Forced medication lifted after involuntary placement expired

PA140055Obergericht24.12.2014Granted

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

A patient appealed against an order for forced medication by the Psychiatric University Clinic Zurich. The cantonal court held that the involuntary placement, ordered on 28 October 2014, had expired by operation of law after six weeks because no adult-protection authority decision extended it. As a result, there was no longer any legal basis for forced treatment, and the district court judgment was set aside. The court also granted free legal counsel, awarded counsel fees from the court fund, and imposed no court costs on the appellant.

Omnilex-Regeste

Art. 434 ZGB in conjunction with Art. 429 ZGB; forced medication presupposes a valid involuntary placement in an institution for the treatment of a mental disorder. Where an medically ordered placement lapses by operation of law after six weeks and no extension decision by the adult-protection authority is issued in time, the legal basis for coercive treatment ceases. A subsequent renewed placement does not preserve the earlier forced-medication order; rather, a new medical order is required after the interruption (consid. 2). Legal aid and appointment of counsel are granted where indigence, non-frivolousness, and necessity of representation are established.

Gesamter Gesetzestext

Obergericht des Kantons Zürich II. Zivilkammer

Geschäfts-Nr.: PA140055-O/U

Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. A. Katzenstein, Vorsitzende, Oberrichter lic. iur. P. Diggelmann und Ersatzrichter lic. iur. P. Raschle sowie Gerichtsschreiber lic. iur. D. Oehninger. Beschluss und Urteil vom 24. Dezember 2014 in Sachen

A._____, Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____,

sowie

Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, Verfahrensbeteiligte,

betreffend Zwangsmedikation

Beschwerde gegen ein Urteil des Einzelgerichtes (10. Abteilung) des Bezirksgerichtes Zürich vom 5. Dezember 2014 (FF140310)

Erwägungen: I. 1. Der Beschwerdeführer wurde am 28. Oktober 2014 – auf ärztliche Anweisung hin – in der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (hernach PUK) fürsorgerisch untergebracht, nachdem er sich offenbar auch schon früher freiwillig dort aufgehalten hatte (act. 8/3). Am 18. November 2014 lief die mit Urteil vom 11. November 2014 des Bezirksgerichts Zürich genehmigte Dauer der Zwangsmedikation von sieben Tagen ab. Am 18. November 2014 verfügte die PUK erneut die elektive Zwangsbehandlung (act. 8/6). Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit zwei undatierten Eingaben, welche am 24. Oktober 2014 bei der Vorinstanz eingingen, Beschwerde (act. 1/1 und 1/2). Am 4. Dezember 2014 fand in der PUK die vorinstanzliche Anhörung/Hauptverhandlung über die Beschwerde statt und Dr. med. B._____ erstattete dabei sein Gutachten (Prot. Vorinstanz S. 9 ff.). Die Vorinstanz wies die Beschwerde gegen die Zwangsmedikation mit Urteil vom 5. Dezember 2014 ab (act. 12 bzw. act. 13 = act. 18 = act. 21). Hiegegen erhob die Beschwerdeführer mit Eingabe vom 17. Dezember 2014 Beschwerde bei der Kammer (act. 19). 2. Die Zwangsmedikation gemäss Art. 434 ZGB setzt zunächst stets voraus, dass die betroffene Person fürsorgerisch in einer Einrichtung untergebracht worden ist und die Unterbringung zur Behandlung einer psychischen Störung erfolgt sein muss (BSK ZGB I-Geiser/Etzensberger, 5. Aufl. 2012, Art. 434/435 N 13). Gemäss Art. 429 Abs. 1 und 2 ZGB kann eine ärztlich angeordnete fürsorgerische Unterbringung höchstens für sechs Wochen erfolgen. Die fürsorgerische Unterbringung fällt spätestens nach diesen sechs Wochen von Gesetzes wegen dahin, wenn in der Zwischenzeit kein "vollstreckbarer

Unterbringungsentscheid der Erwachsenenschutzbehörde" etwas anderes anordnet. Die fürsorgerische Unterbringung wurde vorliegend am 28. Oktober 2014 durch die Notfallpsychiaterin angeordnet (act. 8/3). Seither ist – soweit für die Kammer ersichtlich – kein Entscheid einer Erwachsenenschutzbehörde ergangen, der eine Verlängerung der fürsorgerischen Unterbringung angeordnet hat. Demgemäss ist die fürsorgerische Unterbringung am 9. Dezember 2014 von Gesetzes wegen dahingefallen, womit auch keine rechtliche Grundlage für eine Zwangsbehandlung mehr besteht bzw. bestand. Daran ändert auch die erst per 19. Dezember 2014 notfallpsychiatrisch neu angeordnete fürsorgerische Unterbringung nichts (act. 28). Der Wegfall der fürsorgerische Unterbringung sowie der nachfolgende zehntägige Unterbruch machen (mit der neuen Anordnung der fürsorgerischen Unterbringung) zwingend eine Neuanordnung der medizinischen Zwangsbehandlung notwendig. Die Beschwerde ist dementsprechend gutzuheissen. 3. Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keine Kosten zu tragen. II. 1. Der Beschwerdeführer lässt um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Bestellung von Rechtsanwalt lic. iur. X._____ zu seinem unentgeltlichen Rechtsbeistand ersuchen (act. 25 S. 2). Das Gesuch erweist sich im Umfang der beantragten Befreiung von Gerichtskosten und Vorschüssen ausgangsgemäss als gegenstandslos. Betreffend die Bestellung von Rechtsanwalt lic. iur. X._____ als unentgeltlicher Rechtsbeistand des Beschwerdeführers ist das Gesuch gutzuheissen, da die Voraussetzungen zur Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Bedürftigkeit, keine Aussichtslosigkeit und Notwendigkeit der Vertretung) vorliegend erfüllt sind. 2. Nach Einsichtnahme in die Eingabe von Rechtsanwalt lic. iur. X._____ vom 21. Dezember 2014 mit der Zusammenstellung über seine Bemühungen und

