Obergericht des Kantons Zürich II. Zivilkammer
Geschäfts-Nr.: PQ150043-O/U
Mitwirkend: Oberrichterin lic. i ur. A. Katzenstein, Vorsitzende, Oberrichter lic. i ur. et phil. D. Glur und Oberrichter Dr. P. Higi sowie Gerichts- schreiberin lic. i ur. I. Vourtsi s-Müller. Beschluss und Urteil vom 14. August 2015
i n Sachen
A._____, Beschwerdeführer
vertreten durch Fürsprecherin X._____
betreffend Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung
Beschwerde gegen ein Urteil des Bezirksrates Horgen vom 12. Juni 2015; VO.2015.11 (Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Horgen)
Erwägungen: I. (Übersicht zum Sachverhalt/Prozessgeschichte) 1. - 1.1 A._____ lebt allein in einer Ei nzi mmerwohnung i n B.. Er ist seit län- gerem nicht mehr in einer Anstellung berufstätig. Erlernt hat er den Beruf eines Chemielaboranten an der ... i n Züri ch. D en Beruf eines Chemielaboranten übte er auch einige Jahre aus. Danach ging er verschiedenen Jobs nach, bevor er eine Anstellung i m Gartenunterhal t bzw. der Gartenpflege fand. Offenbar im Jahre 2001 (vgl. act. 2 S. 6 und KESB-act. 1 S. 3) erlitt er einen Arbeitsunfall: Es wurde ihm der Knochen der grossen Zehe vom Rasenmäher durchtrennt. Seither ist er am Fuss behindert, laut eigenem Bekunden wegen einer ärztlichen Fehlbehand- lung nach dem Unfall (vgl. act. 2 S. 6). Offenbar im Jahr 2005 (vgl. act. 2 S. 2 und KESB-act. 1 S. 3) begann er ohne Lehrstelle die Berufsschule für Gärtner zu be- suchen und absolvierte diese bis kurz vor der Lehrabschlussprüfung . Zu Ab- schlussprüfung wurde er nach eigener Darstellung nicht zugelassen, weil er kei- nen Lehrmeister hatte, der seine praktische Arbeit beurteilen konnte. Ab ca. 2008/09 bis ca. 2013 ging er berufli ch gleichwohl der Gartenpflege nach, und zwar für Verwandte, Bekannte und Nachbarn. Daneben befasst er sich seit länge- rem mit der Hege von Hanfpflanzen (vgl. auch KESB-act. 11 S. 2). In sei ner Ein- zimmerwohnung hatte er bis gegen Ende Oktober 2014 eine entsprechende An- lage mit Hanfstauden. Diese will er nach eigenen Angaben in der Beschwerde- schrift (act. 2 S. 6) nicht zur Produktion von Betäubungsmitteln und/oder zur Auf- zucht von Stecklingen verwendet haben, die er dann verkaufte (so noch KESB- act. 11 S. 3), sondern zur Unterri chtung von "Leute[n] in der Hege und Pflege von Pflanzen" (a.a.O.). Mit den Einkünften aus dieser Unterrichtstätigkeit will er in den letzten Jahren einen Teil der Kosten seines Lebensunterhaltes bestritten haben. Ferner wurde er von seinen Eltern finanziell unterstützt. Diese Unterstützung wur- de mittlerweile offenbar eingestellt (vgl. KESB-act. 20 und 27). 1.2 Am Samstag, 25. Oktober 2014, wurde A. durch Dr. med. C._____, SOS-Arzt, zur fürsorgerischen Unterbringung in die Klinik Sanatorium Kilchberg
eingewiesen. Der Arzt war von der Polizei zur Prüfung ei ner fürsorgeri schen Un- terbringung aufgeboten worden, nachdem die Polizei ihrerseits zuvor von den El- tern von A._____ telefonisch kontaktiert worden war mit der Mitteilung, ihr Sohn sei am D urchdrehen und si e bräuchten Unterstützung (vgl. auch KESB-act. 8). Anlässe der Fürsorgerischen Unterbringung waren zum einen der Zustand der Wohnung, den die Eltern und die Polizei vorfanden (erhebliche Unordnung und Überstellung mi t Flaschen, Unrat und Hanf-"Indooranlage"; vgl. KESB-act. 1, Fotobeilage) sowie vor allem (ausschlaggebend) der aktuelle Zustand, in dem sich der alkoholisierte (1.97 Promille gemäss Atemlufttest) A._____ befand. Er war