Cost-advance deadline: first extension or grace period?

PC150007Obergericht01.04.2015Modified

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Zurich Court of Appeal held that when a lay plaintiff contests an order to pay a cost advance, good faith requires treating the filing as an implied request for extension. The initial deadline therefore cannot expire with default consequences. The lower court must first reset the original deadline for the advance in the adjusted amount of CHF 1,500. Only if that renewed first deadline is left unused may the court set a grace period under Art. 101(3) CPC. A request for legal aid must be made to the lower court.

Omnilex-Regeste

Art. 101 Abs. 3 ZPO; Erstreckung der ersten Frist für den Kostenvorschuss und Abgrenzung zur Nachfrist. Wird die Pflicht zur Leistung eines Kostenvorschusses angefochten, ist bei Laien nach Treu und Glauben von einem zumindest sinngemässen Gesuch um Fristerstreckung auszugehen; ein solches Gesuch hindert den Ablauf der ersten Frist mit Säumnisfolgen. Die Vorinstanz hat daher zunächst die ursprüngliche Frist neu anzusetzen; erst bei unbenütztem Ablauf dieser neu angesetzten ersten Frist darf die Nachfrist gemäss Art. 101 Abs. 3 ZPO angesetzt werden (E. 5.2).

Gesamter Gesetzestext

Art. 101 Abs. 3 ZPO, Erstreckung der ersten Frist oder Nachfrist? Ein Gesuch um Erstreckung (und sei es auch nur sinngemäss gestellt) verhindert, dass die erste Frist abläuft. Zuerst ist daher diese (erste) Frist noch einmal anzusetzen.

(Erwägungen des Obergerichts:)

5.2 Nach Treu und Glauben ist jedenfalls bei Laien, welche die Verpflich- tung zur Leistung eines Kostenvorschusses anfechten, von einem stillschweigend gestellten Gesuch um eventuelle Fristerstreckung auszugehen. Es verhält sich gleich wie bei Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege, die während laufender Frist zur Bevorschussung gestellt werden, und beim Weiterzug abschlägiger Ent- scheide über solche Gesuche (OGer ZH LB120084 vom 16. Oktober 2012, E. 2.4; vgl. auch BGE 138 III 163). Infolge der Anfechtung der Verfügung vom 12. Feb- ruar 2015 konnte die Frist zur Leistung des Kostenvorschusses somit nicht säum- niswirksam ablaufen. Dem Kläger ist daher die erstmalige Frist zur Leistung des Kostenvorschus- ses (in der angepassten Höhe von Fr. 1'500.00) neu anzusetzen. Die Modalitäten der Vorschussleistung richten sich nach den übrigen Bestimmungen der Verfü- gung vom 12. Februar 2015. Ein Antrag auf Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 117 ZPO) wäre bei der Vorinstanz zu stellen. Erst im Falle des unbenützten Ablaufs der neu angesetzten ersten Frist hät- te die Vorinstanz die Nachfrist im Sinne des Art. 101 Abs. 3 ZPO anzusetzen (vgl. OGer ZH NP110002 vom 27. September 2011 = ZR 110/2011 Nr. 82).

Obergericht, II. Zivilkammer Urteil vom 1. April 2015 Geschäfts-Nr.: PC150007-O/U

Schlagwörter

cost advancedeadline extensiongrace periodgood faithlay partyprocedural time limit

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether contesting a cost-advance order prevents the initial deadline from expiring and requires the first deadline to be set anew before any grace period under Art. 101(3) CPC.

Extrahierter Entscheid

A request for extension, even if only implied, prevents the initial deadline from expiring. The court must first set a new initial deadline; only if that deadline lapses unused may a grace period be fixed.

Extrahierte Begründung

By good faith, especially for laypersons contesting the obligation to pay an advance, an implied request for possible extension must be assumed. Therefore the challenged order could not cause the advance-payment deadline to expire with default consequences.

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