Auslagen (act. 27), richtet sich die Höhe der Entschädigung nach dem von der Verordnung über die Anwaltsgebühren (AnwGebV ZH) festgesetzten Rahmen. Dieser beträgt für Fälle der fürsorgerischen Unterbringung in der Regel Fr. 100.– bis Fr. 2'000.– (§ 7 AnwGebV) abzüglich die 1/3 bis 2/3 Reduktion von § 13 Abs. 2 AnwGebV. Alles in allem erscheint dem Aufwand und den Gegebenheiten in diesem Verfahren eine Anwaltsgebühr in der Höhe Fr. 1'500.– angemessen. Hinzukommen die von Rechtsanwalt lic. iur. X._____ geltend gemachten Auslangen von Fr. 51.– sowie ein Mehrwertsteuerzuschlag von 8%. Demgemäss ist Rechtsanwalt lic. iur. X._____ wie folgt zu entschädigen: Anwaltshonorar: Fr. 1'500.– Barauslagen: Fr. 51.– Zwischentotal: Fr. 1'551.– Mehrwertsteuer (8 %, gerundet): Fr. 124.10 Vergütung total (inkl. MWST): Fr. 1'675.10

Es wird beschlossen: 1. Das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird im Umfang der Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes gutgeheissen, im weiteren Umfang wird es abgeschrieben. 2. Dem Beschwerdeführer wird Rechtsanwalt lic. iur. X._____ als unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt. 3. Rechtsanwalt lic. iur. X._____ wird für seine Bemühungen und Barauslagen als unentgeltlicher Rechtsbeistand des Beschwerdeführers im obergerichtlichen Beschwerdeverfahren mit Fr. 1'500.– zuzüglich Fr. 51.– (Barauslagen) zuzüglich Fr. 124.10 (8 % Mehrwertsteuer auf Fr. 1'551.–), also total Fr. 1'675.10, aus der Gerichtskasse entschädigt.

Die Nachzahlungspflicht des Beschwerdeführers gemäss Art. 123 Abs. 1 ZPO bleibt vorbehalten. 4. Mitteilung und Rechtsmittel gemäss nachfolgendem Erkenntnis. Es wird erkannt: 1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, und das Urteil des Einzelgerichtes (10. Abteilung) des Bezirksgerichtes Zürich vom 5. Dezember 2014 (FF140310) wird aufgehoben. 2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens fallen ausser Ansatz. 3. Schriftliche Mitteilung an den Beschwerdeführer, an die verfahrensbeteiligte Klinik (vorab per Fax), die Beiständin sowie – unter Rücksendung der Akten – an das Einzelgericht (10. Abteilung) des Bezirksgerichtes Zürich, je gegen Empfangsschein. 4. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Beschwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Dies ist ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG. Es handelt sich um eine nicht vermögensrechtliche Angelegenheit. Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung.

Obergericht des Kantons Zürich II. Zivilkammer

Der Gerichtsschreiber:

lic. iur. D. Oehninger

versandt am: 24. Dezember 2014

Schlagwörter

forced medicationinvoluntary placementadult protectionmental healthlegal aidcourt costsexpiry by operation of law

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the appeal against the order for forced medication should be granted because the involuntary placement had expired by law.

Extrahierter Entscheid

Yes. Once the involuntary placement lapsed, there was no legal basis for continuing or ordering forced medication; a new medical coercive treatment order required a fresh placement.

Extrahierte Begründung

The court found that the medically ordered involuntary placement had lasted more than six weeks without a valid extension decision by the adult protection authority. It therefore ended by operation of law before the appealed forced-medication order could remain effective. A later renewed placement did not cure the legal gap.

Kernrechtsfrage

Whether the appellant was entitled to free legal aid and appointed counsel in the appeal proceedings.

Extrahierter Entscheid

Yes, as to appointed counsel; the request for fee exemption became moot because of the outcome.

Extrahierte Begründung

The court considered the conditions for legal aid met: indigence, non-frivolousness, and need for representation. It therefore appointed the lawyer as free legal counsel and compensated him from the court fund.

Kernrechtsfrage

How the costs of the appeal proceedings and counsel compensation should be allocated.

Extrahierter Entscheid

No court costs were charged to the appellant, and counsel was compensated CHF 1,675.10 from the court fund; reimbursement under Art. 123 para. 1 CPC was reserved.

Extrahierte Begründung

Because the appeal succeeded, the appellant bore no costs. The attorney’s fee was calculated under the cantonal fee schedule, including expenses and VAT.

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