aufgebracht, zeitweilig aggressiv und zerschmetterte Flaschen am Boden; ei- nem zielgerichteten Gespräch war er ni cht sehr zugänglich; ein Gespräch mit dem Arzt verweigerte er; einem (auch freiwilligen) Klinikbesuch widersetzte er sich ve- hement (vgl. KESB-act. 1 S. 2). In der Kli ni k wurden vo n den behandelnden Ärzt en bei A._____ sowohl eine psychotische Störung (Psychische und Verhaltensstörung durch Cannabinoide gemäss ICD F12.5) als auch zwei Abhängigkeitssyndrome diagnostiziert (Alkohol und multi pler Substanzgebrauch bzw. Konsum von anderen psychotropen Sub- stanzen gemäss ICD F10.2 und F19.2; vgl. KESB-act. 23 S. 1). 1.3 A._____ verlängerte seinen Klinikaufenthalt in der Folge freiwillig bis zum 4. Dezember 2014 und absolvierte dabei einen Alkoholentzug (vgl. auch KESB-act. 11 S. 2). Er nahm zudem während seines Aufenthaltes die Hilfe des Sozialdiens- tes der Kli ni k i n Anspruch (für Anträge auf Sozialhilfe und eine IV-Rente). Für die Zeit nach dem Austritt war offenbar eine ambulante Behandlung bzw. Therapie im Sanatorium in Horgen vorgesehen (vgl. KESB-act. 21). Der nach dem Austritt von A._____ erstellte ärztliche Bericht (KESB-act. 23) erachtet A._____ grundsätzli ch als urteilsfähig, namentlich als fähig, in Angele- genheiten, die er selbst nicht hinreichend zu besorgen vermag, eine geeignete Person als Bevollmächtigte auszuwählen und zu bevollmächtigen, ihr sachge- rechte Weisungen zu erteilen und die Tragweite dessen abzuschätzen (vgl. a.a.O., S. 1/2). Zum Zeitpunkt der Berichterstattung sahen die Ärzte A._____ i n der Lage, den eigenen Haushalt zu führen (vgl. a.a.O., S. 2). Sie stellten hingegen (krankheitsbedinge) Mühen von A._____ fest, sich besonders bei komplexeren
Fragestellungen auf das Wesentliche zu konzentrieren (schnelles Abschweifen von der Thematik, sich Verlieren im Unwesentlichen). Deswegen falle es ihm zum sehr Teil schwer, seine administrativen Angelegenheiten (bezahlen von Rech- nungen, Ausfüllen der Steuererklärung) ohne Hilfe effizient und termingerecht zu erfüllen (vgl. a.a.O., S. 1). 2. - 2.1 Die Kantonspolizei informierte mit Rapport vom 29. Oktober 2014 die Kin- des- und Erwachsenenschut zbe hörde (kurz: KESB) des Bezirks Horgen über die Fürsorgerische Unterbringung von A._____ am 25. Oktober 2014 (KESB-act. 1). Am 1. November 2014 wandten sich ebenfalls die Eltern von A._____ an die KESB (KESB-act. 3), welche erste Abklärungen vornahm. Mit einem Schreiben, das vom 12. November 2014 datiert, wandte sich schliesslich auch A._____ an die KESB. Er ersuchte um Erri chtung ei ner Bei- standschaft für si ch und wünschte die Verei nbarung ei nes Anhörungstermi ns (vgl. KESB-act. 10/1). Die Anhörung fand am 25. November 2014 in der Klinik statt (vgl. KESB-act. 11). Dabei wiederholte A._____ sein Anliegen, zu dem ihm der Sozialdienst der Klinik geraten habe (vgl. a.a.O., S. 2, S. 5). Die KESB holte in der Folge noch einen Arztbericht ein, der am 19. Dezember 2014 bei ihr einging (vgl. KESB-act. 23). Am 14. Januar 2015 fällte die KESB folgenden Beschluss (KESB- act. 25 S. 4 [= act. 4/1/2]): 1. Für A._____ wird eine Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung nach Art. 394 Abs. 1 i.V.m. Art. 395 Abs. 1 ZGB angeordnet. 2. Als Beiständin wird D., Soziale Dienste Stadt B., B., ernannt mit den Aufgabenbereichen, a) A. beim Erledigen der administrativen Angelegenheiten soweit nötig zu vertreten, insbesondere auch im Verkehr mit Behörden, Ämtern, Banken, Post, (Sozial-)Versicherungen, sonstigen Institutionen und Privatpersonen; b) sein gesamtes Einkommen und gesamtes Vermögen sorgfältig zu verwalten; c) soweit notwendig für eine geeignete Wohnsituation bzw. Unterkunft besorgt zu sein und ihn bei allen in diesem Zusammenhang erforderlichen Handlungen soweit nötig zu vertreten; d) A._____ bei seiner beruflichen Entwicklung I Tagesstruktur zu unterstützen und wenn nötig zu vertreten. 3. Die Beiständin wird eingeladen,
