The debtor also invoked no post-opening ground under Art. 174 Abs. 2 SchKG such as payment, deposit, or creditor waiver.

Omnilex-Regeste

Art. 174 SchKG; complaint against bankruptcy opening; admissible grounds and post-opening stay of enforcement: In a complaint against the opening of bankruptcy, only circumstances occurring before the first-instance decision may be invoked (consid. 3.1). The debtor may not newly dispute the existence or enforceability of the claim; such objections must be raised by objection in the enforcement proceedings. After the bankruptcy opening, the enforcement proceedings lapse by operation of law under Art. 206 Abs. 1 SchKG, with immediate effect under Art. 175 Abs. 1 SchKG, so that a stay of the enforcement is no longer possible and cannot be advanced as an analogous ground under Art. 173 SchKG (consid. 3.1). The post-opening grounds for setting aside the bankruptcy under Art. 174 Abs. 2 SchKG are exhaustive and must be proved by documents; if none is invoked, solvency need not be examined (consid. 3.2).

Gesamter Gesetzestext

Art. 174 SchKG, Beschwerde gegen die Konkurseröffnung (Gründe). Die Einstellung der Betreibung ist nach Konkurseröffnung nicht mehr möglich, und damit ist eine analoge Berufung auf Art. 173 SchKG in der Beschwerde ausgeschlossen.

Die Konkursitin beruft sich darauf, sie schulde der Gläubigerin nichts, und sinngemäss stützt sie sich darauf, sie habe die Einstellung der Konkursbetreibung verlangt.

(aus den Erwägungen des Obergerichts:)

3.1 Die Beschwerde gegen die Konkurseröffnung kann mit Umständen begründet werden, welche sich vor dem erstinstanzlichen Entscheid ereigneten (Art. 174 Abs. 1 SchKG). Nicht dazu gehört der Einwand, die in Betreibung gesetzte Forderung bestehe nicht oder sei nicht durchsetzbar. Das wäre mit Rechtsvorschlag geltend zu machen gewesen (Art. 74 f. und 78 SchKG), und darum kann die Schuldnerin nicht mit Erfolg geltend machen, sie schulde der Gläubigerin nichts. Es hilft der Schuldnerin darum nicht, dass sie in der ergänzenden Eingabe vom 23. März 2016 mehrfach sinngemäss betont, sie schulde der Gläubigerin nichts (act. 10; sie scheint ausdrücken zu wollen, die Gläubigerin schulde umgekehrt ihr Geld). Möglich bliebe, dass im Rahmen eines Verfahrens nach Art. 85a SchKG (Feststellen des Nichtbestehens einer Schuld) die Betreibung vorläufig eingestellt wurde. Das wäre ein Konkurshinderungsgrund i m ersti nstanzli che n Verfahren gewesen (Art. 173 SchKG); die Schuldnerin versuchte das offenbar zu erwirken, war damit aber nicht erfolgreich. Für die Beschwerde ist es kein zulässiges Argument (Art. 174 SchKG), und das könnte es nur schon vom Ablauf her auch nicht sein: mit der Konkurseröffnung, die sofort wirksam wurde (Art. 175 Abs. 1 SchKG), erloschen sämtliche Betreibungen (Art. 206 Abs. 1 SchKG), und daher kann von diesem Moment an auch kei ne Betreibung (neu) eingestellt werden. Die Betreibung, welche zur Konkurseröffnung führte, hat mit Ausnahme der gesetzlich geregelten Fälle der Konkursaufhebung (dazu nachstehend) keine eigene Bedeutung mehr. D i e Schuldneri n könnte ei nen Verfahrensfehler des Konkursgerichts wie etwa eine mangelhafte Vorladung zur Verhandlung rügen, was sie aber nicht tut.

In der Praxis nicht selten ist sodann die Berufung des Schuldners darauf, er habe die Konkursforderung noch vor der Konkurseröffnung bezahlt, das dem Konkursgericht aber nicht mitgeteilt. Das führt zur Aufhebung des Konkurses unter Kostenauflage an den Schuldner (OGerZH PS110095 vom 6. Juli 2011). Auch diese Variante scheidet hier allerdings aus, da die Vertreterin der Schuldnerin dem Konkursgericht ausdrücklich erklärte, sie werde nicht zahlen (Vermerk auf dem Dossier EK160174). 3.2 Die möglichen Gründe für die Aufhebung des Konkurses aufgrund von nach dessen Eröffnung eingetretenen Umständen sind in Art. 174 Abs. 2 SchKG abschliessend aufgezählt: Tilgung oder Hinterlegung der Forderung, oder Verzicht der Gläubigerin auf die Durchführung des Konkurses. Diese Umstände müssen i nnert der Beschwerdefri st durch Urkunden nachgewi esen (und ni cht nur glaubhaft gemacht) werden, und zusätzlich ist glaubhaft zu machen, dass der Konkursi t zahlungsfä hi g i st. D i e Schuldneri n beruft si ch ni cht auf ei nen solchen Umstand. D ami t erübrigen sich Erwägungen zur Zahlungsfähigkeit.

Obergericht, II. Zivilkammer Urteil vom 8. April 2016 Geschäfts-Nr.: PS160050-O/U

Schlagwörter

bankruptcy openingcomplaintdebt enforcementstay of enforcementobjectionclaim enforceabilitypost-opening groundssolvency

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether a complaint against bankruptcy opening may rely on the debtor's assertion that the claimed debt does not exist or is not enforceable.

Extrahierter Entscheid

No. Such objections had to be raised by objection in the enforcement proceedings and are not admissible grounds in the complaint against the bankruptcy opening.

Extrahierte Begründung

Under Art. 174 Abs. 1 SchKG, only circumstances arising before the first-instance decision may be invoked. The debtor's denial of the debt concerns the merits of the claim and should have been raised by objection under Art. 74 f. and 78 SchKG.

Kernrechtsfrage

Whether a request for stay of the bankruptcy enforcement can be invoked after the bankruptcy has been opened.

Extrahierter Entscheid

No. After the bankruptcy opening, enforcement proceedings cease and a stay can no longer be ordered; by analogy to Art. 173 SchKG, this is therefore excluded in the complaint stage.

Extrahierte Begründung

The bankruptcy opening takes immediate effect under Art. 175 Abs. 1 SchKG and extinguishes the enforcement proceedings under Art. 206 Abs. 1 SchKG. From that moment on, the enforcement can no longer be stayed, so the debtor's argument is legally unavailable in the complaint.

Kernrechtsfrage

Whether the debtor relied on any permissible post-opening ground for setting aside the bankruptcy under Art. 174 Abs. 2 SchKG.

Extrahierter Entscheid

No. The debtor did not invoke payment, deposit of the claim, or waiver by the creditor, and thus no post-opening ground was shown.

Extrahierte Begründung

Art. 174 Abs. 2 SchKG exhaustively lists the post-opening grounds for lifting bankruptcy. Since none was invoked, the court did not need to examine solvency.

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