Costs after withdrawal of bankruptcy petition post-opening

PS150148Obergericht09.09.2015Partially Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The creditor withdrew the bankruptcy request after bankruptcy had already been opened. The debtor appealed successfully, and the appellate court held that such a withdrawal is not equivalent to a withdrawal under Art. 106 ZPO. The bankruptcy is only lifted if the debtor additionally makes solvency credible under Art. 174 Abs. 2 SchKG. Although the appeal succeeded and the bankruptcy opening was set aside, the debtor was charged with the costs of both instances and the bankruptcy office expenses because her conduct had triggered the proceedings. The creditor received no party compensation, but retained a reimbursement claim for amounts taken from her advance.

Omnilex-Regeste

Art. 174 Abs. 2 Ziff. 3 SchKG; Art. 106 ZPO; withdrawal of a bankruptcy petition after opening and allocation of costs: a withdrawal of the creditor's bankruptcy request after the bankruptcy has been opened is not to be treated as a withdrawal of the claim within the meaning of Art. 106 ZPO. The proceedings do not terminate ipso facto; the debtor must still credibly establish solvency for the bankruptcy to be lifted. In this constellation, the strict rule that the creditor bears the costs is relaxed. It may be justified to impose the costs of both instances and the bankruptcy office on the debtor when her payment conduct caused the proceedings, even if the creditor withdrew the request only after the opening. Where no request for compensation is made, no party indemnity is awarded; advances used for costs may be offset, with a reimbursement claim for the entitled party.

Gesamter Gesetzestext

Art. 174 Abs. 2 Ziff. 3 SchKG, Verzicht auf die Durchführung des Konkurses, Art. 106 ZPO, Kostenauflage an die unterliegende Partei. Der Verzicht auf die Durchführung des Konkurses nach Konkurseröffnung muss kein Unterliegen be- deuten.

Der Verzicht auf die Durchführung des Konkurses nach dessen Eröffnung beendet das Verfahren nicht unmittelbar - der Schuldner muss für die Auf- hebung des Konkurses vielmehr zusätzlich den Nachweis seiner Zahlungs- fähigkeit erbringen. Die strenge Praxis der Kostenauflage an den Gläubiger wird gelockert. Anordnungen zu den Kostenfolgen, wenn der Schuldner nicht wie im Fall von Art. 174 Abs. 2 Ziff. 1 oder 2 SchKG auch die Kosten von Konkursgericht und Konkursamt sichergestellt hat.

(aus den Erwägungen des Obergerichts:)

  1. Kosten Die Kosten des Verfahrens trägt grundsätzlich die unterliegende Partei, und der Klagerückzug gilt nach gesetzlicher Vermutung als Unterliegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Davon kann in begründeten Fällen abgewichen werden, namentlich wenn si ch ei ne Partei i n guten Treuen zur Prozessführung veranlasst sah (Art. 107 Abs. 1 lit. b ZPO). Zu beachten ist vorliegend, dass der Rückzug des Konkursbegehrens durch die Gläubigerin nach Konkurseröffnung ni cht als Klagerückzug i m Si nne von Art. 106 Abs. 1 ZPO verstanden werden kann, da der Konkurs dennoch nur dann aufgehoben werden kann, wenn die Schuldnerin ihre Zahlungsfähigkeit glaubhaft macht. Auch kann der Erfolg der Schuldnerin im vorliegenden Rechts- mittelverfahren nicht als Unterliegen der Gläubigerin gewertet werden. Vielmehr rechtfertigt es sich in dieser Konstellation, die Kosten beider Instanzen sowie die allenfalls bereits beim Konkursamt angefallenen Kosten der Schuldnerin aufzuer- legen, hat sie doch durch ihr Zahlungsverhalten das Verfahren veranlasst. Eine Parteientschädigung ist der Gläubigerin jedoch bereits mangels Antrag nicht zu- zusprechen. Die Kosten können mit den geleisteten Vorschüssen verrechnet werden. Die Schuldnerin leistete beim Obergericht einen Kostenvorschuss von Fr. 750.–.

Die Gläubigerin leistete vor Vorinstanz einen Kostenvorschuss von Fr. 1'800.–, woraus Fr. 500.– für die erstinstanzliche Entscheidgebühr bezogen und der Rest an das Konkursamt Männedorf überwiesen wurde. Der Gläubigerin ist für die aus ihrem Vorschuss bezogenen, aber der Schuldnerin auferlegten Kosten ein Rück- forderungsrecht einzuräumen. Es wird erkannt: 1. In Gutheissung der Beschwerde wird das Urteil des Einzelgerichts im sum- marischen Verfahren (Konkurssachen) des Bezirksgerichts Meilen vom 12. August 2015, mit dem über die Schuldnerin der Konkurs eröffnet wurde, aufgehoben. 2. Die zweitinstanzliche Spruchgebühr wird auf Fr. 750.– festgesetzt, der Schuldnerin auferlegt und mit dem von ihr geleisteten Kostenvorschuss ver- rechnet. 3. Die von der Gläubigerin bezogene erstinstanzliche Spruchgebühr von Fr. 500.– wird bestätigt und der Schuldnerin auferlegt. Die Schuldnerin hat der Gläubigerin diese Kosten zu ersetzen. 4. Der Gläubigerin wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 5. Das Konkursamt Männedorf wird angewiesen, vom Rest des von der Gläu- bigerin dem Konkursgericht geleisteten Barvorschusses (d.h. Fr. 1'300.–) den nach Abzug seiner Kosten verbleibenden Restbetrag der Gläubigerin auszuzahlen. Die Schuldnerin wird verpflichtet, der Gläubigerin die aus de- ren Vorschuss bezogenen Aufwendungen des Konkursamtes zu ersetzen.

Obergericht, II. Zivilkammer Urteil vom 9. September 2015 Geschäfts-Nr.: PS150148-O/U

Schlagwörter

bankruptcycostswithdrawalsolvencyappealcourt feesparty compensation

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the bankruptcy opening should be set aside after the creditor withdrew the bankruptcy request post-opening and the debtor showed solvency.

Extrahierter Entscheid

The appeal was upheld and the bankruptcy opening was set aside.

Extrahierte Begründung

A withdrawal of the bankruptcy request after the bankruptcy has been opened is not treated as a withdrawal of claim under Art. 106 ZPO. The proceedings do not end automatically; the debtor must still make solvency credible under Art. 174 Abs. 2 SchKG.

Kernrechtsfrage

How the costs of both instances and the bankruptcy office expenses should be allocated.

Extrahierter Entscheid

The debtor was ordered to bear the second-instance fee, the first-instance fee, and the bankruptcy office expenses, with set-off against advances; the creditor received no party compensation.

Extrahierte Begründung

The strict practice of charging the creditor is relaxed in this constellation. Since the debtor's payment behavior triggered the proceedings, it is appropriate to charge the costs to her, even though the creditor withdrew the request after opening. The creditor's advance created a reimbursement claim for the amounts used to pay costs.

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