a) in Zusammenarbeit mit der KESB Bezirk Horgen unverzüglich ein Inventar per 14. Januar 2015 über die zu verwaltenden Vermögenswerte aufzunehmen; b) nötigenfalls Antrag auf Anpassung der behördlichen Massnahmen an veränder- te Verhältnisse zu stellen; c) per 31. Dezember 2016 ordentlicherweise Rechenschaftsbericht und Rechnung mit Belegen einzureichen. 4. Die Gebühren und Kosten werden nach Abnahme des Inventars erhoben. (5. Rechtsmittelbelehrung – Mitteilungen.) 2.2 A._____ war mit diesem Beschluss der KESB ni cht einverstanden und liess beim Bezirksrat Horgen am 18. Februar 2015 Beschwerde führen (vgl. act. 7/1). Er beantragte in der Sache die ersatzlose Aufhebung des Beschlusses der KESB oder statt dessen allenfalls die Anordnung einer Begleitbeistandschaft durch den Bezirksrat (vgl. a.a.O., S. 2). Weiter wurde um Bewilligung umfassender Rechts- pflege für das bezirksrätliche Beschwerdeverfahren ersucht. Der Bezirksrat setzte der KESB in der Folge Frist zur Vernehmlassung an. Die KESB liess sich im Wesentlichen mit dem Antrag auf Abweisung der Be- schwerde vernehmen (vgl. act. 4/4), worüber A._____ in Kenntnis gesetzt wurde (4/5). Weitere Verfahrenshandlungen von Relevanz nahm der Bezirksrat nicht vor, sondern fällte am 12. Juni 2015 im Wesentlichen nachstehendes Urteil (act. 6 [= act. 4/7 = act. 3): I. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. II. A._____ wird die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und es wird Rechtsanwältin X._____ zu seiner unentgeltlichen Rechtsbeiständin er- nannt. X._____ wird eingeladen, innert 10 Tagen dem Bezirksrat eine Kostennote einzureichen. (III./IV. Rechtsmittelbelehrung – Mitteilung.) 3. Über dieses Urteil des Bezirksrates beschwerte sich A._____ (fortan: der Be- schwerdeführer) mit Schriftsatz vom 20. Juli 2015 (act. 1 ff.) bei der Kammer und liess Folgendes beantragen (act. 1 S. 2): "1. Das Urteil vom 12. Juni 2015 des Bezirksrates Horgen, VO.2015.11/ 3.02.00 sei aufzuheben,
her antragsgemäss in der Person seiner Rechtsvertreterin auch ei ne unentgeltli- cher Rechtsbeiständin zu bestellen. 2. - 2.1 Das Beschwerdeverfahren in Erwachsenenschutzsachen hat die Vorga- ben des ZGB zum Verfahren in den Art. 450 ff. ZGB zu befolgen (vgl. auch Art. 314 ZGB), die Vorschriften des EG KESR (vgl. §§ 63, 65 ff. EG KESR) anzu- wenden und – soweit diese zwei Gesetze nichts regeln – ergänzend die Vorschrif- ten der ZPO und des GOG zu beachten (vgl. Art. 450 f. ZGB und § 40 EG KESR). Das hat u.a. folgende Auswirkungen: - Mit der Beschwerde i.S. der Art. 450 ff. ZGB können eine Rechtsverletzung, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach- verhaltes, Unangemessenheit sowie Rechtsverweigerung und Rechtsverzö- gerung gerügt werden (vgl. Art. 450a ZGB). Für das Verfahren gilt der Unter- suchungsgrundsatz mit der Einschränkung der Rüge- bzw. Begründungsob- liegenheit analog Art. 308 ff. ZPO bzw. Art. 319 ff. ZPO. Von der Beschwerde führenden Partei ist jeweils darzulegen, weshalb der angefochtene Entscheid unrichtig sein soll. Bei der Konkretisierung dieser Anforderungen ist zu be- rücksichtigen, ob eine anwaltliche Vertretung besteht oder nicht (Art. 446 ZGB, §§ 65 und 67 EG KESR sowie BGE 138 III 374, E. 4.3.1 und z.B. OGer ZH NQ110031 vom 9. August 2011, E. 2, m.w.H. [= ZR 110/2011 Nr. 81]). - Mit der Beschwerde ist zudem, wie mit jedem Rechtsmittel, nicht bloss die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides zu verlangen, sondern es ist zu- dem mit entsprechenden Anträgen darzutun, wie in der Sache selbst zu ent- scheiden ist, soweit nicht die Aufhebung des Entscheides zugleich zur Ent- schei dung i n der Sache führt. Zu beachten ist weiter, dass der Kanton Zürich seit dem Inkrafttreten des re- vidierten Kindesschutzrechtes im ZGB zwei gerichtliche Beschwerdeinstanzen kennt, als erste Beschwerdeinstanz den Bezirksrat und als zweite das Oberge- richt. Gegenstand des zweitinstanzlichen Beschwerdeverfahrens können daher stets nur Entscheide des Bezirksrates sein. Dieser ist dabei Vori nstanz und ni cht Gegenpartei (analoges gilt im erstinstanzlichen Beschwerdeverfahren für die KESB bei Beschwerden gegen deren Entscheide).
2.2 Die Beschwerdeschrift führt im Rubrum den Bezirksrat sowie die KESB als Gegenparteien auf. Das ist, wie eben gesehen, unzutreffend und wurde bereits bei der Anlage des Rubrums von Amtes wegen berücksichtigt. Im Übrigen erfüllt die Beschwerdeschrift die vorhin skizzierten Anforderungen an die Begründung und die Antragstellung (der Beschwerdeführer verlangt primär, es sei gar keine Beistandschaft zu errichten). Es steht daher insoweit einem Eintreten auf die Be- schwerde nichts entgegen. 3. - 3.1 Der Bezirksrat hat im angefochtenen Entscheid zunächst die Vorausset- zungen dargelegt, die primär erfüllt sei n müssen, damit eine Beistandschaft er- richtet werden kann (vgl. act. 6 E. 5.1). Er prüfte danach, ob dem entsprechend beim Beschwerdeführer ein Schwächezustand sowie ein daraus resultierendes Unvermögen bestünde, seine eigenen Angelegenheiten hinreichend zu besorgen, so dass die Errichtung der Beistandschaft notwendig erscheine. Er bejahte erste- res (Schwächezustand) aufgrund der im ärztlichen Bericht der Klinik aufgestellten Diagnose. Aufgrund dessen, was sich in der Vergangenheit gezeigt habe, ortete der Bezirksrat sodann ein Unvermögen des Beschwerdeführers, seine Personen- und Vermögensvorsorge sowie den Rechts- und Behördenverkehr selbständig zu besorgen (vgl. a.a.O., E. 5.2, S. 6). Und er fügte dem bei, schliesslich sei der "Re- kurrent" auch nicht fähig, selbständig und aus eigenem Antrieb ein Einkommen zu erzielen (a.a.O., S. 6). Daneben sei er auch nicht fähig, seine persönlichen Ange- legenheiten zu besorgen, weil er zumindest in der Vergangenheit dazu geneigt habe, die alltäglichen Haushaltarbeiten zu vernachlässigen (a.a.O., S. 7). Zu be- achten sei endlich, dass der Beschwerdeführer am 12. November 2014 ein Ge- such um Erri chtung ei ner Bei standschaft an die KESB gerichtet habe. Es sei so- mit beim Beschwerdeführer neben dem Schwächezustand auch ein Unvermögen anzunehme n, die eigenen Angelegenheiten hinreichend zu besorgen. Im Weiteren prüfte der Bezirksrat die Gesichtspunkte der Subsidiarität und Verhältnismässigkeit einer Beistandschaft und legte vorab die rechtlichen Voraus- setzungen dazu dar (vgl. a.a.O., E. 5.3 und 5.4). Er erkannte sodann, Hilfe könnte der Beschwerdeführer nur von seinen Eltern erwarten, die indessen keine Unter- stützung mehr leisten wollten, zumal der Beschwerdeführer diese Art der Unter- stützung auch ablehne.
D i e Anordnung einer Begleitbeistandschaft als mildeste Massnahme verwarf der Bezirksrat sodann als ungeeignet (vgl. a.a.O., S. 9 ff.), im Wesentlichen mit den Argumenten, dem Entscheid der KESB sei zu entnehmen, der vermögens- und einkommenslose Beschwerdeführer sei mit der Erledigung von administrati- ven Aufgaben ohne entsprechende Hilfe überfordert. Gleiches folge aus dem ärzt- li chen Beri cht der Klinik, gemäss dem der Beschwerdeführer Mühe habe, sich zu konzentrieren und administrative Angelegenheiten (wie Bezahlen von Rechnun- gen, Ausfüllen der Steuererklärung) effizi ent und termi ngerecht zu erfüllen. Der ärztliche Bericht halte schliesslich fest, eine Beiständin oder ein Beistand sollte den Beschwerdeführer in den administrativen und finanziellen Angelegenheiten vertreten und sich um das soziale Wohl des Beschwerdeführers kümmern (vgl. a.a.O., S. 10). Es sei klar, dass der Beschwerdeführer auch bis anhin dazu nicht in der Lage gewesen sei. Die Verantwortung für den Umgang mit Behörden und die termingerechte und ordentliche Einreichung von Formularen jeglicher Art kön- ne er nicht übernehmen. Er habe auch eine Person gebraucht, welche ihm gehol- fen habe, einen Antrag auf Sozialhilfe zu stellen und ein Gesuch um eine IV- Rente auszufülle n und werde auch i n Zukunft ei ne Person brauchen, die ihm bei anderen komplexen administrativen Aufgaben vertrete (a.a.O., S. 11). Auch in persönlicher Hinsicht brauche der Beschwerdeführer eine Vertretung (a.a.O., S. 12), namentlich in Bezug auf die Wohnsituation: Es sei der Polizeibericht über die Ereignisse vom 25. Oktober 2014 zu erwähnen, namentlich zum Zustand der Wohnung (überfüllt; offenbar seit längerem mangelnde Wohnungspflege; Ver- wahrlosung); der Beschwerdeführer, der seit etwa sechs Jahren keiner festen Ar- beit nachgehen, sei nach und nach vereinsamt und in letzter Zeit immer mehr. Hinsichtlich seiner beruflichen Zukunft und seiner Tagesstruktur sei er deshalb unbestrittenermassen auf umfassenden Beistand angewiesen (vgl. a.a.O., S. 13). 3.2 Der Beschwerdeführer wendet sich in seiner Beschwerdeschrift (act. 2) aus- führlich gegen den Entscheid des Bezirksrates (im Wesentlichen ab S. 4). Dabei befasst er sich zuweilen auch mit den Erwägungen im Beschluss der KESB, wel- cher indes nicht Gegenstand dieses Verfahrens ist , sondern nur soweit, wie der Bezirksrat die Erwägungen der KESB durch Verweis zu seinen eigenen machte. Das ist in den massgeblichen Erwägungen 5 des Bezirksrates gerade nicht der
Fall (vgl. act. 6 S. 5 ff.), was der Beschwerdeführer offenbar übersieht (vgl. act. 2 S. 4 [dort Ziff. 3]). Im Übrigen lässt der Beschwerdeführer ei nräumen, krank zu sein bzw. an gesundheitlichen, vor allem psychischen Problemen zu leiden, die sehr komplex seien (vgl. a.a.O., S. 9). Eine nach der Entziehungskur in der Klinik noch beste- hende Abhängigkeit von Alkohol sowie überhaupt einen Konsum von Drogen oder psychotropen Substanzen stellt er hingegen in Abrede (a.a.O., S. 4). Er negiert hingegen ni cht, im Rahmen seiner psychischen Probleme gegen Ende Oktober in eine akute Schwächephase gefallen zu sein. Und er negiert ebenfalls nicht, seit längerem in gewissen Dingen auf gewisse Hilfe Dritter angewesen zu sein (u.a. fi nanzi elle Unterstützung ). Diese Hilfe sei mit der Unterstützung zum Antrag auf Sozialhilfe und eine IV-Rente mittlerweile aber im Wesentlichen schon erbracht (vgl. a.a.O., S. 7). Der Beschwerdeführer rügt der Sache nach ferner diverse Sachverhaltsfest- stellungen des Bezirksrates im angefochtenen Entscheid sowie die Folgerungen, die der Bezirksrat daraus zieht (z.B. aus dem Polizeibericht [KESB-act. 1] oder aus dem ärztlichen Bericht [KESB-act. 23]), als ungenau und unvollständig bzw. als nicht haltbar (so etwa dort, wo der Bezirksrat auf früher verweise; vgl. a.a.O., S. 7) oder als sachli ch ni cht nachvollzi ehbar. Prüfungen des Sachverhaltes nach dem Klinikaufenthalt seien unterblieben. Er sei allerdings sehr wohl urteilsfähig und laut dem ärztlichem Bericht aktuell in der Lage, selbständig zu wohnen sowie ihn begleitende Personen oder Bevollmächtigte, wie z.B. einen Begleitbeistand, zu instruieren und die Tragweite solcher in Vertretung vorgenommener Handlun- gen abzuschätzen (vgl. a.a.O., S. 8). Und er erachtet daher die von der KESB an- geordnete Massnahme teilweise als untauglich (etwa im Hinblick auf den Aufbau einer Tagestruktur oder der Abklärung beruflicher Möglichkeiten; vgl. a.a.O., S. 4 [Ziff. 3]) bzw. als zu weit gehend, ihn in seiner Konstitution letztlich gefährdend (vgl. a.a.O., S. 9). 3.3 - 3.3.1 Die rechtlichen Erwägungen des Bezirksrats im angefochtenen Urteil zu den grundlegenden Voraussetzungen, unter denen eine Beistandschaft erst angeordnet werden kann, sowie zu den weiteren Gesichtspunkten, die zu beach- ten sind, wenn die Anordnung eine Beistandschaft im Raume steht, rügt der Be-
schwerdeführer richtigerweise nicht – sie sind durchaus zutreffend. Weiterungen dazu erübrigen sich deshalb an dieser Stelle. 3.3.2 Streckenweise begründet sind die Rügen des Beschwerdeführers am Sach- verhalt, den der Bezirksrat seinem Urteil zugrunde legte, sowie an manchen Schlussfolgerungen, die der Bezirksrat aus dem Sachverhalt bzw. den Akten zog. Das betrifft insbesondere die psychische Störung, an der zu leiden der Beschwer- deführer selbst einräumt, sowie die daraus resultierende allfällige Hilfsbedürftig- keit und deren Umfang. Ni cht zu beanstanden ist an sich, dass der Bezirksrat sich in seinem Urteil auf den ärztlichen Bericht der Klinik Sanatorium Kilchberg (KESB-act. 23) abstütz- te und auf die dort gestellte Diagnose u.a. einer Psychose und Abhängigkeiten u.a. von Alkohol. Denn der Beschwerdeführer bestreitet diese Diagnose im We- sentli chen mit dem blossen Hinweis darauf, seine psychischen Probleme seien komplexer Natur (act. 2 S. 9); das bietet keinen Anlass, an den fachärztlichen Feststellungen einer z.B. Psychose oder einer Abhängigkeit u.a. von Alkohol ernsthaft zu zwei feln. Bei der Diagnose i m ärztli chen Beri cht handelt es sich aller- dings gewissermassen "nur" um ei ne Momentaufnahme, Stand spätestens an- fangs Dezember 2014 (der Beschwerdeführer wurde am 4. Dezember aus der Kli ni k entlassen). Diese "Momentaufnahme" steht sodann weder im Kontext einer Anamnese noch i n ei nem Bezug zu den Therapien in der Klinik sowie deren allfäl- ligen Erfolg im Zeitpunkt der Entlassung des Beschwerdeführers, der ja geltend macht, di e Entzi ehungskur hi nsi chtlich Alkohol sei erfolgreich gewesen (vgl. act. 2 S. 4). Keinen Bezug nimmt der ärztlichen Bericht endlich auf eine allfällige Nach- behandlung, und es folgt auch aus den übrigen Akten nichts Schlüssiges dazu. KESB-act. 21 kann einzig entnommen werden, dass offenbar eine ambulante Be- handlung (Therapie) im Sanatorium in Horgen vorgesehen war. Ob es sich dabei um die ärztliche Behandlung handelt, die der Beschwerdeführer erhalten zu ha- ben angibt, ist unklar. Offen bzw. ungeklärt ist daher, ob die ambulante Behand- lung im Sanatorium Horgen vom Beschwerdeführer in Anspruch genommen wur- de und mit welchem Erfolg. Die Feststellungen des Bezirksrat am 12. Juni 2015 zur Krankheit des Be- schwerdeführers und zum dem daraus gefolgerten Schwächezustand basieren
m.a.W. auf einem Stand der Dinge von spätestens anfangs Dezember 2014, der zudem als rudimentär zu bezeichnen i st. Das schlägt zwangsläufig auch auf die Feststellungen bzw. Schlussfolgerunge n des Bezirksrates zum aktuellen Umfang der Hilfsbedürftigkeit des Beschwerdeführers durch. Diese geben kein aktuelles und verlässliches Bild wieder. Und es lässt sich ein solches auch heute aufgrund der gesamten Akten nicht gewi nnen, zumal der Gesundhei tszusta nd des Be- schwerdeführers und die weitere Vorgeschichte, die zum Vorfall vom 25. Oktober 2014 führten, ebenfalls weitgehend ungeklärt geblieben sind. Zwar kann i n die- sem Zusammenhang durchaus etwa auf KESB-act. 8 (Telefonnotiz) abgestellt werden, nicht zuletzt, weil sich manches des dort Ausgeführten ebenfalls mit dem deckt, was der Beschwerdeführer in der Anhörung äusserte (so etwa zum Zweck seiner "Indoor-Anlage"). Das alles bietet indessen noch kei ne hi nrei chend wei ter- gehende Grundlage und vermag daher ärztliche Feststellungen weder zum aktu- ellen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers noch zu dessen Gesundhei ts- zustand vor dem 25. Oktober 2014 zu ersetzen; Verlässliches zum damit zusam- menhängenden sog. Schwächezustand des Beschwerdeführers und der Frage, wie diesem allenfalls mit geeigneter Hilfestellung begegnet werden könnte, lässt sich daraus ebenso wenig gewinnen. Ni cht zu übersehen i st immerhin ein Zusammenhang zwischen der Episode vom 25. Oktober 2014, die zu einer Fürsorgerischen Unterbringung führte, und dem Gesundheitszustand bzw. den psychischen Problemen des Beschwerdefüh- rers davor; das räumt der Beschwerdeführer letztlich selbst heute noch ei n (vgl. act. 2 S. 3: Wutanfall aus grosser Enttäuschung am 24. Oktober, der ihn veran- lasste, erstmals in seinem Leben mutwillig eine Flasche zu zerstören; deren Scherben konnte er am Folgetag [25. Oktober] nicht beseitigen, weil er seine Bril- le ni cht fand, weshalb er seine Mutter zu Hilfe rief). Über frühere Episoden, die derjenigen vom 25. Oktober 2014 vergleichbar kri senhaft gewesen wären oder di eser nur schon i m Ansatz ähnli ch, i st i n den Akten allerdings ni chts zu fi nden. Verweise des Bezirksrats im angefochtenen Urteil auf Früheres si nd i nsofern ni cht haltbar. 3.3.3 Der Bezirksrat hat die sehr weit gehende Beistandschaft, welche die KESB einst unter dem Eindruck der kri senhaften Episode vom 25. Oktober 2014, der
anschliessenden Fürsorgerischen Unterbringung und dem Anliegen des Be- schwerdeführers um Hilfestellung angeordnet hatte, bestätigt – die dafür erkenn- bar erforderlichen weiteren Sachverhaltsabklärungen hat er jedoch nicht vorge- nommen. Verlässliche Angaben zum Gesundheitszustand bzw. den psychischen Problemen des Beschwerdeführers und deren Auswi rkungen auch i m Si nne ei nes sog. Schwächezustandes vor der Episode des 25. Oktober 2014 und i m Juni 2015 hätten allerdings im Rahmen von Beweiserhebungen ohne Weiteres erhält- lich gemacht werden können (zumal der Beschwerdeführer offenbar schon vor dem Vorfall am 25. Oktober 2014 in ärztlicher Behandlung war; jedenfalls lässt er vo rtragen, er habe vor dem 25. Oktober 2014 keine anderen als ärztlich verordne- te Medikamente eingenommen [vgl. act. 2 S. 4]). Das angefochtene Urteil und die Akten enthalten zudem keine Feststellun- gen dazu, wie der Beschwerdeführer vor und nach seit seiner Entlassung aus der Klinik sein Leben konkret bewältigte. Dass er zuwei len auf gewisse Hilfe ange- wiesen ist, schei nt immerhin evident und ist von ihm einst auch eingeräumt wor- den. Weder das noch die ärztlichen Feststellungen im Bericht zuhanden der KESB zur Urteilsfähigkeit und Fähigkeit des Beschwerdeführers, einen Haushalt zu führen, rechtfertigen indessen vor dem Hintergrund des bislang nur unvollstän- dig geklärten Sachverhaltes eine derart weit gehende Beistandschaft, wie der Be- zirksrat sie im Ergebnis seines Urteils angeordnet hat. Was sachlich wirklich zweckmässig ist bzw. sein kann sowie verhältnismässig, lässt sich sodann ohne die dazu erforderlichen Sachverhaltsergänzungen heute nicht sagen (immerhi n: noch vor der Episode im Oktober 2014 war der Beschwerdeführer offenbar z.B. in der Lage, eine Wohnung zu finden und zu mieten; ebenso offenbar hat er keine Betreibungen erwirkt [vgl. KESB-act. 5]). Möglicherweise bedarf es keine Bei- standschaft oder genügt bereits eine Begleitbeistandschaft, wie sie der Be- schwerdeführer noch im bezirksrätlichen Verfahren befürwortete. Dass der Be- schwerdeführer heute die Dinge nochmals anders sieht, ändert daran ni chts. Was die vorzunehme nde n Beweiserhebungen betrifft, so sind diese auch heute ohne Weiteres noch möglich und nach dem Grundsatz der Wahrung des Instanzenzuges sinnvollerweise durch den Bezirksrat vorzunehmen, wie es der Beschwerdeführer beantragt. Das führt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils
und zur Rückweisung der Sache an den Bezirksrat zur Vervollständigung des Sachverhaltes und zur anschliessenden neuen Beurteilung im Sinne der Erwä- gungen. Mit Blick auf act. 2 S. 10 ist der Hinweis anzubringen, dass das EG KESR keine besonderen Besti mmungen zu den Beweiserhebungen vorsieht. Die- se haben sich daher gemäss § 40 Abs. 1 und 3 EG KESR auf die allgemeinen Verfahrensvorschriften vorab von Art. 448 ZGB i.V.m. Art. 450f ZGB abzustützen (vgl. etwa A UER/MA RTI, i n: BSK-Erwachsenenschut z, Basel 2012, Art. 450f N 4, STE CK, i n: Rosch et al. [Hrsg.], Erwachsenenschutzrecht, 2. A., Basel 2015, Art. 450f N 4) sowie ergänzend – also dort, wo z.B. der Art. 448 ZGB keine eigene Vorschrift aufstellt – auf die Art. 160 ff. ZGB. Das erlaubt u.a. auch die Mitwirkung Dritter – wie die von Ärzten – selbst ohne entsprechende Einwilligung des Be- schwerdeführers. III. (Kosten- und Entschädigungsfolge) Bei diesem Ausgang des Verfahren sind keine Gerichtskosten zu erheben. Die Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsbeiständin für i hre Bemühungen i n die- sem zweitinstanzlichen Beschwerdeverfahren ist einem separaten Beschluss vor- zubehalten, der dann gefällt werden kann, wenn eine Aufstellung i.S.v. § 23 Abs. 2 AnwGebV vorliegt. Der guten Ordnung halber ist bereits heute darauf hin- zuweisen, dass die Entschädigung nach Massgabe der §§ 22 und 23 Abs. 1 An- wGebV anhand von § 13 und § 5 AnwGebV i.V.m. § 2 AnwGebV festzusetzen sein wird. Es wird beschlossen: 1. Dem Beschwerdeführer wird für dieses zweitinstanzliche Beschwerdefahren di e unentgeltliche Rechtspflege bewilligt, umfassend die Befreiung von Ge- richtskosten sowie die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes.
Dies ist ein Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 BGG. Es handelt sich um eine nicht vermögensrechtliche Angelegenheit. Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung.
Obergericht des Kantons Zürich II. Zivilkammer
Die Gerichtsschreiberin:
lic. i ur. I. Vourtsi s-Müller
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